Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

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Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon herzblut » So 1. Mär 2015, 14:49

...oder hier leute erzählen , dies von sich selbst sagen würden.

Hallo ihr,

sicher kennt jeder von euch auch so eine Person ( oder mehr) - ich kenne mitlerweile ein paar.
ich muss nun von mir behaupten, dass ich eher ein Einzelgänger bin und als HS vielleicht sogar die Ruhe brauche, weil Soziale Kontakte und Mitmenschliches mich auslaugen und an mir saugen.

Aber was ist dieses nicht alleine sein können?
Schwäche?
Teil einer Persönlichkeitsstörung wie Borderline?
Realitätsflucht?

Was macht diese Sucht nach Gesellschaft aus?
Wie egoistisch schätzt ihr dieses be-nutzen der Mitmenschen ein?

Was, wenn es immer nur einen geben kann, der dann regelmäßig verbraucht und ersetzt wird?
Lehnen diese Menschen sich selbst ab und sind ab Anerkennung und Lob angewiesen?

Wie weit geht ihr, wenn ihr merkt dass einer in dieser Hinsicht gestört" ist und euch dauerbelagert?

was in meinem aktuellen Fall sogar soweit ging, dass diese Person auch permanent von sich sprach, schlecht über andere redet oder diese zu analysieren versucht - von mir verlangen wollte, Sachen mit ihr alleine zu machen - heißt meine ältere Freundin auszuladen?

Also ich habe gerade mit einem pathologischen Fall zu tun - aber dazu später mehr.

jedenfalls habe ich bei den Mädchen und Frauen, die ich kenne oft erlebt, dass sie als Kinder ein Elternteil verloren haben.

So, und nur freue ich mich über eine Diskussion und vielleicht sogar ein paar fachlichen
Infos dazu.

ich habe jedenfalls gerade die Notbremse gezogen - auch aus Stolz. Denn meine Bekannte wurde im Oktober Single, und hat dann mich mit Haut und Haaren versucht einzuvernehmen, seit Sylvester hat sie einen neuen Freund - der mir gegenüber wohnt und hat angeblich nie mehr Zeit auch nur für einen Kaffee.

klar bin ich beleidigt und lasse mich nicht gerne ausnutzen, wenn der neue mal etwas anderen vor hat, gut genug zu sein ( und nur über ihn zu reden oder dass sie dann permanent sms schreibt).
Letztesmal habe ich sie weggeschickt, weil ich wirklich keinen Bock auf Gerede über ihren Freund habe -
er ist seit 11 Jahren mein Nachbar und ich mag ihn sehr.

Im übrigen gibt sie ihm die Schuld, sie so einzuspannen.. was natürlich Quatsch ist, wir sind alle erwachsen und die beiden sind zwischen 50 und 60.

Sehe ich das richtig, dass solche Menschen sich gefühlsmäßig noch wie ein (bedürftiges)kleines Kind bewegen?

lg, herzblut
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon Isabelle » So 1. Mär 2015, 17:21

Hallo Herzblut,

ich finde, du beschreibst eine "full blown" Energievampirin.

Man kann natürlich schon über Gründe und HIntergründe von Leuten spekulieren, die nicht allein sein können (wollen?). Aber offen gesagt finde ich es interessanter, wieso du mitgespielt hast.
Gerade als HS müsste dir das doch wirklich auf den Senkel gegangen sein, so belagert zu werden?

Weiss nicht, ob du offen und hier drüber reflektieren magst.

Grundsätzlich zum "nicht allein sein können": Wir HS sind es natürlich tendenziell sehr gerne, aber auch wir brauchen Kontakte. "Stinos" laden sich möglicherweise im Kontakt mit anderen energetisch auf. Wir eher in der Stille und im Rückzug.
Aber auch Stinos müssen ihr Kontaktbedürfnis containern, aufschieben, den Gegebenheiten anpassen können. Das ist einfach eine emotionale Reifeleistung, die von Erwachsenen erwartet werden kann.
Sich so auf eine andere Person (oder einen ganzen Bekanntenkreis) drauf zu brummen, wenn man mal eine Zeitlang keinen Primärfokus hat, ist natürlich rücksichtslos. Aber das Umfeld hat auch die Pflicht sich selbst gegenüber, sich da abzugrenzen.

Nichts dagegen, mal einer engeren Freundin durch eine schwere Zeit zur Seite zu stehen. Aber bitte nur, wenn die Freundschaft nicht plötzlich dann entsteht, wenn eine akute Krise eintritt.

So weit meine Gedanken dazu.

Viele Grüße,
Isabelle
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon Ellana » So 1. Mär 2015, 18:19

Irgendwie finde ich es gruselig, einen Menschen als Energie-Vampir zu bezeichnen und abzuurteilen. Der Mensch bleibt doch trotzdem immer noch ein Mensch, auch mit positiven Eigenschaften. ...und ob ein Verhalten bei einem anderen Energie zieht, hat doch auch etwas mit der Person zu tun, die es so erlebt.

Ich denke, Nicht-allein-sein-können, kann unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht weiß man nicht, was man mit sich selber anfangen kann. Vielleicht fühlt man sich nicht, hat keinen Kontakt zu sich. Vielleicht wurde man früher viel alleine gelassen, wurde runtergemacht, so dass man sich nicht traut, Dinge alleine zu machen. Vielleicht wurde den Leuten erzählt, nur Gemeinschaft könne Spaß machen. Vielleicht wurde der Person gesagt, dass man nur "wer" ist, wenn man Familie, einen großen Freundeskreis, etc. hat. Das man nur so "normal" ist. Wer weiß das schon.
Vielleicht ist die Person viel alleine, sucht Freundschaft, sucht Kontakt? Alleine sein, wäre da wohl eher kontraproduktiv. Also raus in den Kontakt.

...und dann ist ja auch noch die Frage, ob die Person wirklich nicht alleine sein kann oder ob das Gegenüber den Eindruck hat. Warum auch immer.

Wie man damit umgehen kann: Für sich selber auf die eigenen Grenzen achten. Man kann durchaus Einiges mitmachen finde ich. Man darf aber auch freundlich eine Grenze setzen. Man muss nicht den ganzen Menschen ablehnen. Ich denke, jeder hat positive Seiten, auch jemanden, der anscheinend nicht alleine sein kann (Eigentlich finde ich das traurig, wenn das so wäre, denn das zeigt, das ggf. etwas fehlt).
...und einmal eine Grenze setzen, heißt nicht immer eine Grenze setzen und unfreundlich sein. Genauso wenig, wie einmal etwas mit jemand anderen machen, nicht heißt, dass man es immer machen muss.

Ich denke, es kommt auf die Situation an. ...und selbst wenn jemand nicht alleine sein kann... . Was wäre so schlimm daran, ab und zu mal etwas mit der Person zu machen, solange sie einem nicht grundsätzlich unsympathisch ist?
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon herzblut » So 1. Mär 2015, 18:45

gerade nur kurz: danke Isabell
und zum letzten satz Ellana:
ja, es ist schlimm - weil diese Person dich benutzt und wegwirft, wie es ihr beliebt.
Sie fragt nicht, wann du sie brauchst, sondern sie ist dann da ( ich habe eine offene Ladentür)
wenn sie alleine ist. Das macht sie bei einer anderen Freundin mit Fitnessgewerbe auch -
und wenn sie dann da ist, ist sie das Zentrum des Geschehens und fordert 100% Aufmerksamkeit.
Diese meine bekannte zum beispiel hört schlecht, trägt aber trotz meiner Hyperakkusis kein Hörgerät und schreit oder versteht nichts - also redet sie lieber.

Wenn der Mann aruft ist sie innerhalb von Sekunden angezogen und weg.
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon Ellana » So 1. Mär 2015, 22:13

Dann guck, was für Dich geht und wenn es für Dich nicht geht, dass Du dennoch mal Kontakt hast und mal nicht, dann geh ganz auf Distanz.
Das meinte ich ja eben: Keine Person hat nur negative Anteile und wenn einem etwas stört, hat es in gewissen Teilen auch mit einem selbst zu tun, warum einen das stört und man nicht darüber hinweg sehen kann. Damit will ich gar nicht sagen, ob ich das Verhalten okay fände oder nicht, sondern einfach, dass Menschen unterschiedlich auf die Reaktionen anderer Leute reagieren.
...und wenn es für Dich nicht geht, weiter Kontakt zu haben, auch dann nicht, wenn es ab und zu mal schön und gut mit ihr ist, dann bleibt wohl nichts anderes übrig, als ganz auf Distanz gehen. Das heißt nicht, dass man auch für sich gucken kann, warum einen das so viel ausmacht. Man kann gucken, warum das so ist, man muss es aber nicht. Genauso, wie die andere Person anders mit ihren Themen, ihrem Leben umgehen kann, aber nicht muss.

Ich kann auch aus Deinem Beispiel nicht erkennen, dass die Person wirklich nicht alleine sein kann. Ich kann auch nicht erkennen (und will auch nicht es behaupten, da ich kein Arzt bin und Ferndiagnosen nicht möglich sind), dass die Person pathalogisch ist. Es kann auch sein, dass sie einfach stark ihren Interessen folgt, nicht bei einer Sache bleiben kann, mit dem Geben überfordert ist, stark auf sich konzentriert ist, andere nicht sieht, kein Gefühl für andere (und vielleicht für auch für sich) hat. Das kann alles sein, ohne das jemand ein Problem damit haben muss, alleine zu sein.
Zuletzt geändert von Ellana am So 1. Mär 2015, 22:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon herzblut » So 1. Mär 2015, 22:22

das war mein Bwispiel, ich hab das schon geregelt ;)
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon Ellana » So 1. Mär 2015, 22:24

Achso. Okay.
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon kikilino » Di 26. Mai 2015, 07:46

Hallo Herzblut,

schön, dass Du es für Dich geregelt und für Dich gesorgt hast.

Zum 'Fachlichen' kann man nicht viel sagen weil die Informationen dazu nicht ausreichen (zu einer konkreten Person verbietet sich das eh).

Wie Ellana schon schrieb können viele Gründe dahinter stecken, wenn jemand einem so 'auf die Pelle rückt'. Es kann ja bereits mit Mißverständnissen in der Kommunikation beginnen, dass die betreffende Person annimmt, ihre Gegenwart würde geschätzt und die andere Person würde sich über jedes Telefonat, jeden Besuch und jede SMS freuen. Die andere Person empfindet ihre eigenen Signale der 'Ablehnung' als eindeutig.

Dann kommt hinzu, dass jede Interaktion mit unterschiedlichen Personen anders laufen kann, es hat ja auch immer mit dem eigenen Sein zu tun wie andere Menschen auf einen reagieren. Niemand verhält sich jedem gegenüber gleich und zeigt jedem alle Persönlichkeitsanteile.

Und ja, der frühe Verlust einer wichtigen Bezugsperson kann zur Folge haben, dass ein Mensch später unbewusst krampfhaft versucht diese Lücke wieder zu füllen und sich ohne festen Partner 'nicht ganz' fühlt. Wie gesagt: KANN.

Die Unterscheidung zwischen 'Eigenarten' und einer Persönlichkeitsstörung ist schwierig, denn es ist ein extrem schmaler Grad was bereits als pathologisch zu betrachten ist.

Die Frage, warum es mich selbst interessiert, wie das bei einer anderen Person dahingehend aussieht würde mich sehr viel stärker beschäftigen, denn eigentlich ist es für mich selbst doch irrelevant aus welchem Grund jemand sich wie verhält...wichtig ist doch nur, dass ich weiß wo meine Grenzen liegen und was mir selbst gut tut? Aus welchem Grund interessiert Dich das denn?
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon Baum » Di 28. Jul 2015, 11:45

Hallo Herzblut,

ich möchte mich nochmal zu deinem Beitrag äußern.

Auch bei mir ist das Thema Beziehungen, wie ja schon mal in einem anderen Threat ausführlich beschrieben ein sehr heikles. Ich neige auch zum Klammern - bin mir dessen aber inzwischen bewusst. Wenn ich jemanden gerne mag, dann habe ich ein großes Bedürfnis nach Kontakt und (emotionaler) Nähe. Dass ich die Leute damit überfordere oder sogar verärgere weiß ich inzwischen und dass ich mir dadurch schon einige Freundschaften kaputt gemacht habe weiß ich auch und es macht mich sehr traurig bzw. ich habe panische Angst davor dass es wieder passiert. Aus diesem Grund habe ich es jahrelang vermieden irgendwen an mich ranzulassen - außer meinen Freund.
Fühle ich mich in einer Beziehung (wie eben bei meinem Freund) aber sicher, habe ich also für mich genügend "Beweise" gefunden dass der andere mich wirklich mag, kann ich entspannen und die Sache locker angehen.

Inzwischen bin ich schon ein bisschen weiter mich besser zu verstehen, ich bespreche das Thema auch zur Zeit sehr intensiv mit meiner Therapeutin.

Das mit dem fehlenden Elternteil ist durchaus ein Ansatzpunkt. Meine Mutter musste sich, als ich ein paar Wochen alt war, stationär ins Krankenhaus begeben. Ich war zwischenzeitlich bei meinem Vater und meine Oma hat ihm bei meiner Versorgung geholfen. Ich war ein sehr problematisches Kind, besonders was Trennungen von der Mutter anbelangt - ich hing ihr dauernd am Rockzipfel, wollte sie ausgehen, drehte ich völlig durch und in meinem Bett wollte ich auch nicht schlafen. Durch so einen Einschnitt wird das Urvertrauen des kleinen Menschleins zerstört. Dadurch entstehen massive Verlustängste und auch Unsicherheiten (die Leider oft mit aufdringlichem Verhalten einhergehen) was Beziehungen betrifft.
Diese Erlebnisse prägen sich tief in die Seele des Menschens ein - je früher desto stärker und nahhaltiger. Meine Eltern waren auch nicht in der Lage diesen Zustand aufzufangen. Behandelt wurde es auch nicht weil sie es einfach als "Spinnerei eines kleinen Kindes" abgetan haben die sich schon rauswachsen würde. Gut, irgendwann ist es mit zunehmenden Alter auch besser geworden und damit war die Sache erledigt.
Nun holt mich grade alles wieder ein was mich zusätzlich zu Umbrüchen am Arbeitsplatz sehr belastet. Ich hoffe ich steh das durch ohne wieder krank zu werden.

Das war jetzt die Sicht einer "Betroffenen" - also einer, die ihre Mitmenschen gerne etwas überfordert.

Ich weiß dass es schwierig ist, wenn man belagert und geklammert wird - mir selbst ist es auch schon passiert dass jemand mehr Kontakt zu mir wie ich zu ihm wollte. Ich kann mich aber hervorragend zurückziehen, leider mache ich das nicht immer auf die sozialverträgliche Art, sondern benutze gerne auch mal den Holzhammer...

Musste dass jetzt mal zu "Papier" bringen
Vielen Dank fürs Zuhören
Schöne Grüße
Baum
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Re: Umgang mit Menschen, die nicht allein sein können?

Beitragvon KrautUndRüben » Sa 9. Apr 2016, 03:57

Huhu, herzblut!



Wenn ich das so lese, würde ich sagen, dass es dieser Person garnicht darum geht, nicht allein sein zu können, sondern dass sie einen schnellen, unkomplizierten Abladeplatz für ihren mentalen Abfall braucht. Solche Leute erkennt man immer daran, dass sie in der Not nicht erreichbar sind. Aber ich kenne die Person natürlich nicht persönlich. Reine Spekulation.

Ich klammere selbst auch an meinem Partner, aber das hat nichts damit zu tun, dass ich nicht allein sein kann, sondern dass ich seine Nähe spüren möchte. Ich muss wissen, dass es ihn gibt. Klingt komisch, ich weiß. Ich bin aber sonst sehr, sehr gern allein. Es reicht schon die Gewissheit, dass der Gatte im Haus ist, wenn ich einkaufen gehe oder als ich gearbeitet habe die Gewissheit, dass er da sein wird, wenn ich nachhause komme. Das ist eine ganz wichtige Konstante für jemand, der mit Verlust nicht umgehen kann.

Aber wenn man sich garnicht zurückhalten kann und dem anderen ständig seine Sorgen auflädt, ohne selbst mal ein offenes Ohr zu haben? Das ist schon hart.
LG, KrautUndRüben

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Die freundlichen Spender erhalten dann auch die Adresse dazu. _rosegirl_
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