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Beitragvon strelitzia » So 5. Okt 2014, 22:39

Hallo, ich möchte mich mal hier vorstellen. Ich bin 31Jahre alt, weiblich, und habe erst vor kurzem dieses Forum entdeckt. Ich freue mich sehr, dass es dieses Forum gibt, denn ich habe in der Vergangenheit bereits die Erfahrung gemacht, wie gut es tut und wieviel positive Energie beim Austausch zwischen ähnlich sensiblen und emotionalen Menschen entsteht.

Mir war schon früh klar, dass ich ein sehr emotionaler und sensibler Mensch bin, damit bin ich auch nicht allein in meiner Familie. In der Gesellschaft habe ich mich seit meiner Kindheit aber oft anders gefühlt und wurde auch immer mal wieder kritisiert, dass ich zu ruhig/zu schüchtern sei, wenn ich nicht so am Smalltalk teilgenommen habe, oder mir die ständig geforderte mündliche Mitarbeit in der Schule zu stressig war. Heute weiß ich, dass dies einfach nicht meinem Wesen entsprochen hat und ich erst lernen musste, einen Mittelweg zu finden.
Es hat einige Zeit gedauert mich noch besser kennenzulernen und neben den eigenen Schwächen - die man als Mensch, der sehr viel beobachtet und reflektiert oft sehr stark wahrnimmt - auch die guten Seiten zu erkennen. Ich denke ich bin mittlerweile auf einem ganz guten Weg.

Ich habe jahrelang versucht mich möglichst gut anzupassen. Auch meine Eltern appellierten an mich, doch mehr aus mir rauszugehn, weniger sensibel zu sein, sie machten sich Sorgen, dass ich beruflich und privat auf der Strecke bleiben könnte. Wie oft hörte ich den Satz: "Wer nicht schreit, kriegt nichts in unserer Gesellschaft!" Aber es war eben so gar nicht meine Art!!
Was mich aber in meiner persönlichen Entwicklung sicher weitergebracht hat, war mich immer wieder völlig neuen und unbekannten Situationen auszusetzen, mich damit zu konfrontieren auch wenn die Angst davor sehr groß war. Aber ich habe auf diese Weise immer wieder positives Feedback erhalten und gleichgesinnte Menschen getroffen, die ich sonst nicht kennengelernt hätte. Während des Studiums schloss ich mich einer Studentenorganisation an, weil mir der Idealismus und die Zusammenarbeit bei diversen Projekten gefiel.

Bei einem "teambuilding" Workshop hatte ich das erste Schlüsselerlebnis als die Rede von intro- und extrovertierten Menschen war und die Stärken und Schwächen der jeweiligen Gruppen aufgezeigt wurden. Ich las das Buch von Susan Cain (Still) und verstand mich selbst und meine Umwelt auf einmal soviel besser. Ich erkannte mich wieder, als introvertierten Menschen, der jedoch sehr kontaktfreudig ist und gerne neue Menschen kennenlernt. Im Moment bin ich immer noch ein wenig auf der Suche nach der richtigen Balance zwischen Zeit und Ruhe, die ich für mich alleine brauche, um Reizüberflutung zu vermeiden und Zeit mit anderen/Zeit für diverse Aktivitäten und Gespräche, die ich ebenso brauche und auch genieße.

Während einer Summerschool hatte ich dann mein zweites Schlüsselerlebnis, als ich zum ersten Mal in meinem Leben plötzlich von ca 60 gleichgesinnten, empathischen Menschen aus aller Welt umgeben war - ein völlig neues unbeschreibliches Gefühl und eine sehr wertvolle Erfahrung! Es ging allen so ähnlich, dass sie in ihrer Umwelt immer wieder mit Unverständnis und mangelnder Wärme zu kämpfen haben. Wir sind immer noch miteinander in Kontakt, tauschen uns aus, treffen uns bei diversen Aktivitäten wieder, wir sind wie eine große Familie. Eine inzwischen gute Freundin, die damals mein Coach war (und auch heute noch ist) und eben auch hochsensibel ist, gab mir einen Artikel über Hochsensibilität zum Lesen. Sie hatte mich erkannt und mir den entscheidenden Anstoß gegeben, mich weiter zu informieren.

Inzwischen sehe ich die Hochsensibilität tatsächlich eher als etwas Positives und nur hin und wieder als Last. Ich habe z.B. gelernt, dass meine stark ausgeprägte Empathie mich Menschen näher bringt, sie sich wohl und angenommen und von mir verstanden fühlen und dabei oft auch recht viel zurückkommt. Nachdem ich über die Jahre selbstbewusster geworden bin, fällt es mir inzwischen leichter auf Menschen zuzugehn, versuche sie dann so zu nehmen wie sie sind, aber dabei auch auf meine Grenzen zu achten. Dabei musste ich auch erst lernen, welche Menschen mir gut tun und einen Platz in meinem Leben verdient haben und welche mir nur Energie nehmen und dass eine Person, die selbst sensibel ist, nicht zwangsläufig auch empathisch ist und mit anderen sensibel umgeht. Das ist natürlich alles nicht ganz einfach, allerdings stehe ich auch noch so ziemlich am Anfang und bin zuversichtlich, dass ich die Herausforderungen und Belastungen, die sich für eine hochsensible Person ergeben mit der Zeit noch besser bewältigen und reduzieren kann.

Soviel zu meinen bisherigen Erfahrungen. Ich hoffe, es ist nicht viiiiel zu lang geworden...aber kürzer ging es irgendwie nicht. [*]
Jetzt freue ich mich schon darauf Beiträge von euch zu lesen und mich mit euch auszutauschen! _hih_
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Re: Hallo!!

Beitragvon Die_Lucy » Mo 6. Okt 2014, 12:06

Hallo strelitzia und herzlich willkommen :)

Was Du an Erfahrungen beschreibst, kennen wohl die meisten hier, ich auch.
Mir gefällt sehr, wie Du Deine Entwicklung beschreibst, wie einen kontinuierlichen Prozess zu Deinem Wesen.

Bei mir war es phasenweise eher ein Schritt vor, zwei zurück, aber letztendlich mache ich auch diesen Prozess durch, mehr zu erkennen, was ich will und brauche und zu versuchen, mich von den Erwartungen anderer freizuschaufeln.
Ich hatte in den letzten Jahren leider immer wieder Phasen, in denen ich alle Erkenntnisse über meine eigene Persönlichkeit ignoriert habe und sehr stark versucht habe, mich anzupassen (das meine ich mit den zwei Schritten zurück), aber vielleicht sind das auch normale Lernerfahrungen.

Schön, dass Du hier bist, würde mich freuen, mehr von Dir zu hören.
_flöwer_
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Re: Hallo!!

Beitragvon Die_Lucy » Mo 6. Okt 2014, 12:08

strelitzia hat geschrieben:Ich las das Buch von Susan Cain (Still) und verstand mich selbst und meine Umwelt auf einmal soviel besser. Ich erkannte mich wieder, als introvertierten Menschen, der jedoch sehr kontaktfreudig ist und gerne neue Menschen kennenlernt.


Aahh, das habe ich ja jetzt erst gesehen. Über das Buch wurde hier schon mal gesprochen. Ist es empfehlenswert?
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Re: Hallo!!

Beitragvon strelitzia » Mo 6. Okt 2014, 15:16

Hallo :-),
danke! Schön deine Nachricht zu lesen! Ich werde bald auch in den verschiedenen Themenbereichen mit diskutieren, dann wird das an dieser Stelle auch nicht zu umfangreich ;-) Ziemlich sicher sind das ganz normale Lernerfahrungen, es ist eben ein Prozess, mal vor und auch wieder zurück, ist bei mir auch so.
Ich denke dieses "Anders-Sein-Gefühl" steckt schon tief in einem drin und im Grunde versucht so gut wie jeder Mensch erstmal sich dahingehend anzupassen, dass er Anerkennung und v.a. keine Ablehnung von seiner Umwelt erfährt. Deshalb ist auch das Umfeld so wichtig, sich die Menschen zu suchen, die einen so annehmen, wie man ist - das gibt viel Unterstützung. Daher bin ich eben auch sehr froh, dass es dieses Forum gibt, denn oft fehlen einem lange Zeit genau diese Menschen.

Bezüglich der Schritte vor und zurück ist es so, dass ich zwar inzwischen mehr über meine Persönlichkeit erfahren habe und mich mehr annehme, ich aber gerade in neuen Situationen oft wieder unsicher werde und für einen Moment wieder die Anpassung suche. Ich denke, das braucht einfach Zeit bzw. sind diese neuen Situationen, gerade für introvertierte Menschen immer stressiger, als für extrovertierte - das liegt allein schon an der unterschiedlichen Art der Informationsverarbeitung im Gehirn (dies ist im Buch von Susan Cain auch sehr gut beschrieben).
Es gab aber jetzt auch schon einige Situationen, wo ich einfach aktiv reagiert habe, erklärt habe, wie ich eben ticke und habe dann auch keine Ablehnung erfahren, wie früher, wenn ich einfach nur ruhig war. Ich muss mich nicht rechtfertigen, aber ich kann mich erklären, mich verständlich machen. :-) Entweder es klappt oder es klappt eben nicht. Ein weniger sensibler Mensch käme wohl auch nicht auf die Idee sich plötzlich dahingehend anpassen zu wollen, sensibler und empathischer zu sein, etc.. Ich denke das liegt auch sehr stark an unserer geschulten Selbstreflexion und Empfindsamkeit.

Und was das Thema Bedürfnisse angeht, habe ich denke ich noch einen längeren Weg vor mir. Da ich ein sehr aufmerksamer Mensch bin, habe ich viel zu lange mehr auf die Bedürfnisse der Menschen um mich herum geachtet, als auf meine eigenen. Dies führte dazu, dass ich immer mal wieder meine Bedürfnisse ziemlich hinten angestellt habe. Ich habe aber zum Glück ein Warnsignal entwickelt, das anspringt, wenn meine Grenzen drohen überschritten zu werden bzw. überschritten worden sind. Und dann lasse ich mir das auch nicht gefallen!! Das ist schonmal gut. Ich kann da viel auf meine Intuition zurückgreifen, die ich früher leider oft ignoriert habe. Aber es fällt mir manchmal immer noch schwer in der jeweiligen Situation zu erkennen, was ich mir wirklich wünsche und was ich brauche, daran arbeite ich im Moment ganz stark. :-)

Ein Bekannter sagte mal zu mir: "Du bist einfach viel zu lieb und denkst viel zu viel nach." Dieser Satz ist mir in Erinnerung geblieben. Einerseits denke ich mir immer noch, ja ich bin so und das ist gut so. Es sollte mehr Menschen geben, die so sind. Aber hinsichtlich meiner Bedürfnisse sollte ich mich nicht zurücknehmen, da evtl. auch mal weniger "lieb" sein und das viele Reflektieren kostet natürlich auch Energie.

Und ja mir hat das Buch von Susan Cain sehr gut gefallen. Sie hat sehr viel zu diesem Thema recherchiert, auch ihre persönliche Erfahrung und die weiterer Personen sehr anschaulich beschrieben. Und natürlich auch die Extraversion dargestellt, sodass es gut möglich ist beide Seiten besser nachzuvollziehen. Auch die Kommunikation zwischen beiden Typen und die Frage der Anpassung von introvertierten Menschen wird im Buch behandelt und ist sehr interessant.
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