Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

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Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon philosomatic » Do 14. Jul 2016, 19:12

Hallo erstmal.
bin gerade energetisch ganz unten, will trotzdem mal etwas schreiben, weil ich seit geraumer Zeit weiß, dass ich hs bin (was diverse mehr oder minder gute Tests bestätigten).
Schön fand ich den Begrüßungsspruch, der mir hier direkt zugeschickt wurde:

Life is what happen while you´re busy making other plans.

Also, ganz kurz zu mir, weibl., 42 Jahre alt, wohnhaft in der Pampa,(Bergisch Gladbach) wo ich quasi 24 Stunden "die Ruhe vor der ewigen Ruhe" habe, Dipl im Schrank, lebe zur Zeit vom Existenzminimum, weil ich aufgrund mangelnder Stress-resistenz ein Leben mit materiellen Einschränkungen lieber in Kauf nehme als chronischen Stress incl Schmerzen, Schlaflosigkeit und burn-out.
Leider bin ich zwecks Reizabschirmung in eine low-dose Diazepam Abhängigkeit hineingeraten, eine Art Sackgasse, zumal der Stoff eben eine Toleranzbildung entwickelt und ich gerade nicht die Kraft habe, zu entziehen. Und Klinik (incl Dreibettzimmer- der Horror schlechthin für einen Eremiten!).

Eine Frage, die mich interessiert, ob hs zwangläufig mit einer Irritierbarkeit des Selbstwertes durch andere einhergeht- das ist bei mir nämlich definitv NICHT der Fall.
Mein Ich ruht ganz gut in sich selbst, ist lediglich mangels Abgrenzungsfähigkeit, bzw. Empathie und Durchlässigkeit für andere Vibrations meiner Umwelt in Gefahr, in eine Art "Schräglage" zu kommen,- damit meine ich nicht den Wert oder das Einverstandensein mit mir und meinem Leben, sondern vielmehr das Menschen mich, durch ihre Anwesenheit in ein einer Art "Unruhe" oder "Ungleichgewicht" bringen.

Ich will versuchen, mich erstmal kurzzufassen. Und mal abwarten, ob jemand überhaupt reagiert.
Die smilies (die rechts an der Leist rumhoppeln) sind für mich auch schon wieder "too much" , so dass ich gar nicht weiß, ob ich hier richtig plaziert bin.
Nach langer Meditation bin ich zur Erkenntnis gekommen, das zwei Dinge für HSPs sehr wesentlich sind:

ZENTRIERUNG
&
ABGRENZUNG

Immer in Kontakt mit sich bleiben, meine ich, und den anderen auch mal liebevoll "aus dem Leben drängen" weil er das labile Gleichgewicht evtl bedroht.
Evtl ist das ganze bei mir zu sehr in Richtung "Schon/ Schutzhaltung" abgedriftet.
Soweit ganz knapp zu meiner Situation und meinen derzeitigen Erkenntnissen.
Solidarische Grüße in die Runde! *schimmer*
philosomatic
 

Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon philosomatic » Do 14. Jul 2016, 19:43

Ein paar weitere Details zu meinem Leben wäre evtl gut.

Ich bin einer der wenigen Menschen, die nicht an ihrem Alleinsein leiden.
Ein echter Eremit eben.
Die das Alleinsein nicht als Einsamkeit empfinden, sondern als Privileg.

Je mehr Verantwortung, desto eingschränkter und eingeengter fühle ich mich.
Ruhe ziehe ich immer jeglicher Art von Stimulanz vor.

Habe quasi immer zwecks Reizdämpfung Oropax im Ohr und ne Sonnenbrillle vor den Augen (auch nachts im Winter),
Mag den Winter lieber als den Sommer. Bei Temperaturen über 28 Grad bin ich gerade zu gefühlt "kurz vorm Sterben".
Suche Menschen, die sich weder paaren noch vermehren wollen und das ganze irdische Spektakel eher "aus der Vogelperspektive beobachten" und sich ständige nur wundern....über so viel Irrsinn und Energieverschwendung...
Wäre sooo schön, ähnlich strukturierte Menschen aufzutreiben.....
philosomatic
 

Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon SinnVoll » Do 14. Jul 2016, 22:33

Also ich bin weder Eremit, trage keinen Sicht- und Hörschutz, und bin auch nicht verwundert über Paarung oder Vermehrung.

Aber ich kann dir beantworten, dass ich für mich Selbstwert und HS kein Widerspruch sind. In Gegenteil: Ich muss lernen, die anderen 85% nicht als Aliens zu betrachten. Ich fühle mich mitunter fremd und habe oft versucht, neue Verhaltensweisen zu lernen, um besser mit der von Dir beschriebenen Irritation umgehen zu können. Aber meinen Selbstwert hab ich dabei nicht in Frage gestellt...
Inaktiv.
SinnVoll
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Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon philosomatic » Fr 15. Jul 2016, 07:56

Oki, danke für deine Antwort, SinnVoll.
In manchen HS-Tests ist nämlich die Irritierbarkeit durch andere (was den Selbstwert betrifft) Thema.
Oder das sog. Helfer-syndrom, an dem ich auch nicht ansatzweise leide, bzw. das nicht ausgeprägt ist, höchstens gegenüber Kindern und Tieren (also wenn Unrecht gegenüber Wehrlosen geschieht, dann gehen bei mir schon die Alarmglocken an....)-

Ansonsten sind mir psychische Verhedderungen in zwischenmenschlichen Symbiose-Beziehungen fremd.
Ich kann dafür nur sehr bedingt Verständnis aufbringen, merke ich immer (ist das o.t.?)- nunja, -
Ich denke dann immer, es ist doch einfach, bleiben oder gehen, oder sich selbst einfach die Frage stellen "wieviel vom anderen incl seinem Brass möchte ich in meiner Biographie Raum geben ohne Schaden daran zu nehmen?.... " so eher in diese Richtung....
ich bin halt "über-achtsam" kann man fast schon sagen, was mich und mein Handeln und Fühlen betrifft. Ich frage mich quasi immer "fühlt sich das jetzt gut und stimmig für mich an? oder nicht?" Will ich dieses Nahrungmittel genießen oder nicht? Ich esse dann sehr langsam und bewußt.
Brauche ich jetzt eher Musik die auf mein Vegetativum narkotisch wirkt, oder stimulierende Effekte (tagesformabhängig)?
Ständig eben immer dieser "Blick von Außen" oder der sehr ego-bezogenen oder eben ego-erhaltende Anteil in mir, der dominiert.
Das liegt aber mitunter auch daran, dass in meiner Kindheit ständig über meine Bedürfnisse quasi "drübergetrampelt" wurde.
Also ob HS sich auch aufgrund einer Vigilanz durch Missbrauch herauskristatllisiert, stelle ich auch mal so in den Raum.
(damit meine ich das ständige "Erspüren" von latent aggressiv-destruktiven Schwingungen zwischen den Eltern während der gesamten Kindeheit und Jugend)....In dem Moment, wenn man versucht, das Innenleben des anderen zu erfassen und die sich daraus entwickelnden Dramen, ist man ja nicht mehr in der Zentrierung, also im Touch mit sich selbst.
Das stelle ich einfach mal so in den Raum.

Ich selbst halte mich für schwer traumatisiert und hs. Ob es kausale Zusammenhänge gibt, weiß ich nicht.
In Kliniken fühle ich mich komplett deplaziert und missverstanden.
Bis demnächst!
philosomatic
 

Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon philosomatic » Fr 15. Jul 2016, 10:00

puh, ich glaub ich komme hier nicht so sympathisch rüber.
Das ist auch realen Leben so.
Ich bin die einzigsten, der man an der Kasse im Supermarkt keinen "schönen Tag" wünscht, einfach deshalb, weil ich denke, dass Menschen erahnen, dass ich Floskeln nicht mag, genauso wie die Frage " wie gehts?" die ich generell nicht beantworte.
Bin gerade auch prämenstruell unterwegs und dann leicht aggressiv stimmugsmäßig.
Ansonsten bin ich nicht depressiv, aber eben melancholisch-nachdenklich-ängstlich, so grob zusammengefasst. Wie sollte das als HS anders sein, wenn man allein schon das, was gerade hier an Leid passiert im Moment, atmosphärisch quasi erspürt..... mir ist da einfach langsam das Lachen abhanden gekommen. Bzw. es wäre ein unauthentisch gequältes Lachen. Und Authentizität ist für mich so ziemlich das allerwichtigste. Ob ich anderen gefalle oder nicht, das interessiert mich nicht wirklich. Einfach deshalb, weil ich ziemlich genau um mich selbst, meine Baustellen, meine Gaben, mein Wesen weiß- Kritik höre ich mir an und lasse sie mal "sacken" ("blinde Flecken" gibts ja doch ab und zu), auch "Vergötterungen" nehme ich wahr, aber sie machen nichts mit mir. Emotional.

Im Austausch mit Autisten oder Homosexuellen fühle ich mich am wohlsten. However.

Weil ich dann sachlich über Inhalte reden kann, - ich finde es angenehm, wenn die Gefühlsebene nicht so im Vordergrund steht, weil sie bei mir zwangsläufig zu Schieflagen führt.
Etwa wenn ich merke, dass ein Mann von mir angezogen ist und in seiner Vorstellung gerne irgendwas starten würde, was für mich nie mehr im Leben in Frage käme (Sex). Und ich die liebenswerten Verrenkungen die mit Ablenkung von Selbstwert-defiziten zu tun haben, erspüre, oder eben merke, dass das Auflaufen zu emotionalen Höchstformen einzig und allein dem Ziel dient, mich als Frau zu ergattern, also mit mir Sex zu haben. Grumpf.
Gerade im Auspüren eines schlechten Selbstwertes und deren Tarnungsversuche oder im Lesen zwischen den Worten und Zeilen, bin ich gut. Man kann mich nicht blenden oder täuschen.
Schlimm ist nur die Tatsache, dass ich einfach ziemlich viel damit beschäftigt bin, mich freizuschaufeln von Menschen, die sich wie Kletten an mich hängen.
Evtl weil sie wissen, dass ich mich durchaus mit ihnen auseinandersetze und die Wahrheit sage, auch wenn es wehtut.
Vertrauen kann ich nicht. Beziehungen eingegangen bin ich, weil ich vor zig Jahren auch mal Anflüge von Geilheit oder den Wunsch nach körperlicher Nähe hatte, aber seelisch eingelassen habe ich mich nie.
Mag sein, dass das ganze nur grenzwertig mit dem komplexen Thema HS zu tun hat.
Will nur, das ihr gerade mal ein einigermaßen realistisches Bild von mir habt.
Pathologisierungen und Diagnosen aller Art sind mir übrigens zuwider.
Lieben Gruß!
philosomatic
 

Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon philosomatic » Fr 15. Jul 2016, 12:23

nunja, kein Feedback, aber das ist okay.
Bin eh eine Monologisierer und weniger Dialogisierer.
Darf ich denn das Forum als eine Art Tagebuch-Ersatz missbrauchen?
Denke, es hat niemand was dagegen.
Ich schreibe sonst immer meine neuesten Erkenntnisse auf Papier. Aber so habe ich das Gefühl, dass ich es evtl teilen kann und stumme Mitleser habe, die evt. Teilaspekte von sich wiedererkennen, dennoch keine Lust zu haben, zu antworten.
Ich bin einfach auf der Suche nach Leuten, die so ticken wie ich.
Mit denen ich inhaltlich meine Querelen teilen kann, die damit einhergehen, dass man hier auf diesem Wahnsinnsplaneten irgendwie klarkommen muß, sich minimalst anpassen muß usw. - und die sich auch schwer damit tun, einen Körper zu haben, der genährt und gepflegt werden soll.
Zur Zeit bin ich weder seelisch "entflammbar" noch geistig "beeindruckbar"- somit fallen lästige Gefühle wie Neid und Missgunst weg. was ich schon mal schön finde.
Dass ich so "dicht" bin, oder so "eingepanzert" habe, das hängt wirklich damit zusammen, dass ich, wenn ich es nicht täte, einfach an meiner Durchlässigkeit zugrunde gehen würde, weil die Reizfilter fehlen.
Es ist einfach ein natürlich aufgebauter Schutz, eine Überlebensstrategie, die mein Ego sich da wohl ausgedacht hat.
Also für wirklich hochwertige Literatur und gut gemachte Musik bin ich noch immer "empfänglich"- Fernsehen geht gar nicht, ausgewählte Filme streamen, die sehr ruhig und ohne Gewalt und Sex auskommen, manchmal, eher selten.
In eine Kerze schauen oder Wolken beobachten geht immer. Stundenlang.
Schreiben auch. Habe zum Glück ein paar e-mail-connections.
telefonieren ist mir schon "zu nah",
reales Aufeinandertreffen mit Menschen geht seit zwei Jahren nicht mehr.
also nur notgedrungen beim Einkaufen alle drei Tage, wenn nix mehr da ist.
Das stresst mich schon immens, das ich fast lieber hungere.
Im Wald spazieren geht gut.
Mit Tieren abhängen oder kuscheln geht auch gut.
Aber wenn hier alle brav arbeiten gehen und irgendwie gesellschaftl. minimalst integriert sind, dann bin ich wohl der einzigste misanthrope Eremit im Forum.
Obwohl das Wort zu krass ist. Es ist einfach so, dass ich jeden Menschen einfach so sehe, wie er ist. Seine Schwächen, seine Stärken, seine Bedürfnisse, seine Abgründe usw.

Optik ist mir schon immer egal gewesen.

Das überrascht mich immer wieder, dass Männer ihren Fokus wirklich sehr darauf legen.

Deshalb schon war es immer so, dass ich mich bemühe so häßlich wie möglich zu sein. Aber dass ich einfach nicht häßlich bin, dass kann man trotz "Zwiebel-look" leider noch erahnen. Weil ich will, das Menschen, bzw. Männer, sich primär mit meinem Geistesgut befassen, der Rest wäre eher "Zusatz" - nicht vordergründig für mich.
Wenn gar keine Rückmeldung ähnlich strukturierter Leute kommt, muß ich wohl das Forum wechseln.
Ich laß euch jetzt erstmal in Ruhe.
Ist evlt. auch viel zu viel in wenig Zeit. Aber ich habe ja 24 eines Tages nur für mich und meine Gedanken.
Und schlafen tue ich davon nur ca 17 Stunden. Also genug Zeit um noch was andere zu tun.
L.G.!
philosomatic
 

Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon Klickklack » Sa 16. Jul 2016, 03:54

Hallo philosomatic,

erst einmal ich bin 43, weiblich und hochsensibel. Ich habe begonnen deinen Text zu lesen, dieser kommt bei mir so an, als wolltest Du nur Antworten , von denen die sich fühlen wie du. Da ich mich mittlerweile mit der Thematik schon etwas beschäftigt habe, ist mir klar geworden, keiner erlebt seine Hochsensibilität wie ein anderer. Da wir so viele komplexe Gedankengänge haben, und man sich immer mit seinen eigenen Gedanken mehr beschäftigt als mit diesem Forum, ist es mir sehr schwer gefallen, deinen Text zu Ende zu lesen.
Du wirst böse, oder sagen wir genervt, dass sich keiner mit deinem Empfinden und deinem Sein beschäftigt, dass ist ein falscher Weg.
Da man hier schreibt, um mit Gleichgesinnten einen Austausch seiner Gedankenwelt zu führen, stört mich etwas in deinem Text.
ich schreibe, weil ich nicht jemand bin, der andere nicht Ernst nimmt, nur gibt es hier einige, die Ihre HS in einer gleichen Weise wie du erleben, aber auch viele, die sich mit deinem Empfinden nicht identifizieren können.
Eigentlich spreche ich von mir. Ich bin zwar gerne alleine, aber im Allgemeinen bin ich der Typ " Helfersyndrom", bin auch Krankenschwester und übe diesen Beruf mit Leidenschaft aus.
Vielleicht lässt du dich auch auf andere ein, dann wirst du bestimmt auch Antworten bekommen.


Ich wünsche dir von Herzen alles liebe
klickklack
Klickklack
 

Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon philosomatic » Sa 16. Jul 2016, 06:43

Danke für die Antwort, Klikckklack. Und stimmt schon, ich suche eben "Gleichgesinnte"- evtl sollte ich mal mehr lesen, was andere schreiben und intervenieren. Wollte ja nur kurz ein Bild entwerfen. Komme aber schon ganz schön aggressiv rüber und sollte mich auch nicht wundern, dass hs nicht sofort darauf einsteigen.
Es ist schließlich ganz schwer, in dem Dschungen von Devianzen noch durchzublicken, zumal es ja auch Überlappungen gibt, was Autismus (soz. Rückzug aus anderen Gründen als hs), Asperger-Syndrom und allgemeine posttraumatische Belastungsstörung gibt. Ist mir noch eingefallen.
Das ich nicht glücklich bin, ist einfach mal so. Mit den zig Comorbiditäten die da auch noch mit-reinspielen, kommt der hs-Anteil nur phasenweise durch.
Schön, dass du eine "Niesche" gefunden hast, arbeitstechnisch, in der du dich wohl fühlst und entfalten kannst! Das ist ein großer Unterschied zu meinem Gesumpfe.
Im Moment bin ich aber auch hormonbedingt im "Ausnhamezustand"- evtl schreibe ich lieber etwas, wenn sich die Wogen geglättet haben. Fühlt mich z.Zt. komplett dezentriert.
Danke trotzdem- Lieben Gruß!
philosomatic
 

Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon Jamania » Sa 16. Jul 2016, 07:30

Hallo philosomatic,

_Mij_

ich mag deine Schreibweise und konnte mich auch in vielem wiederfinden, was du schreibst, in anderem dagegen wieder nicht.

Diese HS-Geschichte ist halt ein großer Pool, in dem sich vieles einordnen kann, das außerhalb der Norm liegt:
(Über)Empfindlichkeiten durch Trauma - natürlich!
Ein schwacher Selbstwert - klar (man nimmt alles wahr, war andere angeht, weil das Feedback so wichtig ist).
Davon sind die Biographien voll, und ich muss zugeben, oft kommt es mir vor wie eine Mogelpackung, dass dann auf alles hs gestempelt wird.
Die eigene Problematik wird zur Gabe erklärt wird und dann kann man schön bequem weiter darunter leiden, man weiß ja jetzt, dass es eine Berufung ist. *yoda*

Deshalb fand ich deine Einordnung zum Thema so spannend.
Mein Zugang liegt auch dort, wo weniger eben qualitativ besser für mich ist, wo die richtige Auswahl an Reizen, Menschen, Energie mit der notwendigen Portion Rückzug, Ruhe, Innenschau kombiniert zu gesteigerter Lebensqualität führt.
Viele Menschen kommen da ohne HS drauf, manchmal durch Lebenserfahrung, manchmal durch ein verstörendes Ereignis (andere halt aber auch nicht)
Bei denen, die es machen, kann das Label hs dann ohne weiteres angewendet werden, denn Sensibilisierung, egal welcher Art, ist ja DER Bestandteil schlechthin von HS, egal ob es sich jetzt um Allergien, Medikamentenunverträglichkeit, psychische Störung oder Misanthropie handelt.

Außerdem gibt es für mich tatsächlich schon charakterlich angelegte Unterschiede, wie viel jeder von was braucht - und da gibt es die Spitze der Skala mit dauerndem Trubel (muss das dann immer oberflächlich und dumm sein?) und das Ende, wo jemand eigentlich kaum noch Kontakt wünscht und braucht und in sich und aus sich heraus so viele Impulse findet, dass das Zusammensein mit anderen fast immer zum anstrengenden Kompromiss wird - das wäre in meiner Definition eben HS.

Oder dieses Bedürfnis nach Abschottung kommt eben wirklich von einem Trauma und das, was sich so bequem und gut anfühlt, ist tatsächlich eine Schonhaltung, die man sich auch langsam und behutsam abtrainieren könnte/sollte...., weil, hmmm ja, diese Schonhaltung schleichend immer mehr Schäden anrichtet... - langfristig.

Na ja, was ich schreiben wollte: lass dich nicht entmutigen!
Der Großteil der HS-Szene wird dominiert von denjenigen, die unter der Welt leiden, bzw. darunter, dass sie nicht Teil davon sein können oder wenigstens das Bedürfnis haben, sich durch ein Label wie HSP als Mensch aufgewertet zu sehen, der eben so sein darf, wie er ist.
In sich ruhende Exzentriker, Eremiten oder Individualisten sind hier - wie überall sonst auch - nur eine Randerscheinung, sie können sich mit dem Konzept HS eher nicht anfreunden, weil es im Grunde ein Schmelztiegel alles möglichen ist, was nicht von ärztlichen Diagnosen abgedeckt werden kann und viele Fehl- und Schonhaltungen der Entwicklung dann noch zur Gabe der weiter Entwickelten erklärt.

Eigentlich ist dieses Phänomen HS auch eine großartige Möglichkeit, um sich - gerade aus dieser Perspektive - zu erforschen und die Wechselwirkung von Reizen und dem eigenen Erleben auf den Prüfstand zu stellen.
Bei vielen geht es ja über die leichte "die Reize sind an allem Schuld, ich kann ja gar nicht anders" Stufe auch hinaus und du findest sicher Menschen hier, die auch aus deinem Blickwinkel heraus auf das Thema gestoßen sind.

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass die nicht frisch, fröhlich, frei jetzt hier posten, oder? icon_winkle
Denn eigentlich ist ja dein Anliegen ein Widerspruch in sich, finde ich.
Du öffnest dich anderen Menschen gegenüber nicht (außer jetzt mal im Netz) und suchst diejenigen, die das auch machen.
Du möchtest Menschen finden, die genau so sind wie du und brauchst sie eigentlich nicht.
Der Kontakt mit anderen bringt dich in eine Schräglage und du möchtest, dass Menschen, denen es auch so geht, sich auf dich einlassen?

Warum sollten sie?
Jamania
Rat der Weisen
 
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Registriert: Mi 13. Jul 2011, 16:02

Re: Neuvorstellung: HS-Fluch oder Gnade?

Beitragvon philosomatic » Sa 16. Jul 2016, 12:04

Liebe Jamania.
Danke dir für deine Gedanken zu meinem Geschreibsel.
Stimmt schon, irgendwie ist es ein Widerspruch in sich.
Und wenn ich total introvertiert-mistanthrop wäre, würde ich wohl auch nicht hier schreiben mit dem Wunsch wenigstens virtuellen Kontakt zu haben!!!
Und, ja, das stimmt wohl, dass der Konstitutionstyp HS schnell zum "Schmelztiegel" für alle wird für Devianzen aller Art. Nunja. Oder als unpathologische Ausrede dient, nicht leistungsfähig sein zu können. Das ganze ist einfach sehr komplex und ich stelle mich selbst ja auch oft in Frage, bzw. meinen Hang zur Bequemlichkeit, wenn andere sagen "ich bin auch am limit, mache aber trotzdem weiter..." ich habe als Erwachsener bestimmte Pflichten, die ich erfülle, auch wenn das Kind in mir nach dem Lustprinzip handeln will.....

Bin heute nicht auf der Höhe meiner geistigen Fähigkeiten, weil ich latente Migräne habe. Sehr nervig.Und eben meine Hormone herumspinnen. Auf den Oestrogen-Abfall (während der Mens) reagiert mein body mit diversen Entgleisungen und es ist jedes mal ne schöne Quälerei, (zum Glück zeitl. begrenzt).
Egal.
Manchmal weiß ich auch nicht, was ich eigentlich will bzw. mir erhoffe-
Gegenseitiges Zugejammere ist ja auch nicht produktiv.
Ich suche wohl hier einfach Leute, die so ticken wie ich und in ihrem selbstgeschusterten Exil herumhocken, weil sie einfach in dieser Welt (trotz bestimmter Gaben) keine Platz für sich finden....so in die Richtung etwa.
Liebe Grüße!
philosomatic
 

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