Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

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Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon WhyMe » So 1. Feb 2015, 13:58

Hallo an alle,

seit zwei Jahren befinde ich mich in einer Gesprächstherapie (tiefenpsychologisch) und habe zusätzlich seit einem halben Jahr eine Therapeutin die ich privat bezahle. Dieses komische Konstrukt basiert darauf, dass mir die erste keine Diagnose geben wollte und dies aber mein Wunsch war (Es gehört nicht zu ihrer Ansicht, den Patienten zu Kategorisieren - Er solle von selbst darauf kommen) Die zweite Therapeutin, befolgte meinen Wunsch, jedoch zweifele ich langsam daran, dass sie richtig lag. Ihre Diagnose nach fünf Sitzungen: Histrioniker mit Borderline Tendenzen.

Ich bin der festen Überzeugung ein HSP zu sein. ich habe den Selbsttest mit deutlicher Punktzahl bestanden und auch meine innere Stimme sowie mein fast kompletter Charakter und Handeln tendieren in diese Richtung.

Mich hat es enttäuscht, dass eine zweite Therapeutin, die sich sogar mit HSP auskennt, der Meinung wäre, dass ich keiner wäre.

Sie sagt, ich wäre so sensibel, weil ich ungeklärtes Verhältniss zu meinem Vater in mir trage. Das stimmt meiner meinung nach auch, aber ich halte mich trotzdem für einen HSP. Des Weiteren sagt sie, ich wäre kein HSP, weil ich jähzornig bin und weiss wie man sich mit äußersten Nachdruck durchsetzt. Auch das ist eine schwammige Aussage. Ich meine mal gelesen zu haben, dass HSPs sogar oft in extremen Gruppierungen zu treffen sind, die sich für andere einsetzten (Stichwort: krasse Greenpeace Aktionen). Ein anderes Indiz dafür kein HSP zu sein ist, dass ich mich teilweise leer fühle. Auch dies sehe ich eher als Anzeichen für ein HSP. Ich fühle mich oft leer, weil gewisse dinge in meinem leben auf das Sensibelste stimmen müssen. Es ist wie ein feinmotorischer Apparat, der mich immer wieder leer fühlen lässt, wenn mein leben nicht die Bestimmung hat, die es haben soll. Ich vergleiche mich mit einem bunten paradiesischen Vogel, den man unter falschen Umständen einsperrt. (Büro, Alltag, usw)

Warum ich das schreibe? Hier? In diese Forum? Weil es mich plagt. Ich weiss nicht genau wer ich bin. Vielleicht weiss ich wer ich sein will oder wohin mein Leben geht, aber mir fehlt die Gewissheit. Ein Diagnose. Ein Feedback eines Profis. Ob mein Gehirn, zb. neurologisch zu einer hypersensibilität neigt, werde ich wahrscheinlich nicht so schnell, oder nie, erfahren. Das macht mich traurig und wütend. Weil ich zweimal den Rat von professionellen Menschen aufgesucht habe und der Meinung bin, dass sie falsch liegen.

Zu mir (In Stichworten)

- Ich arbeite in der Kreativbranche
- Ich habe eine Menge Fantasie.
- Ich fühle mit. Könnte mir niemals grausame Szenen ansehen ohne für lange Zeit die Bilder zu vergessen.
- Beim bloßen Anblick von ärztlichen Tätigkeiten (Blutabnehmen) werde ich ohnmächtig.
- Ich verfasse Poesie. Schreibe Kurzgeschichten und habe Musik gemacht.
- Mir ist Wahrheit essentiell wichtig. Denke sogar, dass eine Unwahrheit sich sogar nach dem Tode zeigen wird.
- Ich glaube an Gott.
- Ich bin spirituell.
- Ich brauche viel Nähe. Bin schnell erregt.
- Ich halte keine sich wiederholenden Geräusche aus. (Atmen, Rascheln, Knistern, Piepen, usw)
- Ich bin sehr schnell gestresst. Die Arbeit im Büro ist ein graus. An manchen Tagen überlagern sich die Geräusche dann Nachts in meinem Kopf.
- Ich bin Migräne anfällig
- Ich habe chronischen Tinnitus (Besonders stark bei Stress)
- Ich leide unter chronischen Ohrwürmern (Ziemlich aufdringlich teilweise)
- Ich habe noch nie eine Nacht durchgeschlafen. Wach wegen jeder Kleinigkeit auf (Muss mit Oropax schlafen)
- Ich bin zwanghaft
- Ich bin aufbrausend
- Ich bin schnell eifersüchtig
- Ich werde schnell krank
- Ich lebe Beziehungen und gehe durch sie auf
- Ich habe einen Sinn für Gerechtigkeit
- Ich hasse die Routine
- Ich habe ein reges Innenleben und Verliebtsein ist NICHT AUSZUHALTEN!
- Ich neige zu Depressionen

Mein Vater und meine Mutter:
Er: ziemlich aufbrausend. Cholerisch. Jähzornig. Teilweise Emotionsblind.
Sie: In sich ruhend, kreativ, künstlerisch, vergebend und sanft.

und zu guter Letzt: Ich bin ein High Attention Seeker: Ich bin Fallschirmspringer und liebe Abenteuer.


Ich soll also kein hsp sein? Ich kann das nicht verstehen. Oder liegt es an dieser anstrengenden Mischung meiner Eltern? Das ich kein "typischer" HSP bin. Ich werde das Thema einfach lassen oder versuchen es mit meiner zwei Therapeutin zu besprechen.

Danke euch fürs Lesen!
WhyMe
 

Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon Sonnensumpf » So 1. Feb 2015, 18:29

"....Ihre Diagnose nach fünf Sitzungen: Histrioniker mit Borderline Tendenzen..."

Ich kann nicht glauben, was ich da lese. Nach 5 Sitzungen eine Diagnose stellen..
Nach so kurzer Zeit hat sie doch bestenfalls einen ersten Eindruck, als ob ein Personalchef mal kurz mit Dir den Lebenslauf durchgeht. Deshalb kennt der Dich doch nicht wie seine Hand.

Dein Vater (Choleriker) als auch Deine sanfte, verzeihende Mutter (möchte ihre Ehe retten?) sollten auch an den Sitzungen teilnehmen.
Da ergibt sich für die Therapeutin vielleicht ein ganz neues Bild...von wegen heile Familie und Du bist das Problem..
Du fühlst/spielst die Ehe Deiner Eltern nach. Das hast Du erlernt. Ein Teil sehnt sich nach Harmonie und Partnerschaft und dann kommt die Vernunft/Erinnerung..
Was Du vielleicht unterbewusst verdrängst /Dich um den Schlaf bringt, findest Du vielleicht unter Hypnose heraus.

Bei mir haben sich die Eltern in Punkto Cholerik nicht viel genommen, ansonsten war ich als Kind ziemlich identisch: Lungen- und Mittelohrentzündungen, inklusive einer unsagbaren Angst vor Spritzen / großen Leuten und steter Risikobereitschaft.
Zuletzt geändert von Sonnensumpf am So 1. Feb 2015, 18:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon Waldtänzerin » So 1. Feb 2015, 18:50

Erstmal herzlich Willkommen, WhyMe.



@Sonnensumpf: zu deinem Zitat - ein Satz vorher steht "Die zweite Therapeutin, befolgte meinen Wunsch,.." ... so schien der (ausdrückliche?) Wunsch im Raum, eine Diagnose zu erhalten. Die zweite Frage ist für mich, ob sie es tatsächlich als Diagnose geäußert hat oder es als solche verstanden wurde, weil der Wunsch nach einer solchen da ist.


HS ist für mich keine Diagnose. Wenn du der festen Überzeugung bist, WhyMe, HS zu sein - inwiefern und warum ist dir die Bestätigung dieser seitens eines Therapeuten wichtig? Würde es an deinem Sein etwas ändern, wenn jemand sagte - "Ja, du bist HS."? Dies hätte dir ja bereits der Test bestätigt.


Ich wünsche dir, dass du im Forum für dich ein wenig Licht ins Dunkel bringen kannst. iwikx
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Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon Sonnensumpf » So 1. Feb 2015, 19:07

@Waldtänzerin
Waldtänzerin hat geschrieben:@Sonnensumpf: zu deinem Zitat - ein Satz vorher steht "Die zweite Therapeutin, befolgte meinen Wunsch,.." ... so schien der (ausdrückliche?) Wunsch im Raum, eine Diagnose zu erhalten. Die zweite Frage ist für mich, ob sie es tatsächlich als Diagnose geäußert hat oder es als solche verstanden wurde, weil der Wunsch nach einer solchen da ist.

Hallo.
Tja..ob Wunsch oder nicht. Nach 5 Sitzungen kann und darf sie nichts diagnostizieren.
Es gibt natürlich Ausnahmen: Wenn da doch so etwas wie eine Akte von Therapie1/Amt/andere Vorab-Information vorlag und Therapeutin2 entsprechend der kurzen Zeit nur nach Anhaltspunkten gesucht hat, die ohnehin bestehende Aussagen stützen..dann könnte sie auf Verlangen so etwas gesagt haben.
Wenn das so war, frage ich mich aber: Was ist bei Therapie1 passiert, daß so etwas diagnostiziert wird?
Schaun wir mal, was Whyme dazu sagt.
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Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon WhyMe » So 1. Feb 2015, 19:58

Also es wurde eine Diagnose nach ICD-10 Kriterien erstellt. Mir wurde auch die Frage gestellt, warum ich überhaupt eine möchte. Ich solle mich doch selbst definieren. Selbst wissen wer ich bin – oder es versuchen herauszufinden. Und ja, was anderes bleibt mir auch nicht übrig. Vielleicht habe ich mir das alles zu leicht vorgestellt. Früher ging man zum Arzt und der meinte dies und das und dann war es auch gut. Ich war natürlich total überfordert mit dem gesamten Thema der Psyche, Traumata, Eltern-Bindung, usw.

Ich wollte das Feedback eines Profis. Dem ich vertraue. Der mir den Weg zeigt. Den Rest gehe ich alleine. Ich wollte einfach von außen wissen ob ich HSP bin.

Mein gesamtes Leben fühle ich mich selten in irgendwelchen Freundeskreisen, Arbeitsumfeldern oder wo auch immer wohl. Komme mir vor wie ein Außenseiter. Weil ich die Dinge anscheinend etwas anders betrachte oder fühle.

Meine Freundin meinte zu mir, ich könne nicht filtern. Seie chronisch verplant, mit dem Kopf in den Wolken. Mein neuer Job, mit vielen Überstunden im Büro als Grafiker, meine neuen Lebensumstände hatte mich stark überfordert. Jetzt kommt der springende Punkt: Jeder hat mal Krisen. Jeder hat mal Stress. Jeder hat mal Sorgen oder ist verliebt. Aber warum habe ich das Gefühl, dass es bei mir immer ein kleines Bisschen MEHR ist. Von allem? Ich hatte mir einfach die Bestätigung gewünscht. Alleine zu 100% wissen wer man ist, woher man kommt, warum das so ist, ist mir in diesem Moment nicht möglich.

Vielleicht ist es auch gut so. Dafür ist das Leben ja schließlich da. Es ist eine Reise. Es wäre auch zu leicht wenn mir jemand eine Landkarte zeigen könnte.
WhyMe
 

Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon Waldtänzerin » So 1. Feb 2015, 20:17

Na, ich denke, es ist schon normal, wissen zu wollen, wer man ist und warum. Es kann ja für den weiteren Weg schon auch sinnvoll sein, dies zu wissen. Wenn ich nach London will, hilft allein das Ziel nicht, wenn ich nicht weiß, wo auf der Karte ich mich überhaupt befinde. Jedoch kommt es für mich da in der Tat drauf an, in mich hineinzuspüren, das ruhig mit Hilfe zb eines Therapeuten oä. Aber im Endeffekt kann nur ich selbst mich spüren und fühlen. Das hat erstmal weniger mit einem Namen/Diagnose zu tun (aber da spalten sich wahrscheinlich auch die Geister ... das ist gerade nur mein Geist ;) ).

Mir ging es drum - wenn du so sehr von HS überzeugt bist und nun dir eine Person sagt, du bist es nicht .. und du zweifelst an der Aussage. Wieviele Aussagen benötigst du, um daran nicht zu zweifeln? .. vlt war es auch nicht die richtige Therapeutin ... und und und .. im Endeffekt weißt du am besten, wann du wo wie reagierst und ob du einen Umgang damit finden willst. Geht es nicht eher darum - mit dem, wie man selbst ist, umgehen zu lernen?

... nur gerade meine Gedanken ... hoffe, es ging nicht am Thema vorbei.

LG
Waldtänzerin
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Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon Meeresrauschen » So 1. Feb 2015, 21:17

Hallo WhyMe,

wenn Du verunsichert bist bzgl. der Diagnose, so hast Du das Recht zu einem anderen Therapeuten zu gehen (auch bei einer laufenden Therapie) und Dir eine Zweitmeinung einzuholen.

Hier wurde gesagt, dass ein Therapeut nach 5 Stunden nicht diagnostizieren darf. Er muss jedoch nach 5 probatorischen Sitzungen einen Therapieantrag stellen, d.h., er muss bis dahin diagnostizieren und dem Gutachter eine Diagnose mitteilen, ggf. eine vorläufige Diagnose, die er im Lauf der Therapie überprüfen möchte.

Ein anderes Indiz dafür kein HSP zu sein ist, dass ich mich teilweise leer fühle.


Ich denke, dass man übers Internet nicht beurteilen kann, welche Diagnose der andere hat. Deshalb betrachte das, was ich Dir jetzt schreibe nicht als Beweis dafür, dass Du keine Borderline bist. Was Du hast kann Dir nur ein Therapeut sagen, nach eingehender Diagnostik.
Ich möchte Dir lediglich sagen, dass es das Problem der Leere auch bei der Hochsensibilität gibt. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Wenn bei mir eine bestimmte Grenze an Reizüberflutung erreicht ist, ich meine Grenzen aber ignoriere und nicht für Ruhe und Entspannung sorge, dann ensteht bei mir zuerst ein Schwindelgefühl mit Gangunsicherheit. Ignoriere ich auch das und werde weiterhin überflutet, dann geht die Überflutung bei mir in Leere über. Ich bin dann gar nicht mehr in der Lage Reize wahrzunehmen, nehme nichts mehr wahr, blende alles völlig aus und bin nur noch eingeschränkt reaktionsfähig. Aus ursprünglich intensiven Gefühlen wird "emotionale Abgestumpftheit", innere Leere. Wenn ich dann zur Ruhe komme, verschwindet auch das Leeregefühl wieder. Bei mir steht das Leeregefühl in einem ganz klaren Zusammenhang mit Reizüberflutung. Wie es bei Dir ist, müsstest Du mal bei Dir selbst beobachten, also schauen, wann es auftritt usw. Vielleicht kommst du durch Selbstbeobachtung dem Grund Deiner inneren Leere auf die Spur.

Sie sagt, ich wäre so sensibel, weil ich ungeklärtes Verhältniss zu meinem Vater in mir trage. Das stimmt meiner meinung nach auch, aber ich halte mich trotzdem für einen HSP.


Das klingt nach Entweder-Oder.
Auch hier, ich beschreibe nur, wie es bei mir ist. Bei Dir kann es anders sein.
Ich habe mal gelesen, dass man davon ausgeht, dass HS genetisch bedingt ist. Ob das auf mich zutrifft oder nicht, keine Ahnung. Möglich ist für mich auch, dass ich die HS entwickelt habe, weil meine Mutter sehr unberechenbar war und ihr Verhalten nicht vorhersagbar war. Ich wusste nie, schlägt sie mich gleich oder bekomme ich ein Eis. Sie schlug mich aus heiterem Himmel, ohne Anlass und ohne Grund. Eine Minute später erzählte sie mir, wie sehr sie mich liebt und schenkte mir ein Eis. Es könnte sein, dass ich die HS entwickelt habe, also besonders aufmerksam für meine Umgebung wurde, damit ich das Verhalten meiner Mutter vorhersagen kann.
Zudem hat sich meine HS massiv verstärkt nach 5 Jahren Hyperstress ohne Ruhepause. Auch das spricht für mich daür, dass - zumindest bei mir - der Umweltfaktore eine große Rolle spielt.

Viele Grüße
Meeresrauschen
Meeresrauschen
 

Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon WhyMe » So 1. Feb 2015, 21:27

Im Grunde was ich ja sehr gut was mich auseichnet, was zu mir passt und was nicht. Das ich Angst vor Spritzen habe und beim alleinigen Bettreten einer Praxis umkippe, weiss ich zum Beispiel seit dem ich acht Jahre bin. Also ich habe s mir bewusst gemacht, dass ich anscheinend so bin. Aber wie in den meisten Fällen fehlt das Warum. Das Warum ist mir irgendwann zu wichtig geworden. Und ich dachte die Typen mit dem zehnjährigen Studium und gutem Abschluss sollten es doch wissen. Oder es beurteilen können.

Es ist für mich im Moment einfach noch zu "fern" zu sagen, ich sei ein HSP. Es ist so verrückt. Das es sowas überhaupt gibt. Ich meine, sovieles spricht für mich dafür, aber begriffen habe ich es nicht. Daher vielleicht der letzte Funken eines Therapeuten.

Im Grunde ist es ja auch gleich. Hauptache man ist zufrieden im Leben. Egal ob ich mich als HSP, normalo, schizo oder meinetwegen als Sonnengott oder auch als Baum definiere. Doch diese Frage nach dem Warum und einer Diagnose war mir in besonders schlechten Zeiten einfach zu fundamental. Es hätte mir Kraft gegeben.

Mir ist es in letzter Zeit ziemlich wichtig geworden – Das Feedback, das Spiegeln und Selbstreflektieren. Ich habe fast den Eindruck, dass es teilweise nur durch andere Menschen geht. Nach dem Motto ohne schwarz kein weiss.

Vielleicht bin ich ja auch kein HSP. Vielleicht bin ich einfach nur ich. Man braucht sehr viel Mut und zusätzliche Sicherheit, damit das reicht. Vor allem wenn man sooft versreut ist.
Zuletzt geändert von WhyMe am So 1. Feb 2015, 21:48, insgesamt 1-mal geändert.
WhyMe
 

Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon WhyMe » So 1. Feb 2015, 21:38

Zum Thema innere Leere: Bei mir ist das etwas anders. Sagen wir so, bin ich nicht genug im freien, bewege mich, entdecke was neues, lerne etwas, spüre etwas ... falle ich teilweise schnell in ein Loch. Werde stumpf, gleichgültig, ja sogar depressiv. Ich wünsche mir dann ein intensives Erlebnis. Egal welcher Sorte. Das spricht vielleicht wirklich nicht so sehr für einen HSP. Oder nur teils. Ich meine wenn jemand so intensiv Dinge wahrnimmt, sich daran gewöhnt, davon lebt und dann durch den Alltag und die Umstände gezwungen wird, dies nicht mehr so stark wahrzunehmen – Könnte dies nicht ein HSP der gerade "eingesperrt" ist? Ein Künstler ohne Atelier? Sowas in der Art? So dachte ich jedenfalls immer. Sperr mich in ein Büro und ich bin a) überlastet und b) werde stumpf. Also nach Feierabend total unausgelastet und auf Dauer stumpf.

Vielleicht sollte ich die Sache differenzierter betrachten. Vielleicht können gewisse teile in einem Gehirn hypersensibel sein und andere nicht. Eines ist aber gewiss, ich bin ziemlich emotional. Dafür brauche ich keinen Therapeuten der Welt. Das kann ich mir selbst zu 100% sagen. Alles andere eher nicht.

P.S. zum Thema unvorhersehbarer Elternteil: Ich kenne das auch, zwar nicht ganz so übel wie bei dir aber doch schon ziemlich ähnlich. Meine Therapeutin meinte, dadurch dass ich meinem Vater niemals die Stirn hätte bieten dürfen, habe ich alles verdrängt. Nach dem Motto "Egal wie ich fühle, er hat eh immer recht und man darf ihn nicht kritisieren oder ihm zu nahe treten – Also achte ich jetzt auch nicht mehr darauf. Interessiert ja eh keinen." Na ja … 14 Jahre später dann doch. Und zwar alle an die ich mich gebunden habe. Die bekamen dann die verdrängten Emotionen ab. Klingt ja auch irgendwie logisch. Aber auch ein HSP kann einen schwierigen Vater haben. Vielleicht hätte ich falls ich kein HSP bin, ja auch viele Dinge nicht so an mich herangelassen. Wer weiss …
WhyMe
 

Re: Falsche Diagnose? Was soll ich tun?

Beitragvon Meeresrauschen » So 1. Feb 2015, 21:48

@ WhyMe

Und ich dachte die Typen mit dem zehn Jährigen studium und Abschluß sollten es doch wissen. Oder es beurteilen können.


Dem ist nicht so. Ich bin selber Psychologin, doch ich habe während meiner ganzen Ausbildung nicht einmal etwas von Hochsensibilität gehört. Ich habe weder gelernt wie man Autismus und ADHS von HS abgrenzt, noch Hypervigilanz bei einer Posttraumatischen Belastungsstungsstörung von HS, noch Borderline von HS, ...
Villeicht liegt es daran, dass HS zum einen ja keine psychische Diagnose ist; sie steht in keinem Diagnosehandbuch. Zum anderen ist die HS wissenschaftlich unerforscht. Abgrenzungskriterien zu anderen psychischen Störungen - wie die oben genannten - existieren noch nicht und werden den Therapeuten deshalb auch noch nicht beigebracht.
Obwohl ich selber vom Fach bin, weiß ich erst seit Kurzen, dass mein Problem HS lautet. Auch ich habe zahlreiche Fehldiagnosen bekommen, von Multiple Persönlichkeitsstörung angefangen über Soziale Phobie bis hin zur Borderline-Persönlichkeitsstörung. Doch Selbstbeobachtungen zeigten mir, dass die Diagnosen nicht stimmen können. Denn ich habe keine Angst vor Menschen, ich habe ein Reizverarbeitungsproblem. Ich habe auch kein chronisches Leeregefühl, das Leeregefühl tritt bei mir auf, wenn ich völlig überflutet bin, so als Schutz vor weiteren Überflutungen. Usw.
Meeresrauschen
 

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