eine hochsensible Angelegenheit ;-)

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eine hochsensible Angelegenheit ;-)

Beitragvon Iwie » Di 29. Okt 2019, 22:06

Guten Abend iwikx

nun melde ich mich mal an.

Ich habe vor vielen Jahren von Hochsensibilität erfahren und mich damit auch auseinandergesetzt. Ich habe mich in so vielem wiedererkannt und endlich verstanden gefühlt - und vor allem: nicht mehr allein.
Ich war also nicht ganz so seltsam, wie es mir oft vermittelt wurde, dass ich es sei. Es gab endlich einen Namen für viele meiner Empfindungen, meiner Verhaltensweisen und meiner Eigenheiten, die ich zuvor oftmals als Last empfunden hatte. Ich habe gelernt, achtsam mit mir umzugehen und einige der Vorteile der sensiblen Wahrnehmung auf positive Weise nutzen zu können. Andere Teile der Hochsensibilität habe ich gelernt zu akzeptieren.

Was mir immer wieder extreme Schwierigkeiten bereitet:
ich übernehme Stimmungen. Bis dahin, dass ich nicht mehr abgrenzen kann, wer ich selber bin und was ich selber fühle. Ich weiß dann nicht mehr, wie es mir eigentlich geht. Ich übernehme die Gefühle anderer. Leider meist die negativen.
Eben stecke ich wieder in dieser Situation. Vergangene Woche ist mir das Licht endlich aufgegangen, dass ich wiedermal nicht ich selbst bin. Dass ich mich habe übernehmen lassen (mei, klingt das gaga aber ich kann es nicht anders beschreiben).
Ich habe mir die letzten Tage viel Zeit genommen, mich damit auseinanderzusetzen und meine Gefühle von denen der anderen Person zu lösen.
Es hat in weiten Teilen funktioniert.
Aber ich muss nun mal generell anfangen, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.
Ich habe zum letzten Jahreswechsel bereits einen Job gekündigt, weil mir das passiert ist, was mich wiederum in ein tiefes Loch gerissen hat. Jetzt muss ich stark aufpassen, dass das nicht wieder passiert - es geht wieder Mal um eine Kollegin, der ich mich zur Instrumentalisierung ausgeliefert habe. Nicht absichtlich, natürlich. Ich formuliere das so, weil ich ihr nicht die Macht geben möchte, dass sie mich kontrollieren und steuern kann.

Das ist mein jetziger, leider unschöner Grund, warum ich mich hier zu diesem Zeitpunkt angemeldet habe.

Abseits davon freue ich mich sehr über neue Erkenntnisse und Austausch über das Leben und den Alltag mit Hochsensibilität _Mij_

Liebe Grüße,
Iwie
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Re: eine hochsensible Angelegenheit ;-)

Beitragvon Trude » Mi 13. Nov 2019, 22:47

Hallo,
das ist schon echt kurios, dass man mit einer so positiven Eigenart immer wieder in negative Situationen gerät. Ich habe mich das auch schon oft gefragt.
Vielleicht hilft es Dir ja auch, Dich hier auszutauschen.
Ich habe mich auch erst kürzlich angemeldet, aber ich empfand es schon hilfreich, nur zu lesen, wie es anderen geht und dass man nicht so allein auf weiter Flur steht....
Alles Gute. _Mij_
Trude
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Re: eine hochsensible Angelegenheit ;-)

Beitragvon john-o » Do 14. Nov 2019, 11:10

Hallo Iwie,

die Problematik ist mir aus meinem Berufsleben ziemlich vertraut. Ich will versuchen, zu beschreiben, wie das für mich war (bin nur noch anteilig berufstätig, die Sache ist auch nicht mehr sehr akut, siehe weiter unten).

Wie es oft ist, hatte die Angelegenheit zwei Seiten. In einer großen Anzahl der Fälle hatte das starke Einsteigen auf andere (so will ich es zunächst mal nennen) positive Auswirkungen, da viele Menschen sich nicht anerkannt fühlen und froh sind, wenn man (einigermaßen) ehrlich auf sie zugeht, ihre Äußerungen zunächst mal ernst nimmt und diese anhört.

Dadurch kann man viele vernünftigere Gespräche führen und kann dann auch, wenn man es gut erklärt, den eigenen Standpunkt darstellen und durchsetzen.

Soweit, so gut, allerdings hatte ich – das war zu Anfang des Berufslebens - ganz ähnliche Erscheinungen, wie Du sie schilderst; habe die Meinungen / Äußerungen / Ziele anderer viel zu stark (über das „normale“ Zuhören hinaus) aufgenommen und angenommen, soweit angenommen, dass ich selbst „verschwunden“ bin.

Ich habe lange darüber nachgedacht, woher das kommt, und denke heute noch darüber nach.

Zum einen glaube ich inzwischen, dass es das „Syndrom HSP“ wirklich gibt, wohl in sehr unterschiedlichen Ausprägungen…

Mindestens wurden mir bei der Lektüre in diesem Forum und in anderen Veröffentlichungen einige Eigenschaften meines Vaters, von dem ich das Syndrom wohl geerbt habe, und eigene Eigenschaften verständlicher und erklärbarer.

Zum anderen habe ich aber noch andere Eindrücke zu dem „sich übernehmen lassen“. Ich litt früher an starken Minderwertigkeitsgefühlen jeder Art, die das ganze verstärkt haben.

Nun sind solche Minderwertigkeitsgefühle möglicherweise ganz oder teilweise auf anderem Mist gewachsen als die HSP-Eigenschaften, es gibt da wohl Erkenntnisse, dass familiäre Verhältnisse und elterliches Verhalten dazu führen können. Wahrscheinlich werden diese Minderwertigkeitsgefühle durch HSP noch „gefördert“.

Die Kombination aus HSP-Eigenschaften und Minderwertigkeitsgefühlen waren dann für mich sehr belastend. Besonders als ich jünger war, hat mich das stark behindert. Das Schlimme an der Sache ist, dass meine Reaktionen zunächst sehr „unbewusst“ stattfanden, also ohne rational bewusstes oder - mindestens - intuitives Handeln (da fehlte das sprichwörtliche „gesunde Selbstbewusstsein“, das ich im Übrigen manchmal als Arroganz oder Ignoranz einordne).

Danach fragte ich mich dann, weshalb ich so „eingeknickt“ war…

Die Problematik hat sich im Lauf vieler Jahre gemildert und verändert. Durch wachsende berufliche Kompetenz, durch gewachsene persönliche Gelassenheit und auch durch „Gewöhnung“ leide ich nicht mehr oder kaum mehr darunter.

Zugegeben, durch die starke Wahrnehmung anderer ergab sich im Lauf der Zeit auch ein großer Vorteil, nämlich dass man den Gesprächs- oder Arbeitspartner und seine Ziele und Absichten oft schnell „durchschaut“ und entsprechend reagieren kann…

Anderseits fehlte und fehlt mir halt das unbekümmerte „fröhlich drauf los“, was ja vieles erleichtert, egal ob aus guter Laune oder Unkenntnis…

In diesem Sinne, man muss es erleiden und begreifen, dann wird es mit der Zeit (dauert lange, ja) erträglich…

Grüße, John-o
john-o
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Re: eine hochsensible Angelegenheit ;-)

Beitragvon Iwie » Do 14. Nov 2019, 23:17

Hallo Trude,

schön, dass du auch hergefunden hast.

Auf Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht wie mir selber - ja - das ist etwas, das mir auch sehr gut tut. Endlich nicht mehr anders sein. Auch wenn hier alle sehr unterschiedlich sind, erkenne ich mich in so vielem wieder oder kann es zumindest aus tiefstem Herzen nachvollziehen.

Hallo john-o,

danke für deine Geschichte.

Ich sehe die Eigenschaft, stark auf andere einzusteigen (um dich mal zu zitieren) großteils auch positiv.
Es öffnet in vielen zwischenmenschlichen Beziehungen eben wirklich Türen.

Du hast es hier für mich ganz treffend beschrieben:

john-o hat geschrieben:Zum anderen habe ich aber noch andere Eindrücke zu dem „sich übernehmen lassen“. Ich litt früher an starken Minderwertigkeitsgefühlen jeder Art, die das ganze verstärkt haben.

Nun sind solche Minderwertigkeitsgefühle möglicherweise ganz oder teilweise auf anderem Mist gewachsen als die HSP-Eigenschaften, es gibt da wohl Erkenntnisse, dass familiäre Verhältnisse und elterliches Verhalten dazu führen können. Wahrscheinlich werden diese Minderwertigkeitsgefühle durch HSP noch „gefördert“.


Ich denke, dass da für mich auch ein Knackpunkt zu finden ist.
Bei mir hängen da ganz greifbare Glaubenssätze dran. Also Sätze, die ich als Kind immer und immer wieder zu hören bekommen habe und nach deren Muster ich heute immernoch handle. Viele Sätze davon stammen aus meinem nächsten Umfeld in meiner Kindheit und Jugend. Das hat mich deutlich geprägt.
Gefördert wurde das sicher durch meine Neigung zum Grübeln, was vermutlich das Selbstwertgefühl weiterhin beschädigt hat, weil ich mir das Eingesagte damit wieder und wieder wiederholt habe, bis es sich so richtig schön verinnerlicht hatte.

Ich bin dabei, diese Glaubenssätze aufzuspüren, zu verstehen und nach und nach aufzulösen.
Das ist mir bei einigen bereits gelungen, andere befinden sich noch mitten im Prozess, einige traue ich mich nicht, sie anzugehen und wieder andere habe ich noch nichtmal aufgespürt, geschweige denn identifiziert.
Und ich merke, dass das Wirkung zeigt. Es hat sich bereits schon verändert. Mir fällt es eher auf, wenn ich in diese Falle tappe. Ich bin aber noch nicht schnell genug, um direkt zu Beginn reagieren zu können. Da geht hoffentlich noch was icon_winkle

Der Austausch hier im Forum tut mir auf alle Fälle gut. Es setzen sich weitere Puzzleteile zusammen und ich verstehe nach und nach mehr. Und damit kann ich dann weiterarbeiten.

Ich bin auf alle Fälle froh, hierher gefunden zu haben _Mij_
Iwie
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