Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

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Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon Sommerlicht » Mi 25. Sep 2013, 16:56

Hallo ihr Lieben _Mij_

Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll. Ihr habt hier ein tolles Forum aufgebaut. Was ich bisher gelesen habe, hat mich sehr berührt und ich habe mich in vielem wiedergefunden. Ich habe mich angemeldet, weil ich nicht mehr weiter weiß und hoffe, dass ich hier den einen oder anderen Rat finde.
Es ist für mich immer noch ein Wunder, dass es andere Menschen gibt, die genauso empfinden wie ich. Mich berührt der Anblick eines Sonnenstrahls, der durch die Wolken bricht oder das Lächeln eines Kindes, das einen Hund streicheln darf so tief.
Und nie hat es jemand verstanden.
Nur irgendwie. Jaja, schön dass die Sonne durchkommt und welches Kind? Guck mal, Karstadt hat Jeans im Sonderangebot. (Ich will nicht wissen warum. Kinder in Indien, die in dunklen Hinterhöfen Hosen mit Strasssteinen besticken, drängen sich in meine Gedanken. Übermüdete Arbeiter an riesigen verdreckten Maschinen, die Lippen und Hände blau vom giftigen Farbstoff der Jeans, während vor der Fabrik ein ölig schimmernder schwarz-violetter Fluss fließt und die Abwässer Richtung Meer trägt.) Jeans im Sonderangebot, ich könnte heulen. Meiner Freundin verderbe ich damit nur die Laune, hier versteht man mich(?).

Ich bin 28 Jahre alt, fühle mich manchmal wie eine staunende 8-Jährige und manchmal wie eine 90jährige Greisin. Mein Leben ist eine Achterbahn, obwohl ich oft das Gefühl habe, dass es mehr runter, als rauf geht. Die Welt, so schön sie auch ist, überfordert mich. Schon als Kind konnte ich eine 4stündige Zugfahrt lang einfach nur aus dem Fenster starren und nachdenken.
Nach der Schule Beginn einer Ausbildung – abgebrochen. Beginn eines Studiums, versucht durchzuhalten, Studiengangwechsel – gekämpft bis zum totalen Zusammenbruch - abgebrochen.
Lange Pause um wieder auf die Beine zu kommen.
Nebenjobs. Neustart mit Ausbildung – abgebrochen nach nichtmal 6 Monaten. Die Menschen in meiner Umgebung sind verwundert. „Mensch, du bist doch so klug, das solltest du doch problemlos schaffen.“ Ich weiß selbst, dass ich nicht blöd bin, leider nützt mir das nichts. Wenn ich mich auf eine Aufgabe im Büro konzentrieren soll und draußen der Wind heult, die Sonne auf dem Fensterbrett schimmert, so dass man das Gefühl hat, man könnte dieses warme goldene Licht mit den Händen schöpfen, wenn in der Ferne ein Telefon bimmelt, vor der Bürotür Kollegen hin- und herlaufen und vielleicht auch noch einer im Zimmer sitzt ... Selbst wenn er ganz ruhig ist, nur ab und zu mit der Tastatur klappert, etwas umblättert oder auch nur atmet ... das ist alles so unheimlich ablenkend, anstrengend, so ein riesen Kraftaufwand, sich zu konzentrieren. Eine Weile halte ich es aus, irgendwie. Jeden Tag. Aber nach ein paar Wochen, Monaten ist Ende Gelände, dann ist mein Akku leer.

Wieder Abbruch, Krankschreibung, zuhause bleiben, erholen ... Nach einiger Zeit ist der Akku wieder voller und dann beginnt das ganze Spiel von vorn. Jedes Mal denke ich: diesmal passiert dir das nicht, diesmal schaffst du es, ganz bestimmt! Reiß dich zusammen, wenn du nur willst, kriegst du das hin! Und dann habe ich nette Kollegen, ein angenehmes Betriebsklima, ich mache in den Pausen Entspannungsübungen, achte auf meine Ernährung und ausreichend Schlaf ... Und merke, wie ich langsam untergehe, wie mich jeder Tag mehr schlaucht. Ein stinknormaler 8-Stunden Tag.

Wieder arbeitslos. Zuhause geht es mir gut und ich schäme mich dafür. Das Arbeitsamt vermittelt mich in die Reha-Abteilung, ich bekomme einen Platz in einer beruflichen Reha. 7-Stunden Tag, ein paar Grundfächer, ansonsten Sport, reden, malen. Unter den Mitrehabilitanten finde ich schnell Anschluss, schüchtern bin ich nicht, manchmal sogar fast ein bisschen überdreht in dem verzweifelten Versuch dieser lauten Welt etwas entgegenzusetzen. Die Reha zehrt an meinen Nerven. Die netten Dozenten, die freundliche Psychologin, das Basteln in großer Runde. Es macht Spaß, es erschlägt mich, es lässt mich innerlich so erzittern, dass ich nach Feierabend zuhause auf dem Bett zusammenbreche und bis zum nächsten Morgen durchschlafe.
Keiner kann es sehen, weil ich es nicht zeige. Ich rede mit der Reha-Psychologin darüber und merke, dass sie mir nicht glaubt. Nach außen hin bin ich perfekt, ich lächle, ich kann nicht anders, ich wirke gefasst, ruhig, obwohl in mir ein Sturm tobt. Ich reflektiere über mich selbst, die Psychologin merkt, dass sie mir nichts raten kann, was ich nicht schon gehört hätte. Positives Denken. Auf sich selbst achten. Gesunde Ernährung. Ausreichend Bewegung. Nicht unterfordern, nicht überfordern. Versuchen, sich an Belastung zu gewöhnen. Ha! Das ist der Knackpunkt, was ich mein ganzes Leben lang versuche – mich an die normale Belastung eines Menschen zu gewöhnen.

Der 7-Stunden-Tag der Reha hölt mich aus, ich bin häufig krankgeschrieben. Dann ein ernstes Gespräch. Fachlich alles top, aber die Anwesenheit ... So geht es einfach nicht. Die Reha wird abgebrochen.
Jetzt sitze ich hier, hinter mir eine Odyssee an Ärzten und Psychologen die mir alle nicht weiterhelfen konnten. Ich bin nicht krank, nicht wirklich. Nur hochsensibel. Oder, wie es der Gutachter des medizinischen Dienstes des Arbeitsamtes ausdrückte: „Frau ... ist der Ansicht mit der Eigenschaft „hochsensibel“ ausgestattet zu sein.“ Ich bin dieser Ansicht und ich weiß nicht wie es weitergehen soll. Meine aktuelle Ärztin hat mir vorgeschlagen, eine Kur zu machen oder in eine psychosomatische Klinik zu gehen. Als ob ich auf diese Idee noch nicht selbst gekommen wäre. Eine Kur hilft nur in dem Augenblick, den ich dort bin, aber nicht 2 Monate später an meinem Arbeitsplatz.

Am liebsten würde ich beruflich zuhause arbeiten – aber was? Selbstständige werden trau ich mir nicht zu, dafür kann ich mir selbst nicht genug in den Hintern treten. Und wenn ich sehe wie viel Stress mein (selbstständiger) Onkel hat, graust es mir. Der weiß nie, ob er in 2 Monaten noch die Miete bezahlen kann, ständig ändert sich die Auftragslage, immer auf Achse, immer Kommunikation, alles im Blick behalten, organisieren.

Oh Mann, das schreiben hat mich ausgelaugt und ich muss mich wohl für die Länge des Textes entschuldigen, es sollte nicht so viel werden.
Ich weiß, dass sich alles nach viel Selbstmitleid und Gejammer anhört, aber ich weiß nicht mehr weiter. Könnt ihr mir vielleicht einen Rat geben? Vielleicht in beruflicher Hinsicht? Aber ich bin über jede Antwort dankbar – und nochmal tschuldigung für den langen Text.
smuld
Sommerlicht
 

Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon safranise » Mi 25. Sep 2013, 17:45

Liebe(s) Sommerlicht,

herzlich willkommen in diesem Forum und vielen Dank (sag ich mal - möchte nicht anmaßend erscheinen - stellvertretend) für deine grenzenlose Offenheit und das damit verbundene vertrauen. lies dich ein bißchen durch die threads, dann wirst du auf jedenfall erstmal sehen, dass du nicht alleine bist. vielleicht wird dir das genauso gut tun, wie vielen anderen schon. sicher findest du dabei auch antworten auf noch nicht formulierte fragen ...

viele Erkenntnisse, aha-Effekte und vielleicht Entspannung(en)

wünscht safranise _Mij_
Man sollte alles so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher. (Albert Einstein)
safranise
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Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon originalC » Mi 25. Sep 2013, 17:49

Erst einmal Hallo und herzlich Willkommen hier!

Ja, es ist ein langer Text, aber ein Leben hat eben nicht nur 2 Sätze! Das klingt reichlich deprimierend, was du da schreibst! Ich kann dir auf die Schnelle leider keinen Tipp geben, weiß aber, dass du hier einige treffen wirst, denen es ähnlich geht. Also schau einfach mal durch die Beiträge und vielleicht findest du ja da schon ein paar Antworten.

Einem Gutachter beim med. Dienst zu sagen, dass du HS bist ist sicher nicht die beste Idee. Mit dieser Aussage scheint man viele Fragen und noch mehr Skepsis beim Gegenüber hervorzurufen, egal wem man davon erzählt. Du bist nicht krank, das stimmt. Überreizt trifft es schon eher.

Ein "drückerchen" bekommst du aber trotzdem von mir, damit du dich vielleicht ein bisschen besser fühlst! Ich wünsche dir einen inneren Aufwind!!!

Liebe Grüße oC
Manchmal muss man sich seine Gedanken einfach aus dem Kopf schütteln!!! _headbang_
originalC
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Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon Britannia » Mi 25. Sep 2013, 18:20

Hallo liebes Sommerlicht,

erstmal ein herzliches smwk , und es ist gut, daß Du hergefunden hast.

Alles was Du schreibst kann ich 100%ig so unterschreiben, und ich freue mich für jeden jungen Menschen, der von seiner HS erfährt. Denn meines Erachtens eröffnen sich dadurch ganz langsam und subtil neue Möglichkeiten, allein schon durch das Wissen, nicht "neurotisch" zu sein, sondern eben hochsensibel! Je früher, je besser. Ich selbst war schon ca. 10 Jahre älter als Du jetzt, als ich davon erfuhr, und das ist jetzt auch schon wieder lange her.

Mich hat mein Berufsleben auch krank gemacht, ich kann jeden einzelnen Punkt den Du nennst so gut nachvollziehen.
Wäre ich jünger, ich würde mir einen Beruf suchen, in dem ich alleine und abgeschieden arbeiten kann. Ok, was das jetzt konrekt sein könnte kann ich auch noch nicht sagen. Aber ganz ehrlich: als ich körperlich noch belastbar war, bin ich eine Weile mal putzen gegangen. Und ohne Scherz - das war die für mich bisher noch am besten geeignete Tätigkeit, von der körperlichen Belastung mal abgesehen.
Aber ich konnte in Ruhe mein Arbeitspensum erledigen, und dank meiner HS war ich sehr gründlich und mein Arbeitgeber sehr zufrieden! icon_winkle
Ohne Scherz, wenn ich körperlich noch könnte, ich würde mich mit einem Reinigungsdienst selbständig machen. Für Privatleute oder Arztpraxen putzen, Treppenhausreinigung, usw.... Oder Bügelarbeiten, die Du bei Dir zuhause machen könntest.
Ansonsten fiele mir noch ein Hundebetreuung, falls man gut mit Tieren kann. Es gibt gerade in Städten viele Berufstätige, die gerne so eine Tagesbetreuung für ihren Fiffi hätten, wenn sie arbeiten sind. Oder eventuell auch Urlaubsbetreuung anbieten.

Jedenfalls sind das alles Tätigkeiten, die keine allzu große Konzentration erfordern, und wo man für sich alleine arbeiten kann. Für mich persönlich eine gute Lösung. Man müßte sich halt nur verabschieden von Dingen wie Standesdünkel oder Ansprüche der Familie, die das vielleicht nicht verstehen können. So nach dem Motto: und DAFÜR hast Du Abitur gemacht?!?
Aber was hilft es denn alles, einen "anständigen", angesehenen oder rentablen Beruf zu haben, wenn man krank dadurch wird?!
Eine gute Reinigungskraft wird immer einen Job und auch Anerkennung finden, und es ist auch eine Tätigkeit die einen ausfüllt. Mir war es jedenfalls immer eine schöne Befriedigung am Ende zu sehen, was ich wieder geschafft hatte, und wie ordentlich und sauber alles wieder aussah.
Was sieht man nach einem Tag Büroarbeit?! Gar nichts, weil nach dem letzten Stapel Papier schon wieder der nächste auf dem Tisch liegt...

Also, dies nur mal so meine spontanen Einfälle und eigenen Erfahrungen.
Aber lies Dich hier erstmal ein, ich denke es wird Dir schon gut tun einfach mal hier zu lesen und Dich zu beteiligen, denn zu sehen, daß man nicht alleine ist mit seinen ganzen Problemen, ist schon ein Stückchen heilsam, finde ich.
Britannia
 

Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon Walo » Mi 25. Sep 2013, 19:07

Wow, deine Vorstellung liest sich wie ein Roman, ein bissel traurig, aber fesselnd und schön. Würde gerne wissen, wie es weiter geht. Und ob da doch noch der Wendepunkt kommt und sich das Blatt dreht. _reschpekt_

Dein Problem mit der Berufswahl kenne ich aus eigener Haut ganz gut, eine Lösung dafür hab ich selbst noch nicht gefunden.
Wünsche dir von ganzem Herzen, dass du da eine Lösung für dich findest, zumindest in dem Bereich glücklich wirst und eine große Sorge weniger täglich auf deinen Schultern trägst. icon_winkle

smwk
Walo
 

Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon Idira » Mi 25. Sep 2013, 20:47

Hallo Sommerlicht,

auf Grund Deines jungen Alters befindest Du Dich tatsächlich in einer schwierigen Situation.
Ich habe nämlich spontan in Richtung (teilweise?) Erwerbsunfähigkeitsrente gedacht.

Volle Erwerbsunfähigkeit = noch bis zu drei Stunden täglich arbeiten dürfen, sofern es möglich ist.
Teilweise Erwerbsunfähigkeit = noch bis zu 6 Stunden täglich arbeiten dürfen, sofern es geht.

Das würde Dir eine finanzielle Absicherung und einen klaren Status gegeben.
Doch mutmasse ich, dass Deine Rentenanwartschaften altersbedingt noch ziemlich gering sind und auch von medizinischer Seite diese Möglichkeit wohl bislang eher nicht erwogen wird?
Oder wurde das Thema Frühberentung z.B. in der Reha vielleicht doch einmal angesprochen?

Ich komme darauf, weil es mir so scheint, als ob sich möglicherweise Dein Zustand chronifiziert haben könnte und Du deshalb immer wieder nach Erholungsphasen "zusammenbröselst".

Hochsensibilität ist allerdings ganz klar KEINE Erkrankung, insofern für Ärzte diesbezüglich nicht relevant. Es ist eher eine hilfreiche Erkenntnis für Dich selbst.
Es gibt ja nicht nur Entweder-Oder.
Z.B. kann ein Mensch ja sowohl hochsensibel sein UND ein chronisches Erschöpfungssyndrom / oder noch andere Erkrankungen haben.

Wie wurde denn von ärztlicher Seite Deine Problematik eingeordnet?

Falls das Thema Frühberentung für Dich eh nicht in Frage kommen sollte, helfen Dir meine Überlegungen natürlich leider auch nicht weiter.
Sollte dies aber doch ein Thema sein oder in Zukunft noch werden, darfst Du mich gerne jederzeit darauf ansprechen, da ich zu der Gruppe der Menschen gehöre, die hochsensibel UND noch anderweitig krank und demzufolge frühberentet sind. – Übrigens seit meinem 39. Lebensjahr, also auch schon in einem recht jungen Alter.

Schöne Grüße
Idira
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Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon Sommerlicht » Do 26. Sep 2013, 15:28

Hallo ihr Lieben =)

ich bin ganz geplättet von euren vielen Antworten. Danke für das herzliche Willkommen _flov_ Es ist schön, nicht alleine zu sein.

@safranise: Dank dir :-) Ich werde mich nach und nach durch all die Threads und Themen wühlen und vielleicht finde ich ja tatsächlich die Antworten, die ich suche. Schon die Möglichkeit, hier über HS reden zu können hilft sehr.

@originalC: *drückerchen zurück* =) Du hast recht, dem medizinischen Dienst mit HS zu kommen, war nicht grad klug. Die hochgezogenen Augenbrauen sehe ich noch heute vor mir und hinterher hab ich mich geärgert, es erwähnt zu haben. Danke für's Drücken, hilft immer _klp_

@Britannia: *knuddel* Danke für deine Antwort. Ich glaube auch, dass ein Beruf, bei dem ich größtenteils allein arbeite am besten wäre. Leider bin ich körperlich nicht sehr belastbar, viele Allergien etc. Ich würde beruflich gern etwas machen, wo ich mit den Händen arbeiten kann. Denn ich sehe das genauso wie du: es ist viel schöner am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat, als in der endlosen Mühle eines Büros zu stecken, aber das schien mir bisher immer der einzig gangbare Weg und war auch das, wo ich vom AA immer hingeschoben wurde. Darf ich fragen, was du zur Zeit machst? Weil du ja geschrieben hattest, dass du körperlich auch nicht mehr so belastbar bist.

@Walo: Wie ein Roman _läch_ Ja, so fühlt sich's manchmal an. Nur ist bisher leider kein Happy End in Sicht. Dass du das Problem mit der Berufswahl auch hast tut mir leid, ich hoffe wir finden beide einen Weg um in diesem Bereich glücklich zu werden *uns die Daumen drück*. _flöwer_

@Idira: Vielen Dank für deinen Beitrag =) Über das Thema Erwerbsunfähigkeitsrente habe ich noch nie nachgedacht. Als ich beim Medizinischen Dienst war haben die bei mir einfach reingeschrieben, dass ich 8 Stunden arbeiten kann. Von Seiten der Reha oder meiner Ärztin wurde das Thema auch nie angesprochen. Es ging immer darum, mich für den normalen Arbeitsmarkt fit zu machen (ich zweifle halt langsam daran, ob das überhaupt möglich ist). Eingeordnet wurde ich immer bei Erschöpfung und mittelgradige Depression. Gegen letzteres bekomme ich ein Medikament, das auch gut anschlägt. Es pusht mich auch ein bisschen, aber wenn es abklingt fühle ich mich manchmal noch erschöpfter als ohne. Ich bekomme eine niedrige Dosis und um mich "fitter zu machen", dass ich "besser durchhalte" sollte ich sie mal verdoppeln - was ein Desaster *koppschüttel*. Klar, ich hab länger durchgehalten, aber hinterher war ich umso platter big_ohnmacht Das hab ich ganz schnell wieder gelassen.
Ich werde zum Thema Frühberentung mal informieren, auch wenn ich diesbezüglich keine große Hoffnung habe. Ganz lieben Dank auf jeden Fall für den Hinweis und das "Beratungsangebot" _zwr_
Sommerlicht
 

Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon Idira » Do 26. Sep 2013, 17:07

Hallo Sommerlicht,

vorab, um jedem Missverständnis vorzubeugen: ich möchte Dich in keinster Weise in Richtung Frühberentung „beeinflussen“. Dies würde ich mir nie anmassen, da nur Du selbst herausfinden kannst, welcher Weg für Dich der Richtige ist.

Meine Überlegung stützt sich einfach auf den Sachverhalt, dass Du geschildert hast, nicht in der Lage zu sein KONTINUIERLICH einen achtstündigen Arbeitstag zu bewältigen. – Dies ist jedoch die Definition von uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit.

Umgekehrt ausgedrückt, eine Person, die dazu nicht in der Lage ist, gilt laut Definition als eingeschränkt arbeitsfähig.
Je nach Ausprägung der Einschränkung hat sie dementsprechend Anspruch auf entweder volle oder teilweise Erwerbsunfähigkeitsrente.

So, wie ich es aus Deiner Beschreibung herauslese, handelt es sich um drei medizinisch relevante Punkte.
1. mittelschwer ausgeprägte Deppression 2. Wiederkehrende Erschöpfungszustände 3. Allergien.

Die Medikation beschreibst Du als für Dich nicht hilfreich, da kurzfristig aufputschend, aber langfristig mit der negativen „Nebenwirkung“ anschließend noch erschöpfter zu sein.
Dies ist eine häufig von Patienten beschriebene Wirkung dieser psychoaktiven Substanzen, weshalb es Dir auch nicht als mangelnde Mitwirkung ausgelegt werden darf, diese nicht weiter einnehmen zu wollen.
Teilweise versuchen Ärzte, gerade beim medizinischen Dienst, Patienten diesbezüglich unter Druck zu setzen, sie würden somit eine angemessene Therapie verweigern und seien somit am mangelnden Therapieerfolg selbst schuld.
Juristisch korrekt ist dieses „den Patienten unter Druck zu setzen“ allerdings nicht, Du hast ein RECHT darauf psychoaktive Substanzen, die Dein Leiden nicht langfristig verbessern, abzulehnen.

Die Handhabung des medizinischen Dienstes, Deine Arbeitsfähigkeit ohne genaue Rücksprache mit Dir auf acht Stunden festzulegen, war nicht korrekt. Allerdings leider in der Regel üblich, da der medizinische Dienst ja alles andere als DEINE Interessen vertritt.

Sofern Du Interesse hättest, dass Deine Arbeitsfähigkeit angemessen eingestuft wird, solltest Du zuerst eine absolut erliche Selbstprüfung vornehmen. Also Dich fragen, wieviele Stunden pro Tag kann ich realistisch DAUERHAFT!!! täglich bewältigen?
Im Formenkreis der psychischen Erkrankungen (Depression/Erschöpfungszustände) sind es ja gerade die Schwankungen des Befindens, die es dem Betroffenen so schwer machen.
Diese müssen aber einberechnet werden.
Der medizinische Dienst nahm bei Dir den „Bestzustand“ an und hat den ungünstigsten Fall und alles was dazwischen liegt, ausser Acht gelassen. Dies ist aber eine unzulässige Vorgehensweise.

Sollte Deine Selbstprüfung ergeben, dass Deine Arbeitsfähigkeit nicht regelmäßig und kontinuierlich vollumfänglich gegeben ist, wäre der zweite Schritt, dass dies ein FACHARZT!!! bestätigt.
Um eine solche Bestätigung zu erhalten, ist es sinnvoll, diesem eine schriftliche übersichtliche! Auflistung Deiner Arbeitsversuche, Krankheitszeiten, Reha-Aufenthalte mit jeweiliger Zeitangabe zu übergeben.
So kann er auf einen Blick die Tatsachen übersehen.

Im nächsten Schritt kann ein Antrag auf (teilweise) Erwerbsunfähigkeitsrente gestellt werden, dem dann die Beurteilung des Facharztes beigefügt wird.

Sehr häufig wird dieser Antrag jedoch im ersten Durchgang abgelehnt, da der medizinische Dienst fast schon „aus Prinzip“ die Voraussetzungen als nicht gegeben ablehnt.
Hierbei muss bedacht werden, dass die Ärzte dort sich nicht Dir als Patientin, sondern ihren „Auftraggebern“ (Krankenkassen/Rentenanstalt“ verpflichtet sehen.

Es ist also sinnvoll, von vorne herein davon auszugehen, dass Dir nicht geglaubt wird und Du mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Ablehnung des Rentenantrages erhalten wirst.
Da die meisten Menschen sich damit abfinden, ist das Ziel der Krankenkassen/des Rententrägers erreicht, möglichst wenige Ansprüche anzuerkennen.
Deutlich höher werden die Erfolgschancen allerdings im Widerspruchsverfahren.

Alleine kann dieses Procedere leider gerade ein Mensch, mit einem Leiden im Formenkreis der psychischen Erkrankungen, kaum überstehen. Dies wissen medizinischer Dienst/Rentenversicherung und sie rechnen damit.
Aus diesem Grund kann ich auch nur raten, falls Du Dich eines Tages zu solch einem Vorgehen entschließen möchtest, von VORNEHEREIN den gemeinnützigen Sozialverband VdK mit ins Boot zu holen.

Mitglieder des VdK erhalten kostenlosen Rechtsbeistand und kostenlose fachliche Rentenberatung. Der jährliche Mitgliederbeitrag zahlt sich also sehr schnell aus.
Vorallem hättest Du von Anfang an kompetente Menschen im Boot, die auf DEINER Seite sind.
http://www.vdk.de/deutschland/

Wie eingangs gesagt, welcher Weg für Dich der Richtige ist, kannst nur Du beurteilen. Da mein Eindruck war, dass Du jedoch noch nicht einmal über diese OPTION! sachgerecht informiert wurdest, wollte ich Dir zumindest einige Fakten dazu nennen.

Mit den besten Wünschen für Dich
Idira
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Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon Britannia » Do 26. Sep 2013, 18:28

Hallo Sommerlicht,

ich ...ääh... 'mache' das selbe wie Idira icon_winkle
Ich bin seit ca. 30 Jahren chronisch krank, dazu permanente Stressbelastung über Jahrzehnte, usw... jedenfalls bin ich am Ende, und nicht mehr arbeitsfähig seit ein paar Jahren.

Es ist wirklich nicht einfach etwas zu finden, das man als angeschlagener HS tun kann. Es sollte ja dann auch was sein, wo man nicht allzu viel mit Kollegen und Kunden zu tun hat, weil das allein schon wahnsinnig schlaucht.
Aber lies Dich erstmal mal im Forum etwas ein - ich meine es gäbe hier auch irgendwo einen Thread darüber, wie man als HS einen passenden Beruf findet. Vielleicht ist da eine Anregung für Dich dabei?
Britannia
 

Re: Ein - etwas verzweifeltes - Hallo =)

Beitragvon GRRotkehlchen » Fr 27. Sep 2013, 00:11

Hallo Sommerlicht, ich bin auch neu hier und habe eben mit großen Augen Deinen Text gelesen und die ganze Zeit gedacht, dass hätte ich schreiben
können. Mir ging und geht es auch schon immer so wie Dir. Bin auch mein ganzes Leben von einem Job zum anderen, war schon als Kind in der Schule mit allen Eindrücken überfordert und als die Ausbildung anfing habe ich jeden Morgen beim Erwachen gedacht, dass ich den Tag nicht schaffe. Irgendwie habe ich es aber doch geschafft meine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Habe genauso wie Du viele Krankentage und Monate hinter mir, bin zu Kuren geschickt worden, habe Gesprächstherapie gemacht und keiner konnte mir so richtig sagen, was mit mir los ist. Einige Schicksalsschläge haben mich dann ganz umgehauen und bin dann in der ersten befristeten Frührente gelandet. Ich bin um einige Jahre älter als Du und jetzt seit geraumer Zeit leider Frührentnerin. Ich wünsche Dir nicht, dass auch Dein Weg so weitergeht, denn ich bin heute sehr einsam und isoliert. Ich hoffe und wünsche Dir von Herzen, dass Du eine kleine Nische einen schönen Platz für Dich finden kannst an dem Du Dich wohlfühlst. Vielleicht eine kleine nette Firma, die nicht so hektisch ist und die Mitarbeiter unter Druck setzt. Oder ein kleiner Job bei dem Du nur vier oder sechs Stunden arbeitest, soweit es finanziell tragbar für Dich ist. Und auch im privaten Bereich solltest Du Acht geben mit welchen Menschen Du Dich umgibst. Von Herzen alles Liebe und Gute wünscht Dir Rotkehlchen
GRRotkehlchen
 

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