Kolumne des Spiegel über Hochsensibilität

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Kolumne des Spiegel über Hochsensibilität

Beitragvon Neongrau » Sa 17. Feb 2018, 20:28

Hallo zusammen,

ich bin gerade bei meinem täglichen Lesen der Nachrichten auf der Website von Spiegel Online auf eine kleine Kolumne zum Thema Hochsensibilität (bzw. geht es darin unter anderem oberflächlich auch darum) gestoßen, und wollte mal fragen was ihr so davon haltet:

http://spon.de/afaJw

Darin ist ja unter anderem auch die Rede davon, sich nach Außen hin direkt als "kontaktgestört, oder anderweitig einer Gruppe zugehörig" zu outen - wie handhabt ihr das mit eurer Sensibilität, also wie schnell erzählt ihr eurem Gegenüber davon? Ich habe nämlich eher nicht den Eindruck, dass viele hochsensible Menschen damit hausieren gehen um sich für ihr Verhalten zu rechtfertigen oder dieses zu erklären. Es ist ja immer die Frage was der Begriff für einen selbst bedeutet, und vielleicht bezeichnen sich dadurch auch Menschen als hochsensibel, obwohl sie es gar nicht "sind" (aber wie soll man das schon bestimmen?). Bei anderen Begriffen wie z.B. Depressionen ist das ja auch schwer abzugrenzen, wenn man sich nur selbst einschätzt.
Und meint ihr, euch nach außen hin "über andere zu erheben, besonderen Respekt einzufordern, für wichtiger und einzigartig zu erachten"? Ich kann da wieder nur für mich sprechen, aber ich würde das bei mir nicht so sehen. Natürlich ist Hochsensibilität in gewisser Weise ein Alleinstellungsmerkmal, und in zwischenmenschlichen Beziehungen erfordert das vom Gegenüber vielleicht nicht mehr Respekt, aber zumindest mehr Aufmerksamkeit und Nachsicht - aber sich deswegen über andere stellen tue ich nicht. Jeder hat ja seine Eigenarten (den "normalen" Menschen gibt es glaube ich nicht), und jeder Mensch verdient die gleiche Menge an Respekt. Wie seht ihr das?

Viele Grüße,
Neongrau
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Re: Kolumne des Spiegel über Hochsensibilität

Beitragvon Rakete » Sa 17. Feb 2018, 22:03

Hi Neongrau,

joa, habs mir durchgelesen. Sybille Berg erweckt den Gedanken bei mir, dass sie ja auch versucht irgendwie
anders zu sein und diesen doch etwas provakanten Artikel zu schreiben. Das ist das schöne an unserer Zeit,
da darf man wirklich auch mal wirklich lospoltern, hallo ich bin auch noch da!
Genau, früher war man halt links, oder rechts, sozi oder was auch immer, oder demonstrierte für seinen
Dackelverein. Merkst du was? Ich kann genauso provokant schreiben wie Sybille!
Naja, aber ob das jetzt wirklich Spiegel-Niveau ist? Gehören die jetzt auch zu Bild?

Also, ich habe noch nie versucht mit der Aussage Hochsensibel irgendwelche Vorteile zu erpressen.
Kontaktgestört? Hallo? Blos weil ich keinen Bock habe mit jedem Vollpfosten übers Wetter zu reden?
Nein, wenn ich mit anderen rede gebe ich mir sehr viel Mühe, und schätze mich sogar als ziemlich
gut ein mit anderen zu kommunizieren. Viele schätzen mich sehr als angenehmen Gesprächspartner.
Einer Gruppe zugehörig? Wenn dann gehöre ich zu denen, vor dem Euch eure Eltern fernhalten wollten?
Liegt wohl daran, das ich Menschen zum Nachdenken bringe und die Geknickten versuche aufzurichten?
Nein, ich erhebe mich nicht über andere, wozu sollte das gut sein? Ich kann manche Sachen gut, andere
garnicht. Und alles ist eine Stärke und gleichzeitig eine Schwäche. Nur sollte man die sich selber
eingestehen, die der anderen respektieren und versuchen miteinander klar zu kommen.
Genau, jedem Menschen sollte man mit Respekt begegnen, ich mache das so, und erwarte das im
Gegenzug auch. Ist das zuviel verlangt? Wer mir blöde kommt, dann merkt der das, oder ich verziehe mich.
Das hat garnichts mit HS zu tun für mich, vielleicht bin ich anspruchsvoll im Umgang miteinander, und
bin anfangs eher zurückhaltend um das Gegenüber einzuschätzen. Und das wird leider als Arroganz
ausgelegt, von denen die das so sehen wollen.

Zudem, HS ist keine psychische Krankheit. Es kann krank machen, muss aber nicht.
Ich sehe es als besondere Charaktereigenschaft, mehr nicht. Und es gibt doch noch
weitaus schlimmere Charaktereigenschaften, aber die werden ja momentan auf
Händen getragen.

Andererseits, was haben die anderen davon wenn man einen HS sag ich mal überfordert?
Wenn man das mit mir macht, dann funktioniere ich einfach nicht mehr, so gern ich das
wollte. Es geht einfach nicht. Wenn man nie erlebt hat wie das ist, dann schreibt man solche
Artikel. Ich gehe sehr oft über meine Grenzen, z.T. viel weiter wie manch anderer, doch
dann brauche ich Zeit alleine um mich zu regenerieren.
Das einzige was wir gerne hätten wäre ein wenig Verständnis. Wir sind halt nicht so einfach,
wie es viele gerne hätten. Ich denke das ist der Punkt.

Ansonsten ist das was Sybille von sich gibt nicht so sonderlich sondern ein wenig absonderlich.
http://www.spiegel.de/impressum/autor-13465.html
Bin ich froh, dass ich das nicht lesen muss. Also meine Stimmung ist nach dem ersten
Artikel jetzt nicht nach oben, unabhängig vom Thema.

Maik
The intuitive mind is a sacred gift and the rational mind is a faithful servant. We have created a society that honors the servant and has forgotten the gift.
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Re: Kolumne des Spiegel über Hochsensibilität

Beitragvon Neongrau » So 18. Feb 2018, 16:41

Hi Maik,

Rakete hat geschrieben:Naja, aber ob das jetzt wirklich Spiegel-Niveau ist? Gehören die jetzt auch zu Bild?


Es ist ja "bloß" eine Kolumne, und da muss man scheinbar nicht sehr differenziert an das Thema herangehen. Insgesamt sehe ich das genau so wie du, und wie du richtig schließt: Es kommt immer darauf an, was man selbst sehen will. Und wenn man etwas wie Hochsensibilität aufgrund fehlender eigener Erfahrungen nicht nachvollziehen kann, urteilt man vielleicht mal eben vorschnell darüber. Man kann ja auch gar nicht alles nachvollziehen können (ich kann z.B. nicht nachvollziehen, wie extrovertierte Menschen nach stundenlanger sozialer Interaktion noch "aufgetankter" sein können als nachher), aber dann sollte man mit seinem Urteil darüber auch vorsichtig sein, und das hat mich an dem Text doch gestört.

Und wie alle Charaktereigenschaften sind die Übergänge von Sensibilität zu Hochsensibilität auch fließend - da gibt es keine "Diagnose" oder messbare Grenze, dementsprechend auch keine definierbare Gruppe, der man sich zugehörig fühlen könnte. Und weder mit Hochsensibilität noch mit anderen meiner Charaktereigenschaften gehe ich bei anderen hausieren - mich hat auch noch niemand mit "Ich bin sehr ordentlich" oder "Ich bin sehr naturverbunden" begrüßt.

Viele Grüße,
Neongrau
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Re: Kolumne des Spiegel über Hochsensibilität

Beitragvon Rauhnacht » So 18. Feb 2018, 17:53

Als Mann sollte man(n) nicht mit seiner Hochsensibilität hausieren gehen. Die Reaktionen sind in den meisten Fällen negativ, bei Männern wird Sensibilität leider immer noch als Schwäche gesehen. Meiner Erfahrung nach muss man es nicht extra erwähnen, meine engsten Freunde wissen, dass ich in manchen Situationen sensibel reagiere und damit können sie leben.
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Re: Kolumne des Spiegel über Hochsensibilität

Beitragvon Fuchur » Do 24. Mai 2018, 16:20

iwikx
Treffende Kolumne! big_smoke
Sie hat die Mechanismen des umgangsprachlichen (?) Verständnisses von HS sehr pointiert aufgezeigt. Es freut mich, wenn Journalisten diese Entwicklungen erkennen und aufzeigen, denn manche Journalisten sind bestimmt hochsensibel, da sie ohne feinfühlige Beobachtung keine Kolumnen schreiben könnten. Richtig witzig finde ich sie im Ausdruck zwar nicht, doch inhaltlich gelungen.


War mal bei einem Musikfestival und wollte ein Stück Kuchen an einem veganen Stand kaufen. Es wäre aber auch egal gewesen, wenn Milchprodukte drin gewesen wären. Als ich bestellte, wurde ich von den beiden Verkäuferinnen direkt in ein Gespräch über Achtsamkeit und Lebensmittelunverträglichkeiten verwickelt. Sie beide merkten während ihres geisteswissenschaftlichen Achtsamkeitsvortrags nicht, dass ich einfach Kohldampf hatte und nicht diskutieren wollte, weil ich ja sehr zufrieden mit dem leckeren Kuchen war. Als ich sie dann über die geringe Menge an tatsächlich von Zöliakiebetroffenen aufklärte, reagierten sie beleidigt. Die eine trug dieses typische biedere vegan-mafiöse Angorastirnband mit Flechtmuster und dazu die üblichen hippster-menocore-Klamotten.
Soll das irgendwie intelligent oder lebenserfahren wirken und haben beide vor sanfter Weiblichkeit fast zerschmelzenden Süßen mal daran gedacht, wie Angorawolle hergestellt wird? Oder hört dort die Achtsamkeit auf, wenn sie nicht mehr dem eigenen Vorteil oder der eigenen Coolness und Gruppenzugehörigkeit dient? Oder dienst der ganze Zauber _magic_ eher zum Selbstschutz vor potenziellen Vergewaltigern und weil es so schwierig ist, in der Kleiderkammer eine ganz besonders abgefahrene Kopfbekleidung zu ergattern, wenn die sexy Niqabs ausgegangen sind? ;)

Bei ehemaligen Kunden im Außendienst war jedes zweite Lehrerkind ADHSler, aber ganz besonders kreativ, betüddelt und begabt, musste aber schon in der Schule MPH nehmen, damit es nach jahrelanger Übung der C-Dur-Tonleiter später endlich studieren kann.... icon_winkle

Eine ehemalige Bekannte/Kollegin hat sich im Laufe der Jahre mit ihrer angeblichen Hochsensibilität, Opferstatus, Egozentrik und passiven Manipulationstechniken ins soziale Nirvana katapultiert, gleichzeitig war sie im Austeilen gegen die unsensible Außenwelt viel viel besser als im Einstecken. smasz

Oder aber die Eltern von Grundschülern, die bis zur vierten Klasse Kindern keine Noten oder richtiges Schreiben zumuten wollen, da die sensiblen Kleinen durch negative Erfahrungen wie schlechte Bewertungen oder andere Misserfolge bereits im Kindesalter traumatisiert werden könnten. _girliecat_
I love Thomas Bernhard _roseboy_

Das Leben ist meist Träumerei
Die Wahrheit ist eher selten dabei

Und hättest du mich nicht gefragt
Hätte ich auch nichts gesagt

Andreas Dorau; Wir Sind Keine Freunde; Ich bin der eine von uns beiden; 2005
Fuchur
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