Möchte mich vorstellen!

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Möchte mich vorstellen!

Beitragvon mercedesxx » Fr 6. Jul 2012, 21:11

Einen wunderschönen guten Abend,

heute habe ich mal beschlossen, diesem Forum beizutreten und mich mit Menschen auszutauschen, die ebenso sind wie ich.

Als Kind litt ich, wie viele HSP wohl auch unter meinen vielen Gefühlen und meiner Sensibilität. Meine ELtern sind beide sehr sensibel, aber leider sind sie damit nie klar gekommen und dadurch war es immer schwer, mit ihnen. Heute weiss ich, wie unheimlich anstrengend es ist, mit Eltern zu leben, die so enorm emotional sind.

Ich war eher ein Einzelgänger, ging anders als Gleichaltrige lieber in die Bibliothek und las Bücher über Bücher. Heute denke ich, dass ich dies auch tat, um Ruhe zu haben. MIt 8 "zog" ich zu meinen Großeltern, bei denen immer Harmonie und Ruhe herrschte. Ich schlief einfach dort und weigerte mich, wieder wegzugehen. Bis ich 16 war hatte ich eine wunderschöne Zeit im Haus meiner Großeltern. Im Garten hing meine Hängematte, auf der ich schaukelte und las, ich hatte auch eine eigene Schaukel, auf der ich Stunden verbrachte. Meine Gedanken waren überall, ich dachte mir GEschichten aus, schrieb sie auch auf. Auch wenn sich das jetzt anhört, als wäre ich allein gewesen, ich hatte einen Bruder und Cousinen, mit denen ich viel zusammen war. Dennoch war ich wohl doch auch mehr für mich, wenn ich so darüber nachdenke.
Schon damals konnte ich mit Lärm kaum umgehen, aber glücklicherweise stand das Haus in einer Sackgasse, die im See endete, es fuhr also kaum mal ein Auto vorbei, das Haus war ruhig und still. Ich habe mich daran gewöhnt, die Blätter rauschen zu hören, weiter weg, Kinder, die im Wasser spielen, natürliche Geräusche von Hunden und Katzen.

Ich war Spätzünder, was das andere Geschlecht betraf, fand aber schnell den Anschluss, früh war ich dann in einer für das Alter viel zu festen Bindung. MIt 21 wollte ich unbedingt Mutter werden, was auch klappte. Das Muttersein stärkte mich unheimlich und gab mir sehr viel Selbstvertrauen. Dann machte sich das für HSP typische Spätzünden im Bereich meiner Intelligenz bemerkbar. Mir reichte meine Büroausbildung nicht mehr, ich wollte mehr. So fing ich ein Studium an.
Obwohl mich Soziales und Erziehungsdinge immer sehr interessierten studierte ich trotzdem BWL. Meine Beziehung ging in die Brüche, weil ich spürte, dass es nicht das richtige für mich ist. Nach sovielen Jahren beendete ich das, wegen meines GEfühls, kurz vor der Hochzeit.

Nun bin ich verheiratet und in die Stadt gezogen- dummerweise. Das ich hochsensibel bin, hab ich ja lange nicht geahnt. Dann sprach mich mal jemand darauf an, einfach so. Er meinte, ich sei es und solle mir doch mal das Buch "zart besaitet" durchlesen. Natürlich habe ich das anfangs von mir gewiesen. Aber interessiert hat es mich doch und so las ich etwas über HSP. Da fiel mir das Brett vom Kopf weg.
Wie oft spürte ich soviel von anderen und immer immer wieder habe ich nicht begriffen, warum das nicht jeder so spürt. Kommt bswp der Chef mit schlechter Stimmung ins Zimmer, weiss ich das sofort und lass ihn in Ruhe oder wenn jemand genervt ist. Andere merken das scheinbar ncith.

Für dieses Einfühlvermögen bin ich sehr dankbar. Aber ich leide auch unter vielen Dingen und hoffe, dass mir hier jemand mal tipps geben kann.

Lärm ist mein Hauptproblem. Egal, wo ich bin, in der Stadt scheint es immer laut zu sein, ich kriege Panik, wenn Ausländer oder unhöfliche Deutsche laut in der Bahn telefonieren müssen. Ich möchte dann nicht hinhören, aber ich weiss nicht wie ich das verhindern kann. OFt habe ich einen Kopfhörer dabei, doch selbst der verhindert nicht jedes Geräusch.

Menschenmengen möchte ich am liebsten meiden. Mein Sohn spricht immer von einer Sozialphobie, lange hab ich wirklich gedacht, dass ich nicht "normal" bin, bevor ich etwas von HSP gehört habe. Wenn mir zb Menschen zu nahe kommen, gerate ich in Panik, ich kanns nicht ausstehen, wenn mir jemand vor die Füsse läuft.


Zuviel Mitgefühl. Wenns meinem Mann schlecht geht oder er einfach nicht so erfolgreich war, dann zieht mich das so dermassen mit, dass ich mich auch schlecht fühle, obwohl es mir vorher super ging. Oder wenn mein Sohn traurig guckt, dann könnte ich heulen vor Mitgefühl.

In vielen Dingen habe ich gelernt, mich abzugrenzen und an mich selber zu denken. ZB gibt es in meinem Bekanntenkreis Leute, die von so jemandem wie mir, die psychologische Spiele durchschaute gerne Ratschläge haben wollen. Aber selbst da habe ich mich immer min hineinziehen lassen und mir viel zuviele Gedanken gemacht. Von sowas grenze ich mich jetzt meist ab, weils mir nicht gut tut.



Übrigens ich bin 36, verheiratet und habe einen Sohn, der ist 15!


lg Mercedes
mercedesxx
 

Re: Möchte mich vorstellen!

Beitragvon herzblut » Fr 6. Jul 2012, 23:46

sm_06 Schön, dass du dich angemeldet hast!
"Ich glaube, daß wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehen, von dem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist."

Arthur Schopenhauer

In tiefer Trauer um meine geliebte Hündin Linda, die am 12. Mai gestorben ist.
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Re: Möchte mich vorstellen!

Beitragvon streunerin » Sa 7. Jul 2012, 00:00

sm_06 Wie schön eine Hängematte im Garten der Grosseltern!

Laute Telefonierer sind auch für mich ein Alptraum.
Der geistigen Menschen höchste Leistung ist immer Freiheit, Freiheit von den Menschen, von den Meinungen, von den Dingen, Freiheit zu sich selbst.

(Stefan Zweig 1881 - 1942)
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Re: Möchte mich vorstellen!

Beitragvon GoldenTulip » Sa 7. Jul 2012, 00:23

Hallo mercedesxx,

ich habe bis vor kurzem in Großstädten gewohnt (Berlin, Frankfurt) und hab da den Reflex entwickelt, nur noch unter Willensanstrengung vor die Tür zu gehen. Der begriff HSP war mir da überhaupt nicht bekannt. Jetzt bin ich "auf dem Dorf" und ich blühe auf wie eine Pflanze, die sehr lange keine Sonne gesehen hat.
Es ist nicht nur der Lärm (Rasenmäher hat man hier auch nicht abgeschafft).
Der Rhytmus ist anders, man kann seinen Einkaufsrolli vorne im Laden abstellen und er wird nicht geklaut.
Der Busfahrer wartet, bis sich ältere Leute hingesetzt haben, statt ruppig loszufahren und sie durch den Wagen zu schleudern. Allgemein ist hier mehr Achtsamkeit. Ich lerne, viel weniger auf der Hut zu sein. Entstresst und entschleunigt, das ist ein gutes Stück Lebensqualität.

Es hat auch etwas mit Selbsteinschätzung zu tun, ich dachte immer, Du musst es hinkriegen, tough genug sein, allein Nachts am Frankfurter Bahnhof rumzulaufen, ohne angemacht zu werden. Ich hatte das für eine Stärke gehalten.
Das sehe ich inzwischen anders - das ist selbstorganisierter Irrsinn.
Wenn es irgend geht, würde ich an Deiner Stelle die Rahmenbedingungen ändern und mir einen Ort suchen, an dem Du Dich (wieder) wohlfühlst.

Lieben Gruß,
Conny
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Re: Möchte mich vorstellen!

Beitragvon Mondeule » Sa 7. Jul 2012, 09:55

Guten Morgen mercedesxx,

Schön das nochjemand hier hergefunden hat. :)

Ich Stimme GoldenTulip zu das du mit deinem Mann darüber sprechen solltest vieleicht um zu Ziehen, wo es besser für dich ist.

Ich selbst wohne in der Großstadt Hamburg.... ja da ist immer irgenwie was Lärm und gewusel. Aber ich wohne in einer gegend die was grün ist, kleine Therrasse mit ein bissel Garten. Nicht weit von mir ist ein Kanal wo man spazieren kann, es gibt hier eben teilweise viel grün und ich brauch das auch um mich wohlzufühlen. Sonst suche die so ein Fleckchen zum Wohnen oder so am rande der Stdt wo es eben auch ruhiger ist.

Gruß Marilyn
Wenn du fällst, sinke kurz zu Boden und weine. Danach stehe wieder auf, wie der Phönix aus seiner Asche und erstrahle wieder im neuen glanz. Du wirst besser und schöner sein als zuvor. by me

In Liebe Mondeule
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Re: Möchte mich vorstellen!

Beitragvon mercedesxx » Di 10. Jul 2012, 20:22

Vielen Dank für eure Antworten.
@Conny bei mir wars ja umgekehrt, leider. Bin aus dem Dorf in die Stadt und habe in vielerlei Hinsicht einen "Kulturschock" bekommen. Gerade was das Miteinander angeht. Für mich wars immer selbstverständlich Omis im Rollator zu helfen, sie zu stützen. Jetzt ist es mir oft passiert, dass mich die Seniorin dann böse ansieht, als würde ich ihr was wegnehmen wollen. Sie kann ja nichts dafür, ist eben die Gesellschaft, aber traurig ist es auch zu sehen, wie die Jugendlichen starr in der Bahn vor sich hinstarren, einem anderen behilflich zu sein, das kennt kaum noch einer.

Mir ist schon lange klar, dass ich aus der Stadt wieder raus muss, leider ist das nicht immer so einfach, wir wollen ja umziehen, wir suchen auch schon. Nur...

ich weiss nicht, wem das noch so geht. Mein Mann versteht einfach nicht so, was in mir vorgeht. Er ist eben nicht sensibel, im Gegenteil er hört viele Geräusche, die mich massiv stören einfach nicht. Ich habe nach meiner Erkenntnis ihm mal einen Text zum Lesen gegeben, aber ich denke, er hat es nicht wirklich verstanden.

Habt ihr eine Idee, wie man das seinem Parter verständlich machen kann????
mercedesxx
 

Re: Möchte mich vorstellen!

Beitragvon GoldenTulip » Di 10. Jul 2012, 21:01

Liebe Mercedesxx,

Habt ihr eine Idee, wie man das seinem Parter verständlich machen kann????


So ganz verstehen wird er das kaum können, aber das muss er auch nicht. Bitte ihn, Dein Empfinden und Deinen Wunsch zu respektieren, er wird kaum wollen, dass Du unglücklich bist und es Dir schlecht geht (hoffe ich zumindest).

Und wenn ihr Euch darin einig seid, wird sich ein Kompromiss finden lassen, wie ihn Mondeule genannt hat (Stadtrandlage, was mit Garten o.ä.),

Seit ich mich und meine Bedürfnisse mehr achte, mit mir selbst rücksichtsvoller umgehe, beeindruckt mich auch eine leichte Verstimmung, Verständnislosigkeit oder Laune meines Partners nicht mehr so. ER versucht schließlich auch nicht den lieben langen Tag, es MIR rechtzumachen _grin_

Liebe Grüße
Conny
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Re: Möchte mich vorstellen!

Beitragvon Idira » Mi 11. Jul 2012, 00:31

Hallo Mercedesxx,

sm_06

Wie gut kann ich nachfühlen, dass es Dich wieder auf´s Land zieht!
Ich möchte das Leben dort nicht mehr missen.
Ihr sucht, aber scheinbar ist es schwierig ...
Magst Du erzählen, was das Problem ist?

Schöne Grüße
Idira
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Re: Möchte mich vorstellen!

Beitragvon VocaLise » Mi 11. Jul 2012, 10:24

Hallo Mercedesxx,

sm_06

auch ich lebte lange in einer großen Stadt. Nun aber lebe ich auf dem Land und genieße die Ruhe, die Freiheit, die Entschleunigung!

Hoffe für Euch, dass Ihr einen guten lebbaren Kompromiss finden werdet.

Alles Gute,
VocaLise
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