Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Was gibt es neues und interessantes? Diskussionen zum Ursprung von Hochsensibilität!

Moderatoren: Hortensie, Eule, jules1976

Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Libellchen » Do 23. Mär 2017, 10:57

Die Info habe ich gerade gefunden:

"Dr. Sandra Konrad – Wissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkt Hochsensibilität und höhere sensorische Verarbeitungssensitivität, Eye-Tracking, biopsychologische Persönlichkeitseigenschaften -
Dr. phil. Sandra Konrad ist mit ihrer Doktorarbeit zum Thema SPS eine führende Wissenschaftlerin für Hochsensibilität in Deutschland.
Die Diplom-Psychologin hat im Herbst 2016 ihre Promotion zum Thema „Sensory Processing Sensitivity (SPS) – Messung, Validierung, konzeptuelle Einbindung und klinische Befunde“ an der Helut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg erfolgreich abgeschlossen......"

http://hochsensibilitaet-der-kongress.de/sandra-konrad/
https://www.hsu-hh.de/diffpsych/index_E ... QLXH1.html

Vielleicht findet ihr noch mehr Infos und evtl. die komplette Arbeit. Die würde mich interessieren.
Liebe Grüße
Libellchen
Libellchen
Full Member
 
Beiträge: 143
Registriert: Di 11. Okt 2016, 19:49

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Fr 19. Mai 2017, 10:56

Hallo Libellchen,

vielen Dank, ich habe deinen Hinweis leider erst jetzt entdeckt, nachdem ich selbst auf diese Doktorarbeit nach langen Mühen ;-) gestoßen bin.

Ich habe bestimmt einen halben Tag recherchiert, was es an neueren Forschungsergebnissen zum Thema HS gibt. Auch habe ich hier in den Threads „HS – ein wissenschaftlich anerkanntes Konzept“ und „HSP - Fakt oder übertriebener Hype“ alle Beiträge und auch die weiterführenden Links mit großem Interesse gelesen.
Stimmt, das Thema hat mich ziemlich vereinnahmt.

In einem anderen Thread hatten wir unter anderem auch schon darüber diskutiert, was die wissenschaftlichen Grundlagen von HS anbelangt. In „Sind HSP manipulativ?“ bin ich zu der Einschätzung gelangt, dass manipulativ kein Merkmal einer HSP ist, aber ein Merkmal von "Profiteuren" vom HSP-Konzept (nämlich von selbst ernannten Coaches, Gurus, Heilern, Ratgeberschreibern, Schein-„Experten“) allemal.

Des Weiteren hat mich an mir selbst erschreckt, wie wenig ich darauf geachtet habe, ob dieses Konzept überhaupt wissenschaftlichen Standards genügt. Die empirische Beweislage ist ja nun wirklich erbärmlich dünn! Und das nach über 20 Jahren, in denen Aron das erstmals so vorgestellt hat! Und doch hat mich, natürlich auch im besten Glauben an eine empirische Validität, das Modell überzeugt: weil es aus meiner Introspektion, meinen Erfahrungen mit mir selbst und auch aus meiner Beobachtung von anderen Menschen mir doch sehr real vorkommt - bei aller Fragwürdigkeit und Subjektivität und allen Zweifeln.

Was geschieht da? - In der Tat macht mir das Ganze mittlerweile sehr zu schaffen, und ich suche deshalb den Austausch hier mit euch.

Grundsätzlich habe ich die Haltung, so weit wie möglich nur das glauben zu wollen, was man mir auch beweisen kann!
Zusätzlich ist es mir ein Graus, wenn sich ein Konstrukt schlicht durch gebetsmühlenartige Wiederholungen der Thesen nur noch um sich selbst dreht, sich dadurch ständig selbst zu bestätigen versucht und sich schließlich immer mehr zu einem geschlossenen Glaubens-System und Weltbild verfestigt, das keine anderen Überlegungen mehr erlaubt. Gehirnwäsche, Rattenfängerei, Sektiererei, Halbwissen und moralisches Besserwissertum sind da leider immer nicht weit :-( . (Das stört dann aber doch massiv meinen HSP-Gerechtigkeitssinn für einen fairen Umgang mit Menschen. Kleiner Scherz ;-) ).

Und trotzdem: ich begegne meiner HSP auf Schritt und Tritt.
Auch meine Reaktionsweisen bei diesem Thema hier und jetzt schreibe ich ihren typischen Aktivitäten zu: ich fühle mich von innen (durch intensive Gedanken) überreizt, dieser Widerstreit zwischen den Polen "subjektiv-objektiv" führt zu sehr nervigen Empfindungen von starker Anspannung, und mein Gehirn heizt mich körperlich auf (zum Glück ist gerade Urlaub). Diese Art zu reagieren kenne ich schon von klein auf, sie sind mir ständige Begleiter durch mein Leben, egal, um welche Lebensphasen, Situationen und Auslöser es sich handelt. Und auch die Reaktionen von außen: „Steigere dich doch nicht so rein“ lassen häufig nicht auf sich warten; ich denke, Nicht-HSPs können solche „Über“-Reaktionen nicht verstehen, weil sie sie so nicht haben.
Diese spezifischen Muster kann ich nicht auf Traumata in der Kindheit, hormonelle Störungen oder andere Persönlichkeitsdimensionen zurückführen. Ich kann es nicht beweisen und nur beschreiben, aber ich merke sehr genau, wenn meine neurotischen, meine introvertierten, meine sozial-empathischen Anteile mit der HSP eine (manchmal unselige) Allianz eingehen, aber sie unterscheiden sich von ihr, sie sind nicht dasselbe.

Wie gesagt: Ich habe im Netz herumrecherchiert, um wissenschaftliche Belege, bzw. überhaupt neuere Forschungsansätze zum Thema zu finden. Neben jeder Menge Coaching-, Ratgeberbücher-, HS-Tests und sonstigen nebulösen Angeboten kam nicht viel dabei heraus. Oder doch? Endlich fand ich was Seriöses über HSP. Wow, das waren dann tatsächlich wissenschaftliche Untersuchungen – allerdings über die Hereditäre spastische Spinalparalyse (HSP), na ja was Medizinisches. Sorry für den blöden Gag ;-)

Außer dem Üblichen an Befürwortung und Nicht-Befürwortung gibt es wohl (noch) keine differenzierte neuere wissenschaftliche Betrachtung oder Untersuchung zu unserer HSP-Thematik.

Schließlich bin ich dann wie du auf Sandra Konrad gestoßen: Dipl.-Psych. am Lehrstuhl für Persön-lichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Helmut Schmid Uni Hamburg. Sie hat ja, wie du auch schreibst, in den letzten Jahren ein großes Forschungsprojekt zum Thema HS durchgeführt und dazu im letzten Herbst promoviert. Leider habe ich bislang zu den Ergebnissen auch noch keinerlei konkrete Angaben gefunden. Aber da sollten wir dranbleiben, es sei wohl auch ein neu validierter Fragebogen entwickelt worden?!
Es gab mal eine TV-Sendung von 2014, wo Frau Konrad einen Teil ihres Projekts vorstellt (vielleicht wollt ihr euch allerdings den in den Medien stets üblichen Aufmacher ‚die überreizte HSP in der Großstadt‘ dabei ersparen und erst nach 2 Minuten einsteigen ;-)):

http://www.3sat.de/page/?source=/nano/m ... index.html

Gibt es hier sonst überhaupt noch Interesse am Thema „HSP und Wissenschaft /Fakten“? Geht es dir/euch auch so, dass ihr die Kluft als sehr beschwerlich wahrnehmt zwischen der inneren Logik der eigenen Über-Empfindsamkeit und Überreizbarkeit und dem Bedarf nach einer äußeren Logik mit einer fundierten Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die das Konzept bestätigen, differenzieren oder auch verwerfen??

Danke für eure Rückmeldungen und viele liebe Grüße!
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 974
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon mausmaki » Fr 19. Mai 2017, 22:54

Hallo Anima,

zunächst einen ganz herzlichen Dank von meiner Seite für Deinen Beitrag. Mich hat das Thema und einige Meinungen bezüglich diesem Stichwort "manipulativ" auch beschäftigt, und irgendwie einige Fragen aufgeworfen. Ich sehe persönlich HS-Menschen ebenfalls nicht als "besser" als alle anderen an, aber auch nicht so, daß man sich dafür, sich hier zugehörig zu fühlen bzw. es von anderen Menschen gesagt zu bekommen, nun am besten noch mehr selber "einen auf die Rübe" geben muß OIO _bash_ , wo ich unter den meisten HS-Menschen eher das Gefühl habe, daß sie bereits sehr, wenn nicht übermäßig, selbstkritisch sind (teils auch mal erst im Nachhinein, aber sie sind es).

Von daher: auch ich habe durchaus Interesse an weiterem fundiertem Wissen, und ja, auch mich stört diese große "Branche" an kommerziellen Profiteuren von HS. Es gibt mittlerweile so viele Seiten, die zwar teils wirklich gute Texte schreiben, meist aber eben Anbieter sind von irgendwelchen Beratungen und anderen Dingen, die mit dem Begriff "HS" ausgestaltet werden und wo es dann zumindest "nicht ungelegen" kommt, wenn sich Menschen dadurch angesprochen fühlen.

Insbesondere würde mich eine Abgrenzung zu reiner Introversion interessieren, ich habe so zum Beispiel vor kurzem einen Menschen getroffen, den ich sofort als HS eingestuft hätte, er sich selbst aber als "introvertiert" bezeichnet hat und mir dazu Infos gab, deren Inhalte sich zum Teil mit denen von HS überlappt haben. Auch da könnte es vielleicht mal interessante Themen geben.


Von daher: Augen und Ohren sind offen U72(

Liebe Grüße!
Benutzeravatar
mausmaki
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 99
Registriert: Mi 5. Apr 2017, 09:57
Wohnort: BW, Landkreis Esslingen

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 20. Mai 2017, 17:48

Hallo Mausmaki,

herzlichen Dank für deine Antwort und die interessante Frage zur Introversion!

mausmaki hat geschrieben:Insbesondere würde mich eine Abgrenzung zu reiner Introversion interessieren, ich habe so zum Beispiel vor kurzem einen Menschen getroffen, den ich sofort als HS eingestuft hätte, er sich selbst aber als "introvertiert" bezeichnet hat und mir dazu Infos gab, deren Inhalte sich zum Teil mit denen von HS überlappt haben.

Das stimmt, die Überschneidungen sind beträchtlich. Aron (ja, schon wieder diese Dame ;-)) hat den Begriff der HS dann allerdings doch als separates Phänomen gesehen, da sie in ihren Untersuchungen bei HSPs nicht 100 %, sondern nur 70% Introvertierte gefunden hat, also unter allen HSPs auch 30 % Extravertierte. Daraus könne man schlussfolgern, dass HS und Introversion eben keine identischen Strukturen sind.

Und nun ja, wiederum aus meiner rein subjektiven Sicht meines eigenen Erlebens und auch durch das Beobachten von anderen:
meine Überreizbarkeit aus der HSP stelle ich in zahlreichen komplett unterschiedlichen Situationen und Kontexten, auch völlig unabhängig von sozialen Auslösern, fest. In sozialen Situationen kann die HSP sich allerdings mit meinen introvertierten Anlagen "verbünden" (da gehöre ich wohl eher zu Arons 70 %).
Und: bei meinen Beobachtungen von Verhaltensweisen meiner Mitmenschen kann ich Introvertierte sehen, die sich einfach lieber allein beschäftigen, die aber weder überreizt noch übererregt dabei sind, wenn sie dann doch auf einer Party landen, und die auch in anderen Zusammenhängen eher ein ruhigeres/nicht hochsensibles Temperament aufweisen, obwohl sie introvertiert sind. Insofern sehe ich das nicht als ein und dieselbe Persönlichkeitsstruktur an.

Wie sind da eure Erfahrungen und Beobachtungen mit (eurer) Intro- bzw. Extraversion?

Ob man allerdings diese subjektiven Erfahrungen und Arons Zahlen bestätigt bekommt, oder auch nicht?? - Genau das wäre ja mein Anliegen, dass der Sache endlich mal mehr Substanz verliehen wird.

Und wenn wir schon dabei sind: Neurotizismus (oder emotionale Instabilität) kann ebenfalls in hohem Maße mit der HS eine Schnittmenge bilden, eben wenn es um negative-belastende Emotionen von Angst, Ärger, Stimmungstiefs usw. geht. Doch auch hier gibt es nach meiner persönlichen Erfahrung außerhalb dieser Schnittmenge HSP-typische Reaktionen, die sich eben nicht nur auf negatives Gefühlserleben, sondern genauso auch auf ein verstärktes "Über"-Erleben positiver Erfahrungen/Gefühle beziehen können. (So auch von ein paar anderen Leuten hier im Forum gehört, bei "Was macht HSPs glücklich?" :-) )
Und ich würde auch mal einfach munter annehmen, dass auch Normal-Sensible neurotische Züge haben können ;-).

Ob also Introversion und Neurotizismus/emotionale Instabilität, jeweils allein oder auch im Verbund das Phänomen HS hinlänglich ausmachen und erklären?

Alles dazu scheint mir ja eben allzu spekulativ und nicht ausreichend fundiert. Oder wie geht es euch damit?

Vielleicht erfahren wir ja doch bei der hier in Rede stehenden Doktorarbeit noch was Nützliches zu dieser Thematik!?

Viele Grüße!
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 974
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Di 23. Mai 2017, 18:07

Hallo zusammen,

dass die Verpackung und Vermarktung des HS-Konzepts irreführend und gelinde gesagt wenig erfreulich ist, habe ich ja schon geschrieben. Trotzdem will ich den Inhalt des Pakets (noch?) nicht völlig abschreiben – meine subjektiven Beobachtungen und Erfahrungen, die mit dem Konzept in Verbindung stehen, kann ich nicht einfach über Bord werfen. Weil ich trotz allem den Eindruck habe, es ist was Schlüssiges dran. Deshalb recherchiere ich mal weiter.

In diesem Zusammenhang habe ich noch ein paar Links zu neueren Untersuchungen gefunden. Dabei jeweils kurze Erläuterungen von mir, da ziemlich aufwendig, alles zu lesen:

((folgender Link scheint zu lang, um korrekt im Forum dargestellt zu werden, daher bitte händisch in die Browser-Adresszeile einkopieren))
(http:-Doppelpunkt-Slash-Slash-www-Punkt)uni-bielefeld.de/psychologie/abteilung/arbeitseinheiten/04//HOMEPAGE/ostendorf/Abstracts/Talks/Borries+Ostendorf(2012).SENSORY-PROCESSING%20SENSITIVITY%20-%20Poster.pdf
2012: Untersuchung an 898 Teilnehmern und Ergebnis: HSPs existierten als unabhängige Gruppe, die sich in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen qualitativ von anderen unterscheiden.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4086365/
2014: MRT-Untersuchung von aktiven Hirnarealen bei Umgebungs- und sozialen Reizen: Ergebnis: stärkere Aktivierung der zuständigen Hirnareale für Aufmerksamkeit, Planung und Empathie bei diesen Reizen in der HSP-Gruppe.

http://journals.plos.org/plosone/articl ... ne.0133143
2015: Untersuchung an 298 chinesischen Studenten, Ergebnis: statistisch signifikante Verbindungen zwischen dopaminbezogenen Genen, der Hirnfunktion und der Sensitivität.

Die Dissertation von Christina Blach: „Ein empirischer Zugang zum komplexen Phänomen der Hochsensibilität“ wurde hier im Forum ja schon erwähnt.

Von Frau Konrad noch nichts Neues gesehen.

Viele Grüße allerseits!
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 974
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Ellwood » Mi 24. Mai 2017, 13:37

Hallo ,

was mich auch mal interessieren würde ist, gibt es Psychiater oder Therapeuten die dieses Thema als solches anerkennen,und vielleicht auch "behandeln" in Deutschland ?
Meine Therapeutin hatte mir damals angedeutet das ich zu viel Fühle und das es dafür den Begriff der HSP gäbe. Ist aber weiter nicht darauf eingegangen.
Es muss doch einen Grund geben warum ich mit dem Körper denke. Warum ich manchmal fast schon Vorahnungen habe, warum ich Stimmungen anderer so wahrnehmen kann als würde ich diese gerade erleben.
Ich wäre sofort bereit an einer Studie dieses Thema betreffend teil zu nehmen einfach um zu sehen ob es bei mir tatsächlich so ist oder ob ich nur Glückstreffer mein Leben lang gelandet habe.


Gruß.

Jean
Ellwood
 

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Sony_67 » Mi 24. Mai 2017, 23:17

Liebe Anima,

bin gerade über den Thread gestolpert und muss sagen, dass ich deine Fragestellung sehr interessant finde! Kann man HS wissenschaftlich fundiert erklären und wenn ja, wie?!
Ich muss vorausschicken, dass ich im naturwissenschaftlichen Bereich arbeite (Chemie) und da ist es tatsächlich oft ein klares "ja" oder "nein", erklärbar und vorhersehbar (explodiert oder eben nicht -Schk_ )
Scherz mal beiseite! :-D

Durch meine eigene Erkrankung (Depression, Angsterkrankung) und auch, weil es mich interessiert, habe ich mich viel mit dem Thema Psychologie beschäftigt, besser gesagt dem Thema "Mensch".
In meinem Freundeskreis findet sich auch die eine oder andere "Störung" wieder, meine beste Freundin ist auch HS.
Und natürlich habe ich auch für mich selbst immer wieder nach Erklärungen gesucht, WARUM ich hochsensibel bin, depressiv war, mit Ängsten kämpfen musste und muss, WARUM ich so ticke, wie ich ticke. Einige Erklärungsansätze bekam ich durch Therapie, durch Aufarbeiten meiner Vergangenheit, meiner Familiengeschichte, andere durch Reden und reflektieren.

Aber ich denke und glaube inzwischen, dass der Mensch nicht wirklich rational erklärbar ist und auch nicht wissenschaftlich messbar. Weil unser Gehirn so dermassen komplex ist, dass Gehirnforscher selbst zugeben, nicht mal einen Bruchteil davon zu verstehen! Es spielen so viele Faktoren zusammen - nicht nur bei uns HS´lern, auch bei den "Normalos", dass es meiner Meinung nach unglaublich schwer ist, das auch nur halbwegs in ein Schema zu pressen.

Ich habe einen Freund, der extrem introvertiert ist, aber keine Spur HSP. Eine Bekannte ist beides, eine andere ist Borderliner, Sozialphobiker und auch ein wenig HS...Meinereiner ist extrovertiert und sehr HSP.

Du frägst: Ob also Introversion und Neurotizismus/emotionale Instabilität, jeweils allein oder auch im Verbund das Phänomen HS hinlänglich ausmachen und erklären?

Sie können es meiner Meinung nach im Ansatz erklären - aber hinlänglich? Nein...ich befürchte nicht!

Deinen Wunsch nach einer Erklärung kann ich gut verstehen (und auch Jean´s), weil es ein Stück weit eine Erleichterung wäre, wenn es etwas gibt, auf das man im Pschyrembl den Finger legen könnte. Weil es dann nicht mehr so "schwammig" ist...
Wie Jean schreibt: "Es muss doch einen Grund geben"...Lange habe ich mir die Frage auch gestellt und die Antwort gesucht, bin aber - auch mit Hilfe einer tollen Therapeutin - auf meinen jetzigen Standpunkt gekommen: Den mag es geben, aber viel wichtiger ist doch: wie lebe ich damit? Wie gehe ich damit um? Und: auf manche Fragen gibt es eben keine zufriedenstellende Antwort... U72(


Liebe Grüsse

Sony
Life isn´t about waiting for the storm to pass...it´s about learning to dance in the rain _yessa_
Benutzeravatar
Sony_67
Full Member
 
Beiträge: 152
Registriert: Mi 17. Mai 2017, 19:58

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Libellchen » Do 25. Mai 2017, 11:39

Auf der Seite des Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V. (IFHS) http://www.hochsensibel.org/ habe ich diese Info über Frau Dr. Konrad und ihre Arbeit gefunden:

12.05.17 - Wissenschaft: Neues Paper deutscher Wissenschaftler

In diesen Tagen ist ein neues Paper deutscher Wissenschaftler zum Thema Hochsensibilität veröffentlicht worden.

Die Fundstelle lautet:

Konrad, S., & Herzberg, P. Y. (2017). Psychometric Properties and Validation of a German High Sensitive Person Scale (HSPS-G). European Journal of Psychological Assessment. doi: 10.1027/1015-5759/a000411.

Der Text ist nicht im Internet frei verfügbar; das Abstract kann gelesen werden unter http://econtent.hogrefe.com/doi/full/10 ... 59/a000411.

Das Paper ist Teil der kumulativen Dissertation von Sandra Konrad an der Helmut-Schmidt-Universität. Ihre Website findet sich unter https://www.hsu-hh.de/diffpsych/index_E ... QLXH1.html.
Zuletzt geändert von Libellchen am Do 25. Mai 2017, 11:44, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße
Libellchen
Libellchen
Full Member
 
Beiträge: 143
Registriert: Di 11. Okt 2016, 19:49

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Libellchen » Do 25. Mai 2017, 11:42

Weitere aktuelle Informationen aus der Wissenschaft, aus den Medien und aktutelle Veranstaltunsghinweise seht ihr hier:

http://www.hochsensibel.org/startseite/aktuelles.html

Ich habe noch ein Informationsblatt über HS für Ärzte und Heilberufe gefunden

http://www.hochsensibel.org/dokumente/Aerzteinfo.pdf
Liebe Grüße
Libellchen
Libellchen
Full Member
 
Beiträge: 143
Registriert: Di 11. Okt 2016, 19:49

Re: Doktorarbeit zum Thema Hochsensibilität

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Do 25. Mai 2017, 19:40

Hallo Libellchen, hallo Jean,

klingt doch gut, dass mal ein bisschen was geht in Sachen wissenschaftliche Bemühungen um unser HS-Thema!
Vielleicht kann Jean ja schauen, ob er Lust hat, als Proband bei den beiden Studien mitzumachen, die bei hochsensibel.org genannt sind?

Super, bleiben wir am Ball :-)
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 974
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Nächste


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Wissenschaft und Forschung

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron