Gerne HSP - bis auf......

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Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon whidbey » Mo 16. Jan 2017, 02:09

Hallo zusammen,

ich möchte mich nun auch mal kurz vorstellen. iwikx

Nach einigen Monaten der Selbstreflexion und des "Runterkommens", unter anderem auf dem schönen Whidbey Island (Washington State) und Umgebung, habe ich dann Ende November 2016 zufällig einen Artikel über HSP entdeckt (diesen hier: http://mymonk.de/was-hochsensible-brauchen/), und mich darin sofort mit Erstaunen wiedererkannt. Nach ein paar Stunden Internet-Recherche war die Sache klar für mich - eigentlich war es auch gar nicht das wichtigste, dass ich in den verschiedenen Tests hoch abgeschnitten habe, sondern es war endlich ein Begriff und eine Erklärung gefunden für eine Vielzahl von "Eigenheiten", die ich bei mir selbst über die Jahre schon festgestellt hatte (ich bin 38 (m) - und hab Schiss vor der 40), die ich aber nie unter einem Begriff oder einem Satz hätte zusammenfassen können. Auch hier finde ich mich nahezu überall wieder http://www.huffingtonpost.com/2014/02/26/highly-sensitive-people-signs-habits_n_4810794.html Es stellte sich dann recht schnell ein Gefühl der Zufriedenheit und sogar Freude ein, darüber dass ich mir und evtl. anderen manches nun auf diese Weise erklären kann. Auch eine gewisse Selbstsicherheit kam dazu - denn eigentlich war ich immer der, der versuchte, sich irgendwie den anderen anzupassen um zur "normalen" Welt dazuzugehören, daran aber oft scheiterte oder sich eben darin nicht wirklich wohl fühlte. Nun war gewissermaßen eine Rechtfertigung gefunden dafür, dass ich das ja in Zukunft gar nicht mehr tun muss. (Das "muss" sagt eigentlich sowieso niemand...keine Ahnung wo das herkommt....Gesellschaft, Erziehung, Schule mit all ihren sozialen Aspekten!?)

Allerdings wird mir nun nach einigen Wochen doch wieder etwas mehr bewusst, dass die HSP-Erkenntnis an sich zwar schön ist, aber natürlich nicht per Klick die Dinge ändert, die mir Schwierigkeiten bereiten, mich grübeln lassen oder mich melancholisch werden lassen. Ich würde mir in Gesprächen immer noch genauso wie vorher wünschen, dass es viel "üblicher" wäre, zum Thema XYZ die Information mitzuliefern, welche emotionalen und persönlichen Aspekte man damit verknüpft. Mir platzt noch immer der Kopf, wenn Gespräche scheinbar im Zufallsmodus in verschiedene Richtungen springen, ohne dass jemals eine Richtung auch nur annähernd vollständig durchgesprochen wird. Ich mache mir noch immer zwei Wochen lang Gedanken wenn etwas nicht optimal gelaufen ist (egal was), und schlimmer, es sogar leichte Kritik gab (dann sind's zwei Monate). Neue Bekanntschaften und das was sie von sich geben möchte ich immer noch aufsaugen wie ein Schwamm und ihr Interesse für mich wecken als wäre ich 15. Und ich brabbel noch immer irgendwas in Richtung meiner Schuhe wenn ich unerwartet das Gefühl habe, plötzlich gucken alle her. Und so weiter. Ich muss mir also ehrlicherweise eingestehen, dass ich nur einen Teil der HSP-Eigenschaften gut finde, und mich ein paar andere weiterhin nerven....doch gibt's das eine ja wohl nur im Paket mit dem anderen.

Naja, deshalb bin ich hier gelandet - finde es zum einen interessant, über verschiedene HSP-Aspekte zu sinnieren, und zum anderen fühle ich mich ein bisschen aufgefangen hier. Schön zu sehen wie viele Ihr seid! :)

Liebe Grüße, und bis demnächst in den Foren!
whidbey
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Re: Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon Kleeblatt » Mo 16. Jan 2017, 08:13

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Re: Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon mark. » Mo 16. Jan 2017, 13:12

Hi whidbey,

willkommen! Mir geht es in vielerlei Hinsicht, wie Dir! Ich habe den Begriff der "Hochsensibilität" auch vor kurzem erst gefunden, der mir so einige Dinge beantwortet mich besser fühlen lässt. Die Probleme bleiben natürlich erstmal trotzdem und ich denke eine Lösung wird sich im Laufe der Zeit einstellen. So ungern ich das selber höre, am liebsten hätte ich auch sofort eine Lösung parat. Ist wohl ähnlich einer Therapie. Ich denke, das Wissen hochsensible zu sein ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. Bei mir jedenfalls.

Ich finde ein bisschen lustig, dass es auch andere gibt, die bei ungeordneten Gesprächen auch ungeduldig werden und sich unwohl fühlen, wenn ein Thema nicht klar abgeschlossen wurde. Ich dachte immer, ich sei einfach zu perfektionistisch oder hätte da eine kleine Zwangsneurose. Aber dass es an meiner Sensibilität zu liegen scheint beruhigt mich sehr. Denn das klingt nicht krank oder falsch. Ich denke in solchen Fällen sollten wir einfach aktiv eingreifen in das Gespräch und zum Ausdruck bringen, dass man mit einem abrupten Abbruch eines Themas nicht zufrieden ist oder so. Vielleicht sogar ein wenig über sich selber lachen dabei und zur Not selbst ein Fazit in die Runde werfen. Es gibt viele Momente in denen ich in Diskussionen so etwas sage, wie "Um nochmal auf XY von vorhin zurückzukommen...", um für mich einen Strich unter das Thema zu ziehen und ein für mich angenehmes Ende zu finden.

Seitdem ich um meine Hochsensibilität weiß, versuche ich sie allerdings auch in Situationen, in denen sie mir eher Probleme macht nicht ganz so ernst zu nehmen.

Viele Grüße
mark.
mark.
 

Re: Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon Miss Marple » Mo 16. Jan 2017, 17:53

Moin moin..
Herzlich willkommen..
Das mit den Gesprächen ist gut...kann ich nur zustimmen..
Ich werde aber auch ungeduldig, wenn es im Gespräch nicht weiter geht.. Alles wird nochmal durchgekaut und nochmal... Ich hab das gedanklich schon fertig und steuer auf den nächsten Schritt zu..im guten Glauben, alle anderen sind auch schon so weit..

Übungssache wahrscheinlich..

LG
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Re: Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon Wildmieze » Mo 16. Jan 2017, 21:11

Hi Mark!
Willkommen im Club der "Seltsamen". U72(
Für mich ist HS auch noch ein neues Thema und ich freue mich, endlich zu wissen, was los ist. Ws befreit und gibt neuen Lebensmut. Und weil ich momentan soviel Power aus den neuen Erkenntnissen gewonnen habe, sage ich mir: Jetzt bestimme ich! Jetzt gehts da lang, wohin ICH will! Mein Arbeitsumfeld ist eine einzige Katastrophe und deshalb habe ich zum 28.02. GEKÜNDIGT! Ich breche endlich auf in mein Leben und das mit fast 40. Für mich ist die 40 nur eine Zahl. Bedeutungslos. Ich fühle mich wie 20 im Geist, werde wohl nie erwachsen, weil das Kind in mir immer aktiv ist und sein wird. Ich fühle mich seit 2 Tagen wie neugeboren.

Viele Grüße in die States! Was treibst Du denn da?

LG
Zuletzt geändert von Wildmieze am Di 17. Jan 2017, 11:32, insgesamt 1-mal geändert.
Wildmieze
 

Re: Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon SinnVoll » Di 17. Jan 2017, 08:37

Hallo whidbey,

So, wie Du es beschreibst, ist es mir auch gegangen (ics wahrscheinlich vielen anderen hier auch?).

Die Erkenntnis ist gut, aber sie hofft vor allem beim ersten Schritt: Selbst-Akzeptanz. Sie alleine löst nicht die Reibung mit dem Umfeld (von der wohl auch immer ein Rest bestehen bleiben wird). Ich halte hier und in Büchern auch immer nach Techniken und Strategien Ausschau, nach denen ich mich in konkreten Spannungssituationen richten kann. Aber vielleicht bleibt das auch Erbe Lebensaufgabe :) - mit der ich mich dank der Erkenntnis aber im Reinen fühle.

Viel Freude hier und im echten Leben!
Inaktiv.
SinnVoll
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Re: Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon Lukident » Di 17. Jan 2017, 18:38

whidbey hat geschrieben:(...) und hab Schiss vor der 40)...


Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass das überhaupt keine Rolle spielt. icon_winkle Ich weiß sowieso nicht, was die Leute immer mit diesen Zahlen haben...
Lukident
 

Re: Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon Sterntaler » Di 17. Jan 2017, 23:21

Herzlich willkommen whidbey,

ich bin auch erst seit kurzem hier. Viele Punkte, die du angesprochen hast, kommen mir seeeehr bekannt vor. Und ja, auch wenn ich viele positive Eigenschaften mit HSP verbinde, nerven doch die negativen noch mehr.
Intuitiv habe ich es wohl oftmals so gemacht, dass ich das Gegenteil gesucht habe. Mein Mann z.B. ist der unsensibelste Mensch, den ich kenne. Natürlich fühle ich mich oft nicht verstanden und denke manchmal, dass ein Partner toll wäre, mit dem man mehr Gemeinsamkeiten hätte. Aber auf der anderen Seite sind wir jetzt schon 25 Jahre ein Paar und ich liebe ihn immer noch sehr. Ein sensibler, melancholischer Partner hätte vielleicht dazu geführt, dass ich eher mal in Melancholie versunken wäre. Who knows :)
Früher habe ich mich auch mit fremden, neuen Situationen sehr schwer getan. Also habe ich mir mit Mitte 20 eine Freundin geschnappt und wir sind nach Mexiko geflogen und dort vier Wochen mit dem Rucksack herum gereist. Nachdem ich erlebt habe, dass alles gut geklappt hat, war ich viel selbstbewusster und konnte die nächsten unbekannten Situationen viel besser überstehen.

Das ist sozusagen mein Tipp für die negativen Seiten von HSP. Natürlich bleibe ich am allerliebsten in der Comfortzone, aber ab und zu muss man mal ausbrechen und genau das Gegenteil machen.
Liebe Grüße und viel Vergnügen hier im Forum, Sterntaler
Sterntaler
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Re: Gerne HSP - bis auf......

Beitragvon whidbey » Mo 23. Jan 2017, 01:37

Hallo alle,
ist ja supernett was Ihr hier zurückschreibt :)

mark. hat geschrieben:Ich denke in solchen Fällen sollten wir einfach aktiv eingreifen in das Gespräch und zum Ausdruck bringen, dass man mit einem abrupten Abbruch eines Themas nicht zufrieden ist oder so. Vielleicht sogar ein wenig über sich selber lachen dabei und zur Not selbst ein Fazit in die Runde werfen.

Die Variante ist nicht schlecht. Ich gebe allerdings zu, dass ich in den letzten Jahren mich des öfteren eher selbst gebremst habe und dazu gebracht habe, einfach mal den "Flow" der Unterhaltung mitzugehen. Weil: ich hatte den Eindruck, die meisten Leute können eh nix damit anfangen, dass ich da jetzt noch weiter drauf rumkauen will, und ich irritiere sie dadurch nur. Ist vielleicht nicht unbedingt die ich-stehe-zu-mir-Variante, aber kann ggf. die Lockerheit bewahren ;) wie Du ja auch andeutest mit "nicht ganz so ernst nehmen". Superschwierig finde ich dabei eben nur, den temporären Speicher der abgebrochenen Themen zu löschen. Naja, kommt wohl letztendlich darauf an wie wichtig die Themen sind. Und die Nicht-Vorankommer, die Miss Marple beschreibt, kenn ich auch...hm, bin ich das selbst nur von der anderen Seite?

Wildmieze hat geschrieben:Ich fühle mich wie 20 im Geist, werde wohl nie erwachsen

GENAU! Ich hab immer gedacht, irgendwann werd ich mich plötzlich anders fühlen, aber ich glaub das kommt nicht mehr :) Vielleicht ist "erwachsen" sowieso fehldefiniert und zu negativ besetzt....hab mich immer gescheut davor. Super, also lass uns 20 sein. - USA war "nur" ein langer Urlaub (s.u.), jetzt wieder D.


Sterntaler hat geschrieben:Intuitiv habe ich es wohl oftmals so gemacht, dass ich das Gegenteil gesucht habe. Mein Mann z.B. ist der unsensibelste Mensch, den ich kenne.

Das ist ein echt schönes Beispiel dafür, dass im Prinzip alles geht.

Sterntaler hat geschrieben:Früher habe ich mich auch mit fremden, neuen Situationen sehr schwer getan. Also habe ich mir mit Mitte 20 eine Freundin geschnappt und wir sind nach Mexiko geflogen und dort vier Wochen mit dem Rucksack herum gereist. Nachdem ich erlebt habe, dass alles gut geklappt hat, war ich viel selbstbewusster und konnte die nächsten unbekannten Situationen viel besser überstehen.

Tja, das kenn ich - bzw. auch nicht, da ich mich das früher nie getraut habe. Allein die Vorstellung des Schüleraustauschs, paar Wochen bei einer französischen Familie zu sein, war der Horror, ich hab quasi darum gebettelt dass man aufhört mir das vorzuschlagen. Urlaube: am besten behütet, obwohl ich eigentlich wusste dass ich gern mal "raus ins Unbekannte" gegangen wäre. Naja es ist nie zu spät - eine Single-Fahrradtour mit Zelt von Seattle bis San Juan Island hatte jetzt einen ähnlichen Effekt, wie Du ihn beschreibst. Ging aber auch nur weil ich in der Gegend schon Freunde hatte. Und jetzt wo ich das mit HSP endlich weiß, geht sowas vielleicht noch einfacher in Zukunft. (na, zumindest die Überwindung geht leichter).

Bis bald
whidbey
whidbey
 



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