"Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschritt?

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"Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschritt?

Beitragvon Löwenherz » Sa 2. Aug 2014, 13:02

Eine erweiterte Wissenschaft ?

Abraham Maslow, Fürsprecher der humanistischen "dritten Kraft" in der Psychologie beschreibt in einer, seiner Arbeiten, dass er sich "wissenschaftlich verletzlich" gemacht hat, als er den Aspekt von mystischen/religiösen Erfahrungen als messbare und faktische Grundannahme ausrief.

Ich persönlich habe mich ebenfalls "verletzlich gemacht", als ich persönliche Betrachtung in den allgemeinen Fokus stellte.

Was ich nun zusammenfassend dabei herausziehen möchte, ist die Frage, ob das Wagnis,(gleich, von wem) sich spirituell, wissenschaftlich oder persönlich (vorübergehend) "verletzlich zu machen" letzendlich zum gesamten Fortschritt- also für ALLE führen kann (und führt), bei mutiger Betrachtung?

so theoretisch gesehen...?

An Alle
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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon atemlos » Sa 2. Aug 2014, 15:18

Hallo.
Aus wissenschaftlicher Sicht traue ich mich zu behaupten, dass deine Frage nicht so schwer zu beantworten ist.

Wenn ich Forschungsergebnisse, empierische Daten etc. sammle und darauf basierend irgendwelche Theorien aufstelle oder irgendwelche Erkenntnisse versuche abzuleiten, diese dann in Form einer Arbeit / Paper verschriftliche, irgendwo einreiche, stelle ich mich sozusagen der Fachgemeinschaft. Ich mache weniger mich, vielleicht meine wissenschaftliche Reputation, aber in erster Linie meine Arbeit verwundbar, angreifbar, öffentlich zugänglich. Das ist das Prozedere, aber wenn man so will, könnte man hier von einem Wagnis sprechen. Ich erhalte Kritiken, Peerreviews die meine Ideen vielleicht (zu recht) in Grund und Boden stampfen oder werde bei Konferenzen abgelehnt. Ist nicht schön, geht aber auch andersrum. Meine Theorien werden vielleicht bestätigt, auf anspruchsvollen Konferenzen angenommen, man darf sie vortragen, wird publiziert etc. Unterm Strich haben oder sollen alle was davon haben! Fortschritt. Das ist das Ziel. Insofern würde ich dein "Grundprinzip" im wissenschaftlichen Bereich als zutreffend erachten...

LG
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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon jules1976 » Sa 2. Aug 2014, 17:55

Hallo!

Na- ich versteh die Frage eher so, dass sich beim " verletzlich machen" aus wissenschaftlicher Sicht, nicht um die belegbaren und bewiesenen Thesen oder Ergebnisse geht, die jeder Wissenschaftler erhält, sondern um das offen legen von eben nicht so einfach zu beweisenden Thesen.


Ich persönlich habe mich ebenfalls "verletzlich gemacht", als ich persönliche Betrachtung in den allgemeinen Fokus stellte.


Den Satz kann ich jetzt aber nicht verstehen - wie ist der denn gemeint?
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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon atemlos » Sa 2. Aug 2014, 23:41

jules1976 hat geschrieben:Na- ich versteh die Frage eher so, dass sich beim " verletzlich machen" aus wissenschaftlicher Sicht, nicht um die belegbaren und bewiesenen Thesen oder Ergebnisse geht, die jeder Wissenschaftler erhält, sondern um das offen legen von eben nicht so einfach zu beweisenden Thesen.

Achso.
Na dann umso mehr oder nicht? Geniale Erkenntnisse putzeln selten fertig druckreif und schon bewiesen aus den Köpfen der Leute. Mit irgendwas muss man anfangen.. und vielleicht öfter mal "ins Klo greifen" bis man was Interessantes, Nutzbringedes, Lehrreiches findet. Wenn man daran denkt dass etliche Thesen über Jahrzehnte im Prinzip nur Vermutungen waren ..bis dann die Technologie oder Ressourcen (oder ein überragender Intellekt) kamen um das Ganze zu bestätigen oder zu verwerfen. Ohne Hartnäckigkeit oder den Mut zum "Spinnertum" wärs vl nicht dazu gekommen, insofern..
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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon Löwenherz » Mi 6. Aug 2014, 04:06

Das würde ich mir jetzt gerne ausdrucken..doch leider geht in meinem System der Drucker nicht. _grin_

Trotzdem Danke!

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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon beay » Di 16. Sep 2014, 16:14

Ich will mich dann mal der Frage nach dem Wagnis der Verletzlichkeit persönlicher und spiritueller Natur widmen.

Als Kinder sind wir ganz. Eins. Sind Ausdruck des Lebens. Sind das fließende Leben selbst, das sich selbst in jedem Moment als alles Denkbare und Undenkbare manifestiert. Gutes und Schlechtes und alles dazwischen Liegende.
Dann werden wir geformt, zurecht gestutzt, in eine Schublade gesteckt. Manchen von uns widerfährt dies unter Erduldung großen Schmerzes, teils unfassbarer Demütigung. Der Schmerz wird weggeschoben, ausgeblendet zugunsten von Dingen, die dafür in den Vordergrund geholt werden.
Mit diesem Schmerz wird aber auch Potential in die Finsternis verbannt. Wünsche, Träume, Sehnsüchte. Wir verlieren unsere Unschuld, sind nicht mehr der Fluß. Wir empfinden uns als getrennt vom Fluß des Lebens, der uns fortan zu treiben und mitzureißen droht. Und so schwimmen wir, nehmen plötzlich ein Ufer wahr, als hätte dieser Fluß tatsächlich irgendeine Begrenzung. Wir sehen Stege und halten uns daran fest, um die Strömung nicht mehr zu spüren. So leben wir dann, Tag für Tag. Ein Schattendasein. Ein fades Abbild unserer selbst.

Doch manchmal berührt uns ein Ereignis oder ein Mensch so tief in unsererm Innersten, dass all das Verbannte wieder spürbar wird. Aber wir können uns nicht die Rosinen herauspicken. Denn das Leben in uns, das Leben, das wir sind, trennt nicht. Und plötzlich fühlen wir uns wieder wie damals. Verletzbar. Kein Panzer. Kein Schutzschild.

Ich weiß, wie es sich anfühlt oder - besser gesagt - nicht anfühlt, wenn dieses dämpfende Etwas in mir die Oberhand hat. Es ist fade, sinnentleert. Sicher.
Und ich weiß, wie es ist, wenn alle Waffen niedersinken. Wenn meine Inneren Dämonen ihre Klauen nach mir ausstrecken. Angst, Panik, Terror. Tränen, Liebe, Sehnsucht, Ideen, Eingebungen. Stille Freude.
Wie heißt es so schön im 'Pfad des friedvollen Kriegers'? "Ein Krieger steht nicht für Perfektion oder Sieg oder Unverwundbarkeit. Er steht für absolute Verwundbarkeit. Das ist die wahre Tapferkeit."
Aber nicht, um sich zerfetzen zu lassen. Um sich Allem zu öffnen.
Wenn ich aller Angst zum Trotze meinen Schild nicht wieder erhob, vollzog sich ein Wandel. In mir. Ich wurde anders, und auch die Welt um mich herum wandelte sich. Alles war strahlender, freundlicher. Nicht so kalt und grausam wie sonst. Mein Körper und mein Gesicht schienen nicht länger ihrem alten Herrn zu gehorchen und Sicherheit versprechende übertriebene Vorsicht, Ablehnung und Feindseeligkeit auszustrahlen, sondern Offenheit und Wohlwollen. Mir begegneten Menschen, die niedergeschlagen und müde aussahen. Eine Müdigkeit, die ich nur allzu gut kenne. Unsere Blicke trafen sich, und diese mir unbekannten Menschen lächelten mich an. Wie neu. Wie erfrischend.

Das ist ein Vorgang tief in meinem Inneren, und doch durchzieht er mein ganzes Universum. Wirkt auf andere Menschen. Ich glaube, das ist längst nicht so leicht wie die Publikation einer dem aktuell gültigen Paradigma widersprechenden wissenschaftlichen Arbeit. Möglicherweise kann ich das nicht direkt mit einem Fortschritt in Verbindung bringen. Und vielleicht sind auch die Auswirkungen nicht wirklich sichtbar. Nicht für viele. Nicht sofort. Aber wer weiß, welche Wirkung dieses eine Lächeln bei diesem einen fremden Menschen hat...

In mir tobt ein Kampf. Der fahle Geist der Sicherheit gegen die finsteren Dämonen meines Inneren. Dieser Geist ist geschickt. Er argumentiert mit Vernunft, mit allerlei zwingend wirkenden Erfahrungen. Aber folge ich ihm, bin ich selbst ein Geist, niemandem ein angenehmer Zeitgenosse. Nicht mir, nicht meinen Kindern, nicht meinen Freunden. Derart gebremst, gedämpft und kontrolliert kann ich nicht lieben. Nicht mich und nicht andere.
Also Arme ausbreiten. Mich von den Dämonen mitnehmen lassen. Hinab in den Orkus.

Verletzlich machen. Mich selbst wieder ins Licht führen. Lieben. Alles.


beay
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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon Rhiannon » Di 16. Sep 2014, 22:10

Hallo beay,

"Wir verlieren unsere Unschuld, sind nicht mehr der Fluß. Wir empfinden uns als getrennt vom Fluß des Lebens, der uns fortan zu treiben und mitzureißen droht. Und so schwimmen wir, nehmen plötzlich ein Ufer wahr, als hätte dieser Fluß tatsächlich irgendeine Begrenzung. Wir sehen Stege und halten uns daran fest, um die Strömung nicht mehr zu spüren. "
Dem Lebensfluß vertrauen, sich von der Strömung tragen lassen und in der Gegenwart sein, wo die Gefühle zuhause sind...das ist Leben für mich.

"Aber wer weiß, welche Wirkung dieses eine Lächeln bei diesem einen fremden Menschen hat..." _yessa_

Grüßle
Rhiannon
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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon Elfenmädchen » Sa 20. Sep 2014, 23:13

Hey beay,
danke, so wunderbar geschrieben und so wahr. Deine Worte berühren echt.
Schönes Lied was das Ganze ebenso etwas thematisiert: "Erinnert" (Silly, Anna Loos & Jan Josef Liefers)
Da musste ich grad dran denken beim Lesen, bzw. fühlen. smgp*
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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon beay » Sa 20. Sep 2014, 23:52

Elfenmädchen hat geschrieben:Hey beay,
danke, so wunderbar geschrieben und so wahr. Deine Worte berühren echt.
Schönes Lied was das Ganze ebenso etwas thematisiert: "Erinnert" (Silly, Anna Loos & Jan Josef Liefers)
Da musste ich grad dran denken beim Lesen, bzw. fühlen. smgp*

Dankeschön.
Und wie erstaunlich. Dieses Lied hatte mir ein so besonderer Mensch geschickt. Und mich so tief berührt...
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Re: "Verletzlich machen" als Grundprinzip für den Fortschrit

Beitragvon Elfenmädchen » So 21. Sep 2014, 00:35

:)
_klp_
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