Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Hallo, gut dass du hier bist - wir sind schon neugierig auf dich!

Moderatoren: Hortensie, Eule, jules1976

Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Beitragvon Fallenangel » Di 22. Okt 2019, 22:05

Guten Abend,

Mein Name ist fallenangel und ich würde heute gerne mit euch meine Gedanken teilen.
Ich gehe oft durch die Welt und denke über alles nach, mein Kopf ist nie leise, manchmal nehme ich es stärker war und manchmal lebe ich im Moment.

Allerdings habe ich persönlich jetzt festgestellt, ich bin unfassbar Hektisch.
Ich habe oft das Gefühl schnell Dinge erreichen zu müssen. Ich setzte mich viel zu oft selbst unter Druck und von außen Druck bringt mich fast immer zum Weinen.

In der Schule versuche ich mich so gut es geht im Unterricht zu beteiligen, ich denke viel über die genannten Themen nach und versuche aus ihnen Schlüsse zu ziehen. Manchmal gelingt mir das richtig gut, aber manchmal bin ich auch unkonzentriert, hab die Frage nicht richtig verstanden oder hab es schlicht weg nicht richtig verstanden.

Ich würde mich gerne ausprobieren in der Schule, einfach Fehler machen dürfen, allerdings habe ich echt Angst, weil ich weiß das dadurch meine Noten leiden. Ich schreibe zu viel in einer Geschichte, meine Gedanken laufen so schnell, dass ich meistens mit dem Schreiben nicht hinterher komme und dann baue ich kleine Rechtschreibfehler ein aus Unsicherheit. Dann vergleiche ich mich mit meinen Schülern und sie kriegen bessere Noten, weil sie viel disziplinierter sind als ich.

Ich mag es nicht Dinge vorher zu planen oder einzuteilen, mir ist das nun öfter aufgefallen, dass ich Probleme habe Dinge einzuteilen, weil ich irgendwie in vielen Dingen dann einen Zusammenhang sehe und sie nicht ganz unterordnen kann. Ich bin von Natur aus ein sehr chaotischer Mensch, ich kriege es selten hin Dinge wirklich bis zum Ende zu bringen, wenn ich etwas vom Prinzip her verstanden habe war‘s das mit meiner Konzentration und Motivation.

Dann habe ich aber manchmal die Fähigkeit Dinge wirklich bis ins Detail erklären zu können und mich hineinzuversetzen. Aber wo bringt mir das Vorteile? Ich mache mir vermehrt Gedanken was ich später arbeiten möchte, aber durch geringe Selbstdisziplin wird das alles nichts.

Was kann ich tun? Es ist ein ständiger Kampf zwischen Überreiztheit, Suche nach geistiger und emotionaler Stimulation, sowie Depression.
Ich kann mich oft nicht richtig einschätzen, manchmal bin ich total übermüdet und dann hänge ich nur in Gedanken rum und wünsche mir Zeit für mich alleine, da ich aber in der Schule ständig Leistungen zeigen muss und für Arbeiten auch lernen sollte ist das ein ständiger Druck für mich, weil ich durch diese Übermüdung einfach nur liegen könnte und erstmal mir wünsche runterzukommen.

Dann denke ich oft die Schule zu schmeißen, weil ich Angst habe den Anforderungen nicht genügen zu können, das Schlimme daran ist, dass ich teilweise dadurch auf andere eben zerstreut wirke, weil ich einfach meistens morgens aufstehe, meine Sachen schnappe, mich fertig mache (zähne putzen) und wenn die Zeit noch reicht irgendwie was schönes an mir gestalten. Das ist aber keine Lebensqualität, ich frage mich manchmal wie ich bei dem ganzen Stress noch irgendwo gute mündliche Leistungen erbringen kann.

Ich bin nämlich einfach ausgelaugt, dabei liebe ich das Verknüpfen von Themen, besonders das bildliche Vorstellen und über Situationen nachdenken, aber zur Zeit fühle ich mich einfach ausgebrannt, normalerweise würde ich Burn-Out sagen, aber ich komme nach der Schule kaum zum Lernen weil ich so von den Eindrücken erledigt bin

Wie geht man mit der Überstimulierung in der Schule um und mit Situationen die mich emotional herausfordern und belasten, ohne dabei zu tief in meine Gedanken zu gehen?
Fallenangel
Neuling
 
Beiträge: 7
Registriert: Fr 24. Aug 2018, 02:09

Re: Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Beitragvon DesdiNova87 » Mi 23. Okt 2019, 00:14

Hi Fallenangel,

bei deinem Text musste ich sehr an AD(H)S denken. Hast du dich da schonmal mit beschäftigt? Verstreutheit, Hyperfokus, Gedankenrasen usw. alles das sind Begriffe die bei AD(H)S-lern oft anzutreffen sind.

Ob jetzt Adhs oder HSP (oder beides - da gibt es ja sowieso manche Überschneidungen), es gibt viele Materialien für Adhs-ler die dir evt. helfen könnten. Da geht es z.B. darum wie man seinen Tag strukturiert, besser zuhört und Dinge zu Ende bringt etc..

Vielleicht macht es Sinn, sich in der Richtung mal ganz unverbindlich umzusehen? Ich habe da auch einige Materialien, die ich aber wegen Urheberrechte wohl nicht ohne Weiteres zur Verfügung stellen kann. Wenn du Hilfe brauchst um Links zu Materialien zu finden, kann ich dir aber gerne behilflich sein.

Ansonsten hatte ich an der Uni einen Kurs von Studenten für Studenten besucht, mit dem Fokus darauf wie man sich besser organisiert. Dort sind viele Leute mit ähnlichen Schwierigkeiten zusammen gekommen und man hat sich untereinander Tipps gegeben. Es hat auch gut getan, die Bestätigung zu bekommen, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist.

Vielleicht gibt es an deiner Schule ja Nachmittagsaktivitäten oder sowas wie eine AG, z.B. Lern-AG, die solche Schwerpunkte setzt? Das wäre dann bestimmt mal einen Versuch wert.

LG DesdiNova87
~ Keep a green tree in your heart and perhaps a singing bird will come. ~
Benutzeravatar
DesdiNova87
Hero Member
 
Beiträge: 634
Registriert: Di 6. Jun 2017, 21:45

Re: Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Beitragvon Hortensie » Mi 23. Okt 2019, 13:05

Hallo Fallenangel,

herzlich willkommen hier im Forum.

Du hast schon ein paar Beiträge geschrieben, aber dieser Post passt wunderbar in den Vorstellungsbereich. _Mij_

LG, Hortensie
pragmatisch und bodenständig
Hortensie
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 8512
Registriert: So 18. Mär 2012, 15:41
Wohnort: weit im Westen

Re: Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Beitragvon Träumerle » Mi 23. Okt 2019, 20:08

Hallo Fallenangel,

an dich und deine Beiträge erinnere ich mich noch gut. icon_winkle

Gegen den Druck stelle dir doch mal das Worst-Case-Szenario vor. Du merkst einerseits, dass das Schlimmste, was passieren kann, doch gar nicht so schlimm ist und bist hinterher auch erleichtert, wenn es sich (wie so oft) als weniger schlimm wie gedacht herausstellt. Ich bin gerade dabei, die Erwartungen, die ich an mich selbst stelle, drastisch zu senken, um auch von mir nicht mehr allzu enttäuscht zu sein. Noch bin ich in der Entwicklungsphase, sehe aber erste Erfolge. "Beginne mit dir selbst" heißt es wie so oft. Ich denke jedenfalls nicht, dass dieser Druck gerechtfertigt ist, sondern eher wie ein künstlich aufgeblähter Luftballon, der einem einschärfen soll, Dinge wirklich zu tun, die man jedoch vielleicht auch ohne den Druck hinbekommen würde, vielleicht sogar besser als mit. Vor allem darf man nicht vergessen, dass im Leben weitaus mehr Dinge existieren, als Arbeit. Die Schule möchte uns auf diese vorbereiten, heißt, es ist noch keine "Karriere" in dem Sinne und eigentlich gilt es ja, in der Schulzeit Schwächen und Stärken zu entdecken - für später.

Deine Grübelei über den späteren Beruf kenne ich auch. Zunächst sind deine Gedanken darüber schon mal sehr lobenswert. Solange man noch zur Schule geht, ist es jedenfalls vollkommen in Ordnung, noch keine Ahnung zu haben! Meiner Meinung nach ist es nie zu spät, seinen Weg zu finden und es kann sehr plötzlich und unerwartet passieren. Deine mangelnde Disziplin ist sicher auch keine lebenslange Krücke am Bein, wie auch in dieser Eigenschaft kann man sich immer ganz automatisch im Laufe des Lebens ändern. Sowas geschieht nur so schleichend, dass du das selbst kaum bis gar nicht bemerkst. Auch wenn es für deinen Charakter etwas unpassend erscheinen mag: Sich nur einer Sache zur Zeit - nämlich dem aktuell Anstehenden - zu widmen, erdet und erweitert das Bewusstsein dafür, was augenblicklich relevant ist und was nicht. Jedenfalls lass dir gesagt sein, dass du genau wie jeder andere, deine eigenen Talente und Stärken hast - wie auch immer die aussehen mögen. Es gibt ganz gewiss Dinge, die du ganz toll kannst. :-) Vielleicht ist die Suche danach bei dir nur etwas aufwendiger.

In welcher Klasse bist du denn aktuell, wenn ich fragen darf? Ich persönlich hatte in der 9. diese Erfahrung gemacht, die in mir vor zwei Jahren ganz ähnliche Gedanken hervorbrachte, doch als ich mich ein Jahr später in einer ähnlich arbeitslastigen Phase befand, konnte ich dem viel besser standhalten als im Vorjahr. Mich hat das eine Jahr, insbesondere diese "heiße Phase" auch unglaublich ermüdet und sämtliche Energie, sowie positive Gedanken entzogen, um im Nachhinein festzustellen, dass es durchaus Hindernisse gibt, die erst unmöglich erscheinen und später doch zu bewältigen sind. Vielleicht "muss" man manchmal die Schwere des Lebens spüren, um danach umso leichter durch Herausforderungen zu gehen. Möglich also, dass das bei dir gerade der Fall ist und du nächstes Jahr eine ganz andere Einstellung dazu hast. Die Schule abzubrechen ist natürlich eine sehr drastische Option, die ich nie umsetzen würde, trotzdem ist es durchaus beruhigend, einen gewissen Hinterausgang als Option offen zu haben, der jedoch nur im äußersten Notfall genutzt werden sollte. Trotzdem nicht verkehrt, sich vor Augen zu führen, dass man es, sollte es wirklich gar nicht gehen, immer noch beenden kann und schon ist man alles, was auf einem lastete, los. Natürlich will ich dich nicht dazu bewegen, aber zu wissen, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt, ist doch ein kleiner beruhigender Faktor.

Aber bist du wirklich versetzungsgefährdet? Denn solange das nicht der Fall ist, wirst du den Anforderungen ja doch gerecht und das wiederum bedeutet, dass du dir um deine Schullaufbahn keine Sorgen machen musst. Und selbst wenn: Eine Klasse zu wiederholen ist keine Schande und definitiv sinnvoller, als die Schule direkt abzubrechen. Mir tut es sehr leid, dass du derart am Ende deiner Kräfte bist. Da versuche einfach, die Mindestanforderungen zu erfüllen, mehr nicht. Wenn das immer noch nicht geht, helfen Gespräche mit Eltern / Lehrer, vielleicht der Rat eines Fachmanns oder eben wenn nötig der Gedanke, zu wiederholen. So oder so musst du dich für nichts schämen - viele haben früher oder später solche Ängste. Etwas pathetisch, aber lerne, dich selbst zu lieben und auch mal wirklich auf deine eigenen Bedürfnisse einzugehen, statt nur auf die der anderen. Tue dir einfach mal etwas Gutes zu jedem möglichen Anlass: Als Ansporn, Energiequelle, Belohnung...

Fallenangel hat geschrieben:Wie geht man mit der Überstimulierung in der Schule um und mit Situationen die mich emotional herausfordern und belasten, ohne dabei zu tief in meine Gedanken zu gehen?


Lustig, mit genau dieser Frage hat sich vor einiger Zeit eine andere Userin hilfesuchend per PN an mich gewandt. Ich habe ihr einige Tipps gegeben und wenn du das möchtest, kann ich diese auch dir über PN zukommen lassen. :-)

Liebe Grüße,
Träumerle :-)
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
_____________
(Ich bin männlich...)
Träumerle
u.n.e.n.t.b.e.h.r.l.i.c.h.
 
Beiträge: 1051
Registriert: Mi 5. Apr 2017, 16:22

Re: Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Beitragvon galaxy_dreamer » Mi 23. Okt 2019, 21:42

Hallo liebe fallenangel c:

Schön, dass du zu uns gestossen bist.

Als ich deinen Beitrag gesehen habe, dachte ich mir gleich, "darauf muss ich antworten". ;)
Nicht nur, weil sich auf diesem Forum eher wenige Jugendliche bewegen.
Deine Anliegen erinnern mich nur zu gut an all dies, worunter ich auch leide, bzw. gelitten habe..
Das Leben als HSP ist manchmal wirklich eine Herausforderung… Besonders wenn man noch in der Schule ist. Gewissen Dingen kann man da einfach nicht ausweichen, seien es Prüfungen, fixe Stundenpläne oder andere Nervenkiller. Manchmal habe auch ich das Bedürfnis, alles hinzuschmeissen und mich einfach gehen zu lassen. Um nachher ein schlechtes Gewissen darüber zu haben, dass ich überhaupt an sowas denke. XD
Doch das ist total menschlich. Und auch wenn du manchmal chaotisch, zwiegespalten oder verzweifelt bist, dich mit Perfektionismus an die Grenzen treibst und dann vor Müdigkeit gar nicht mehr kannst - einen Ausweg gibt es immer. :)
Beim Rest kann ich mich Träumerle eigentlich nur anschliessen. ;D
Gönn dir mal was, denn du bist es wert. c:

Ich wünsche dir alles gute,
deine Galaxy

PS: Solltest du mal Hilfe brauchen, bin auch ich gerne für dich da.
soft hearted, strong minded c:
galaxy_dreamer
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 50
Registriert: Fr 26. Apr 2019, 22:37
Wohnort: Schweiz



Ähnliche Beiträge


Zurück zu Vorstellungsrunde

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron