Die "Panzerung"

Was gibt es neues und interessantes? Diskussionen zum Ursprung von Hochsensibilität!

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Die "Panzerung"

Beitragvon Creadream » Do 24. Okt 2013, 11:23

Hey ihr
Vor einiger Zeit habe ich den Fernkurs von Dr.Gordon Neufeld, Entwicklungspsychologe, gemacht.

Er beschreibt sowas wie "Panzerung", und mich würde interessieren, was ihr dazu denkt bzw. welche Erfahrungen ihr dazu habt, wenn ihr erzählen mögt.

Neufeld geht davon aus, dass Situationen, die einen Menschen überwältigen, überfordern, mit der Zeit ausgeblendet werden zum Selbstschutz. Der Mensch schützt sich also vor zu grosser Verletzung, sei es zwischenmenschlich, sei es sensorisch, indem das Hirn mit der Zeit nicht mehr in der Lage ist, Stressauslöser zu erkennen. Dennoch wird der Stress im Körper ausgelöst, also die Adrenaline sind durchaus vorhanden. Bloss im Bewusstsein kommt davon nichts mehr an.

Eigentlich eine sinnvolle Selbstschutz-Sache. Jedoch hat sie laut Neufeld im zwischenmenschlichen Bereich arge Nebenwirkungen. Er sagt, dass wenn Menschen aus Selbstschutz gegen Beziehungen panzern (was zumindest beim Kind unbewusst passiert), keine tiefe emotionale Verbindung aufgenommen werden kann. Dabei wäre vor allem im Kindesalter nur unter tiefer emotionaler Bindung an die Eltern emotionale Reifung möglich. Reifung in dem Sinne, dass man mit schwierigen Situationen klarzukommen lernt, dass man sich selbst beherrschen lernt, und dass man sich in andere hineinversetzen lernt. Ebenfalls dazu gehört, dass man sowas wie Lebensfreude, Entdeckerdrang, Selbständigwerdenwollen empfindet.

Ob man in der Kindheit gegen Beziehung (Eltern-Kind-Bindung) panzert, hängt von zwei Faktoren ab:
Dem Grade der Sensibilität bzw. laut seinem Wortschatz "Verletzlichkeit"
dem Grade der Verletzungen. Manches Kind panzert bei langem Blickkontakt schon, ein anderes erst nach üblen Beleidigungen oder Ignoriert-werden.... etc.

Neufeld geht davon aus, dass Hochsensible Menschen und vor allem hochverletzliche Menschen, (dieses Wort wird so wie ich es verstehe mit Hochsensibilität im zwischenmenschlichen Bereich gleichgesetzt) sehr sehr schnell panzern. Und daraus erst können vielfältigste psychologische Problematiken entstehen.

Lösen könne man diese Panzerungen auch, nämlich in einer tiefen emotionalen Bindung an jemanden. Sobald man weich werden darf, verletzlich werden kann, sich von der schwachen Seite zeigen. Dann beginnen Panzerungen aufzuweichen und abzubröckeln und werden unnötig.

Zur Verdeutlichung ein persönliches Beispiel:
Ich hatte sehr früh und sehr oft viel Verantwortung zu tragen. Viel zu viel für so einen jungen Menschen. Diesen Druck nahm ich sehr schnell gar nicht mehr wahr. Ich war zwar oft zittrig und hatte schweissige Hände und mochte nicht essen (Symptome des erhöhten Adrenalinspiegels), jedoch hätte ich das nie und nimmer bewusst wahrgenommen.
In letzter Zeit hatte ich etwas weniger Verantwortung zu tragen. Denn mein Partner trug vermehrt mit, und meine Beziehung zu ihm vertiefte sich stark und wurde sehr intensiv.
Und nun erhöht sich aber die Verantwortung, die ich zu tragen habe, kurzzeitig aufgrund ABweseneheit meines Partners wieder. Meine Panzerung hat sich in der Zwischenzeit abgebaut - heute fühle ich die Verantwortung sehr belastend und erdrückend und kraftraubend!

So, dieses Prinzip, sagt Neufeld, gilt mit allen möglichen Empfindungen: Emotionen, Schmerzen, etc. Was stresst, blendet man mit der Zeit aus.

Tja - die Diskussionsrunde ist eröffnet. Was meint Ihr dazu?
Creadream
 

Re: Die "Panzerung"

Beitragvon Grognak_theBarbarian » Do 24. Okt 2013, 11:59

Ist es nicht vielmehr so, dass wir HSP den Stress ziemlich eindeutig mitbekommen?
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Re: Die "Panzerung"

Beitragvon Djembe » Do 24. Okt 2013, 12:03

das Phänomen beobachte ich schon lange - und nenne es "zumachen". zu beobachten bei vielen kindern jeden alters in der Wohlstandsgesellschaft (wie D). Reizüberflutung durch zuviel buntes, zu viel unnatürliche Materialien (was gibt es nicht alles für kleine Mädchen aus pinkfarbener Plaste!), zu viel geschenktes (fast täglich im Supermarkt erfüllt sich mutti einen wunsch und Kind bekommt es), zu viel Kuscheltiere, mit denen man das Kinderzimmer teilt, zu viel und früh(!) digitale medien - VERSUS zu wenig wirklicher Aufmerksamkeit durch die Bezugsperson(en) (ständig aufs händy glotzende kinderwagen schiebende menschen), zu schlecht zubereiteter Nahrung, keine werte-Vermittlung. desorientierte Eltern sorgen für desorientierte kinder usw. ... die Kids MACHEN ZU - und wenn sie in die schule kommen, erreicht der Lehrer sie nicht mehr. Kinder die im schuleintrittsalter noch nicht ZU GEMACHT haben, (weil zu Hause vlt. doch bewusster herangegangen wird), machen in der Grundschule zu, weil die heutige schule einfach nicht mehr zeitgemäß ist. so desillusionieren sich dann schüler und Lehrer gegenseitig. (sorry, das ist das, was ich selbst als - HS - mutter erlebt und beobachtet habe).

den kindern, die ZUGEMACHT haben, fehlt die Wachheit, um die Schönheit der welt für sich zu entdecken und die wirklich wichtigen dinge mitzubekommen. insofern denke ich, jeder mensch wird sensibel (rel.) geboren.

an dieser stelle möchte ich kurz querverweisen auf ein auch heute eröffnetes Thema (vergleich west-ost ---- im osten war es viele jahre sehr "übersichtlich" : Die sog. "Mangelgesellschaft - ein Segen? Vielleicht!)

kann sein, dass ich gerade haarscharf am Thema vorbeischlittere, deshalb noch kurz meine Meinung zur Panzerung von HS - die ich so interpretiere und selbst erfahren habe: der vorwurf meiner Lehrerin, ich sei nur 10 min. im unterricht anwesend, den rest träumte ich, ließ sie nicht umhin kommen, mir gute Zensuren zu geben - weil ich trotzdem alles mitbekam. Wahrnehmung TROTZ Panzerung - Bildung TROTZ Schule (neulich von G. Hüther gehört).

interessantes Thema ...
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Re: Die "Panzerung"

Beitragvon Creadream » Do 24. Okt 2013, 12:29

Grognak_theBarbarian hat geschrieben:Ist es nicht vielmehr so, dass wir HSP den Stress ziemlich eindeutig mitbekommen?

Genau das ist die Frage... gibt es hier noch Unterschiede?
Oder wären alle Menschen hochsensibel, aber einige so schnell gepanzert, dass sie die Sensibilität eben verlieren? Und nur wir HS behalten die Sensibilität eben...

Was passiert mit HS, die wirklich stark gepanzert sind? Sind sie nicht mehr HS? Oder evtl. nur noch in gewissen bereichen? Sind sie gefährdeter für psychische Erkrankungen? Ich vermute eben genau das. Zudem beschreibt Neufeld ein Phänomen, das dem HSS HS sehr ähnlich kommt bzw. sogar gleich, und spricht dabei von einer Folge von Panzerungen.

Nochmals meine Erfahrung: Ich hatte als Kind rasch den Dreh raus, wie ich mit der ganzen schwierigen Welt klarkomme. Ich zog mich in meine Tagträumerinnenwelt zurück, stundenlang und tagelang. Wochenlang und jahrelang. Ich habe einen Beruf erlernt, Kinder gekriegt etc... und glich alles Schwierige mit Tagträumen aus. Als ich damit ganz bewusst aufzuhören versuchte, weil es nichts anderes war als Flucht, kam ich mit dem Leben erst mal ganz schlecht zurecht... Eine Form von Panzerung, dennoch blieb ich hochsensibel. Ich setzte die Strategie einfach ein, wann sie mir nützte. Tue es heute noch ab und zu, um mir das Leben zu erleichtern...

Was du schreibst Djembe könnte ich 1:1 so unterschreiben, genau das beobachte ich. Und übrigens vertritt Neufeld genau dies, und versucht Eltern und Lehrer dazu zu bringen, Kinder so zu behandeln, dass sie eben nicht mehr "zumachen" müssen.
Seine Definition von Asperger ist übrigens auch sehr spannend: Sie seien laut ihm so sensibel, dass sie ab Geburt quasi panzern, und dadurch so gefühlslos wirken.

Bezüglich Schule haben wir hier glück: Die Lehrerin, die meine Tochter nun hat, ist denke ich ein Segen für jedes Kind, das bereits "zugemacht" hat. Schwieriger sind die Mitschüler!
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Re: Die "Panzerung"

Beitragvon Djembe » Do 24. Okt 2013, 12:55

"....Definition von Asperger ist übrigens auch sehr spannend"

sorry, diese "Einteilungen" werde ich nie nachvollziehen. ... und hoffe, ihnen selbst auch niemals zum opfer zu fallen ...
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Re: Die "Panzerung"

Beitragvon Grognak_theBarbarian » Fr 25. Okt 2013, 01:34

Hm. Für meinen kleinen Bruder war die Einteilung eigentlich sehr befreiend. Er durfte endlich anders sein und wusste warum er es ist.
Manche Menschen brauchen ihre Schublade.
Andere können auch super ohne Etikett leben.
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Re: Die "Panzerung"

Beitragvon bumblebee » Fr 25. Okt 2013, 09:40

Moinsen

Creadream hat geschrieben:Hey ihr
Er beschreibt sowas wie "Panzerung", und mich würde interessieren, was ihr dazu denkt bzw. welche Erfahrungen ihr dazu habt, wenn ihr erzählen mögt.

Ich selber panzer heute weniger, weil ich mir seit ein paar Jahren bewusst über das "Panzern" bin und mich seither allem zu stellen versuche, was mich leicht überfordert. Aber ich merke sehr wohl manchmal noch, dass ich zb, wenn ich durch Menschenmengen laufe, kaum etwas vom Umfeld sehe, weil ich mit niemanden in den Blickkontakt geraten möchte und dann übe ich an mir, mir die Umgebung dabei genauer anzusehen und "da" zu sein. Ansonsten habe ich früher in der Disco viel gepanzert. Wollte gerne unter Menschen sein, konnte es net so gut, Alkohol, Blick auf meine Freunde und wenn mich jemand ansprach, verlegene Flucht. Aber auf jeden Fall wollte ich immer verstehen warum Dinge sind wie sie sind und wollte destruktive Zustände ändern und wieder Freude an kleinen Dingen im Leben haben.

Neufeld geht davon aus, dass Situationen, die einen Menschen überwältigen, überfordern, mit der Zeit ausgeblendet werden zum Selbstschutz.

Darüber habe ich auch schon gelesen und aufgrund eines Bekannten, der sich kaum noch an seine traumatische Vergangenheit erinnern kann, kann dies möglich sein. Ich aber weiß noch in viele Details, was alles beschissenes war in meinem Leben, mit Bildern, Tonlagen etc.

Wenn das anders gemeint sein sollte, im Sinne von aktuellen überwältigenden Situationen, dann kann ich für mich sagen, dass ich da voll drin bin und wie ich hier im Forum auch lese, viele HSP sich bewusst sind, wenn sie sich überwältigt fühlen. Ich glaube eher, dass die eher vulnerable Sorte Mensch die Dinge ausblendet, weil sie mit diesen Dingen nicht umzugehen weiß. Beispiel: Kann der Körper etwas nicht verdauen, kommts halt so wieder raus. Also bei den Menschen tritt dann meiner Meinung nach Ausblenden ein, die eine Situation noch nicht zu verarbeiten wissen/trauen. Wobei ich auch wieder gelesen habe, dass verarbeiten nicht immer nützlich ist zwingend. Höchstens dann, wenn ähnliche Situationen wiederkommen können, damit man mit ihnen in Zukunft besser umgeht odewr wenn Verhaltensweisen eben noch da sind, aufgrund von früher, die man abtrainieren möchte. Zb ein Verwandter hat keinen Kontakt zu seiner Familie mehr und möchte das auch nicht mehr, er kann sich auch kaum mehr erinnern. In seinem Fall tut es nicht not, die Dinge aufzuarbeiten, da es ihm ansonsten sehr gut geht und er keine destruktiven Verhaltensweisen an den Tag legt.

keine tiefe emotionale Verbindung aufgenommen werden kann. Dabei wäre vor allem im Kindesalter nur unter tiefer emotionaler Bindung an die Eltern emotionale Reifung möglich. Reifung in dem Sinne, dass man mit schwierigen Situationen klarzukommen lernt, dass man sich selbst beherrschen lernt, und dass man sich in andere hineinversetzen lernt. Ebenfalls dazu gehört, dass man sowas wie Lebensfreude, Entdeckerdrang, Selbständigwerdenwollen empfindet.


Dem setze ich etwas entgegen und zwar ist es durchaus möglich, auch emotionale Bindung an Freunden oder anderen erwachsenen Bezugspersonen gefunden und daraus gelernt zu haben. Bestimmt auch an sich selbst. Wieviele empathische Menschen gibt es, die viel allein waren und wieviele kaltherzige Menschen, die immer umgeben waren von ihrer Familie. Da kann man meiner Meinung nach nicht in Schubladen stecken.
Um zu überleben muss ein einsamer Mensch sich gerade stärker in andere hineinversetzen, weil er alles selber erlernen muss. Er muss sich mehr umschauen, mehr eigensleibene Erfahrungen machen, weil er weniger gesagt kriegt. Diese Menschen sind dann schon selbstständig und brauchen dies nicht mehr zu wollen. Höchstens kann es aufgrund der frühen Belastung dazu führen, dass viele später psychische oder wohltätige Organisationen anklingeln, weil sie bereits mit sovielen Situationen klargekommen sind und eventuell noch müssen. Der Entdeckerdrang ist eingeschränkt, weil man schon tausend Entdeckungen gemacht hat, macht und den Kopf für simple Dinge kaum frei haben kann. Ansonsten wäre man durchaus auch neugieriger.

Gepanzert sein kann man in dieser Hinsicht dann für die einfachen Dinge, weil man voller Verarbeitung steckt. Aber das passiert auch Menschen, die eine tiefe emotionale Bindung an ihre Eltern hatten/haben.

Ob man in der Kindheit gegen Beziehung (Eltern-Kind-Bindung) panzert, hängt von zwei Faktoren ab:
Dem Grade der Sensibilität bzw. laut seinem Wortschatz "Verletzlichkeit"
dem Grade der Verletzungen. Manches Kind panzert bei langem Blickkontakt schon, ein anderes erst nach üblen Beleidigungen oder Ignoriert-werden.... etc.

Neufeld geht davon aus, dass Hochsensible Menschen und vor allem hochverletzliche Menschen, (dieses Wort wird so wie ich es verstehe mit Hochsensibilität im zwischenmenschlichen Bereich gleichgesetzt) sehr sehr schnell panzern. Und daraus erst können vielfältigste psychologische Problematiken entstehen.

Lösen könne man diese Panzerungen auch, nämlich in einer tiefen emotionalen Bindung an jemanden. Sobald man weich werden darf, verletzlich werden kann, sich von der schwachen Seite zeigen. Dann beginnen Panzerungen aufzuweichen und abzubröckeln und werden unnötig.


Jedes Kind versucht sich zu schützen, wenn es eine verletzende Elternkindbeziehung hat. Nicht jedes Kind reagiert darauf mit Rückzug. Bei rebellischer Abwehr und Abwendung kann sich die Verletzlichkeit ggf auch schwächer aufbauen, als wenn ein Kind sich dem weiter ausliefert. Aber auch selbst dann, kann es andere Abwehrmechanismen entwickeln.

Zu dem Schnellpanzern von Hochsensiblen wie gesagt, kann ich nichts verallgemeinern aus meinen Erfahrungen und Beobachtungen. Nichtsensible panzern genauso oft, meines Erachtens. Wenn nicht sogar sehr doll, weil sie soetwas eben nicht gewohnt sind und von daher noch keine anderen Strategien entwickeln konnten. Abwehr ist immer erstmal der instinkteigene Grundschutz.

Das mit dem Weichwerden geht auch Nichtsensiblen und HSP gleichermaßen so.

Zu deiner persönlichen Erfahrung ist es ja ähnlich wie bei mir - als ich noch kleiner war, musste ich auch erstmal wissen, was da in mir vorgeht. Aber wie auch ich, bist du dir heute bewusst über all diese Sachen.

Dass man alles, was stresst, mit der Zeit ausblendet, was Neufeld sagt, das glaube ich nicht auf Dauer. Denn der Körper reagiert dann ja. Für eine Zeit, ja, da schützt der Körper sich vor den Erinnerungen. Und auch im Moment kann man gepanzert durch Situationen gehen. Aber auf Dauer antwortet der Körper und ruft dir deshalb früher oder später alles wieder ins bewusstsein oder man geht kaputt. Denn chronischer Stress verlangsamt die Zellarbeit, macht alt und führt zu Krankheiten. Für die Fälle ist es gut, die Panzerung aufzugeben und Strategien zu erarbeiten, sich von diesen Situationen nicht mehr überwältigt zu fühlen. Ansonsten ist Panzerung, ein natürlicher Schutz, der nicht immer schlimm ist, aber auf jeden Fall nicht auf bestimmte Menschentypen zu verallgemeinern ist. Wenn dann schon, wie gesagt eher auf vulnerable Menschen, die noch nicht gelernt haben, umzugehen, Strategien zu entwickeln oder dazu die Kraft nicht haben. Aber das kann alle Menschengruppen in jeder Situation betreffen.

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Re: Die "Panzerung"

Beitragvon Creadream » Fr 25. Okt 2013, 12:25

Hallo Bumblebee
Einiges, was du beschreibst, meint Neufeld auch genau so. Ich habe es wohl bloss nicht so weit ausgeführt.

Panzerungen gibt es laut ihm sehr verschiedene Formen. Nicht nur das Ausblenden, sondern auch das Abwehren... wobei das Abweheren eine gesunde Strategie sein kann, nur wenn sie automatisiert wird, ich also jegliche Beziehung oder jegliche ähnliche Situation gleich ganz automatisiert abwehere z.B. durch einen Wutausbruch, dann wäre es eine Panzerungs-Reaktion.

Panzerungen hindern laut Neufeld an sehr vielem im Leben. Einerseits an sowas wie Lebensglück, andererseits aber scheint es wirklich mit der Zeit krank zu machen, auf diversen ebenen. Körperlich wie psychisch.

Eine Panzerung ist z.T. absolut notwendig... wenn ich z.B. in einen Verkehrsunfall gerate, und sehe jemanden verbluten, und leiste 1.Hilfe, dann kann ich das nur, wenn ich es gar nicht an mich heran lasse, was da gerade wirklich abgeht! Würde ich schon die ganze Empathie fühlen, die ich sonst spüre, wäre es mit der Hilfsfähigkeit wohl aus.
Das ist aber nur eine kurzzeitige Panzerung und daher wirklcih eine Schutzfunktion, sie baut sich ab, sobald der Stress vorbei ist. AUSSER jemand ist echt traumatisiert, dann kann man ja sowas sogar völlig ausblenden.

Wsa du denkst, dass es auch Bindungen an andere Menschen gibt, die einen reifen lassen, glaube ich auch. Ich habe es selbst auch so erlebt, meine Eltern waren bestimmt nicht ständig für mich da, und ich habe auch viel Schweres erlebt, wogegen ich mich nicht gepanzert hatte. Oder vllt. nur ein bisschen.
Für mich als Mama habe ich aber schon den Wunsch, meinen Kindern diese Art Beziehung zu bieten. Aber sie dazu zwingen, das anzunehmen, kann ich ja auch nicht.

Grüessli
Creadream
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