Depressionen bei HSP und negative Erfahrungen mit Psychiater

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Depressionen bei HSP und negative Erfahrungen mit Psychiater

Beitragvon Tomatenmama » Mo 23. Sep 2019, 09:24

Hallo ihr Lieben!

Ich wende mich an euch weil ich hochsensibel bin und psychische Probleme habe.
Seit etwa zwei Wochen bin ich sehr gereizt, fange wegen kleinen Dingen an zu weinen, habe Schlafstörungen und Durchfall am morgen.
Seit etwa einer Woche bin ich auch tagsüber depressiv verstimmt, grüble viel und kann mich auch an sonst schönen Dingen nicht so recht erfreuen. Ich habe keinen Antrieb oder Energie für Dinge, die ich sonst eigentlich daheim machen würde (ich bin seit letzter Woche Montag krank geschrieben).

Mich würde interessieren, wer hier ähnliche Probleme hat? Ich habe mal gelesen, dass man bei Hochsensibilität stärker zu Depressionen neigt.
Erst dachte ich, mein Job wäre schuld daran wie ich mich fühle - ich arbeite mindestens 8 Stunden am Tag mit einer Stunde Mittagspause und muss etwa eine Stunde zu meinem Job fahren. Meine Arbeit macht mir nicht so recht mehr Spass und es stört mich, dass ich nicht weiss, wann ich abends nach Hause gehen kann. Mein Team und Chef sind allerdings super. Allerdings bin ich nun seit einer Woche daheim und fühle mich nicht so recht besser (normalerweise reichen mir ein paar Tage Entspannnung, wenn ich mich "overwhelmed" fühle"). Ich hatte mit 16 bereits schon einmal mittelschwere Depressionen und weiss,wie verzerrt man die Realität aufgrund der negativen Gedankenspirale sehen kann. Deswegen will ich mich nun in Behandlung begeben, bevor ich voreilige Schlüsse ziehe (kündige).

Ich habe mich nun letzte Woche darum bemüht, eine(n) PsychiaterIn zu finden, und prompt eine Frau gefunden, die noch am gleichen Tag für mich Zeit hatte (was an sich schon verdächtig ist). Die Sitzung bei ihr nun war - der absolute Alptraum. Ich glaube, dass diese Sitzung meine Situation noch um einiges verschlimmert hat, weil sie meine negativen Gedanken verstärkt hat.
Es fing damit an, dass sie mich beschrieben liess, was mein Problem ist. Zu diesem Zeitpunkt waren die negativen Gedanken zur Arbeit noch ganz akut und ich berichtete ihr von meiner Frustration. Sie meinte nur, diese Arbeitszeiten seien normal in der Schweiz, es sei normal, dass man sich die Überstunden nicht aufschreibe. Sie meinte auch, sie könne mir nicht helfen und mein Problem sei hausgemacht (!!!!). Sie könne mir keine Therapie anbieten. Ich hatte derzeit bereits begonnen zu weinen und fragte die Frau unter Tränen, was ich denn nun tun soll - meinen Job kündigen? Aber ich würde ja nichts mehr in der Gegend finden? (ich denke derzeit nunmal sehr negativ, weshalb ich auch eine Therapie machen will). Sie sagte mir (Kurzfassung) mehr oder weniger, ich solle eben Hausfrau werden und mich gescheit um meine Kinder kümmern, das mache ja heutzutage niemand mehr (ich habe noch gar keine Kinder...). Ausserdem sehe man mir an, wie unzufrieden ich wäre (ja, ich leide auch unter einer Depression?), das hätte sie bereits am Telefon bemerkt, dass ich fordernd bin. Wenn ihre Angestellten (Psychotherapeuten) so eine Einstellung hätten wie ich, dann würde sie denen auch kündigen (ich hatte gar nie gesagt, dass ich denke, mir würde gekündigt). Diese Frau hat mir negative Gedanken eingepflanzt - ich musste noch bis zu 2 Stunden weinen, als ich aus der Sitzung draussen war. Als "Behandlung" hatte sie mir vorgeschlagen, noch eine weitere Woche daheim zu bleiben und jeden Tag eine Stunde joggen zu gehen. Für so eine Äusserung brauche ich keine Therapeutin...

Ich habe auch bereits mit dem Psychologen der Notfallaufnahme geredet (sowas gibts zum Glück in der Schweiz), und dieser gibt mir recht, dass das Verhalten dieser Frau sehr unangemessen war. Ich suche mir nun jemand anderen.
Trotzdem geht mir immer wieder durch den Kopf, was sie mir vorgeworfen hatte, obwohl ich rational weiss, dass es nicht stimmt...
ich habe auch ein schlechtes Gewissen, weil ich daheim bleibe, und schwanke von "ich gehe morgen wieder zur Arbeit" zu "ich kündige noch diese Woche".

Hat jemand schonmal was Ähnliches erlebt und hat Tipps, wie ich damit umgehen kann? Vielen Dank _rosegirl_ soakes
Tomatenmama
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Re: Depressionen bei HSP und negative Erfahrungen mit Psychi

Beitragvon Stoffel » Mo 23. Sep 2019, 10:58

Das was du beschreibst, hört sich für mich sehr nach einer Depression an.

Therapeuten sind so ein Glücksspiel. Jeder braucht eine andere Art Therapeut, und Therapeuten sind leider auch nur Menschen. Manche sind nett, und andere findet man zum kotzen.

Schau mal bei der Suche, ob du Therapeuten findest, die evtl. auch HS sind oder Erfahrung damit haben.
Wissen macht krank, nix wissen auch, ist aber nicht so stressig
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Re: Depressionen bei HSP und negative Erfahrungen mit Psychi

Beitragvon wind-und-wellen » Mo 23. Sep 2019, 12:27

Tomatenmama hat geschrieben:...
Ich habe auch bereits mit dem Psychologen der Notfallaufnahme geredet (sowas gibts zum Glück in der Schweiz), und dieser gibt mir recht, dass das Verhalten dieser Frau sehr unangemessen war. Ich suche mir nun jemand anderen.
Trotzdem geht mir immer wieder durch den Kopf, was sie mir vorgeworfen hatte, obwohl ich rational weiss, dass es nicht stimmt...
ich habe auch ein schlechtes Gewissen, weil ich daheim bleibe, und schwanke von "ich gehe morgen wieder zur Arbeit" zu "ich kündige noch diese Woche".

Hat jemand schonmal was Ähnliches erlebt und hat Tipps, wie ich damit umgehen kann? Vielen Dank _rosegirl_ soakes


Hallo Tomatenmama,

darf ich fragen, wie alt Du ungefähr bist?

Dann ein wichtiger Tipp am Rande - auch wenn Du sehr verantwortungsvoll bist: Triff erst mal keine wichtigen Entscheidungen! Bitte nichts überstürzen!

Wenn Du eine Pause brauchst, dann nimm sie Dir!

Ja, such Dir am besten psychologische/psychiatrische Unterstützung, bei der Du Dich wohl fühlst und das Gefühl hast, dass Dir diese Person auf Deinem Weg helfen kann.

Vielleicht ist es auch hilfreich, zusätzlich allgemeinärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen - um eine ganzheitliche Sichtweise über Deine derzeitige Lage zu bekommen.


Alles Gute für Dich!!! _Mij_
Liebe Grüße von wind-und-wellen

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Re: Depressionen bei HSP und negative Erfahrungen mit Psychi

Beitragvon Tomatenmama » Mo 23. Sep 2019, 17:22

Hallo zusammen!

@Stoffel: wie finde ich denn Therapeuten, die auch HS sind?
Bei mir kommt erschwerend dazu, dass ich ja nicht da arbeite wo ich wohne, und deshalb Termine zu Randzeiten in Anspruch nehmen muss...

@ wind-und-wellen: ich bin 28, schau aber aus wie etwa 20 (und, was studierst du? Ehm ne, ich arbeite schon seit etwa 4 Jahren...)
Ja, dass ich nun keine Entscheidungen treffen sollte, da gebe ich dir vollkommen recht.

Liebe Grüsse :-)
Tomatenmama
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Re: Depressionen bei HSP und negative Erfahrungen mit Psychi

Beitragvon Stoffel » Mo 23. Sep 2019, 19:38

Wenn das Internet in deiner Nähe nichts ausspuckt, dann frage beim ersten Anruf beim Therapeuten, ob er Erfahrung mit HS hat, oder evtl. einen Kollegen/Kollegin in der Hinsicht empfehlen kann.
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Re: Depressionen bei HSP und negative Erfahrungen mit Psychi

Beitragvon Kallisto » Mo 23. Sep 2019, 22:54

Erstmal, mein Mitgefühl. Aber ich kann dir versichern, nicht alle Therapeuten sind so. Ich war auch erst bei zwei mit denen mir es erst mal schlechter ging und die gar nicht sehen wollten wo eigentlich mein Problem lag. Nun habe ich eine tolle Therapeution gefunden die tiefenpychologisch mit mir arbeitet. Das was du beschreibst hört sich sehr nach einer Depression an. Und aus eigener Erfahrung wird das von alleine nicht besser, es verschlimmert sich eher mit der Zeit noch , wenn man nichts dagegen tut. Ich finde es gut dass du dir Hilfe suchst und drücke dir ganz fest die Daumen, dass du zeitnah einen guten Therapeuten findest.
Im übrigen habe ich auch einige Zeit in der Schweiz gearbeitet und fand die Arbeitszeiten da auch teils unmenschlich. Überstunden gehen einfach "verloren" d.h. werden nicht bezahlt.
Und dann die langen Arbeitszeiten... Vielleicht kannst du ja (eventuell zeitlich begrenzt) deine Arbeitszeit reduzieren.
LG Kallisto
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Re: Depressionen bei HSP und negative Erfahrungen mit Psychi

Beitragvon Velvet » Di 24. Sep 2019, 05:23

Hallo Tomatenmama,

das ist natürlich zusätzlich belastend, wenn man von einem Menschen, von dem man sich Hilfe erhofft, noch deprimierter wieder weggeht, als man gekommen ist. Das tut mir leid für dich.

Ich könnte mir vorstellen, dass dich die Therapeutin unter „depressive Verstimmung“ allein aufgrund der zeitlichen Begrenzung deiner Probleme (14 Tage) einsortiert hat. Die kann man mit Joggen etc. vielleicht mindern, für einen wirklich depressiv Erkrankten sind solche „Verordnungen“ eher ein Hohn. Ziemlich fahrlässig, wie ich finde, dich so wieder wegzuschicken.

Aber wie viele hier auch schreiben, findet man selten auf Anhieb den passenden Therapeuten und gerade in der jetzigen Zeit ist es ja überhaupt sehr schwierig einen Therapieplatz zu bekommen. Deshalb würde ich auch nicht nach der Prämisse „Kennt sich der Therapeut mit HS aus“ suchen.

Für viele Leute vom Fach ist HS vielleicht existent, aber weniger wichtig, als die darunterliegenden persönlichen Probleme, die man im Leben hat. Somit kann auch ein Therapeut, der noch nie von HS gehört hat, oder ihr als bis heute vage Definition keine Beachtung schenkt, ein ganz toller und hilfreicher Wegbegleiter sein, mit vielen Problemlösungen und Hilfestellungen für dich. Es wäre mE. schade, wenn du dir die Möglichkeit, einen solchen zu finden- was ohnehin nicht leicht ist- mit dieser Bedingung so sehr einschränken würdest.

Ich wünsch´dir alles Gute und gib die Hoffnung wegen dieser einen schmerzhaften Begegnung nicht auf :)

Velvet
.Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller (1759- 1805)
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