Gehöre ich hier wirklich hin? Eine Verwirrte stellt sich vor

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Gehöre ich hier wirklich hin? Eine Verwirrte stellt sich vor

Beitragvon Spelunkenjenny » Di 17. Nov 2015, 18:50

Hallo, liebes Forum!

Mein Name ist Eva, ich bin 27 Jahre alt und Studentin in Mainz. Ich bin hier, weil mich vor einiger Zeit zum ersten Mal intensiv mit dem Thema HS auseinandergesetzt habe und es mich seither nicht mehr loslässt, da ich den Eindruck habe, in diesem Konzept vielleicht endlich eine Erklärung für meine Persönlichkeitsstruktur gefunden zu haben, nach der ich mein ganzes bisheriges Leben gesucht habe.

Obwohl ich bereits mit meiner (Ex-)Therapeutin, meinem langjährigen Partner und meiner Mutter über HSP geredet habe und von allen durchweg positive Rückmeldungen bekommen habe, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich wirklich eine HSP bin – wobei das ständige Zweifeln an der eigenen Wahrnehmung ja auch wieder für HS sprechen würde... ;) Daher wollte ich euch als „Experten“ gerne mal meine Persönlichkeit vorstellen. Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr doll freuen!

Seit meiner Kindheit reagiere ich verhältnismäßig „extrem“ auf vor allem emotionale Einflüsse aus meiner Umwelt. Ich war immer schon als „Heulsuse“ verrufen, wurde als „zu weich“ oder als „hysterisch“ bezeichnet; der Satz „Warum heult die?“ hat sich mir ins Hirn gebrannt. Aber auch verzweifelte Wutausbrüche mit (selbst-)zerstörerischen Tendenzen („Ausraster“) waren und sind keine Seltenheit.

Negative Stimmungen oder unerwünschte Veränderungen in meinem Umfeld brachten mich stets völlig aus der Bahn, Kritik an meiner Person fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Unter der schlechten Laune meines Vaters oder eines Lehrers, unter dem Schmerz über Gemeinheiten anderer (nicht nur mir selbst gegenüber) glaubte ich förmlich zu zerreißen. „Ich will sterben“/“Ich will nicht mehr leben“ war ein Satz, den ich in meiner Verzweiflung dann oft von mir gab, und ich glaube heute, dass es sich dabei um den Versuch handelte, diese extremen, zerreißenden Gefühle in mir irgendwie zu verbalisieren.

Sowohl meine Lehrer als auch meine Eltern und Freunde waren oft hilflos mir gegenüber, empfanden mich als schwierig und unberechenbar und reagierten auf meine emotionalen Ausbrüche oft mit Unverständnis und teilweise auch mit starker Ablehnung. Das hat sich mir sehr stark eingeprägt und führte dazu, dass ich mich als „nicht normal“ begriff, als ablehnenswert, als „gestört“, als nicht liebenswert – und dass ich bis heute mit Gefühlen des Selbsthasses und der Minderwertigkeit zu kämpfen habe.

Gleichzeitig war ich schon immer ein sehr kreativer Mensch, was sich vor in meiner Leidenschaft fürs Lesen und Geschichten-ausdenken widerspiegelte, seien es kindliche Rollenspiele oder selbst geschriebene Gedichte und Kurzgeschichten. Andere schätzen an mir meine Begeisterungsfähigkeit und mein intensives Erleben schöner Momente, was ich als die Kehrseite der „Ausraster“ betrachte, die mich unter Stress und Druck heute noch regelmäßig heimsuchen. Auch Musik und Filme berühren mich ganz tief, weshalb ich mich auch heute leidenschaftlich gerne mit Kunst und Kultur beschäftigte und dies auf jeden Fall irgendwie zu meinem Beruf machen werde.

Dinge, zu denen ich keinen emotionalen Zugang oder nur eine negative emotionale Haltung habe, bereiten mir dagegen größte Schwierigkeiten. Aber auch die Dinge, die ich eigentlich liebe – Schreiben etwa – fallen mir sehr schwer, wenn ich dabei von äußerem oder innerem Druck, Selbstzweifeln und Angst geplagt bin. Ich liebe es, mich mit Menschen zu umgeben, die ich mag – aber auch die werden mir manchmal zu viel, gerade dann, wenn es zu ungewohnten, schwierigen oder stressigen Situationen kommt.

Durch meine wechselhaften Erfahrungen mit anderen Menschen habe ich oft eine sehr große Angst, nicht angenommen zu werden, wenn ich ihnen mein „wahres Gesicht“ zeige, also die Kontrolle über meine Emotionen verliere. Ich kann nur von Glück sagen, dass ich Menschen in meinem Leben habe, die mich trotzdem annehmen, mit allen Schwächen und Eigenarten, und die mir immer wieder versichern, dass ich es wert bin, geliebt zu werden.

Man sieht also, dass ich HSP bei mir vor allem wegen meiner starken emotionalen Reaktion auf äußere Reize vermute. Dass ich eventuell auch in anderen Bereichen eine erhöhte Sinneswahrnehmung aufweisen könnte, ist mir und meinem Freund erst beim Lesen diverser HS-Texte aufgefallen – so reagiere ich auf unangenehme Gerüche, die andere oft nicht einmal wahrnehmen, mit starkem Ekel, oder habe beispielsweise die Macht über die Fernbedienung, weil mir die Lautstärke oft entweder zu laut oder zu leise ist – es muss genau richtig sein, damit ich mich wohlfühle. Auch habe ich beispielsweise ein etwas eigenes Verhältnis zur Kleidung: Ich trage gerne „Zwiebelschichten“, und wenn irgendetwas davon fehlt, werde ich nervös und fühle mich nicht komplett wohl in meiner Haut. Zudem mag ich nur bestimmte Stoffe an meinem Körper haben, andere fühlen sich für mich „fies“ an. Aber ich habe all das bisher als kleine Neurosen abgetan und bin mir auch immer noch nicht sicher, ob solche Dinge „reichen“, um mich als HSP „durchgehen“ zu lassen.

Ein anderes Beispiel: Anders als viele HSP neige ich nicht dazu, Menschenansammlungen generell zu meiden. Ich gehe gerne auf Konzerte und Musikfestivals, auch große. Mein erstes Festival hat aber zum Beispiel einen Nervenzusammenbruch bei mir ausgelöst, weil dort zu viele Leute waren, zu viele Eindrücke, zu laut, zu grell... Aber langsam habe ich mich rangetastet, und mittlerweile liebe ich es. Das kommt auch daher, dass ich mir dort meine festen Strukturen und Abläufe geschaffen habe: Möglichst früh ankommen, damit man sich eingewöhnen kann; eine Gruppe vertrauter Menschen um sich scharen, zu der man immer zurückkehren kann, wenns einem mal nicht so gut geht; sich Ruhepunkte (z.b. am Zelt) suchen etc.

Wenn all diese Dinge gegeben sind, kann ich mich auch bei einem Riesenkonzert entspannt vor die Bühne stellen und tanzen, was das Zeug hält. Tritt in einem eher ungewohnten Rahmen allerdings eine Stresssituation auf, kann ich diese tendenziell viel schwerer bewältigen, als wenn ich mich in einer sicheren Umgebung befinde. Trotzdem suche ich hin und wieder auch das Unbekannte und Neue, solange ich weiß, dass ich danach wieder in meine bekannte, sichere Umgebung zurückkehren kann.

Mein größtes Problem dabei ist es wahrscheinlich, dass ich mir immer noch zu viel zumute, mich oft überbelaste und meine eigenen Grenzen nicht kenne oder sie erst bemerke, wenn es schon zu spät ist – weil ich von mir immer erwarte, genauso viel leisten zu können wie alle anderen, oder weil ich ein stets leistungsfähiges Idealbild von mir selbst habe, dem ich unperfektes Menschlein ständig nachzueifern versuche.

Ich habe eine dreijährige Therapie hinter mir, in der ich diese Dinge auch besprochen und bearbeitet habe, und einiges hat sich dadurch bereits verbessert – aber natürlich nicht alles. Damals habe ich offiziell die Diagnose Borderline bekommen, obwohl mir meine Therapeutin immer sagte, dass das auch nicht ganz auf mich zutreffe. Auch der Verdacht auf ADHS stand mal im Raum, und ich habe meiner Mutter, zu der ich ein sehr gutes Verhältnis habe, einen Test vorgelegt, den sie aber mit den Worten „Ich erkenne dich darin nicht wieder“ weitestgehend abgelehnt hat. Als ich ihr jetzt von HS erzählte, war das Gegenteil der Fall, und ich spürte bei ihr sogar eine gewisse Erleichterung, als sie Anekdoten aus meiner Kindheit auspackte und mit HS in Verbindung brachte.

Auch mein Freund, mit dem ich seit zehn Jahren zusammen bin, steht voll hinter meiner zögerlichen „Selbstdiagnose“. Und vor allem trat bei mir selbst genau der „Gebirgsketteneffekt“ ein, von dem immer alle reden, und ich konnte nicht mehr aufhören, vor Glück und Ergriffenheit zu heulen, als ich die Texte las – Heulsuse halt ;)

Aber jetzt bin ich wieder am Zweifeln. Zum Beispiel über das mit dem "Gefühle anderer erkennen"... Ja, die Gefühlsregungen, die ich bei anderen wahrnehme, beeinflussen mich stark. Aber ist das nicht alles nur in meinem Kopf. Ja, es ist mir wichtiger, dass es anderen gut geht, als dass es mir gut geht. Aber ist das nicht eigentlich auch nur Narzissmus?
Will ich vielleicht nur HSP sein, weil es ein so viel schöneres Konzept ist als ADS oder Borderline? Weil bei der HS eben nicht das Problem, die Störung, die Absonderlichkeit, das Schlechte im Vordergrund steht, sondern ich dadurch einen positiven Bezug zu mir selbst hätte? Weil ich mich vielleicht dadurch mehr wie ein "Genie" als wie eine "Gestörte" fühlen kann? Diese Fragen kreisen mir momentan ständig durch den Kopf - ihr seht, ich tendiere dazu, alles stark zu überdenken und habe die Neigung, meinen eigenen Urteilen und Wahrnehmungen kein Vertrauen zu schenken...

Deshalb frage ich jetzt auch noch euch! :D Ich hoffe, dieser Text war jetzt nicht zu lang und zu konfus und hat euch einen einigermaßen guten Eindruck gegeben, was ich so für ein Mensch bin :) Kennt ihr auch diese Zweifel? Sind sie in meinem Fall vielleicht berechtigt? Und welchen Weg seid ihr gegangen, an wen habt ihr euch gewendet, um herauszufinden, ob ihr wirklich HSP seid?

Noch ein Wort zu eurem Forum, in dem ich bisher nur sill mitgelesen habe: Nur selten habe ich einen Ort im Internet entdeckt, bei dem insgesamt ein so verständisvoller, geduldiger, gar zärtlicher Umgang gepflegt wird. Allein das zeigt mir schon, dass ich hier vielleicht gar nicht so schlecht aufgehoben bin ;)

Ich wünsch euch alles Liebe und Gute.

Eva
Spelunkenjenny
 

Re: Gehöre ich hier wirklich hin? Eine Verwirrte stellt sich

Beitragvon Eule » Di 17. Nov 2015, 19:31

_moin_

Hallo Eva,

willkommen hier im Forum, schön dass du hierher gefunden hast.

Ich selbst gehe auch gerne in Konzertveranstaltungen oder auch zu großen Ereignissen wie den Kölner Lichtern. Es ist für mich ausschlaggebend, dass sich dort viele Leute mit dem selben schönen Zweck versammeln, Musik zu genießen oder einen schönen Abend zu erleben.

Gedränge etwa in überfüllten Einkaufsbereichen kann ich gar nicht ertragen.

Es ist eben alles sehr individuell, es gibt nicht den Muster-HS-Menschen.

Auf viele Fragen wirst du noch Antworten finden im Austausch.

sm_06

Lieber Eulengruß
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Re: Gehöre ich hier wirklich hin? Eine Verwirrte stellt sich

Beitragvon Spelunkenjenny » Di 17. Nov 2015, 20:54

Hallo Eule,

vielen Dank für deine Antwort! Stimmt, ich weiß natürlich, dass das bei jedem einzelnen Menschen individuell anders ist. Trotzdem hab ich Angst, dass ich wegen dieser oder jener Abweichung vielleicht doch nicht in das Muster reinpasse...

"Es ist für mich ausschlaggebend, dass sich dort viele Leute mit dem selben schönen Zweck versammeln, Musik zu genießen oder einen schönen Abend zu erleben.

Gedränge etwa in überfüllten Einkaufsbereichen kann ich gar nicht ertragen."

Genau das! Du triffst es auf den Punkt. Ich bin zum Beispiel nach langer Zeit mal wieder zu einem Fußballspiel mitgekommen (sehr gut besucht, mitten in der Kurve), und es ging gar nicht - die aufgeheizte, aggressive Stimmung, die Kälte, das gellend laute Pfeifen... Ich bin darunter echt zusammengeklappt und hatte nix Positives, an dem ich mich hochziehen konnte, weil mich das Spiel an sich nicht genug interessiert hat.
Ähnlich ging es mir aber auch bei einem Konzert meiner Lieblingsband in ner recht großen Halle, wo mich das Gedränge und die Enge auf einmal vollkommen überfordert haben, sodass ich dachte, ich könnte gar keinen Spaß haben... Aber nach dem ersten Lied war alles wie weggeblasen.

Schön zu hören, dass es anderen da so ähnlich geht :)

Lieben Gruß
Spelunkenjenny
 

Re: Gehöre ich hier wirklich hin? Eine Verwirrte stellt sich

Beitragvon Steffee » Mi 18. Nov 2015, 15:30

Hallo Eva! :)
Diese Zweifel kenne ich gut, habe mir in etwa die gleichen Gedanken gemacht, bevor ich mich hier angemeldet habe. Aber seit ich hier bin, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich eine HSP bin. Und ich bin mir auch sicher, dass du hier sehr gut rein passt :) In deinem Text habe ich mich fast überall wiedergefunden. Und ich denke, dass es eigentlich gar nicht so wichtig ist, ob wir im einzelnen zu 100% wirklich HSP sind. Es geht sich viel mehr darum, wie wir uns damit fühlen. Du fühlst dich wohl, wenn du sagen kannst, dass du eine HSP bist, weil es dir Klarheit verschafft und du das Gefühl hast, dass es zu deiner Person passt, richtig? Es ist so, als hätte man sein "Zuhause" gefunden, zumindest geht es mir damit so. Und ich denke, wenn das Innere "Ja" ruft, "Das könnte sein, das passt so gut zu mir" dann kann und darf man auch ruhig davon ausgeben eine HSP zu sein. Und wie schon Eule gesagt hat, bei jedem ist die HSP auch anders, stärker oder schwächer ausgeprägt und muss nicht in allen Bereichen zutreffen.
Sei willkommen und schau dich einfach mal um, tausch dich aus, dann merkst du mit Sicherheit schnell, ob du richtig bist. Ich denke schon.

Viel Spaß noch,
lg Steffee :)
*cat*
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Re: Gehöre ich hier wirklich hin? Eine Verwirrte stellt sich

Beitragvon butterflycocoon » Mi 18. Nov 2015, 15:38

liebe Eva
meine Lieblings Klamotten sind aus baumwolle viel zu grosse herren hemden mindestens 2 übereinander gezogen erst ein weises dann ein farbiges . sachen aus plastik, wolle , etc. mag ich nicht auf meiner haut, sie sind zu kratzig, zu kalt, ich fühle mich nicht wohl . _hj7_
warum sollte ich mich quälen?
ich bin so häufig schon auf gefordert worden ich soll blümchenkleider anziehen..... und wenn ich den mal den gefallen getan habe, bekam ich noch nicht mal ein Kompliment, sondern wurde von der Person übersehen.
warum sollte ich mich aus meiner komfortablen Zone bewegen?
für mich habe ich verstanden ich ziehe an worin ich mich wohlfühle,
DAS ist wichtig.
ich war mal auf dem Berliner hauptbahnhof, mit einer Gruppe von 12 menschen, aus heiterem Himmel bin ich zusammen gebrochen, und es hat lange gedauert mich auf zu fangen,
keiner der 12 hat geholfen.
heute weiß ich das es ein nervenzusammenbruch war,
Ärzte haben mir keine Antwort gegeben.
ich habe Schwierigkeiten in Konzerte zu gehen weil ich vorher keine Angst habe aber dann abrupt abstürzte. ich gehe auch un gerne in die stadt.
für mich hatt es immer noch keine Klarheit ob es die menschenmadie sind oder nur die Luft die durchgeatmet ist und keinen Sauerstoff mehr hat.
ich meide solche Situationen weil ich keine Kontrolle habe.
Ängste habe ich schon überwunden.
als Kind spinnen Phobie mit schreien und heulen weg rennen sich nicht beruhigen können..
heute sauge ich sie weg und selten schüttel ich mich noch mal .
geholfen hat mir nur das ich gehört hatte das man Phobie an seine Kinder weiter geben kann. (im Radio damals, so vor 35 Jahren, mit Übung es auszuhalten)
nur leider habe ich nicht die Macht dieses können auf alles anzuwenden, so gut bin ich noch nicht.
deshalb habe ich mir hier diesen nick gegeben,

ich bin noch kein schmetterling

meine Fühler sind schon aus dem coocon _thum_

und meine Flügel werde ich schon ihrgend wann voll ausgebreitet haben,

um sie schützend über wertvolle Menschen zu halten.

die den Wert an mir zu schätzen wissen. _Mij_ :-:
butterflycocoon
butterflycocoon
 

Re: Gehöre ich hier wirklich hin? Eine Verwirrte stellt sich

Beitragvon ufo » Mi 18. Nov 2015, 21:08

Herzlich Willkommen Eva!

Ich musste ehrlich gesagt ein bisschen Schmunzeln, als ich deine Überlegungen bezüglich ADS und Borderline gelesen habe, weil ich genau solche Überlegungen auch von mir kenne. Mir hat auch schon mal eine HSPlerin erzählt, dass eine Therapeutin bei ihr fälschlicherweise Borderline unterstellt hat.

Nach einiger Recherche bin ich zu der Auffassung gekommen, dass Borderline eine extreme psychische Störung ist und die Diagnose leider oft inflationär gebraucht wird. Bei den echten Borderlinern, über die ich Berichte gefunden habe, gibt es wiederholt gefährliche Handlungen, exzessive Gewalt, Straftaten etc.
Das habe ich also für mich als nicht zutreffend abgehakt.

Bei ADS ist die Abgrenzung vermutlich schon schwieriger. Ich weiss nicht, ob ich zum Teil auch ADS habe. Bei ADS hat das Gehirn ein Problem mit dem Dopaminhaushalt. Naja, ob ADS oder nicht, ein Problem mit dem Dopaminhaushalt habe ich sicherlich, da bin ich mir sicher ;-)
Ob Ritalin mir helfen würde, würde mich zwar interessieren, aber ich schrecke davor zurück, zu einem Arzt zu gehen, um das herauszufinden.
Da ich durchaus in der Lage bin, mich viele Stunden am Tag auf eine Arbeit zu konzentrieren, wenn ich entsprechend motiviert bin, bin ich eigentlich weg von der ADS-These.

Zum Dopamin: Es ist sicherlich alles viel komplizierter, als meine vereinfachte Darstellung, aber mein laienhaftes Verständnis ist grob gesagt, dass zu wenig Dopamin zu depressiven Symptomen führt und zu viel Dopamin zu manischem Verhalten, also Überbewertung und Fehleinschätzungen, sehen von Verbindungen, wo gar keine sind. Das kommt mir beides bekannt vor. Der gebräuchliche Katalog von psychischen Störungen beschreibt Cluster von Symptomen. Diese Diagnosen lassen sich oft nicht klar abgrenzen, es sind Hilfskonstrukte, weil wir noch nichts besseres haben. Es gibt Forscher, die sagen, dass diese Symptom-Cluster zu unspezifisch sind, so dass oft nicht die richtige Medikation gefunden wird. Dann wird herumprobiert, bis man das richtige Mittelchen gefunden hat. Besser wäre es, wenn man sich jedes individuelle Gehirn genau im Scanner anguckt und schaut, in welchen Regionen es Auffälligkeiten gibt. So weit ist die heute praktizierte Medizin leider noch nicht. Und selbst wenn man Auffälligkeiten finden würde: Vielleicht ist es gar keine Krankheit? Vielleicht kann das Ungleichgewicht durch eine bessere Anpassung der Lebensweise behoben werden?

Lange Rede, kurzer Sinn...

Nach allem anderen, was du geschrieben hast, würde ich dir ohne zu Zögern das Attribut HS zugestehen. :-)

Was für mich zählt, ist das Wiedererkennen und die Erleichterung. Wenn dir diese Selbstdiagnose hilft, dann bleib' doch einfach dabei. ;-)

ufo
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Re: Gehöre ich hier wirklich hin? Eine Verwirrte stellt sich

Beitragvon jules1976 » Mi 18. Nov 2015, 22:00

Hallo Spelunkenjenny!

Willkommen hier bei uns- fühl Dich wohl hier!

"Typisch" für HSP ist eigentlich eben dieses ständige Selbst-hinter-fragen und sich doch nicht sicher sein und dann nochmal lieber einen anderen Gedankengang gehen.

Da das HS-Konzept immer noch wenig erforscht ist- und auch keine " Diagnose" ist- geht der Weg eigentlich nur über die Selbsterkenntnis, niemand hier kann Dir sagen, ob Du HSP bist oder nicht. Also mehr Sicherheit für Dich findest Du hier im Austausch oder indem Du ein paar Threats liest- wir haben hier eine Linkliste, die Dir vielleicht weiterhilft.

11590502nx46300/hochsensibilitaet-allgemein-f8/linkliste-wichtige--interessante-beitraege-dieses-forums-t4240.html

Auch zwischen HSP und Borderline gibt es Schnittmengen- sie schließen sich keinesfalls aus- man kann also auch Borderline haben und hochsensibel sein.

Ebenso wird auch eine Verwandschaft zwischen AD(H)S/ HS und auch dem Autismusspektrum diskutiert.
Noch ist alles möglich...

Also nochmal willkommen hier!

Liebe Grüße jules1976
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