Ich möchte mich vorstellen...

Hallo, gut dass du hier bist - wir sind schon neugierig auf dich!

Moderatoren: Hortensie, Eule, jules1976

Ich möchte mich vorstellen...

Beitragvon Lutzka » Mi 23. Dez 2015, 18:07

Hallo zusammen,

ich bin, nach bald 30 Jahren der Suche, der Unzufriedenheit und inneren Unruhe, endlich auf dieses eine Wort gestoßen, denn einen Ausdruck, um alldem, was ich mein ganzen Leben gefühlt und gespürt habe, einen Namen zu geben: hochsensibel. Wer auch immer dieses Forum gestartet hat, vielen vielen Dank...endlich halte ich mich nicht mehr für ein "Alien" dass unter Menschen wandelt...bis dato hatte ich nämlich nur eine Ansprechperson, die meine Erfahrungen und Gefühle verstehen und begreifen kann und diese in kleinen Stücken mit mir teilt (meine beste Freundin). Dem Rest meiner Freunde und Bekannten habe ich so gut wie nie etwas über meine "Probleme" erzählt, da ich dort nur auf Unverständnis stoße und das Ganze von ihnen eher mit Stress oder Ähnlichem abgetan und erklärt wird.

Aber erstmal kurz zu meiner Person:

Ich bin männlich, 29 Jahre alt und wohne ab Anfang nächsten Jahres in der Nähe von Nürnberg. Beim Parlow-Test habe ich, bei eher zurückhaltender Auswahl meiner Punktevergabe, eine Punktezahl von 238/300 Punkten. Diesen Test werde ich aber in einigen Abständen noch häufiger machen, um meine Tagesform ein wenig auszublenden und evtl. ein Art Durchschnitt bilden zu können.
Dass ich anderst bin als andere, weiß ich schon mein ganzes Leben lang, bisher habe ich aber eher spirituelle Ansätze oder auch eine psychische Erkrankung als Grund dafür vermutet, bis ich auf dieses eine Wort "hochsensibel" gestoßen bin.
Dieses "anders sein" äußerst sich bei mir dadurch, dass ich oft Dinge wahrnehme, die meinen Freunden verborgen bleiben...hier mal eine kleine Auflistung:

- Ich rieche es förmlich wenn Pärchen Streit hatten oder sich etwas anbahnt. Genauso kann ich bewusst aufnehmen, wie sich Menschen fühlen, kann mich gut in ihre Lage versetzen und versuche immer zu helfen bzw. Ratschläge zu erteilen. Was leider oft als "too much" angesehen wird...obwohl ich es ja eigentlich nur gut meine.

- Ich bemerke zwischenmenschliche Sympathien, kann, wenn ich anwesend bin, den genauen Zeitpunkt nennen, wann sich jemand verliebt. Sei es in mich oder zwischen zwei fremden/ bekannten Personen. Es ist als könnte ich es aus ihren Augen lesen und im Bauch fühlen. Teilweise durch den ganzen Raum.

- Schwangerschaften habe ich im Bekanntenkreis alle erkannt noch bevor die Schwangere es wusste, meist in den ersten beiden Wochen der Schwangerschaft.

- wenn jemand angebrüllt wird, fühle ich mich schuldig, obwohl ich nichts mit der Sache zu tun habe. Das gleiche gilt wenn ich bemerke, dass jemand nicht sein bestes gibt. Ich versuche dann denjenigen anzusporen und zu helfen, damit derjenige bessere Ergebnisse abliefert...obwohl dass eigentlich nicht mein Problem sein sollte.

- ich habe mit einigen Freunden eine unbeschreibliche Verbindung und spüre auch auf große Entfernungen wenn sich in deren Leben etwas verändert, meistens aber leider nur wenn etwas "Schlimmes" passiert oder es der Person nicht gut geht. Auf der Strasse laufe ich an Leuten vorbei und spüre, dass in deren Leben kürzlich eine Art Einschnitt war. Bisher habe ich mich aber nicht getraut jemand Fremden auf so etwas anzusprechen

- Ich grüble sehr viel, suche Zusammenhänge wo oft keine sind und gebe Wörtern und Aussagen mehr Bedeutung als im Endeffekt dahinter steckt. Auch verfolgen mich Dinge, die Jahre her sind und an die, außer mir, keiner mehr denkt. Kleine Fehler meinerseits, mal den Mund zu weit aufgerissen, mal nicht ganz so aufgepasst wie ich es hätte sollen, usw.

- Ich habe ein sehr stark ausgeprägtes Gewissen und versuche immer gerecht zu sein, zu allem und jeden. Wenn ich spüre, dass jemand ungerecht behandelt wird, geht mir dass derart gegen den Strich, dass ich alles versuche um Gerechtigkeit herzustellen. Koste es was es wolle...meist zu Lasten meinerseits.

- Arbeitstechnisch war ich in meinem letzten Job (bin gerade dabei zu wechseln) in einem Großraumbüro gesessen. Die Stimmung dort wurde im letzten Jahr immer schlechter aufgrund von Kündigungen, finanziellen Problemen der Firma etc. . Ich habe wohl diese Stimmung in mich aufgesogen wie ein Staubsauger und das Ganze als Depressionen (damals wusste ich nichts von meiner Begabung) interpretiert. Ich war deswegen auch lange krank geschrieben, da ich stark körperlich darauf reagiert habe, mit Herzstechen, Schlappheit, Müdigkeit usw...sobald ich allerdings ein paar Tage aus diesem Trott der Traurigkeit raus war, ging es mir unverhältnismäßig gut. Ergo habe ich mir jetzt einen neuen Job gesucht.

- Ich bin, im Gegenteil zu dem was ich bisher gelesen habe, gern unter Menschen und mag auch bestimmte Arten von Menschenmengen. Sei es bei Konzerten oder Veranstaltungen für einen (für mein Empfinden) guten Zweck. Im Allgemeinen kommt es hierbei auf die Gesamtstimmung der Menschen an. Neben meiner alten Wohnung fand z.B. mal eine Veranstaltung der NPD statt (Fremdenfeindlichkeit ist für mich etwas sehr schlimmes) und es war für mich, als könnte ich den Hass, der dort zugegen war, noch über die 500m zu meiner Wohnung spüren und musste von dort sofort weg. Auf Festivals auf der die Musik läuft die ich mag, und die Leute Spaß haben und friedlich miteinander feiern, könnte ich mich hingegen ewig aufhalten.

- Hobbymäßig habe ich einige Zeit als DJ gearbeitet. Dort kam meine Begabung sehr gut an, da ich die Emotionen, die man meiner Meinung nach mit Musik auslösen kann, auch über die ganze Bar/ Club sehr gut wahrgenommen habe und sozusagen immer das passende, krass gesagt das richtige Lied gespielt habe und den Leuten gegeben habe "was sie hören wollten".

- Ich bin sehr detailverliebt und achte in allen Lebenslagen besonders auf Kleinigkeiten. Sei es als Gastgeber, beim Schreiben von Texten (dieser hier hat mich bestimmt zwei Stunden gekostet) oder beim Aufhängen von Bildern...alles muss perfekt sein, sonst "setze ich nicht meinen Namen darunter".


Das war jetzt mal eine kurze und grobe Zusammenfassung meiner Erlebnisse und Erfahrungen, ich könnte diese Liste noch um einiges erweitern, aber ich denke dass das mal für´s erste reicht.



Etwas habe ich allerdings noch auf Lager, wovon ich hier bisher nicht viel gelesen habe und ich auch gar nicht weiß, ob es mit hochsensibel einhergeht, ob ich mich da schon im spirituellen/ übersinnlichen Sektor befinde oder ich vielleicht auf eine gute Art und Weise ein wenig verrückt bin. Auf alle Fälle möchte ich es loswerden:

Vor bald zehn Jahren ist ein enger Freund bei einem Motorradunfall gestorben. Ich war damals auf der Beerdigung, nur konnte ich mich nicht überwinden ans Grab zu gehen und Abschied zu nehmen. Mit meinem Wissen jetzt würde ich sagen: Es lag viel zu viel Trauer in der Luft, ich hätte das seelisch nicht verkraftet. Von da an war meine innere Unruhe größer als sonst. Ich spürte dass etwas nicht stimmt, nur habe ich nie den Tod dieses Menschen als Auslöser gesehen, da ich monate- fast schon jahrelang vor Trauer einfach überwältigt war und mir keine Zeit genommen habe, dass alles ausführlich zu betrachten und richtig zu verarbeiten (hab ich wohl heute noch nicht einmal). Für mich fühlte es sich während der ganzen Zeit immer mal wieder so an (und tut es immer noch) als ob er manchmal neben mir steht und versucht mit mir zu agieren. Als ob er mir meinen Weg zeigen will...ich kann es nicht erklären. Richtig Abschied genommen habe ich auch erst auf den Rat einer Freundin, acht Jahre später. Es war als würde er neben mir am Grab stehen, als ob alles Gut ist, ich hatte für ein paar Minuten ein Gefühl der inneren Ruhe, die ich so nicht kenne.
Seit dem Tod dieses Freundes, bin ich, was das Sterben angeht, viel sensibler und empfindlicher geworden. Ich habe inzwischen den Tod öfters vorhergesagt und vorhergesehen. Zwar konnte ich nie die Person nennen die stirbt, aber ich wusste, dass "er" bald wieder jemanden holt. Immer bei Verwandten / Bekannten / teilweise sogar Tieren die meinen Liebsten viel bedeuteten:
Den Hund meiner Tante, den ich eigentlich nie besonders mochte (eher Katzen-Fan) habe ich, weil ich es gespürt habe, an einem Abend an dem ich zufällig am Haus vorbeigefahren bin und instinktiv angehalten habe, bestimmt 15min im Arm gehalten...in dieser Nacht ist er gestorben.
Nach einer Nacht voller Albträume bin ich aufgewacht und war mir sicher, dass ich meine Katze zum letzten mal lebend sehe, weil das Tier für mich so gewirkt hat. Als ich von der Arbeit heimgekommen bin, war die Katze noch da...allerdings war die Oma meiner Freundin (ich kannte die Frau nicht einmal) gestorben.
Zwei kurz aufeinanderfolgende Tode im engsten Familienkreis meiner besten Freundin habe ich auch durch Albträume und Unruhe gespürt, hier ging es soweit, dass ich wusste dass ich mich bei Ihr melden muss, nur konnte ich nicht sagen warum ich mich melde...ich wusste es ja selbst nicht.
Dieser Faden zieht sich inzwischen durch mein Leben, ob ich will oder nicht. Ich habe auch noch ein paar mehr solcher Geschichten, die ich aber nicht alle tippen möchte, ich denke der Thread ist so schon lange genug :)

Auf alle Fälle hatte ich gestern wieder dieses beklemmende Gefühl, konnte nicht schlafen und hatte Albträume... zuerst wollte ich mich meiner Mutter anvertrauen, da sonst kein passender Gesprächspartner zur Verfügung stand.. die hat aber nach ein paar Sätzen ("Mum, der Tod ist in der Gegend, ich spür es...ich will hier weg") gesagt: "Lass uns über etwas anderes reden, du machst mir Angst und bitte lenk dich aber, dann geht´s schon wieder". Daraufhin bin ich auf dieses Forum gestoßen und ein großer Stein ist mir vom Herzen gefallen.
Bisher ist auch noch niemand gestorben, diesmal lag ich also vielleicht falsch...wobei ich das erst in 2-3 Tagen sagen kann...so war es bisher immer.


Ich bin gespannt auf eure Kommentare und werde mich in den nächsten Tagen auf die Ganzen Threads stürzen. Ich freue mich so unglaublich auf eure Erfahrungen und Meinungen!

Endlich fühl ich mich nicht mehr allein.

Danke
Lutzka
 

Re: Ich möchte mich vorstellen...

Beitragvon Silicea » Mi 23. Dez 2015, 19:54

Hallo Lutzka,

herzlich Willkommen hier sm_06

Einige deiner Beschreibungen kommen mir sehr bekannt vor, kenne ich auch von mir. Kann jetzt zeitlich
nicht näher darauf eingehen.
Ich wollte dir jetzt nur sagen, dass ich das mit den Träumen/Alpträumen wie du es beschrieben hast, auch
schon einige Male erlebt habe. Du bist also nicht alleine damit.

Ich wünsche dir einen bereichernden Austausch hier im Forum.

LG, Silicea
Benutzeravatar
Silicea
Gold Member
 
Beiträge: 346
Registriert: Di 4. Feb 2014, 15:09



Ähnliche Beiträge

Möchte mich kurz vorstellen
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Anonymous
Antworten: 5
Hier möchte ich etwas von mir erzählen
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Anonymous
Antworten: 2
Hallo, ich möchte mich hier einmal vorstellen.
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Vatima68
Antworten: 1
Wer möchte gerne jemand anderes sein?
Forum: Hochsensibilität Allgemein
Autor: Anonymous
Antworten: 10
Möchte nur kurz Hallo sagen!
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Anonymous
Antworten: 3

Zurück zu Vorstellungsrunde

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron