... bin ich so wie ich bin?

Hallo, gut dass du hier bist - wir sind schon neugierig auf dich!

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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 21. Dez 2019, 14:33

jonnie hat geschrieben:Die Frage wie ich mich gerne hätte, sollte ich nicht hier schreiben. Somit hast du nun eine Antwort gut bei mir. icon_winkle

Au ja. Aber nicht vergessen! :-)
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Anima (Lufthauch)
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon jonnie » Do 26. Dez 2019, 04:27

Eine kleine Geschichte!

Es war einmal.....alle Geschichten beginnen so.
Es war einmal ein kleiner Junge. Grade frisch geschlüpft, bekam er ein mächtiges Geschenk. Ein Rucksack oder sowas ähnliches.
Dieser Rucksack liess sich nicht abnehmen. Was soll er also machen? Er trug ihn.
Seine Familie verstand nicht was es mit diesem Rucksack auf sich hatte. Sie verstanden es einfach nicht. Denn sein Inhalt beeinflusste den Jungen. Er machte ihn sensibel. Und nicht nur das, er konnte auch Dinge spüren und sehen die seiner Familie vollkommen fremd waren.
Am Anfang war das noch ganz ok. Der Zwerg ist halt ein ganz kleines zartes Kind. Träumt, weint, spielt.
Er hört früh aus seinem Umfeld sprüche wie: "Der ist zu sensibel. Der wird mal Tänzer. (Hoffentlich kein schwuler Tänzer). Das wird nie n Mann. Der wird sich nie behaupten im Leben. Aber in der Schule wird er das schon lernen."
Irgendwann kam für ihn tatsächlich der erste Schultag. Kurz gesagt...er lernte es nicht. Denn er hatte diesen Rucksack.
Ging es jemandem aus seiner Klasse schlecht, ging es ihm auch schlecht. Dafür sorgte der Rucksack. Wenn sich allerdigs jemand freute, so konnte er sich aus vollem Herzen mitfreuen.
Seiner Familie gefiel diese Gefühlsduselei schlichtweg garnicht. Er sollte ein Mann werden. Und zwar ein richtiger.

In seinem Umfeld gab es seit er denken kann Gewalt. Sie wurde von allen anderen akzeptiert. Damit war klar das der kleine Junge, wenn er denn den Erwartungen seiner Umgebung entsprechen will, einfach nur das gelebte seiner Familie annehmen musste. Eigentlich nicht so schwer.
Da war nur der Rucksack. Voll mit diesen Sachen die nicht gewünscht waren.
Abnehmen war unmöglich.
Ihn ignorieren ging auch nicht. Ausserdem brachte er immer mehr Dinge zutage je älter er wurde.
Er fing an Emotionen zu spüren. Konnte Verletzungen sehen. Lügen. Und was die Grundeinstellung seiner Gegenüber ist. Das leben fing an sich in gut und böse aufzuspalten.
Am Anfang war das sooo Spannend.
Es gab nur zwei kleine Probleme. Erstens konnte er niemandem davon Berichten. Und er wusste nichts von dem Preis den man für diese Art von Informationen bezahlen muss.

Als junger Mann (und er war in den Augen seiner Familie inzwischen ein echter Mann) erkannte er sein Talent Menschen zu helfen.
Bekanntermassen gibt es da ja verschiedenste Möglichkeiten.
Ein Beruf erschien ihm allesdings Perfekt. Dort konnte man helfen, war aber auch immer wieder Hochemotionalen Momenten voller Freude sowie Agressionen ausgesetzt. Für ihn der perfekte Job. Das kannte er ja.
Warum er meistens einen Moment vor allen Anderen wusste das etwas passiert, musste er nur für sich behalten.
Sein Rucksack hat ihm oft geholfen. Ihn manches mal gerettet. Aber fairerweise muss man sagen das seine "Gabe" ihn auch schnell hat altern lassen.
Egal. Seine Kollegen, die neue Familie, fand das toll.
Im laufe der Jahre wechselte er immer mal die Branche. Wobei er stets darauf achtete das sich emotionale Ausnahmesituationen und sein mitlerweile tonnenschwerer Rucksack miteinander wie Yin und Yang verbanden.
Jahre später fragte ihn mal ein Therapeut nach dem tieferen Sinn hinter seinem beruflichen Weg. Ich kann euch versichern, der Junge hat lange und ausgiebig über diese Frage gelacht.

Ich könnte noch Stunden über den Bengel schreiben. Aber es soll eine kleine Geschichte und kein Roman sein.

Wir kommen zum Schlussteil:
Nachdem nun viele Jahre ins Lang gegangen sind. Der kleine Junge ist inzwischen alt, müde, ausgelaugt. Kommt plötzlich und unerwartet ******** um die Ecke.

******** sagt: "Hallo Kleiner! Oh scheiße, wie siehst du denn aus?"

Junge: "Wer bist du?"

******** : "Ich hab die damals dieses Geschenk gemacht. Den Rucksack."

Junge: "Dann kannst du mir bestimmt erklären was das Ding soll? Mein ganzes Leben musste ich ihn tragen. Manchmal wollte ich ihn sogar. Aber die meisste Zeit meines Lebens haben ich diese Last auf meinem Rücken gehasst."

******** : " Meinst du diese tolle Multifunktionswerkzeug das dein Leben, und das der Anderen in deinem Umfeld, um so viel reicher, tiefgründiger, intensiver macht. Das dich trägt und beschützt. Das so vielfätige Funktionen.....Aber wie sieht dein Rucksack denn aus? Was hast du damit gemacht? Der ist ja nur noch Schrott! Hast du ihn denn nie gepflegt?"

Junge: "Multifunktionswerkzeug? Funktionen? Pflege? Ich verstehe nicht?"

********: "Du musst vorher unbedingt die Bedienungsanleitung lesen. Und ganz wichtig ist auch die Pflegeanleitug. Wenn du dich an die Anleitung hältst, kan euch beiden fast nichts passieren. Ihr werdet viel Spaß zusammen haben."

Junge: "Welche Anleitung? Hab nie eine bekommen."

********: "Ups, hihi... Hab ich wohl vergessen dir mitzugeben. Macht nix. Ich geb dir schnell diese. Besser Spät als nie. Und mach nicht so ein Gesicht."


Anmerkung
Für ******** kann man Wahlweise Die Fee, Buddha, Gott, das Universum, Mutti oder was auch immer einsetzen.
Als Co-Autor stand mir ein Schlückchen Rotwein zur Seite.
Wirre Gedanken sind zum verwirren da. :-)
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon Velvet » Do 26. Dez 2019, 06:34

Hallo jonnie,

ich habe deine Geschichte- sogar eine mit ein bisschen happy end :) - gern gelesen und mich ziemlich verbunden gefühlt mit der Hauptperson und seinem "Handycap". Ich hoffe, du und dein Co-Autor schreiben irgendwann an einer Fortsetzung. Ich fänd´ interessant zu lesen, wie es diesem Menschen nun samt der Bedienungs- und Pflegeanleitung ergeht.

Ich würde ihm sehr wünschen, dass er sich ein bisschen von seinen Lebensanstrengungen erholen kann und ihm der Rucksack zunehmend leichter und nützlicher wird.

Danke für´s Mit- Teilen :).

Viele Grüße
Velvet
.Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller (1759- 1805)
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon Source » Do 26. Dez 2019, 15:22

Hey jonnie,

danke für deine kleine Geschichte. Ich finde deinen Humor klasse - oder ist es Zynismus?
Auf jeden Fall konnte ich mich an vielen Stellen wiederfinden. Offenbar habe ich einige ähnliche Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel habe ich lange gedacht, meine Sensibilität sei ein Ballast, den ich mit mir herumschleppe, der sonst zu nichts taugt. Das lag daran, dass mein Umfeld mir das suggeriert hat. Des weiteren habe ich ähnliche Sprüche zu hören bekommen: Du bist zu sensibel, du musst dich durchsetzen - all diese undifferenzierte Zeugs. Dass HS auch eine Ressource ist, das kam gar nicht erst in Betracht. Heute möchte ich diese Eigenschaft nicht mehr missen. Mein beruflicher Weg verlief auch nicht sonderlich gerade. Schließlich habe ich in einem helfenden Beruf ergriffen und bin nun dabei, tiefer in die Perspektiven derjenigen einzutauchen, die professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Das macht mir unglaublichen Spaß, auch dabei kommt mir meine HS zugute.
Es gibt auch ein paar Merkmale, die wir nicht teilen. Zum einen bin ich eine Frau - man sollte denken, Frauen wird eher zugestanden, ein "Sensibelchen" zu sein. In meinem Fall war das nicht so. Zum anderen würde ich für den Platzhalter ****** viele, viele Menschen einsetzen, die mir bislang auf meinem Weg begegnet sind und mir auf ganz unterschiedliche, mal mehr und mal weniger eindeutige Art und Weise zu verstehen gegeben haben, dass HS auch (nicht nur) eine Stärke, und nicht nur eine Schwäche oder ein Ballast ist.

Liebe Grüße
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Do 26. Dez 2019, 20:44

jonnie,
sehr nett, dieser Dialog mit den „Sternen“. :-)

Und ja, ich habe auch Fragen über Fragen an die Sterne.

Auch z. B. deine Ausgangsfrage „... bin ich so wie ich bin?“ stelle ich ihnen und mir auch immer wieder; zwischendurch auch in noch etwas abgewandelter Form: „… sind wir Menschen so wie wir sind?“
Sind wir Menschen letztlich verlorene Seelen, verloren an: unsere Veranlagungen, unsere Erfahrungen der Vergangenheit, die Umstände, den Lauf der Welt? - Ja!!
Oder sind wir auch - ein Mini-Mini-Mini-Teil in uns wenigstens – Hüter unserer eigenen Geschicke? - Ja??

Ich bin immer wieder seeeehr unsicher darüber, und die Sternchen-Schar gibt mir auch täglich widerstreitende Antworten dazu, leider sind sie sich auch nicht eben einig.
Manchmal sagen sie: „der Rucksack voller Wackersteine presst dich, Mensch, in den Boden und da bleibste auch ewig drin stecken.“ Dann sagen sie: „setz das Ding mal ab, und atme frei durch und hol dir was zu trinken raus, sind ja nicht nur Wackersteine drin (um Missverständnissen vorzubeugen, mein Getränk heißt nicht „HS“! icon_winkle ), und dann lauf etwas gestärkter mit diesem Rucksack weiter deiner Wege.“ …

Oh je, ich hoffe, ich habe jetzt beim Verständnis deiner Geschichte nicht das Thema verfehlt – früher in der Schule waren meine Interpretationen von Gedichten und Geschichten nämlich auch immer viel „seltsamer“ als die von den anderen, und es gab eine schlechte Note dafür. floet
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon jonnie » Fr 27. Dez 2019, 22:33

Hallo Velvet,
vielen Dank für deine Antwort.
Es wird bestimmt keine Fortsetzung geben. Zum einen ist die Story eigentlich zuende.
Ausserdem bräuchte ich als Schreiberling dafür einen Drink. icon_winkle
So wie ich den Protagonisten kenne, wird er allerdings die Geschichte immer wieder überdenken. Das für und wieder abwägen. Sich in Gedankenspielen und Träumereien über Zukunft und Vergangenheit verheddern.
Am Ende, und da bin ich mir ziemlich sicher, wird er sich an seine Herkunft erinnern (er hat einen Abschluss der Ghetto-Uni) und wird dem ****** im allerfeinsten Strassenslang erklären wo er sich seine Anleitung hinstecken kann. _grin_
Und ich werde mich dann köstlich Amüsieren.
Sei gegrüßt
Zuletzt geändert von jonnie am Fr 27. Dez 2019, 22:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon jonnie » Fr 27. Dez 2019, 22:37

Hallo Source,
ich danke die sehr für deine ehrlichen Worte. Sowas bedeutet mir viel.
Zynismus ist bei mir nicht so beliebt. "ACH DU SCHEISSE!" dann ist es vielleicht Humor. _headbang_
1000 Dank
Sei gegrüßt
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon jonnie » Fr 27. Dez 2019, 22:38

Hallo Anima,
also das du bei deinen Interpretationen in der Schule schlechte Noten bekommen hast, kann ich nicht verstehen. Als einzige Erklärung fällt mir nur ein, das deine Lehrer zuviel Zeit in staubiger Umgebung zugebracht haben. Die müssen mal an die Luft. Oberlehrer jonnie gibt dir ne gute Note.
Anscheinend beschäftigt dich der Threadtitel.
Ich weiß ziemlich genau wie ich bin. Das heisst nicht das es mir gefällt. Und du?
Verloren Seelen würde ich uns nicht nennen. Fragile Seelen gefällt mir besser. Und Hüter unserer eigenen Geschicke sollten wir sein.
Sei gegrüßt
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon Source » Sa 28. Dez 2019, 19:04

Hey jonnie,

ich seh schon, du hast die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest längst gefunden _grin_ 1alie

LG Source
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Re: ... bin ich so wie ich bin?

Beitragvon jonnie » Sa 28. Dez 2019, 20:11

Ich bin begeistert. icon_winkle
Ab sofort nur noch SuperSource.

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