Cannabis Konsum bei HS

In diesem Forum möchten wir uns kritisch mit Schamanen, spirituellen Heilern, Gurus, Familienaufstellern aber auch konventionellen Therapeuten und euren Erfahrungen und Meinungen dazu auseinandersetzen.

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Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon Dani82 » Do 12. Sep 2019, 16:11

Hallo zusammen,
wusste nicht so recht in welchen Themenblock ich das packen soll. Mich würde mal interessieren, ob es User unter euch gibt, die so wie ich regelmäßig Cannabis konsumieren und wenn ja, was ihr für Erfahrungen im Zusammenhang mit eurer HS gesammelt habt? Ich konsumiere jetzt seit ca. 15 Jahren mehr oder weniger regelmäßig Cannabis. Meine HS ist mir erst seit ca. 1 Jahr bewusst. Dadurch habe ich auch öfter meine Vergangenheit in meinem Kopf Revue passieren lassen. Ich hatte mal eine 4-jährige Beziehung zu einer Frau, für die habe ich 1 Jahr komplett auf den Konsum verzichtet. In diesem Jahr hab ich mich wie der schlechteste Mensch der Welt gefühlt, da ich total unausgeglichen, launenhaft und sogar teils aggressiv war. Mittlerweile ist mir klar, dass es wahrscheinlich meine HS war, die mir damals ja nicht bewusst war. Dadurch habe ich angefangen zu schauen welche Auswirkungen der Konsum auf mich hat und Cannabis noch bewusster einzusetzen als früher. Ihr könnt mich quasi so einordnen, dass ich kein Hardcore Kiffer bin, der den ganzen Tag nur zu Hause sitzt und nichts anderes mehr tut. Ich gehe regelmäßig arbeiten und rauche mir unter der Woche jeden Abend eine Tüte zum einschlafen und am Wochenenden zum Party machen mit Freunden. Ich fühle mich zur Zeit sehr ausgeglichen und wohl, besonders seit mir meine HS bewusst ist.
Hier mal die positiven Aspekte, die mir im Zusammenhang mit Cannabis aufgefallen sind:
1. Ich kann sehr gut durchschlafen, was mir ohne C. oft schwer fällt, da mich Gedankenschleifen oft die Nächte wach liegen liesen.
2. Ich fühle mich ruhig, offen & kontaktfreudiger besonders am Wochenende, wenn ich auf Partys gehe oder in einer größeren Gruppe von Fremden bin. Auch etwas, was mir ohne Cannabis sehr schwer fällt, da bin ich eher ruhig (wortkarg), schüchtern fühle mich beobachtet und bin ziemlich nervös mit fremden Menschen.
3. Es fällt mir leichter meine Gefühle von denen anderer Menschen abzugrenzen. Ich spüre viel genauer, wo die Gefühle anderer anfangen und wo meine aufhören. Normalerweise springen die Gefühle von Menschen auf mich über, wenn jemand schlecht gelaunt oder traurig ist, bin ich es oft ebenso. Wenn ich konsumiert habe bin ich oft so gut gelaunt, dass die negativen Gefühle einfach an mir abprallen, nichts und niemand könnte mir in so einem Moment die Laune verhageln.
4. Es fällt mir voll leicht den Menschen direkt aber höflich mitzuteilen, was ich denke. Ohne C. fällt es mir oft schwer mich mitzuteilen, schlucke meine Gefühle eher runter und bin eher verschlossen.
5. Ich kann negative Gedankenkreisel einfach unterbrechen, unnütze Gedanken können einfach so abgeschaltet werden. Versteht mich nicht falsch, ich kiffe nie wenn ich traurig bin oder einen emotionalen Hänger habe, da weine ich mich erstmal aus und lasse meinen Gefühlen freien Raum. (Ist auch nicht zu empfehlen negative Gefühle wegzukiffen oder zu unterdrücken, da es am nächsten Tag dann 10x schlimmer wird) Was ich meine sind solche Gedanken die unnütz sind, man macht sich ja schon mal Sorgen um die Zukunft und verbeißt sich in irgendwas, was keine Relevanz hat. Dabei kann ich persönlich mich schon mal sehr reinsteigern und regelrechte Zukunftsangst entwickeln, wodurch es mir voll schlecht geht, obwohl eigentlich nichts passiert ist, allein nur durch die negativen Gedanken und Sorgen.
6. Ich kann mich super gut auf alle möglichen Dinge fokussieren, ohne das dabei meine Gedanken in eine andere Richtung driften. Ohne fällt es mir manchmal schwer, mich nur auf eine Sache gleichzeitig zu konzentrieren. Manchmal verliert man sich sehr in Details und verliert auch den Überblick über das große Ganze.
7. Ich nehme mich und meine HS noch intensiver wahr und schaffe es jegliche positiven Stimmungen, Dinge, Musik & Eindrücke in mich aufzunehmen wie einen Schwamm und weiß es in solchen Momenten richtig zu schätzen, dass ich so bin wie ich bin. Es ist auch super schön, dass ich es dann schaffen den Menschen in solchen Momenten auch mitzuteilen wie sehr ich ihre Anwesenheit schätze.(Da C. vieles noch intensiver in der Wahrnehmung macht gilt auch hierbei für uns HS am meisten, nur zu konsumieren, wenn wir in guter oder ausgeglichener Stimmung sind)
8. Oft habe ich den Eindruck, dass der Cannabis-Konsum quasi für mich der Filter ist, der mir im Vergleich zu "normalen Menschen" fehlt.
Was denkt ihr dazu? Ich freu mich auf eure Gedanken zu dem Thema und würde mir wünschen, dass es nur sachliche Beiträge hierzu gibt, die auch auf die Fragestellung und das Thema eingehen. Also bitte nicht moralisieren und das Ganze abwerten. Danke vorab. _mjh_
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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon DesdiNova87 » Do 12. Sep 2019, 20:52

Hi Dani82,

ich habe recht einschlägige Erfahrungen mit Cannabis, inzwischen bin ich aber davon komplett weg. Einfach, weil es mir keinen Spaß mehr gemacht hat und es mir nichts mehr gebracht hat. Dazu kommen noch die offensichtlichen Nachteile.

Z.B. gilt ja bei THC eine Null-Toleranz-Grenze. Sobald du gekifft hast, darfst du wochenlang nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen, weil THC ja nicht wie ein Gift abgebaut wird, sondern im Fett eingelagert wird für lange Zeit. Damit droht bei einer Kontrolle MPU und dauerhafter Führerscheinverlust. Das ist schon ein enormes Risiko, finde ich. Dazu kommt noch, dass man eine Teilschuld oder sogar die ganze Schuld bekommt, sollte man einige Tage oder Wochen nach dem Konsum einen Unfall bauen und Rückstände von THC nachgewiesen werden.

Für mich ganz zentral ist die Beobachtung, dass Cannabis bei jedem Menschen anders wirkt. Von daher denke ich nicht, dass sich generalisierende Aussagen zu ganzen Gruppen wie HSP treffen lassen, da schon jedes Individuum anders auf den Stoff reagiert. Die Wirkung kann sich auch bei einer einzelnen Person auf Dauer verändern.

So kann THC ja z.B. wie du beschreibst angstlösend wirken, was als angenehm emfpunden wird. Es kann aber auch angst-auslösend wirken, und damit Panik und Angstgefühle verstärken oder auslösen.

Oder deine Beobachtung, dass THC bei dir die Kontaktaufnahme zu anderen erleichtert, kann auch genau gegenteilig erlebt werden, wenn jemand von einer starken Indica richtig im couch-lock ist. Auch hier, es ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig.

Dann ein weiterer Punkt den ich wichtig finde, ist die Konsumform. Du schreibst, du rauchst Joints. Da gehe ich ohne weitere Infos jetzt mal davon aus, dass du, wie es in Deutschland verbreitet ist, der Unsitte fröhnst und dein Gras mit Tabak mischst. Somit kombinierst du zwei Drogen miteinander, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben und es kommt zu Wechselwirkungen der Substanzen untereinander.

Soll heißen, was du hier als Genuß von Cannabis propagierst, ist eigentlich der Mischkonsum mit Nikotin. Warum ist das jetzt wichtig? Mal abgesehen davon, dass Mischkonsum immer größere Risiken bietet, wirkt Cananbis alleine anders als mit Nikotin gemischt, es gibt z.B. kein Tabakflash zu Beginn und die Wirkung flutet viel langsamer an. Ohne die Kreislauf-anregende Wirkung von Nikotin geht Cannabis auch noch mehr auf den Kreislauf, als es sowieso schon tut. Die Auswirkung auf den Kreislauf und insbesondere aufs Herz sind für mich sowieso die unchilligsten Eigenschaften vom THC-Rausch. Als täglicher Konsument magst du das nicht mehr so merken, aber wenn du eine längere Pause machst und dann wieder anfängst kennst du es bestimmt auch. Finde es sowieso krass, wenn jemand täglich konsumiert und sein Gehirn die ganze Zeit in unnatürlicher Weise mit Botenstoffen überflutet (gilt genauso für Zigarettenraucher). Das gibt früher oder später Probleme an den verschiedensten Stellen, bin ganz froh aus diesem Hamsterrad raus zu sein.

Viele in meinem Freundeskreis sind Kiffer, und ich komme auch super mit ihnen klar, liegt mir also fern hier irgendjemanden zu verurteilen oder in eine Schublade zu stecken.

99% dieser Kiffer, hat mal versucht pur zu rauchen oder zu vapen, und sie alle sind zum Tabak-Joint zurückgekehrt. Das sagt schon einiges aus finde ich, um welche Droge es den Leuten eigentlich geht und das Cannabis ist für die meisten nur on-top noch mit dabei.

Ich habe eine zeitlang pur konsumiert oder auch gevaped. Mit dem Rauchen von Tabak hatte ich zuvor schon aufgehört und ich wollte nicht riskieren wieder abhängig zu werden. Es ist eine ganz andere Erfahrung, und wie ich schon eingangs sagte, hat es auch schnell ganz seinen Reiz für mich verloren. Es ist einfach geiler, klar im Kopf zu sein, so empfinde ich es inzwischen. Ich bin auch ein sehr aktiver Mensch und Cannabis bremst mich aus. Anders als du kann ich davon auch überhaupt nicht gut schlafen, da ich gerade bei Konsum endlose Gedankenketten in meinem Kopf bekomme. Das nochmal zur unterschiedlichen Wirkung von THC.

Zum Joint nochmal, falls du nur mit gerollten Tips rauchst, was nicht mehr ist als ein Stück Pappe, dann ist das eine sehr ungesunde Konsumform. Man inhaliert den Rauch ja tief und das ganze dann ungefiltert, das ist eine extrem schädliche Geschichte für die Lunge. Als ich pur rauchte, habe ich eine Pfeife mit Aktivkohlefilter benutzt oder halt einen Vaporizer benutzt, was wohl die gesündeste Form ist (man atmet nur Dampf ein und kein Feuer, damit auch kein Kohlenstoffmonoxid).
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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon DesdiNova87 » Do 12. Sep 2019, 20:53

Für alle jungen Mitleser sei noch eines gesagt, die Forschung ist immer noch dabei, Cannabis genau zu studieren, bei einem sind sich sehr viele Studien inzwischen ziemlich einig; Cannabis sollte keinesfalls von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen konsumiert werden, wo das Gehirn noch in großen Entwicklungsprozessen steckt. Es gilt als sicher, dass Cannabis in diesen Phasen eine sehr nachteilige Rolle für die Gehirnentwicklung spielen kann. Lasst bitte in jungen Jahren erst recht die Finger davon, aber auch als Erwachsener birgt der Konsum noch viele Risiken (so wie die meisten anderen Drogen, inklusive der legalen, auch).

Letzter Punkt noch, hört man immer wieder, aber es ist eben auch was dran: Die Strains werden immer weiter auf hohen THC-Gehalt gezüchtet. Das CBD, was die Wirkung von THC etwas ausgleichen kann, wird bei vielen Strains dagegen immer weniger. Es ist in Deutschland fast unmöglich an ein "mildes" Gras zu kommen, hochgezüchtete Sorten dominieren den Markt. Ich wohne an der Grenze zu den Niederlanden und in den Shops dort ist es nicht anders.

Die Sorten heute haben regelmäßig 15% bis über 20% THC, da kann man nicht mehr von leichten Drogen sprechen. Bei täglichem Konsum stellt sich natürlich rasch eine Gewöhnung ein, aber wenn jemand unerfahrenes einen potenten Joint raucht, wird es ihn ziemlich sicher komplett aus den Socken hauen mit greenout oder whiteout. Aufgrund des Schwarzmarkts weiß man auch nie was man bekommt. Von daher wäre eine Legalisierung und eine kontrollierte Abgabe vermutlich eine gute Sache.

Hoffe das kommt jetzt nicht als Moralpredigt rüber,
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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon wind-und-wellen » Fr 13. Sep 2019, 00:06

Wow - heißes Thema hier...!

Cannabis ist und bleibt eine illegale Droge - auch wenn es in bestimmter Form heutzutage auch medizinisch eingesetzt wird.

Ich kann nur an einen verantwortungsvollen Umgang appellieren - Werbeveranstaltungen find ich deplaziert!

In diesem Sinne: Ich mag keine "dicke Luft" - und tschüß! sdj9
Liebe Grüße von wind-und-wellen

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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon DesdiNova87 » Fr 13. Sep 2019, 01:15

Hi wind-und-wellen,

ich hoffe du meinst jetzt nicht mich mit Werbeveranstaltung. Habe einfach nur meine Erfahrungen geschildert und schon auf einige rechtliche Aspekte hingewiesen. Vielleicht hätte ich da noch mehr drauf eingehen sollen, aber ich hatte schon die Zeichenbegrenzung überschritten und wollte mich dann kurz fassen, so gut es ging.

Und machen wir uns nichts vor; Cannabis ist in der heutigen Jugendkultur omnipräsent, da bedarf es nicht noch zusätzlicher Werbung. Ein Gespräch über Risiken und Gefahren finde ich da schon sinnvoll.

Ich lebe wie oben angemerkt im Grenzgebiet zu den Niederlanden und hier hat wohl der Großteil der (jüngeren) Bevölkerung Cannabis zumindest mal probiert, so dass ich den Austausch darüber jetzt nicht so ungewöhnlich finde. Das wird in anderen Gegenden Deutschlands (Bayern...) sicher ganz anders empfunden, von daher will ich hier niemanden in irgend einer Form zu nahe treten, war jedenfalls nicht meine Absicht.


Das Thema ist wohl schon (mindestens?) zweimal in der Vergangenheit hoch gekommen:


http://www.xn--treffpunkt-hochsensibili ... t7318.html

http://www.xn--treffpunkt-hochsensibili ... t5906.html

Bei den beiden Links muss man vorne noch dieses komische xn-gedöns anfügen, das bekomme ich grade vom Handy aus nicht hin, werde ich morgen noch editieren. Denke man findet die Themen aber auch so.

EDIT: Links überarbeitet.
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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 14. Sep 2019, 09:28

Ich habe mich zu Studienzeiten sehr für Cannabis u. ä. interessiert – in Theorie und Praxis.
Kennt jemand Aldous Huxley‘s „Pforten der Wahrnehmung“? – Seine Theorie besagt jedenfalls das Gegenteil zu dem vom TE erstellten Postulat:
Dani82 hat geschrieben:8. Oft habe ich den Eindruck, dass der Cannabis-Konsum quasi für mich der Filter ist, der mir im Vergleich zu "normalen Menschen" fehlt.

Nach Huxley führen halluzinogene Substanzen (ich zähle hoch dosiertes THC dazu) aber genau dahin, die Pforten/Filter, die für das Alltagsleben Schutz bieten sollen, zu öffnen. Und zwar für Erfahrungen, die bei der üblichen Informationsverarbeitung sonst reduziert und rausgefiltert würden. Daher ja auch die Bezeichnung „bewusstseins-erweiternde Drogen“.

Wenn man laut HS-Konzept als HSP also eh schon eine geringere Filterung als normale Menschen aufweist, müsste dann wohl Cannabis diese noch weiter aufmachen (das kann ich persönlich aus meiner Erfahrung bestätigen. Und weil mir das zu viel wurde, habe ich meine Selbstversuche dann auch eingestellt. – Der klare Kopf ist mir doch ein Geschenk!!! :-) ).

Und noch was zur gewünschten Sachlichkeit, meint also weder zur Verteufelung, noch allerdings auch zur Glorifizierung:

Die gesetzliche Möglichkeit, medizinisches Cannabis zu verordnen, besteht seit März 2017. – Allerdings wird ärztlicherseits kritisch diskutiert, dass dies von der Politik eher aus Opportunismus als auf der Basis gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse veranlasst wurde.
So ergab eine Auswertung von 2000 Studien zu Cannabisgabe bei verschiedenen Krankheitsbildern (Schmerz, Epilepsie, MS, psychischen Erkrankungen etc.) tatsächlich geringe bis keine fundierte und gesicherte Datenlage zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Cannabis als Arzneimittel!

Wen’s interessiert, z. B.:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/19519 ... -gefordert

Vielleicht hätte ich dem Kraut aus alter Freundschaft icon_winkle was anderes gewünscht, aber so sind nun mal (bislang) die Fakten.
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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon DesdiNova87 » Sa 14. Sep 2019, 11:27

Hi Anima,

sehr interessanter Beitrag von dir!

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Ich habe mich zu Studienzeiten sehr für Cannabis u. ä. interessiert – in Theorie und Praxis.


Diese Formulierung muss ich mir merken, hört sich besser an als zu sagen, ich habe als Student ab und zu gekifft^^

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Nach Huxley führen halluzinogene Substanzen (ich zähle hoch dosiertes THC dazu) aber genau dahin, die Pforten/Filter, die für das Alltagsleben Schutz bieten sollen, zu öffnen. Und zwar für Erfahrungen, die bei der üblichen Informationsverarbeitung sonst reduziert und rausgefiltert würden. Daher ja auch die Bezeichnung „bewusstseins-erweiternde Drogen“.

Wenn man laut HS-Konzept als HSP also eh schon eine geringere Filterung als normale Menschen aufweist, müsste dann wohl Cannabis diese noch weiter aufmachen (das kann ich persönlich aus meiner Erfahrung bestätigen. Und weil mir das zu viel wurde, habe ich meine Selbstversuche dann auch eingestellt. – Der klare Kopf ist mir doch ein Geschenk!!! :-) ).


Unterm Strich ist es mir genauso ergangen. Wobei man nicht vergessen sollte, dass Cannabis bei jedem anders wirkt, so dass ich Dani82 in seiner Erfahrung genauso Glauben schenke. Ein Freund von mir scheint diese "Öffnung der Pforten" auch nicht zu haben, bzw. nicht so bewusst zu erleben wie wir.

Ich bin generell schon jemand der unheimlich viel wahrnimmt und wenn ich dann Cannabis geraucht hatte, vor allem pur, wurde das noch erheblich intensiviert. Ich erinnere mich z.B. an die Begegnung mit einer Wespe im Flur unserer WG. Ich konnte richtig spüren, wie mein Unterbewusstsein auf das wehrhafte Tier reagierte. Die Reaktionen laufen ja sonst verdeckt ab in solchen Situationen, man sieht die Farbe des Tieres und die Instinkte setzen ein, man lässt Vorsicht walten, ergreift die Flucht oder greift an, ohne groß darüber nachzudenken. Under the influence habe ich diese Vorgänge im Inneren ein Stück weit wahrnehmen können.

Und so hat Cannabis generell bei mir gewirkt, der Fokus auf mein eigenes Bewusstsein und Unterbewusstsein. Und wie bei dir auch, ist mir das irgendwann zu viel geworden und auch regelrecht unangenehm geworden. Es ist halt ein zweischneidiges Schwert, ein befreites Bewusstsein gegenüber einem entfesselten Bewusstsein ohne Grenzen.

Für eventuelle Mitleser möchte ich den Hinweis unterbringen, man kann nicht vorhersagen, wann und wie schnell ein bestimmter Punkt auf einer solchen Reise ins Unterbewusstsein erreicht wird. Sowas kann ganz schnell nach hinten losgehen und ernsthafte psychische Erkrankungen aktivieren, die unbewusst in einem Schlummern!
Das gilt auch nicht nur für Cannabis, sondern ganz allgemein für psychoaktive Stoffe, wie z.B. hochprozentigen Alkohol oder ein Übermaß an Nikotin. Selbst für manche Medikamente (Antidepressiva, Ritalin...). Also alles was über Botenstoffe im Gehirn funktioniert, in dem es externe, künstliche/natürliche Botenstoffe in einem System hinzufügt.

Jeder hat nur ein Gehirn, man kann es nicht umtauschen, bitte passt auf Euch auf.

LG DesdiNova87

P.S.: Haben sich The Doors nicht nach Aldous Huxley und seinen genannten Doors of Perception benannt? _#)_
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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon Anima (Lufthauch) » So 15. Sep 2019, 10:02

Hi DesdiNova,

DesdiNova87 hat geschrieben:Diese Formulierung muss ich mir merken, hört sich besser an als zu sagen, ich habe als Student ab und zu gekifft^^

Na ja, das Feld für menschliche (Selbst-)Erforschung ist immerhin RIESIG! - Und die Methoden, diese Forschung zu betreiben, sind vielfältig und auch manchmal etwas abenteuerlich, denke ich. icon_winkle

DesdiNova87 hat geschrieben:Und so hat Cannabis generell bei mir gewirkt, der Fokus auf mein eigenes Bewusstsein und Unterbewusstsein. Und wie bei dir auch, ist mir das irgendwann zu viel geworden und auch regelrecht unangenehm geworden. Es ist halt ein zweischneidiges Schwert, ein befreites Bewusstsein gegenüber einem entfesselten Bewusstsein ohne Grenzen.

Ja, das stimmt. Ich kann für mich nur sagen, dass man bei einem zu langen, „ungefilterten“ Blick in die Sonne Gefahr läuft zu erblinden (auch wenn es erstaunlich sein kann, was man da zu sehen kriegt). Deshalb hab ich’s gelassen, auch wenn ich die Erfahrungen nicht missen möchte.
Aber ist das nicht auch bemerkenswert, dass man überall im menschlichen Körper, insbesondere auch im Gehirn, sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren/Andockstellen gefunden hat? Diese können von endogenen (also körpereigenen) wie exogenen (von außen zugeführten) Cannabinoiden aktiviert werden. - Ich verlasse mich mittlerweile auf meine körpereigenen. :-)

DesdiNova87 hat geschrieben:P.S.: Haben sich The Doors nicht nach Aldous Huxley und seinen genannten Doors of Perception benannt? _#)_

Ja.

Viele Grüße :-)
Anima
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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon DesdiNova87 » So 15. Sep 2019, 13:29

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Ja, das stimmt. Ich kann für mich nur sagen, dass man bei einem zu langen, „ungefilterten“ Blick in die Sonne Gefahr läuft zu erblinden (auch wenn es erstaunlich sein kann, was man da zu sehen kriegt). Deshalb hab ich’s gelassen, auch wenn ich die Erfahrungen nicht missen möchte.


Sehr passende Metaphorik.

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Aber ist das nicht auch bemerkenswert, dass man überall im menschlichen Körper, insbesondere auch im Gehirn, sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren/Andockstellen gefunden hat? Diese können von endogenen (also körpereigenen) wie exogenen (von außen zugeführten) Cannabinoiden aktiviert werden. - Ich verlasse mich mittlerweile auf meine körpereigenen. :-)


Das wird oft als Argument angeführt, warum es also natürlich sein sollte, Cannabis zu konsumieren. Bei unserer komplexen Welt kann es für mich auch mehr oder weniger Zufall sein, dass eine Pflanze ähnliche Stoffe bereit hält, die unser Körper auch selbst produziert. Das bedeutet ja noch lange nicht, dass man diesen Stoff deshalb extern in großem Maße zuführen muss.

Das ganze Cannabinoid-System wird ja immer noch weiter erforscht. Wenn man Cannabis zu sich nimmt, greift man auf jeden Fall in das körpereigene Cannabinoid-System ein, ohne wirklich zu wissen was man da tut.

Ich habe auch gelesen, dass sich dieses System und die Anzahl der Rezeptoren von Person zu Person stark unterscheidet. Auch sollen im Darm bzw. allgemein im Verdauungstrakt viele Rezeptoren sein, was u.a. in der Therapie von Morbus Crohn erste Erfolge mit THC gebracht haben soll.

Das man bei all diesen Entdeckungen dann als naheliegenden Schluss hergeht und seinen Wunsch nach Rausch damit begründet, macht für mich wieder nicht so viel Sinn.

LG DesdiNova87
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Re: Cannabis Konsum bei HS

Beitragvon Kallisto » So 15. Sep 2019, 20:42

Möchte nun auch noch meinen Senf dazu geben. Ich habe vor wenigen Monaten mit einem Freund nach langer Zeit mal wieder "einen geraucht" Und mir ging es absolut seltsam danach.
Ich habe mich nicht mehr "wie ich selbst" gefühlt. Ich hatte so ein Gefühl neben mir zu sein und als ob etwas mein inneres"besetzt" hätte. Es war irgendwie gruselig.
Muss aber auch dazu sagen dass ich von der Konstitution her eher ein überlegter, ruhigerer Mensch bin und außerdem in therapeutischer Behandlung wegen diverser Traumata.
Vielleicht hängt das irgendwie miteinander zusammen.
LG Kallisto
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