Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon Oilean » Mi 6. Jan 2016, 17:35

Stimmt, Tim. Aber in einem Punkt hast du dich leider getäuscht - ich bin kein "gläubiger Christ" und ich glaube schon gar nicht, dass ein personifizierter Gott die Welt erschaffen hat. Ich bin in Sachen Christentum genauso kritisch wie du, und ich glaube das "organisierte" Religionen immer "Systeme" sind, die irgendjemand missbraucht. Und so ist das auch bei dem Christentum, das wir kennen. Da stimme ich dir voll zu.

Jesus als Person kann ich mir auch vorstellen - wie wohl unter wohl recht anderen Voraussetzungen, als man uns das heute glauben machen möchte. Ich denke, die Welt von damals war nicht so hübsch, wie Bibelgeschichten das ausmalen. Zeigt übrigens auch die aktuelle Forschung, dass wir uns wohl einiges ein wenig anders vorzustellen haben.

Eben der Gedanke, dass ein Jesus möglicherweise relativ dicht an der "Wahrheit" gewesen sein könnte (was genau er gesagt hat, können wir schlüssig nach Jahrhunderten des Verdrehens nicht mehr exakt nachvollziehen) - also, eben dieser Gedanke hat mich eben dazu bewegt, mich im Kontext der christlichen Lehre ein wenig auf die Suche zu machen nach dem, was an "Wissen" oder "Wahrheit" dahinter steckt. Irgendwelche "Ideen" müssen da ja grundlegend mal vorhanden gewesen sein.

Meiner Meinung nach findet man in der christlichen Lehre (wenn man die ganzen Abenteuergeschichten mal weglässt) einige grundlegende Punkte, die relativ ähnlich dem Mahayana-Buddhismus sind (nicht Theravada-Richtungen, weil die sich allein an den Menschen selbst allein richten). Was für mich nicht heißt, dass Jesus zwangsläufig mit buddhistischen Lehren in Kontakt kam - interessanterweise sind ähnliche "Ideen" auch völlig unabhängig in ganz anderen Teilen der Welt entstanden, etwa das tibetische Bön oder die hawaiianische Spiritualität, die praktisch 1:1 buddhistische Erkenntnisse lehrt. Und das ist ja schon ein Stück weg. Und da gibts ein paar grundlegende Punkte, denke ich, die einfach viel zu sehr mit Metaphern überfrachtet sind, die die Leute heute (blöderweise) wörtlich nehmen, weil sie sie nicht begreifen können.

Einer der Punkte ist zum Beispiel, dass es kein "gut und schlecht" gibt, sondern einfach ein Gleichgewicht aller Dinge, wie du das ja auch siehst. Die Geschichte von Adam und Eva erzählt genau das (die gabs nämlich schon früher mal, in einer anderen Kultur, mit einer anderen Interpretation). Die Welt ist anfangs insofern ein "Paradies" weil alles im Gleichgewicht ist, ganz von Natur aus. Die ewig säuselnde Schlange ist unser Verstand, dem wir nicht widerstehen können - und der uns immer wieder verleitet, Dinge in "Gut" und "Böse" einzuteilen (der Baum der Erkenntnis). Adam und Eva haben von den Früchten gegessen, weil sie diese "Unterscheidungsfähigkeit" ganz in sich aufnehmen wollten. Und damit "wie Gott werden" (nämlich alles wissen und lenken, die absolute Kontrolle haben). Das ist der Eigensinn des Menschen, dieses "sich für besser, für überlegen halten", und dieses sich selber total wichtig nehmen - und vergessen, dass wir lediglich ein Teil des ganzen sind, ohne den es auch ganz gut geht. Und das führt letztlich dazu, dass uns die Welt, das natürliche Gleichgewicht der Dinge, in unserem verqueren (von diesem geschluckten Apfel) plötzlich unvollkommen scheint, wir glauben, wir müssten alles verändern, verbessern, "gut machen". Und damit fallen wir aus dem Paradies heraus, haben uns selber hinausgeworfen - weil wir ständig in der Angst leben, in einer unvollkommenen, "falschen" Welt zu sein, und um unser "Überleben" kämpfen zu müssen. Das nächste, was Freund Adam und Madame Eva getan haben, war sich "Kleider" umzuhängen - Mäntelchen von Ideen, Weltkonzepten, "Fortschrittsglauben", Ideologien, die die Welt in bestimmte "gute" und "böse" Teile teilen. Kleider sind aber nicht der Mensch. Sie sind lediglich Mäntelchen, die im Lauf der Geschichte immer wieder wechseln und anders aussehen. Nur der Mensch dahinter bleibt immer der gleiche, aber den sieht man unter seinen Kleidern ja nicht mehr wirklich.

In Wirklichkeit sind wir: eine Herde, einfach eine weitere Spezies auf diesem Planeten - deren Individuen ganz einfach geboren werden und wieder sterben, wie bei einer Herde Karibus. Wir sind nicht "wichtig", nicht die "Krone" irgendeiner Schöpfung oder die "Herren der Welt". Wir sind mit unserer Fähigkeit, uns jederzeit in völlig absurde Ideologien verrennen zu können, und massive und weitreichende und unnatürliche Zerstörungen vor uns selbst jederzeit mit einem Lächeln vor uns selbst rechtfertigen zu können wahrscheinlich mit Abstand die gefährlichste Spezies auf diesem Planeten. Umgekehrt haben wir aber auch die Fähigkeit, BEWUSST zu erkennen, auf welchem Platz wir stehen. Da ist es wieder, das Gleichgewicht der Dinge. :) Fluch und Segen.

Von daher finde ich, ist die Geschichte eine sehr gut gewählte Metapher (sie stammt ursprünglich glaube ich aus einer der altsyrischen Kulturen). Sie analysiert sehr treffend, wie ein ganzer Haufen Blödsinn in unseren Köpfen entsteht (Religionen, Ideologien, falsche Wahrnehmungen der Natur und unserer Bedeutung darin) - und die Geschichte von Kain und Abel folgt folgerichtig genau darauf. Menschen mit unterschiedlichen Ideologien in Verbindung mit Neid beginnen sich gegenseitig zu bekriegen und zu töten - vergessend, dass sie alle Angehörige EINER Art sind. Genau die gleichen Wesen, mit den gleichen Bedürfnissen und Voraussetzungen und am selben Platz. Ich finde das eine sehr weise und kluge Analyse, warum die Welt so ist, wie sie ist (oder damals war, die ursprüngliche Geschichte scheint schon irgendwie 8 - 10.000 Jahre alt zu sein).

In der aktuellen Forschung wird der "Garten Eden" ja irgendwo im persischen Golf verortet, als echtes Land, kurz nach dem Beginn des Ackerbaus. Scheint wohl anfangs eine wirklich friedliche Zeit gegeben zu haben, wo die Menschen im Rhythmus der Natur lebten, und alles hatten, was sie brauchten, und als "Sippe" einfach im Einklang mit der Natur zusammengelebt haben.

Der Ackerbau, die plötzliche Schaffung von "Besitz" (geerntete Nahrungsmittel, Vorräte, Werkzeuge, das Land das ich bebaue) und der Neid haben in Verbindung mit besonderen Ideologien (die mit den Fellen sind "böse Menschen") wahrscheinlich das ewig menschliche Drama dann irgendwann in Lauf gesetzt. Hierarchien, Herrschaften und "Ungleichheiten" und Machtspiele geschaffen. Und bis heute haben wir wohl noch nicht geschafft, in diese völlig natürliche Harmonie zwischen uns und mit der Welt, in der wir leben, wieder zurückzufinden. Zu akzeptieren, was wir sind, zu akzeptieren, dass wir nicht "besser" sind als die Natur - sondern einfach ein Teil von ihr. Und dass unser Größenwahn ziemlich dumm ist.

Ich glaube, so ganz allgemein, dass die frühzeitlichen Kulturen alles andere als primitiv waren - wenn es um echte Weisheit geht. Sie waren der Erkenntnis der Dinge, wie sie sind, wahrscheinlich noch viel näher, als spätere Kulturen das jemals geschafft haben. Und in unserer total verideologisierten Welt schaffen wir es gar nicht mehr, überhaupt die einfachsten, grundlegendsten Wahrheiten überhaupt noch zu erkennen.

Ich denke, die Zeit, wo wir endgültig falsch abgebogen sind, war die römische Zivilisation. Dort wurde Ideologie, Verblendung und Machtstreben mit Gewalt zur Staatsordnung erklärt - und vor allem Gier nach Dingen und Illusionen absolut salonfähig gemacht. Dort hat die Menschheit ganz allgemein den Kontakt zu ihrer Natürlichkeit völlig verloren, und sich ganz dem Größenwahn hingegeben. Dort wo die Römer oder eine vergleichbare Kultur nicht herrschten (etwa im asiatischen Bereich) herrscht ja bis heute eine deutlich weniger illusionsbelastete kulturelle Grundlage (wenn sich das auch langsam zu ändern beginnt, vor allem in den letzten Jahrzehnten). Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Jesus mit vielen dieser alten Schriften in Berührung kam (Juden legten ja immer viel Wert auf Studium und Bildung), und in der Diskrepanz zwischen Judentum und den ganz alten Weisheitslehren gefangen war, und möglicherweise versucht hat, etwas davon ins Judentum einzubringen. Das scheint auch plausibel, wenn man sich ansieht, wie das Judentum ursprünglich entstanden ist - man hat einfach von den kanaanitischen Göttern alle abgeschafft, und sich darauf geeinigt, nur noch einen, nämlich Ba'al, zu behalten (den donnernden, Blitze schleudernden Gewittergott, der Regen und damit Fruchtbarkeit bringt). Mit dem "Bund" den dieser Gott mit einem Mann namens Abraham angeblich geschlossen hat, beginnt das Judentum (quasi ein Vertrag des Gewittergotts mit dem ganzen Volk). Im Lauf der Zeit hat man sich dann hunderte von Regeln überlegt, die dieser Gewittergott angeblich von seinem "Volk" fordert, was man tun darf, und was nicht. Ein bisschen hat man damit wohl auch versucht, mithilfe dieser (für den einzelnen nicht nachprüfbaren) Regeln auch die Gesellschaft zu beeinflussen, zu lenken und zu beherrschen. Der Versuchung konnte wohl niemand widerstehen, wenn's so einfach ging.

Wenn Jesus nun möglicherweise versuchte, die Menschen von den Regel weg zu "natürlich sinnvollen" Erkenntnissen und Verhaltensweisen zu bringen, wird seine Geschichte verständlich. Und auch der Widerstand. Menschen von geliebten und bequemen Illusionen wegzubringen, ist nicht immer eine leichte Aufgabe, und wars auch damals wohl nicht. Und die Römer fühlten sich dadurch natürlich umso mehr bedroht, nämlich in ihrer Herrschaft, die ja allein auf illusionärem "Recht", auf Gewalt und Unterdrückung und auf ihrer gefühlten Überlegenheit (wer nicht lebt wie wir ist ein barbarischer Halbaffe) beruhte.
Mag gut sein, dass das die eigentliche Situation in dieser Zeit war, um die man dann Jahrhunderte später viele Geschichten dazuerfand, oder umdeutete, um das ein bisschen "wunderbarer" machte.

Was mich immer erschreckt dabei, muss ich zugeben, ist, dass unsere Gesellschaft nicht nur genauso agiert wie die römische Denkweise war (wer nicht lebt wie wir, voll Gier, Egoismus und vorgespiegelter Falschheit und Verstellung und ewig ränkeschmiedend) sondern sogar noch viel krasser darin ist. Wir leben heute noch die gleichen völlig irren Werte ("die anderen und wir", Besitz ist Sicherheit, Macht, wir tun so als wären wir der Natur überlegen, wir tun so als würden wir ewig leben, wollen alles nach unseren Vorstellungen formen, ...) - und sind sogar noch viel besser darin, die eigentliche Wirklichkeit zu ignorieren als die Römer das je waren. Wir haben das komplett "mit der Muttermilch aufgesogen", und halten sogar noch genau das für die einzig mögliche "Zivilisation". Gut möglich, wie du sagtest, dass wir echt im Schnellzug auf unseren eigenen Untergang zusteuern. Die Weichen haben wir jedenfalls - als Gesellschaften - schon recht gut gestellt, denke ich auch.

Ich frage mich dann natürlich, ob die Weisheit wir einfach wieder als Jäger und Sammler leben, völlig den Gesetzen der Natur unterworfen, tatsächlich ein sinnvoller Weg ist. Ich denk mir aber, wenn wir einfach die Verblendungen ERKENNEN, und (auch mit unseren modernen Technologien) es schaffen, uns in das Gleichgewicht der Natur wieder völlig einzufügen, das eigentlich genügen müsste, um die Kurve noch zu kriegen. Unsere Lebensweise wird allerdings eine grundlegend andere werden müssen, denk ich mir, wenn wir das auch sozial und gesellschaftlich schaffen wollen. Beides liegt im Moment, so wie ich das sehe, vor allem im Bewusstsein der meisten Menschen noch sehr weit weg. Wir leben und essen praktisch nur noch unsere Illusionen - von ein paar Ausnahmen unter den Menschen mal abgesehen. Und natürlich, gebe ich zu, profitieren eine ganze Anzahl von Menschen und Systemen von dieser massenhaften Komplett-Illusionierung natürlich sehr gut.

hmm... ich weiß nicht, ob das verbieten von Religionen überhaupt sinnvoll machbar ist, um ehrlich zu sein. Vor allem denk ich mir, wenn man einen Bereich der Illusionen auslöscht (sofern das überhaupt gelingt), denke ich, werden ganz einfach andere Illusionen an diese Stelle treten. Ich denk mir, der einzige nachhaltige Weg ist einfach, das Bedürfnis nach Illusionen endgültig auszurotten, und anstattdessen ein echtes und gefühltes (anstatt gedachtes) "echtes" Leben zu setzen. Aber Illusionen sind natürlich viel bequemer für die Menschen - und nützlicher, wenn man ihnen irgendwas einreden will.

Ich finde, dass manchmal der Pali-Buddhismus (also die sehr kurze, ursprüngliche "Lehre", die eigentlich gar keine ist) die Dinge noch auf den einfachsten richtigen Nenner bringt. Etwa: "Unsere menschliche Existenz ist eine Welle in einem großen Ozean, sie erscheint und vergeht dann wieder. Ob die Welle, jede ist einzigartig, nun Teil des Wasser ist, ob ihre Identität bleibt, oder wieder sich in nichts auflöst, das kann man nicht sagen. Darum sollte man schlicht und einfach nicht darüber spekulieren - sondern sich an das halten was ist: Da ist eine Welle". Mehr können wir nicht sagen. Ich denke mir auch, das ist einfach auch der Grund, warum gerade das Ursprüngliche am Buddhismus von vielen einfach rundheraus abgelehnt wird. Keine angenehmen Illusionen, in die man sich flüchten kann. Selbst manche "moderne" buddhistische Richtungen haben ja schon die (eigentlich hinduistische) Reinkarnation importiert, um das Leben ein bisschen hoffnungsfroher und die Religion besser verkaufbar zu machen. :) Tatsache ist aber: wir wissen es schlicht nicht. Und damit kann ich persönlich gut leben - die meisten aber wohl nicht.

Ach ja, und im Punkt "Liebe" möchte ich dann doch ein wenig widersprechen. :) Ich denke, und das erscheint mir plausibel, dass Liebe in der Natur - jedenfalls bei uns Menschen - vor allem als das Verhältnis zwischen Eltern (Mutter) und Kind vorkommt. Möglicherweise erscheint auch deshalb diese Vater-Sohn-Metapher so oft auch in den christlichen Geschichten und zieht sich durch. Für mich ist das so (ich weiß nicht, ob du Kinder hast): Wenn ich als Vater mein Kind betrachte, dann lehne ich es nicht ab - ich nehme es an, mit all seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten (ich hab nämlich auch genauso welche). Ich akzeptiere immer, was ist - mein Kind wird immer mein Kind sein, egal wie viel Scheiß es baut. Ich akzeptiere, was ist, wie es ist, und behüte es liebevoll, wo ich kann. Ich versuche es liebevoll auf seine Fehler aufmerksam zu machen, zu vermitteln, wie ich die Dinge sehe - ohne ihm meine Meinung aufzudrängen. Es darf sein wie es ist, und so wie es ist, ist es immer mein Kind, auf das ich liebevoll achte. Ich versuche Einsicht zu schaffen, ihm zu helfen, zu lernen, und seinen eigenen Weg und sein eigenes Leben zu finden. Zu unterstützen, wo es geht, und zu akzeptieren, was immer ist. Das versuche ich, zu leben. Ich bin nicht perfekt, aber ich kann es versuchen und auf meine Handlungen und auf das Verhältnis zu achten. Niemand muss sich um mich kümmern, dafür bin ich selbst verantwortlich, und ich habe kein Recht das zu verlangen, auch nicht, dass jemand ist, wie ich. Aber ich kann mich um andere Menschen kümmern. Liebevoll, akzeptierend, und helfend.

Und mein persönlicher Gedanke war immer, wenn ich das meinem Kind gegenüber kann (oder versuchen kann) dann kann ich persönlich auch jedem anderen Menschen und der Welt so begegnen. Akzeptieren, was ist, erkennen, was ist, unterstützen wo ich kann - aber einfach frei zu lassen, den eigenen Weg finden zu lassen. Wenn Menschen so miteinander umgehen, entsteht kein Hass, kein Neid. Möglicherweise war das auch der Gedanke, der Jesus bei seinem Wunsch, die Gesellschaft besser und weniger blind regeltreu zu machen, geleitet hat. Keine Ahnung, aber irgendwie scheints plausibel, auch angesichts vieler Metaphern in der Bibel, dass wohl ursprünglich ein solcher oder ein ähnlicher Gedanke dahinter steht.

Leider wurde halt vieles überhaupt nicht kapiert, weil der Grundgedanke nicht klar war. Ich lache immer über den Blödsinn mit der anderen Backe. Der wichtigste Teil daran fehlt nämlich einfach. Sich einfach schlagen zu lassen, halte ich für ausgemachten Blödsinn. Das bessert nichts. In einer anderen Kultur wird diese Geschichte plötzlich klarer: "Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann bleib stehen, und fordere ihn auf, dich auch noch einmal auf die linke Wange zu schlagen - und darauf zu achten, damit er sieht, was er da tut. Nur Einsicht und Erkenntnis kann die Verblendung der Gewalt allein auflösen". Das erscheint mir sehr sinnvoll zu sein - und tatsächlich funktioniert das in vielen Situationen tatsächlich ziemlich gut (ich arbeite unter anderem auch mit ziemlich schwierigen Kids). Es ist einfach ein weiser Weg, denk ich, Gewalt nicht mit Gewalt zu bekämpfen - sondern um Einsicht zu kämpfen. Erscheint irgendwie sinnvoll...

Ich bin mir einfach nicht sicher, ob Religionen Schaden oder Nutzen sind, wenn ich ehrlich bin. Das Christentum speziell in seiner aktuellen Auslegung ist höchst problematisch und gefährlich, da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Andererseits enthält es wenigstens im Kern seiner Ideologie sehr viele Körnchen von sehr tiefen Weisheiten (das war auch immer sein Problem, der Bauer vom Feld denkt nie tiefgründig genug über das Leben nach, um diese Weisheit zu erfassen, weil er das nicht kann). Und ich frag mich halt immer, welche Ideologien anstelle der Religion verstärkt treten, wenn sie aus dem Leben verschwinden (die "Marktwirtschaft" heute ist als moralische Leitlinie ein denkbar schlechter Ersatz, wie man an unserer gegenwärtigen gierigen und egoistischen verlogenen Gesellschaft sieht). Und dass klare Worte ("Wollen schafft Leiden") von großer Weisheit, wie bei Buddha, überhaupt nicht attraktiv sind in ihrem Kern, kann man auch beobachten. Sie würden, wenn man sie versteht, wohl die Ängste nehmen, die Menschen in die Arme von Religionen, Ideologien und institutionalisiertem Egoismus treiben - andererseits sind diese Erkenntnisse, bis man sie hat, eher doch äußerst schmerzhaft. Und das "Werde der, der du tatsächlich bist" (der unverblendete Mensch im Einklang mit der Natürlichkeit) der Taoisten wahr ähnlich erfolglos, wie später der Buddhismus. "Werde einer, der tut was ich will" der Institutionen ist immer ungleich stärker. Allerdings denke ich, muss das nicht zwangsläufig so bleiben - Achtsamkeit greift schon immer wieder mal um sich, wenn auch im Kleinen. Mal sehen, wohin sich das bewegt :)

Ich finds übrigens richtig toll, dass ich auch diese Gedanken mit dir austauschen kann. :) Echt cool :)
Oilean
 

Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon TimC1980 » Do 7. Jan 2016, 01:13

Ich habe auch mit keinem Wort gesagt das Religion an sich ein Problem darstellt. Für sich alleine genommen ist eine Relgion neutral. Das Problem mit den Religionen ist es das sie sich in die Politik. Also in das weltliche Geschehen einmischen. Der Papst trifft Staatsmänner. In manchen Islamischen Ländern ist das Gesetz und die Scharia ein und dasselbe. Solange so etwas passiert wird Religion immer einer negative Kraft in unserem Leben sein. Egal welche Religion egal in welchem Land und egal zu welcher Zeit.
Nun nocheinmal Stichwort Liebe. Anhand deines Beispiels, also du und dein Kind, hast du etwas absolut wesentliches ausser acht gelassen. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Menschen und allen anderen Tieren. Nur der Mensch hat es vollbracht das Angesicht der Erde so entscheiden zu verändern. Woran liegt das. Am Anfang dachte man es liegt an der Fähigkeit des Menschen Werkzeuge zu verwenden. Was wie wir heute wissen Blödsinn ist. Selbst Affen verwenden Werkzeuge. Sie reissen Grasshalme ab und stecken sie in Ameisenhügel um an die Ameisen zu kommen. Aber wo ist nun der Unterschie. Es ist unsere Intelligenz. Unser Bewusstsein von uns selbst und von unserem Platz in unserer Welt. Unser Verstand kann das Begreifen. Der Verstand eines Tieres kann das nicht. Sich um seinen Nachwuchs zu kümmern, ihn zu erziehen, ihn zu behüten, ihn auf sein späteres Leben vorzubereiten hat demnach nichts mit Liebe zu tun. Sondern mit Evulotion. Dein Kind trägt deinen Genpool weiter zum Fortbestand deiner oder vielmehr unserer Rasse. So macht es der Mensch und so machen es auch die Tiere. Und erst danach kommt dein Verstand und dein Bewusstsein ins Spiel, und daraus ensteht Liebe. Es könnte dir ja wichtig sein, das dein Kind auch die Erinnerungen an dich weiterträgt nachdem du nicht mehr bist. So das sich spätere Generationen sich an dich erinnern wer du warst. Und genau das ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier. Hinzu kommt noch das unsere Umweltbedingungen so sind das wir all die Technologie entwickeln konnten die wir heute haben. Einfaches Beispiel. Stell dir vor der Mensch würde unter Wasser leben. Dann wären wir sicher nie zum Mond geflogen. Elektrische Experimente unter Wasser um Raumfahrtechnologie zu entwickeln. Naja so ein Experiment hätten wir genau nur einmal gemacht und dann nie wieder.
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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon Petrichor » So 24. Jan 2016, 00:32

Ich habe mir die ganzen Beiträge nicht alle durchgelesen,
aber auf die Eingangsfrage habe ich die Antwort, dass nicht Gott allein auf der Erde regiert, sondern im Übermaß das Böse (Teufel oder wie man es nennen mag) und den leichteren, verführerischen Weg vorgibt.
Natürlich kann ich auch falsch liegen, aber das ist meine Erklärung dafür. Gott hat das Böse besiegt, aber erst im Himmel wird uns das zu Teil. Auf der Erde regiert das Böse. Eine Macht, die oft stärker ist als das Gute.

Warum lässt Gott zu, das Kinder sterben? Die Gegenfrage kann dann lauten: Warum schenkt Gott uns so viele gesunde Kinder?
Ist es der Ausgleich, der stattfinden muss? Werden gestorbene Kinder zu Schutzengeln?
Manches kann man nicht beantworten.
Petrichor
 

Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon TimC1980 » So 24. Jan 2016, 01:16

Doch das kann man. Den du begehst mit deiner Aussage einen gedanklichen Fehler Petrichor. Du setzt vorraus das Gott das personifizierte Gute ist oder weiss was gut und was böse ist. Wer sagt uns das das so ist. Auf unserer Welt herrschen beides. Gutes und Böses. Und das ist wichtig das es so ist. Nur dadurch das beide Gegensätze vorherrschen können wir den Unterschied erkennen.Gott weiss nichts von Gut und Böse. Was das genau ist definiert der Mensch nicht Gott. Die Natur bestimmt das es zu jeder Kraft eine Gegenkraft geben muss. Und der Mensch definiert wie er diese Wahrnimmt.
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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon Fishman » So 24. Jan 2016, 21:41

Ich habe ehrlich gesagt nicht den ganzen Thread gelesen, möchte aber denjenigen mal ein Buch empfehlen, die sich tiefer mit verschiedenen Perspektiven zum Thema befassen (möchten):

"Der Gottesbegriff nach Auschwitz" von Hans Jonas.
Erschienen bei Suhrkamp, 1987, ISBN 3-518-38016-8.

Ansonsten halte ich mich mit meiner Meinung mal zurück _anonym_
Fishman
 

Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon TimC1980 » Mo 25. Jan 2016, 01:41

Mit dem Inhalt deines angegebenen Buches habe ich eigentlich nur ein Problem. Es passt nicht zu meinem Glauben aufgrund 2 Aussagen. 1. Gott hat die Welt erschaffen. Gott hat die Welt nicht erschaffen. Ich bin Phanteist. Das bedeutet ich glaube das unser Universum ein lebendes Wesen ist das ich Gott nenne.
2. In dem Buch werden Gott wieder menschliche Eigenschaften angedichtet. Er hat nicht auf seine göttlichen Kräfte verzichtet. Er hat sie einfach nicht. Er kann sich gar nicht einmischen, selbst wenn er wollte.
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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon Puck » Mo 25. Jan 2016, 05:31

Hallo,

Zu Zweitens: Dann kanns nach meiner Auffassung unmoeglich Gott sein, muss irgend was anderes sein!
Puck
 

Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon TimC1980 » Mo 25. Jan 2016, 14:31

Wie kommst du zu dieser Auffassung Puck.
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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon Mindfreak » Di 26. Jan 2016, 15:40

Petrichor hat geschrieben: dass nicht Gott allein auf der Erde regiert, sondern im Übermaß das Böse (Teufel oder wie man es nennen mag) und den leichteren, verführerischen Weg vorgibt.
.


Genauso sehe ich das auch.
Christlicher Glaube natürlich vorausgesetzt!
Ja, das Böse ist für den Menschen oft nicht als böse erkennbar. Es ist leichter mit dem Strom zu schwimmen als gegen ihn.
Beide Seiten haben starke Kräfte. Es geschieht viel unrecht (böses) aber auch viel gutes.
Vielen Dank Petrichor für deinen Beitrag!!! _bia_
Mindfreak
 

Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon TimC1980 » Di 26. Jan 2016, 23:48

Und was machen jetzt die, die nicht christlichen Glaubens sind. Ich bin
Das Böse existiert nicht im Übermaß sondern in einem ausgewogenen Gleichgewicht. so wie alles andere auch. Es schwankt etwas dann und wann und dann gleicht es sich wieder aus.
Und sicher ist das Böse erkennbar. Es entscheidet sich nur für jeden anders. Was Böse ist und was nicht.
Und kein Mensch (geistige Gesundheit vorrausgesetzt) hält sicher selber für böse.
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