Ein etwas anderer HSP :)

Hallo, gut dass du hier bist - wir sind schon neugierig auf dich!

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Ein etwas anderer HSP :)

Beitragvon Sundown » Fr 4. Mär 2016, 22:35

Hallo zusammen,

erst einmal ein Lob an euch alle - dieses Forum ist eine tolle Sache, eine super Möglichkeit zum Austausch, der sich ja sonst eher schwierig gestaltet und auch die Gemeinschaft scheint ja hier gut zu funktionieren! _thum_

Vielleicht zunächst noch ein paar Worte zu mir. Ich bin männlich, Anfang 20 und studiere Wirtschaftsingenieurwesen an einer TU, ein leider doch recht anspruchsvolles Studium, auch ohne Hochsensibilität. Zu der Erkenntnis über meine Hochsensibilität bin ich durch einen Zusammenbruch zu Beginn meines Studiums gelangt, der mich für einige Monate komplett aus der Bahn geworfen hat. Seit diesem Zeitpunkt habe ich Tag für Tag sehr hart an mir gearbeitet, um zu lernen mit meiner Hochsensibilität umzugehen und meinen Alltag auf die Reihe zu bekommen. Diese 3 Jahre waren eine sehr harte und anstrengende Zeit für mich, wie sicherlich auch für wie viele andere in diesem Forum hier. Gelohnt haben sich diese Anstrengungen aber definitiv, ich bin in jeglicher Hinsicht um so vieles stärker geworden.

Wie schon erwähnt glaube ich mit recht großer Bestimmtheit auch mich zu den Hochsensiblen zählen zu dürfen, ich erkenne mich in so vielen Merkmalen und Ausprägungen dieser besonderen Gabe wieder. Allerdings bin ich nach Beschreibungen und Schilderungen von anderen Hochsensiblen der Meinung, dass ich mich dennoch irgendwie von anderen Hochsensiblen unterscheide, zumindest in einigen Punkten. Da ist zum Einen meine Extrovertiertheit. Ich bin ein sehr selbstbewusster, kontaktfreudiger Mensch, habe viele Freunde und Bekannte. Ich gehe schnell auf Menschen zu, bin offen, genieße es in größeren Gruppen durch meine Art auch mal im Mittelpunkt zu stehen. Ich suche eher Harmonität als Rivalität, habe aber auch meistens kein Problem damit, mich durchzusetzen oder ein Wettkampf einzugehen, wenn es denn sein muss. Ich liebe den Sport und unternehme generell sehr gerne etwas, bin aber auch ein Mensch, der sehr viel mit dem ‚Kopf’ macht. Ich schätze soziales Beisammensein genauso sehr wie das Allein-Sein, das ich auf jeden Fall auch benötige.

Die Beziehung zu meiner Hochsensibilität ist eine sehr komplizierte. Mit jedem Tag, den ich an mir arbeite und stärker werde merke ich, was für eine enorme Kraft diese Gabe für mich entfalten kann. Gleichzeitig aber werde ich aber auch immer wieder von ihrer Komplexität überrascht. Generell aber habe ich eine sehr aktive, offensive und pragmatische Haltung entwickelt, um den Umgang mit meiner Hochsensibilität zu verbessern. Dabei hilft mir vor allem auch das ständige Reflektieren, das bei uns Hochsensiblen ja anscheinend naturgemäß stärker ausgeprägt ist. Während mein Zustand vor 3 Jahren noch so katastrophal war, dass ich meine Wohnung nicht mal mehr zum Einkaufen verlassen konnte, bin ich heute zum Glück nur noch wenig eingeschränkt in meinem Alltag. Den sehr harten und steinigen Weg dorthin musste ich mir allerdings alleine suchen, Tipps aus Büchern und anderer Literatur haben mir dabei nicht allzu sehr geholfen.

Diesem Forum beigetreten bin ich vor allem, um mich mit euch über Erfahrungen und Erkenntnisse in Bezug auf den Umgang mit Hochsensibilität auszutauschen :) Entschuldigt den etwas lang gewordenen Text :D smuup

In diesem Sinne, liebe Grüße,
Sundown
Sundown
 

Re: Ein etwas anderer HSP :)

Beitragvon Muntje » Sa 5. Mär 2016, 12:46

Willkommen hier im Forum, Sundown!

Zuerst einmal: Jeder und jede Hochsensible ist anders als alle anderen Hochsensiblen und unterscheidet sich von ihnen.
Du bist also ganz gewiss irgendwie anders als andere Hochsensible. Das sind wir nämlich alle…
Sundown hat geschrieben:Ich bin ein sehr selbstbewusster, kontaktfreudiger Mensch, habe viele Freunde und Bekannte. Ich gehe schnell auf Menschen zu, bin offen, genieße es in größeren Gruppen durch meine Art auch mal im Mittelpunkt zu stehen. Ich suche eher Harmonität als Rivalität, habe aber auch meistens kein Problem damit, mich durchzusetzen oder ein Wettkampf einzugehen, wenn es denn sein muss.

Hochsensibilität bedeutet keineswegs zwangsweise, dass der Mensch mit dieser Eigenschaft ein Eremit ist, völlig zurückgezogen in allen Belangen des Daseins lebt und niemanden kennt. Gewiss gibt es Hochsensible, die kontaktscheu sind. Gewiss gibt es unter uns Personen, die gerne ganz für sich alleine leben möchten. Aber das ist alles keinesfalls normativ zu sehen.
Ich selber gelte bei allen Menschen, die mich persönlich kennen, als Hochsensibler schlechthin. Und doch kann ich mich in Deinen Beschreibungen durchaus auch wieder erkennen. Ich habe einen sehr großen Bekanntenkreis. In ihm zu baden benötige ich ebenso wie mein Rückzugsgebiet. Und jeder akzeptiert das. Auch meine Familie lässt mich dann alleine, wissend, dass ich beim Wiederauftauchen dann erneut voll einsatzfähig bin. Durchsetzungen und Wettkämpfe kenne ich dabei aber sehr selten für mich selber. Ich bin vielmehr zu ungeahnten Fähigkeiten in der Lage, wenn es um die Verteidigung von mir nahe stehenden Personen geht. Für andere kann ich kämpfen.
Sundown hat geschrieben:Mit jedem Tag, den ich an mir arbeite und stärker werde merke ich, was für eine enorme Kraft diese Gabe für mich entfalten kann.

Mit Anfang Zwanzig war ich noch nicht so weit. Wenn Du es schaffst, diese Gabe, wie Du es nennst, sowohl in Deinem Sinne als auch im Sinne anderer einzusetzen, bist Du auf dem richtigen Weg.
Sundown hat geschrieben:Während mein Zustand vor 3 Jahren noch so katastrophal war, dass ich meine Wohnung nicht mal mehr zum Einkaufen verlassen konnte, bin ich heute zum Glück nur noch wenig eingeschränkt in meinem Alltag. Den sehr harten und steinigen Weg dorthin musste ich mir allerdings alleine suchen, Tipps aus Büchern und anderer Literatur haben mir dabei nicht allzu sehr geholfen.

Der erste Teil Deines ersten Satzes hört sich für mich nach einer handfesten Depression an. Das weitere zeigt mir dann den starken Menschen, als den Du Dich weiter oben beschreibst. Doch ist es keine Selbstverständlichkeit, dass man sich von alleine aus solch einer Situation heraus manövrieren kann.
Das mit der Literatur geht mir genauso. Allgemein gehaltene Anregungen waren im Grunde keine Neuigkeit mehr für mich, was aber auch daran liegen könnte, dass ich meine Hochsensibilität schon als ganz kleiner Junge gespürt habe und mich damals ihrer mitnichten schämen musste.

Viel Spaß nun beim weiteren Austausch, Sundown. Möge sich dieses Forum für Dich dereinst zu einem Sunrise verändern.

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