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Beitragvon Baumwolli » Mo 28. Jan 2019, 17:48

In silverladys Thread steht ein Link zu einem Interview mit einer Psychologin zu HSP. Daraus möchte ich eine Stelle zur Diskussion stellen.

Oft wird behauptet, dass Hochsensibilität eine Modediagnose sei.

Konrad: Unter bestimmten Gesichtspunkten ist diese Aussage nachvollziehbar. In den 70er, 80er Jahren war es Borderline, um 2000 herum Burnout. Diese Krankheiten wurden nicht häufiger diagnostiziert. Es wurde nur mehr darüber berichtet. Es ist also nur ein subjektiver Eindruck, dass bestimmte Phänomene zugenommen haben. Ähnlich ist es derzeit mit Hochsensibilität.

https://www.pressreader.com/similar/282084867964570

HS nimmt auch aus meiner Sicht nicht zu, sondern die subjektive Wahrnehmung des Themas liegt an der Berichterstattung. Solche Phänomene sind auch allgemein bekannt. Hier habe ich nun schon mehrfach gelesen, die Wirtschaft sei der Grund, warum es so vielen HSP bei der Arbeit schlecht ginge.
Mit neutralem Gruß!
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Re: Diskussion zu Artikel

Beitragvon sol » Mo 28. Jan 2019, 20:26

Hallo Baumwolli,
letzte Woche, als diesere Artikel schonmal vorgestellt wurde, fand ich ihn gut, aber wusste trotzdem nicht genau, was ich daraus folgern sollte.

Vielleicht ging das mehreren so, denn niemand antwortete darauf.

Ich finde es erstmal gut und notwendig, wenn eine Fachfrau genauer zu HSP forscht. Wenn es 15%-30% der Bevölkerung betrifft, ist das schon interessant.

Dass die Evolution diese HS nicht rausgeschmissen hat, auch.

Die 3er-Aufteilung einer der zitierten Studie, die in etwa herausbekam, dass ca ein Drittel der ProbandInnen HSP waren, ein weiteres Drittel wenig sensibel war und ein letztes Drittel im Mittel dazwischen lag, passt zu einem Buch, das ich mal über eine Anthropologie des Kampfes und des Krieges las.

Früher vor der Industriealisierung des Krieges, also vor den Massenvernichtungswaffen trafen Krieger aufeinander. Noch weiter zuvor Stammeskrieger. Zu Zeiten, als Krieg, Kindererziehung, Heilung, Spiritualität und Magie noch nicht in Kleinfamilien passierten oder nicht passierten.

Da brauchte es im Angriff die Unempfindlichen, die angriffen, die bei Angriffsplänen nicht von zu großer Angst behindert wurden.

Danach kam eine andere Gruppe zum Zuge: Diejenigen, die die Versorgung der Überlebenden, der Verwundeten und der Krieger organisierten, die den Überblick und die Organisation für den ganzen Stamm innehatten.

Und eine dritte Gruppe befasste sich mit den Traumatisierten, mit den spirituellen und magischen Ritualen, mit den längerfristigen HeilerInnenaufgaben.

Ähnliches galt bei der Jagd, wenn ganze Wildherden saisonal verfolgt und angegriffen wurden, zu Nomadenzeiten.

Es wird ja oft gesagt, dass unser Körper samt Psyche evolutionär noch auf der Entwicklungsstufe der Jäger und Sammler ist, na, da passt unser Leben ja gar nicht mehr mit seiner Verkopfung, seiner Gleichschaltung auf Dienstleistungsjobs und seinem Bewegungsmangel, Entfremdung von Natur und Spiritualität und Heilritualen.

Von daher stimme ich der Annahme zu, dass HS ein Persönlichkeitsmerkmal ist, das Sinn macht und nicht zu pathologisieren ist.

Andererseits darf es aber nicht zur Falle für die werden, für die dieses Persönlichkeitsmerkmal krankmachend ist, weil ihre HS überall auf unwirtliche Lebensumstände trifft.

Da wir aber nunmal gar nicht mehr leben wie die Jäger und Sammler, was fangen wir also mit diesen Erkenntnissen an?

Das scheint schnell in einer Sackgasse zu landen wie auch die Erkenntnisse zu Kriegstraumatisierungen und deren heutigen Langzeitwirkungen sogar über mehrere Generationen.

Fast überall auf der Welt gab und gibt es immer Alltagsgewalt und Krieg. Also sind fast überall diese Langzeitwirkungen auf zynische Art "normal". Und jetzt?
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Re: Diskussion zu Artikel

Beitragvon Baumwolli » Mo 28. Jan 2019, 21:43

Hallo sol,

deine Antwort und auch viele deiner anderen Postings finde ich teilweise sehr interessant, doch momentan bin ich damit überfordert. Als erstes möchte ich dir sagen, dass es nicht an deiner Person liegt, sondern an einigen deiner Inhalte. Es ist bei mir immer so, dass ich Personen, deren Geschriebenes ich nicht ganz verstehe, eher aus dem Weg gehe und es fällt mir nicht leicht, es ehrlich zu sagen, womit ich nicht klar komme. Es ist also ein kleines Dilemma. Ich möchte ehrlich sein, aber auch nicht verletzend. Über die Jahre habe ich aber gelernt, dass ich damit besser fahre, wenn ich anderen mein Verhalten erläutere und was ich an ihrem Verhalten nicht bewältigen kann und mich daher einschränkt, gerade zu denken.
sol hat geschrieben:Die 3er-Aufteilung einer der zitierten Studie, die in etwa herausbekam, dass ca ein Drittel der ProbandInnen HSP waren, ein weiteres Drittel wenig sensibel war und ein letztes Drittel im Mittel dazwischen lag, passt zu einem Buch, das ich mal über eine Anthropologie des Kampfes und des Krieges las.

Früher vor der Industriealisierung des Krieges, also vor den Massenvernichtungswaffen trafen Krieger aufeinander. Noch weiter zuvor Stammeskrieger. Zu Zeiten, als Krieg, Kindererziehung, Heilung, Spiritualität und Magie noch nicht in Kleinfamilien passierten oder nicht passierten.

(…)
sol hat geschrieben:Das scheint schnell in einer Sackgasse zu landen wie auch die Erkenntnisse zu Kriegstraumatisierungen und deren heutigen Langzeitwirkungen sogar über mehrere Generationen.

Fast überall auf der Welt gab und gibt es immer Alltagsgewalt und Krieg. Also sind fast überall diese Langzeitwirkungen auf zynische Art "normal". Und jetzt?


Auch dieses Posting finde ich ansprechend und man weiß auch, dass Kriegstraumata über Generationen weitergegeben werden, aktuell in deinem neuesten Thread schreibst du über Ängste, die aus einer familiären Kriegssituation rühren. Auch dort kann ich deine Worte nach einiger Erläuterung nachvollziehen.

Nun kommt allerdings etwas hinzu, womit ich nicht umgehen kann und das mich sehr irritiert. In einem ganz anderen Thread schreibst du dass deine (ehemalige) Familiensituation nicht belastet war und alles gut funktionierte. Auf Kontradiktion reagiere ich sehr empfindlich und es bremst mich gedanklich, weil ich weiß nicht, wo ich dran bin, daher gehe ich nicht mehr darauf ein. Bitte nimm' es nicht persönlich.

Natürlich können alle hier weiter auf dein (und mein) Gesagtes eingehen, das stört mich überhaupt nicht.

In diesem Sinne, einen schönen Abend. :-)
Mit neutralem Gruß!
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Re: Diskussion zu Artikel

Beitragvon sol » Mo 28. Jan 2019, 22:29

Hallo Baumwolli,

off topic: danke für deine Ehrlichkeit, besonders, weil sie nicht einfach ist!

Und nach dieser Erläuterung hier halte ich mich dann auch in deinen Themen zurück, weil dir das lieber ist.

Ich möchte dennoch, da ja dies hier öffentlich steht, kurz was dazu erläutern.

Erstens mal: Wie jeder Mensch widerspreche ich mir auch mal, klar.

Aber ich weiß, welche postings du meinst:


Ich wollte hier im Forum eigentlich e r s t über die Segnungen meiner HS schreiben, weil ich die ganzen anderen Aspekte schon im ADHS-Forum besprach und einfach auch mal einen Ort der Leichtigkeit und Freude haben wollte, denn davon erlebe ich auch viel. Und darin unterscheiden sich deutlich ADHS und HS für mich.

Wie auch in meinem persönlichen Tagebuch-Thread hier zu sehen ist, hell und dunkel.

Lange gab es in mir den großen Widerspruch zwischen hellem Handeln und viel dunklem Fühlen. Nach langem Forschen und Bearbeiten und Verstehen wurden beide Eins.

Ich wuchs sehr behütet in malerischem Dorf in Sicherheit und Geborgenheit auf. Untergründig, aber unbewusst all die vergessenen Ängste und die Dauerüberreizung, aber auch tiefe Liebe zu Natur, tiefer Halt und Licht in der Religiosität und, ja, tiefe Liebe zu meiner Familie.

Dann kamen die hellen Seiten meiner HS auch sehr zum Zuge, die Kriegsängste zu beruhigen, meine starken intuitiven Fähigkeiten, mein kindlicher Übermut, meine Frohnatur im Handeln. Das war nichts Unechtes, das war Kompensation, sicherlich, aber gehört auch zu mir.

Ich war und bin eine sehr gute Seelsorgerin und es stimmte, dass immer wieder Leute zu mir sagten und sagen, wo ich bin, wird es heller. Ich habe gesunde Anteile und verdrehte und kranke.

So gab es eine Sonnenseite in meiner Kindheit bis ich 11/12 Jahre alt war, die stimmte und eine Schattenseite, die stimmte und mir nicht bewusst war. Ein Familienschonraum, wie ich heute weiß für Kriegsbelastete und deren Kinder. Aber dort gab es Wurzeln und Struktur und Bildung und Liebe und Familie. Darin war bei weitem nicht alles krank.
Die krassen Widersprüche, die ich aber erst viel später miteinander konfrontierte, vor allem auch wegen der unendlichen Familienstreits seit ich jugendlich und erwachsen war. Heute habe ich große Distanz zur Familie, weil meine Mutter besonders immer noch die alten ausufernden Stellvertreterstreits für ihr Kriegstrauma aufrührt.

Ich habe irgendwann erkannt: Ich bin gebrochen durch meine Familie, aber nicht zerbrochen und wie ich mich mit Hilfe heile, habe ich auch durch meine Familienwerte gelernt und ich liebe meine Familie, aber sie sind meinen Weg raus aus den alten Stellvertreterstreits nicht mitgegangen, können das vielleicht auch gar nicht.

Seit ich erkannt habe, dass hier im Forum auch über sehr viel Leid geschrieben wird und so wie ich es mir wünschte gar nicht, schreibe ich da mit, wo ich etwas zu sagen habe.
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Re: Diskussion zu Artikel

Beitragvon Hortensie » Di 29. Jan 2019, 22:43

STOPP!

@Baumwolli:
Hier wird die Diskussion zu o. g. Artikel von silverlady angeregt, das ist von mir an anderer Stelle hier im Forum so empfohlen worden. Aber es geht gar nicht, dass hier Postings aus anderen Threads herangezogen werden, um damit seine Abneigung gegen einen anderen User darzustellen! Wenn sich ein anderer User auf ein Thema einlässt und umfassend antwortet, wird dieser User hier im Forum nicht zurückgewiesen, weil man ihn oder seine Argumentation nicht leiden kann!

Baumwolli, bitte stell dich dem Forum im Vorstellungsbereich näher vor, damit wir wissen, mit wem wir es hier zu tun haben!

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