Bedingungslose Liebe

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Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon free thinker » Mo 7. Aug 2017, 22:12

Bedingungslosigkeit impliziert aber doch, dass keine eigenen Interessen vorliegen.

Gerade Männern werden in unserer heutigen Gesellschaft aber ganz andere Charaktereigenschaften zugesprochen. Eifersucht, Besitzansprüche, das Ausleben von autoritären Charakterzügen, der Aufbau des eigenen Egos durch Beziehungen, das alles erscheint mir nun doch nicht wirklich bedingungslos.

So möchte ich doch bezweifeln, dass Männer sich im Allgemeinen besser zur bedingungslosen Liebe "eignen" als Frauen. Denke beide Geschlechter sind gleich schlecht darin, wirklich bedingungslos etwas zu tun (was ich wie in meinem vorherigen Beitrag ausgeführt gar nicht als großes Problem betrachte).
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Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Di 8. Aug 2017, 13:47

Hallo Puck,

dein Gedanke (zu hoher Stellenwert der Liebesfähigkeit) hat mich noch beschäftigt – ist ja auch interessant, weil so schön ungewöhnlich icon_winkle

Die Wertigkeit der Liebe insgesamt zu überdenken, kann gewiss neue Blickwinkel eröffnen. Z. B. könnte ich mir vorstellen, dass es weniger Druck und Krampf macht, (z. B. auch bedingungslos) lieben zu „müssen“, um ein guter Mensch zu sein. Ansonsten weiß ich nicht so recht, welche praktischen Konsequenzen ein verringerter Stellenwert der Liebe haben könnte. Du wahrscheinlich schon?

Nimmt man alle Bewertung heraus, bleibt der Unterschied, dass es sich bei dem Genannten (Nahrungsaufnahme und -ausscheidung, Schlafen) um ureigene Organismus-Funktionen handelt, während bei der Liebe (in ihren verschiedensten Varianten) mehrere Organismen in Interaktion treten. Vielleicht hat sie sich deshalb als etwas so „Spezielles“ in Glaube und Philosophie angeboten?

Aus all meinen subjektiven Bewertungen und Gefühlen heraus komme ich jedenfalls schließlich doch zu dem Ergebnis, dass Liebesfähigkeit weiterhin einen sehr hohen Stellenwert bei mir hat, und ich sie vollkommen „romantisch“ für etwas ganz Tolles in den verschiedensten zwischenmenschlichen Beziehungen halte, in mir selbst und auch bei anderen.

Viele Grüße
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Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon Puck » Di 8. Aug 2017, 16:53

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Nimmt man alle Bewertung heraus, bleibt der Unterschied, dass es sich bei dem Genannten (Nahrungsaufnahme und -ausscheidung, Schlafen) um ureigene Organismus-Funktionen handelt, während bei der Liebe (in ihren verschiedensten Varianten) mehrere Organismen in Interaktion treten. Vielleicht hat sie sich deshalb als etwas so „Spezielles“ in Glaube und Philosophie angeboten?

Lernen, Kommunizieren, zerstören, kreiren - nix Organisches, macht aber auch jeder Mensch.
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Lieben is was ganz tolles, und auch was besonderes, das stell ich gar nicht in Abrede.
Das Ganze über genannte Dinge zu stellen ist meiner Beobachtung nach ein Fehler.
Ich würd meinen das is wie beim Essen: einseitige Ernährung führt zu Mangelerscheinungen.

Und ja
Anima (Lufthauch) hat geschrieben: ...dass es weniger Druck und Krampf macht, (z. B. auch bedingungslos) lieben zu „müssen“, um ein guter Mensch zu sein...

Darum gehts.
Das wirkt in Deiner Ausführung ziemlich beiläufig, ist aber meiner Meinung nach der wesentliche Punkt.
Es gibt unzählige Aphorismen und Zitate, die das beschreiben - das kommt nicht von irgendwoher.
Und selbst die bewirken schon bleierne Schwere und Druck.

Das Christentum hat das auf die Spitze getrieben, es zu etwas Ultimativem, Absolutem gemacht und ins kollektive Unterbewusstsein gepflanzt.
Mit Christentum meine ich auch alles worin es fortlebt (z.B. Humanismus)!

Das Konzept der bedingungslosen Liebe, dieses unmenschlich hohe, leuchtende Ideal, speisst die Arroganz, mit dem der westliche Kulturraum dem Rest der Welt begegnet und verschliesst ihm dadurch die Augen.
Puck
 

Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Di 8. Aug 2017, 22:01

Puck hat geschrieben:Lieben is was ganz tolles, und auch was besonderes, das stell ich gar nicht in Abrede.
Das Ganze über genannte Dinge zu stellen ist meiner Beobachtung nach ein Fehler.
Ich würd meinen das is wie beim Essen: einseitige Ernährung führt zu Mangelerscheinungen.

Aber es gibt "Lieblingsgerichte", die muss man ja nicht dauernd essen, sonst schmecken sie nicht mehr: für mich ist ein solches das Sehen und Bemerken von Gesten und Verhalten, das Liebe und Zuneigung ausdrückt. Für andere Menschen sind es vielleicht andere Dinge, wie du sie genannt hast.

Puck hat geschrieben:
Anima (Lufthauch) hat geschrieben: ...dass es weniger Druck und Krampf macht, (z. B. auch bedingungslos) lieben zu „müssen“, um ein guter Mensch zu sein...

Darum gehts.
Das wirkt in Deiner Ausführung ziemlich beiläufig

Nö, wieso, genau so meine ich es.

Puck hat geschrieben:Das Konzept der bedingungslosen Liebe, dieses unmenschlich hohe, leuchtende Ideal, speisst die Arroganz, mit dem der westliche Kulturraum dem Rest der Welt begegnet und verschliesst ihm dadurch die Augen.

So ist es.
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Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon RB » Do 10. Aug 2017, 13:08

Hallo

ich schieb mal ein:
Wie Du eine Scheidung vermeidest - und viel mehr über Beziehungen
https://www.youtube.com/watch?v=J0rpw1Se8ls

Ist das Thema "bedingungslose Liebe" (begingunglos für mich sowieso ...zu kurz gefasst!) ...in diesem Thread nicht eher ein ICH- und Beziehungsding?

Im Bezugsrahmen menschlicher Beziehung find ich Frau Birkenbihl klasse ..eine Diskussionsbasis?
Im Bezugsrahmen Universell fehlt mir was ...WO ist da die universelle Liebe?

Und wo ist die Abrenzung menschlich/allgemein zum Topic?

mfg Ralf
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Aus: The Handmaid's Tale (Der Report der Magd)
Und passend dazu von Albert E. :
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Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon jules1976 » Do 10. Aug 2017, 17:23

Freethinker hat geschrieben:
Gerade Männern werden in unserer heutigen Gesellschaft aber ganz andere Charaktereigenschaften zugesprochen. Eifersucht, Besitzansprüche, das Ausleben von autoritären Charakterzügen, der Aufbau des eigenen Egos durch Beziehungen, das alles erscheint mir nun doch nicht wirklich bedingungslos.


Huhu!

Mich reizt eine philosophische Diskussion darüber schon ganz arg, wenn ich mal mehr Luft hab, würde ich das gerne in einem neuen Thread weiterführen!

Liebe Grüße jules976
Respekt elefant2
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Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon free thinker » Do 10. Aug 2017, 20:04

Mich reizt eine philosophische Diskussion darüber schon ganz arg, wenn ich mal mehr Luft hab, würde ich das gerne in einem neuen Thread weiterführen!


Eine großartige Idee, liebe Jules, ich freue mich immer über eine philosophische Diskussion. :-)
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Re: Man kann Liebe senden

Beitragvon Abifiz » Fr 25. Aug 2017, 06:18

Hallo allseits.

Teile entfernt, da aus einem anderen Strang hierhin verschoben.jules1976

"Liebe" ist kein Gegenstand, kein Objekt. Wir Juden sagen (na ja, meistens...), falls wir uns darüber echte, solidere Gedanken vertiefen wollen, "Liebe geschieht". Sie "geschieht in der Begegnung". Sie braucht den "Anderen". Sie braucht einen "Du", der mir in Liebe begegnet. Der mir "liebend gegenübert". In diesem Gegenüber erkennen/erfahren wir Liebe. Bei diesem Gegenübern erkennen/erfahren wir uns Menschen als von Liebe ansprechbar. So, und nur so können wir anfangen, den Anderen zu lieben. Dieses Lieben ermöglicht uns Menschen, uns selber zu lieben. Und erst wenn wir uns lieben, können wir stabil, tragfähig, erwachsener (!) den Anderen lieben. Und bei günstiger Reifung auch versuchen, den Anderen als "Anderen", auch als den "Ganz-Anderen" zu lieben.

Das alles jedoch in der Begegnung, im Gegenübern. (Und sei es später eine virtuelle, aus der Ferne oder aus dem aus der Ferne vermittelt Erfahrenen.)

Wir verfügen nie über die Liebe.

Sie ist kein Gegenstand, kein Objekt, keine Verfügungsmasse. Sie "geschieht" in der Begegnung.

Deswegen habe ich mich bisher nicht im Strang über "bedingungslose" Liebe beteiligt.
Beziehungsweise nun artikulierter: Einerseits wegen der prinzipiellen, "unmenschlichen" Absolutheit des nackten Begriffes "bedingungslos"; anderseits aber auch, weil Liebe im Gegenübern erfahren wird, erkannt wird, "geschieht"; somit immer an realen konkreten Bedingungen "geschieht", gebunden ist. Ich kann mich bedingungslos vergötzen. Ich kann auch den Anderen, wie mich selber, dazu mißbrauchen, ihn bedingungslos zu vergötzen, d.h. ihn gar nicht "als den Anderen in seiner -- anderen -- Jeweiligkeit" (in/aus meinem Vergötzen heraus) erkennen.

Aber weder kann ich ich mich, noch sonst jemanden im eigentlichen, reifen, treffenden Sinne des Begriffes "bedingungslos lieben".

Liebe ist jeweilig. Jeweiligkeit widerspricht Bedingungslosigkeit.

Nur ein Un-Jeweiliger kann bedingungslos lieben. Wir sind also wieder da: Kein Gegenstand, keine Verfügungsmasse, überhaupt keine Masse ist "Liebe".

Was die Post in welcher Form auch immer angeht: Sie ist die Fortsetzung der ersten "über-grüppligen" Kontakte, tendenziell also segensreich, fruchtbar, häufig interessant; manchmal auch Bote von unbezahlten Rechnungen und Gerichtsladungen; aber ein Brief voller Liebe ist deswegen "voller Liebe", weil dies eine Metapher ist, und der Liebende ein Mensch, der ein Gegenüber liebt.

"Liebe" als solche ist weder versandfähig noch versandfertig. Sie geschieht in der Begegnung.

Herzlich
Abifiz
Meine sehr kluge Signatur befindet sich noch in der Herstellungsphase. Falls keine gravierenden Inkompatibilitätsprobleme auftauchen werden, rechne ich mit ihrer Lieferung für das 1. Quartal 2034. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.
Abifiz
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Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon Herbststurm » So 8. Apr 2018, 10:39

*hochschubs*

Ich finde den Beitrag von Abifiz unglaublich spannend und würde mich freuen hier weiterzudiskutieren über seine geäusserten Gedanken.

Herzlich,
Herbststurm
Gerade heute....
....ärgere dich nicht.
....sorge dich nicht.
....sei mit Dankbarkeit erfüllt.
....arbeite ehrlich und hart (an dir selbst)
....sei dankbar für alles was lebt.
Herbststurm
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Re: Bedingungslose Liebe

Beitragvon Seestern » Mo 9. Apr 2018, 21:32

Hi!
Herbststurm hat geschrieben:
Ich finde den Beitrag von Abifiz unglaublich spannend und würde mich freuen hier weiterzudiskutieren über seine geäusserten Gedanken.

Ok. Da möchte jemand etwas und wartet ab, anstatt selbst etwas beizutragen. _gruebel_

Ist es jetzt unhöflich ,wenn ich meine kleinen Gedanken und Erfahrungen dazu äußere? Drängele ich mich vor? Bin ich zu voreilig? Also: TEAM = Toll-Ein-Anderer-Machts? Soll jemand anderes den Start machen? Die Verantwortung für das, was folgt, übernehmen? Mach ich mal. :-)

Bedingungslose Liebe kann es nicht geben, denn auch Mütter können in ein Dilemma geraten, wenn sie ein Kind von mehreren opfern sollen. In Kriegssituationen hat es diesen Sadismus leider schon viel zu oft gegeben, dass Mütter in Situationen geraten sind, ein Kind (oder sich selbst) opfern sollten. In Extremsituationen ist es vorbei mit logischem Denken und "bedingungsloser Liebe".

Ich verstehe Abifiz so: Man kann andere nur lieben, sofern man sich selbst liebt- und das funktioniert automatisch, da der Mensch ein soziales Gruppentier ist.

Nach Niklas Luhmann ist Liebe kein individuelles Gefühl, sondern der Mensch verliebt sich zunächst in den Begriff der Liebe, bevor sich dieser auf eine konkrete Person überträgt. (Liebe als Passion: Zur Codierung von Intimität, Frankfurt a.M. 1982.) smeil
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