Auch ich stelle mich erst einmal vor

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Auch ich stelle mich erst einmal vor

Beitragvon QuietQuality » Mo 19. Sep 2016, 16:05

Hallo Ihr Lieben,

ich bin neu hier und möchte mich an der Stelle auch erst einmal vorstellen. Ich bin positiv überrascht, welch viele Facetten man hier kennenlernen kann und freue mich gerade darüber, dass ich mich aufgemacht habe, endlich einmal mit dem ewigen Gefühl des "Letzlich-Doch-Immer-Wieder-Alleinseins" eben nicht so ganz allein zu sein.

Ich bin bereits 53 und habe ein Leben aus Karriere und Abstürzen hinter mir aufgrund meines Wesens. Bereits in der Schule - wie bei so vielen - merkte ich, dass ich "anders" bin und selbst in der Pubertät habe ich mit den männlichen testosterongesteuerten Freunden und Bekannten um mich herum nie wirklich "anfreunden" können, mir hat das eher Angst gemacht, dass ich anders bin als andere. Ich werde heute noch oft für homosexuell gehalten (was für mich völlig O.K. ist, sogar ein Kompliment), hohe Sensibilität ist aber an keine sexuelle Ausrichtung für mich gebunden. Der Versuch "mitzuhalten" und etwas zu sein zu wollen, das ich eigentlich nicht bin, hat mich mein ganzes Leben begleitet und bestimmt und führte zu seltsamen Blüten. In meinem Beruf gab es das ganze Spektrum von weit oben (gefragt dafür, dass ich Dinge "sehe", die andere nicht sehen und mein Einfühlungsvermögen) bis zur Arbeitslosigkeit. In Partnerschaften habe ich in 3 langjährigen Beziehungen die ganze Palette von Euphorie und Begeisterung für einen Menschen bis hin zur völligen Selbstaufgabe und bis zum Verbiegen kennengelernt. Lange, quälende Monate, ja oft sogar ein Jahr nach Trennungen musste ich überstehen und sogar nach nur kurzen Episoden war ich ein Gefangener meiner selbst, immer nur getrieben von der Sehnsucht, Wärme und Liebe zu spüren und geben zu dürfen. Partnerschaften scheiterten nicht selten daran, dass sich meine Freundinnen oder meine Ehefrau "durchschaut" fühlten und den Satz "Du kennst mich besser als ich selbst" habe ich nicht nur einmal gehört. Ich konnte meinen Wesenszug nie wirklich leben im Rahmen meiner Verantwortung für Kinder und Familie. Auch die momentane Beziehung funktioniert wieder nicht wirklich, weil meine Freundin zwar sehr lieb und einfühlsam ist, aber letztlich mit meiner "komplizierten" Art wieder nicht klar kommt. Ich habe dabei ohne auch nur den Ansatz von Arroganz zu haben, ständig das wachsende Gefühl, analytisch-psychologisch-intellektuell überlegen zu sein, was mich quält. Für Liebe muss ich mich zurücknehmen und Im Laufe der Zeit habe ich zwar mehr Selbstbewusstsein entwickelt, ich selbst zu sein, doch macht das am Ende wieder nur noch mehr einsam. Zwischenzeitlich hatte ich mich immer wieder selbst für beziehungsunfähig erklärt, was dann prompt dazu führte, dass mir jemand über den Weg lief, von der ich dachte, dass ist jetzt endlich dann doch die Richtige.

Und der Alltag. Die Vernetzungsdichte in München ist so hoch, dass es für mich jeder Arbeitsweg mittlerweile eine Qual ist, wenn ich aus der Tram aussteigen muss und einmal quer durch den Münchner Hauptbahnhof in Richtung U-Bahn am anderen Ende Slalom laufen muss, weil ich ständig scanne und wahrnehme, was die, die da kreuz und quer laufen, jetzt im nächsten Sekundenbruchteil machen.

Nach einer Schwermetallvergiftung 2004 ist das Ganze auch noch schlimmer geworden und die Sinneswahrnehmungen sind nochmals gereizter, während die Informationsverarbeitung jede Sekunde heißer läuft. Kälte-, Hitze- und Lärmüberempfindlichkeit haben zugenommen und mit zunehmendem Alter wächst die Angst, am Ende ganz allein da zustehen.

Trotzdem bin ich irgendwie auch stolz, das alles bis hierhin geschafft zu haben und verbiege mich lange nicht mehr so wie früher. Aber das Gefühl bleibt, dass die Masse gar nicht mehr mitbekommt, wie es ihnen geht und die immense Beschleunigung trägt ihr Übriges dazu bei. Je mehr ich über mir selbst stehe und mich reflektiere, desto mehr Angst bekomme ich vor dieser unglaublichen Einsamkeit, die sich dadurch auftut.

Ich bin gespannt auf den Austausch hier und habe nicht dagegen, Menschen aus München und Umgebung jeden Alters auch persönlich kennenzulernen - nicht gerade auf dem Oktoberfest versteht sich - da tobt sich übrigens auch meine Freundin ohne mich aus... was mich wiederum schmerzt, aber das ist auch wieder so ein Thema. Dem anderen die Freiheiten lassen, weil er sich sonst eingeengt fühlt und das als Eifersucht interpretiert werden könnte.

Es geht wohl vielen hier so, dass man endlos weiterschreiben könnte. Ich schau mir aber lieber jetzt erst einmal die einzelnen Rubriken in Ruhe an.

Seid alle lieb gegrüßt!
QuietQuality
 

Re: Auch ich stelle mich erst einmal vor

Beitragvon Silicea » Mo 19. Sep 2016, 22:52

Hallo QuietQuality,

herzlich Willkommen hier im Forum sm_06

Komm in Ruhe hier an von deinem bewegten Leben (habe auch schon die 5 vorne stehen ;-) ),
es gibt ja viel zu lesen hier und viele liebe Leute _yessa_

Ich wünsche dir einen guten Austausch hier und in München gibt es doch sicher auch HSP-Treffen,
müsste ja in einer Rubrik zu finden sein. Vielleicht wäre das ja dann ein Schritt deiner Angst vor
Einsamkeit entgegen zu wirken.

Viele Grüße,
Silicea
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