HS und Asperger I

Was gibt es neues und interessantes? Diskussionen zum Ursprung von Hochsensibilität!

Moderatoren: Hortensie, Eule, jules1976

Re: HS und Asperger

Beitragvon Parzival » Do 19. Feb 2015, 15:36

Danke für den interessanten Link. Zu ADHS in Kombination mit ASS bei Erwachsenen habe ich bislang - außer in dem schon erwähnten Buch - kaum Informationen gefunden. Es ist ja auch strittig, ob sich ADHS z.T. im Erwachsenenalter auswachsen kann oder nur verändert. Kennst du da gute Links oder Lesetipps?
Parzival
Full Member
 
Beiträge: 181
Registriert: Di 15. Okt 2013, 12:01

Re: HS und Asperger

Beitragvon henni42 » Fr 20. Feb 2015, 18:17

Hallo Parzival,

also soweit ich das sehe, handelt es sich bei dem Thema der notorischen Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen ADHS und Asperger um ein Problem, welches zwar in der Fachliteratur und in den diversen Internet-Foren angeregt diskutiert wird (wie beispielsweise auch in diesem populärwissenschaftlichen Vortrag von Dr. Bachmann:http://www.praxis-drbachmann.de/media/HB-ADHS-ASS_Ringvorlesung_SoSe_2011.pdf), das jedoch erst dann lösbar sein wird, wenn die neurologische Ursache dafür herausgefunden wurde. Ein „gutes“ Buch darüber wird es daher wohl erst in Zukunft geben. Das sich sowohl die ADHS-, als auch die Asperger-Symptomatik bis zum Erwachsenenalter verändern kann, liegt an der Neuroplastizität des Gehirns. Man kann sich das Gehirn da gewissermaßen als „Muskel“ vorstellen, bei dem unerwünschte Schwachpunkte durch (Verhaltens-)Training beeinflusst werden können.

Doch nochmals kurz zurück zu den Abgrenzungsschwierigkeiten. Im Zusammenhang mit HSP wird ja vor allem immer wieder das Abgrenzungsproblem zwischen HSP und ADHS angesprochen, wie beispielsweise im Buch von Trappmann-Knorr ( http://www.amazon.de/Hochsensitiv-trotzdem-zwischen-Hochbegabung-Reiz%C3%BCberflutung/dp/3867310602 ). Die Korrelationen zwischen ADHS und Asperger wiederum machen dieses Problem dann jedoch auch zum Problem der Abgrenzung zwischen HSP und Asperger, wie hier im Thread bereits beschrieben, und mit Testergebnissen belegt wurde.

Einen ganz besonders kuriosen Fall in diesem Zusammenhang habe ich in einem Forum gefunden, in dem eine Mutter folgendes berichtet: „Mein erster Sohn (13J.) hat die Diagnosen: ADS, Asperger-Syndrom mit Hochbegabung und Hochsensitivität.“(http://www.rehakids.de/phpBB2/ftopic105524.html) Tja, da stammt also der ganz besondere Sohnemann anscheinend nicht nur von einem fremden Planeten (wie man es den Aspies gerne nachsagt), sondern gleich von vier! Auch ihr jüngerer Sohn weist bereits einige Verhaltensanomalien auf, was wiederum den hier ebenfalls bereits angesprochenen Verdacht nach der Vererbbarkeit und den Genen erhärtet.

Möchte man also eine Abgrenzung vornehmen, die in jedem Falle lediglich hypothetischen Charakter haben kann, dann ist aus der Praxis heraus zunächst einmal darauf hinzuweisen, dass HSP keine offizielle „Krankheit“ ist und es daher auch keine wasserdichte Diagnosemöglichkeit gibt. HSP fällt eher in die Kategorie der auffälligen Persönlichkeitsmerkmale, oder geht vielleicht als leichte Persönlichkeitsstörung durch. Beim Asperger und beim ADHS ist je nach Ausprägungsgrad dann wiederum manchmal eine medikamentöse und verhaltenstherapeutische Betreuung notwendig, also schon eher im Sinne einer Krankheit. Und beim Kanner-Autismus muss man dann leider schon von einer echten Behinderung im Sinne einer Schwerbehinderung sprechen. Meiner Abgrenzungsmethode bei den vielen Symptom-Überschneidungen liegt daher die jeweilige Ausprägungshöhe zugrunde. Und die leichteste Form, also HSP, sehe auch ich als noch ausreichend weit von einer „echten“ Krankheit entfernt.


henni42
henni42
 

Re: HS und Asperger I

Beitragvon Haru-Kyoukai » Do 20. Jul 2017, 18:29

Ich geh mal davon aus, dass hier auch nicht so gewünscht ist, dass man nen neuen Thread aufmacht, wenn schon einer zu dem Thema da ist ... Ist mir zwar immer etwas unangenehm, in einen Thread zu posten, der schon länger nicht mehr aktiv ist, aber ich muss zu diesem Thema was loswerden.

Ich bin jetzt 22 Jahre alt und habe mit 14 Jahren die Diagnose "Asperger-Autismus" bekommen. Habe einige Jahre mehr oder weniger gut mit dem Wissen darum gelebt, aber seit ca. meinem 18. Lebensjahr komme ich mit diesem Begriff und allem, was daraus folgt, immer weniger zurecht. Ich merke immer deutlicher, dass ich das nicht (oder zumindest nicht mehr) bin, und mir wird auch klarer, dass ich durch diese Diagnose seelisch ziemlich schwer verletzt wurde. Schon das Wort allein tut mir inzwischen weh und das ganze Drumherum, wie mich Leute behandeln, weil sie denken, dass ich Asperger habe, ist für mich so wahnsinnig schmerzhaft geworden, dass ich sehr oft, wenn das Thema wieder zur Sprache kommt und jemand sagt "Du hast ja Asperger", nach so einer Situation emotional ziemlich abstürze, mich selbst verletze und auch schlimmere Gedanken im Kopf habe.
Das geht jetzt schon drei Jahre so, ich bin in der psychiatrischen Tagesklinik gewesen, dann lange in ambulanter Gruppentherapie, aber wirklich Klarheit bringen konnte mir das alles nicht. Inzwischen arbeite ich, weil die emotionale Instabilität bei mir immer weiter zugenommen hat und ich deshalb kaum belastbar bin, in einer Werkstatt für psychisch kranke Menschen, und dort hat mich eine liebe Anleiterin in einem Gespräch vor ein paar Tagen gefragt: "Ich glaube nicht, dass Sie Asperger haben. Aber haben Sie schon einmal über Hochsensibilität nachgedacht?"
Ich habe dann viel recherchiert und gelesen, und langsam klären sich die Dinge. Ich fange an, mich in einem anderen, für mich auch weniger schmerzhaften Licht zu sehen, und merke daran, dass mit dieser Asperger-Diagnose damals irgendwas nicht gestimmt hat. Ich weiß, dass ich als Kind von Außen gesehen schon einige Anzeichen hatte, die auf Asperger hingedeutet haben, aber ich merke eben auch, dass das bei weitem nicht die ganze Wahrheit über mich war und ist. Ich bin wesentlich sensibler und verletzlicher, als ich immer dachte, und ich merke, was für ein emotionaler, chaotischer Gefühlsmensch ich innen drin in Wirklichkeit bin. Ich wurde schlicht und einfach missverstanden, was nicht schwer war, da ich immer ziemlich still und ängstlich war.
Leider hat diese Asperger-Diagnose über die Jahre auch mein Selbstbild komplett instabil und fremdbestimmt gemacht, weshalb ich jetzt sehr unsicher darüber bin, wer und wie ich eigentlich bin. Aber ich lerne langsam, meine Gefühle und die der anderen wieder besser wahrzunehmen, und zu erkennen, was alles in mir zerstört worden ist, damit ich zumindest versuchen kann, etwas davon wieder irgendwie halbwegs zu heilen.

Ich kann mir vorstellen, dass hochsensible Menschen deshalb oft für Asperger gehalten werden, weil es von Außen her ähnlich aussehen kann. Es ist für "normale" Menschen manchmal nicht ganz leicht, zu erkennen, ob sich jemand aus Reizüberflutung von sozialen Situationen zurückzieht oder weil er mit Menschen und Gefühlen nichts anfangen kann. Manchmal weiß man das ja auch selbst nicht so genau. Und die sensorische Empfindlichkeit kommt bei beidem vor. Wenn man aber genau hinschaut, sind die Unterschiede halt ja doch sehr groß und wichtig.

Nur habe ich leider die schmerzhafte Erfahrung machen müssen, dass Psychiater, Psychologen und solche Leute nicht mehr groß nach emotionaler Sensibilität und ähnlichen Sachen fragen, wenn in der Akte schon das bekanntlich sehr mit mangelhafter Empathie und deutlicher Gefühlsunfähigkeit verbundene Asperger-Syndrom geschrieben steht. Die Fragen nach weiteren Erkrankungen gehen dann deutlich mehr in die Richtung "schizophren" oder auch "schizotyp", alles andere wird gar nicht mehr weiter beleuchtet. So wurden beispielsweise auch meine zwar vergleichsweise leicht ausgeprägten, aber doch vorhandenen Borderline-Symptome (in meinem Fall halt SVV, starke Stimmungsschwankungen, unsicheres Selbstbild, Depression, phasenweise Suizidalität, extreme Verletzlichkeit) entweder gar nicht besprochen, oder sogar mit der Begründung "Sie haben aber doch Asperger, also kann das nicht sein" einfach abgewunken. Ich habe bis heute offiziell nur die Asperger-Diagnose, obwohl meine sich seit Jahren verschlimmernden Probleme ziemlich eindeutig anderer Natur sind und halt sehr drauf hindeuten, dass ich absolut keine typische Asperger-Autistin bin, sondern eben doch ziemlich gefühlsgesteuert und sensibel.
Haru-Kyoukai
Neuling
 
Beiträge: 12
Registriert: Mo 17. Jul 2017, 22:20

Re: HS und Asperger I

Beitragvon Thraex » Fr 2. Mär 2018, 23:33

Hallo @Haru:
Das kann gut sein. Mein junges Ich hatte ganz klare Anzeichen von Asperger:
- motorische Ungeschicklichkeit
- stottern
- gestelzte Wortwahl
- Spezialinteressen
- Schwierigkeiten in die Augen zu sehen
- kein Eingehen auf andere
- Gefühle selber schwer einzusortieren
- andere verstehen... gar nicht daran zu denken
...
Das ganze Programm, nur Overload und co. hatte ich wohl nur als Kleinkind.
Das Thema kannte damals niemand, also gab es auch kein Programm, keine Diagnose, bis auf Maßnahmen gegen das Stottern.

Fakt ist aber, dass ich heute nun mehr wenig davon habe.
Spezialinteressen: ja, sicher. aber sehr viele und parallel. Routine brauche ich keine.
Meine Mitmenschen verstehe ich sogar gefühlt besser, als andere. Gerade negative Emotionen anderer spüre ich sofort, aber auch wenn ein Paar sich wirklich liebt erlebe ich das mit. Mein Job wäre für einen NT mehr als stressig, für einen mit AS nicht zu machen. Den mache ich seit enigen Jahren und er macht mir Spaß.

Wann es gekippt ist, kann ich nicht sagen. Also wann Level "hsp" erreicht wurde. Manche Eigenheiten habe ich bis heute, wie die Pedanterie und ich führe gern Selbstgespräche. Das hilft der Konzentration. All diese Dinge bekomme ich aber mit und kann sie einsortieren. Das wäre noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen.

Also ja, Asperger und Hochsensibilität, das ist nur eine Frage, ob man mit der Sinneslast noch klar kommt, oder der Kopf darunter zusammengebrochen ist. Die unscharfe Trennung macht es sehr schwer zu kategorisieren. Im Prinzip ist das Eine nur eine Krankheitsbezeichnung, das andere eine Wesensart. Wird die Wesensart zu stark, landet man bei der Krankheitsbezeichnung.

Ohne diese Einteilung würde sonst die halbe Akademikerwelt bei AS landen und das kann nun wirklich nicht im Sinne des Erfinders sein. Sind sie eben Hochsensibel. Das klingt bedeutend netter und hat kein Stigma.

Anscheinend kann der Kopf auch mit der Zeit lernen damit umzugehen. Bin wohl genau auf der Grenze gestartet und langsam in den HSP Bereich gewandert...

Ich war sogar bei Gruppen mit Aspergern und hab mir die angeguckt. Die ähneln sicher meiner jungen Version, aber heute sind die ganz klar auf einem ganz anderen Level.
Thraex
Neuling
 
Beiträge: 1
Registriert: Do 1. Mär 2018, 13:11

Re: HS und Asperger

Beitragvon Anders » Fr 20. Apr 2018, 08:24

Komma hat geschrieben:Asperger besitzen diese Kompetzenz überhaupt nicht,

Kurz zusammenfassend gesagt gibt es nicht "den Asperger-Autist" es ist ein Spektrum, es gibt auch Asperger-Autisten die Smalltalk können, oder die kein Problem mit Augenkontakt haben. Asperger-Autismus ist von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt, jemand kann nur sehr leicht betroffen sein, kaum Symptome oder Einschränkungen im Alltag haben. Ebenso kann es bis zur vollen Symptombreite gehen, das die betroffene Person ohne fremde Hilfe im Alltag nicht zurecht kommt. Deshalb nennt man es auch ASS, Autismus-Spektrum-Störung, weil es ein sehr breites Spektrum ist das bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt ist.

Ebenso wie sich Hochbegabung und Asperger nicht pauschal ausschließen, gibt es auch Asperger-Autisten die gleichzeitig hochsensibel sind. Bei Autismus ist die erhöhte Reizempfindlichkeit auch ein Symptom, was typisch für dieses Krankheitsbild ist. Hat ein Asperger-Autist zusätzlich zu seinem Autismus noch Hochsensibilität, kann das für den Asperger-Autist sogar ein Vorteil sein. Weil die Person ihre eventuelle Unfähigkeit Mimik und Emotionen richtig zu deuten, mit Hilfe der Hochsensibilität kompensieren kann.
Durch die Möglichkeiten, manche Asperger-Autismus Probleme im Alltag kompensieren zu können, kann es auch sein das manche Asperger-Autisten die gleichzeitig Hochsensibel sind, gar keine Autismus Diagnose bekommen. Weil sie durch das Kompensieren können einige der Asperger-Autismus Probleme im Alltag nicht mehr haben.
Hallelujah
Benutzeravatar
Anders
Full Member
 
Beiträge: 113
Registriert: Do 24. Aug 2017, 09:25

Re: HS und Asperger I

Beitragvon Fuchur » Fr 20. Apr 2018, 18:48

Hallo zusammen iwikx ,

Henni42:

Einen ganz besonders kuriosen Fall in diesem Zusammenhang habe ich in einem Forum gefunden, in dem eine Mutter folgendes berichtet: „Mein erster Sohn (13J.) hat die Diagnosen: ADS, Asperger-Syndrom mit Hochbegabung und Hochsensitivität.“(http://www.rehakids.de/phpBB2/ftopic105524.html) Tja, da stammt also der ganz besondere Sohnemann anscheinend nicht nur von einem fremden Planeten (wie man es den Aspies gerne nachsagt), sondern gleich von vier! Auch ihr jüngerer Sohn weist bereits einige Verhaltensanomalien auf, was wiederum den hier ebenfalls bereits angesprochenen Verdacht nach der Vererbbarkeit und den Genen erhärtet.


Normalerweise wird bei Verdachtsmomenten und Unterscheidungsproblemen doch besonders genau untersucht. Als bei mir noch nicht feststand, welche von drei Möglichkeiten oder auch Kombinationen vorkommen könnten, wurden alle Verdachtsmomente dazu einbezogen und lediglich eine Annahme bestätigte sich, so wie ein ganz leichtes ADHS. Hochsensibilität konnte man vor rund neun Jahren noch nicht ärztlich oder psychologisch testen.
Als ich mir vor zwei Jahren den alten Negativbefund zu ASS- Screenings nochmals habe zukommen lassen, sagte man mir, dass es noch keine neuen Testverfahren gibt und diese an den Kliniken ein einheitlich sind. Würde ja sonst auch wenig Sinn machen, wenn jede Klinik anders testet.

Anders:
Ebenso wie sich Hochbegabung und Asperger nicht pauschal ausschließen, gibt es auch Asperger-Autisten die gleichzeitig hochsensibel sind. Bei Autismus ist die erhöhte Reizempfindlichkeit auch ein Symptom, was typisch für dieses Krankheitsbild ist. Hat ein Asperger-Autist zusätzlich zu seinem Autismus noch Hochsensibilität, kann das für den Asperger-Autist sogar ein Vorteil sein. Weil die Person ihre eventuelle Unfähigkeit Mimik und Emotionen richtig zu deuten, mit Hilfe der Hochsensibilität kompensieren kann.
Durch die Möglichkeiten, manche Asperger-Autismus Probleme im Alltag kompensieren zu können, kann es auch sein das manche Asperger-Autisten die gleichzeitig Hochsensibel sind, gar keine Autismus Diagnose bekommen. Weil sie durch das Kompensieren können einige der Asperger-Autismus Probleme im Alltag nicht mehr haben.


Wird Hochsensibilität mit dem neuen ICD-11 und den neuen Diagnosekriterien bei Autismus von welchen du woanders schriebst, mit einbezogen? Momentan kann ich mir gar nicht mehr erinnern, denn vor zwei Jahren bei Anfrage zu meinem alten negativen Autismusbefund sagte man mir, es gibt noch keine neu überarbeiteten Screenings. Genau das war ja der Grund meiner Nachfrage, denn in einem Autismusforum wusste niemand etwas von aktuellen Änderungen und in Büchern habe ich weder hinsichtlich ASS nioch Hochsensibilität nichts über andere oder neue Vorgehensweisen gefunden, die vielleicht bald durch den ICD-11 greifen und sich innerhalb von zwei Jahren geändert haben müssten. Allerdings habe ich es auch seit zwei Jahren nicht mehr weiter verfolgt. Wo kann man nachgucken und welche Ärzte kann man fragen?

Nach einigem Einlesen hier fand ich in einer anderen Diskussion einen Link zu einem Bericht in der Welt (2015) , daher hat sich meine Frage vielleicht schon etwas beantwortet:

Früher hatten Psychiater normalerweise wenig Scheu davor, psychische Auffälligkeiten flugs in ihre Klassifizierungssysteme einzuordnen und ihnen dadurch den Status einer behandlungsbedürftigen Krankheit zu verleihen. Mit der Übersensibilität ist das (noch) nicht passiert.
„Eine neue Diagnose nach ICD oder DSM wird aus dem Begriff der Hoch-sensibilität nicht entstehen, ebenso besteht kein Bedarf für die Einführung neuer Therapien, auch wenn vereinzelt schon Hochsensible als Zielgruppe für Gesundheitsförderung gesehen werden“, wertet Psychiater Andreas Meißner.
I love Thomas Bernhard _roseboy_

Das Leben ist meist Träumerei
Die Wahrheit ist eher selten dabei

Und hättest du mich nicht gefragt
Hätte ich auch nichts gesagt

Andreas Dorau; Wir Sind Keine Freunde; Ich bin der eine von uns beiden; 2005
Fuchur
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 62
Registriert: Fr 20. Apr 2018, 11:26

Re: HS und Asperger I

Beitragvon Anders » Sa 21. Apr 2018, 15:15

Hallo Fuchur.
Es ist jetzt schon so, das manche Autismus Spezialisten eine so genannte "Reizfilterstörung" bei der Diagnostik von Autismus mit einbeziehen und auch im Diagnoseschreiben separat nennen, wenn es vorliegt. Es wird dort nicht Hochsensibilität genannt, aber als Störung in der Verarbeitung von Reizen, mit Reizüberflutung bei Lärm, Licht, Menschenmassen, etc. detailliert beschrieben. Ich denke nicht, das Hochsensibilität und Asperger-Autismus jemals zusammen getan werden, da Hochsensibilität auch ohne Autismus vorkommen kann. Und andererseits die "Reizfilterstörung" bereits als typisch bei Asperger-Autisten bekannt ist.

Die Info mit dem ICD-11 habe ich von der Seite "autismus-elbe-trave" und der Seite "autismus-kultur". Dort heißt es:

Das ICD-11 sollte ursprünglich 2014 erscheinen, dann 2015, und inzwischen wurde es auf 2018 verschoben. (...) Im DSM-5, das 2013 erschienen ist, findet man das Asperger-Syndrom ja nicht mehr einzeln gelistet. Statt dessen wurde die “Autismus-Spektrum-Störung” so definiert, dass auch das Asperger-Syndrom darunter fällt. (...) Im ICD-11-Entwurf findet man die “Autismus-Spektrum-Störung” unter “Psychische und Verhaltensstörungen” in der Kategorie “Neurologische Entwicklungsstörungen”. Dort findet man folgende Definition der “Autismus-Spektrum-Störung”.
(autismus-kultur)

Es ist wahrscheinlich, dass dann nur noch von einer Autismus-Spektrum-Störung mit unterschiedlichen Schweregraden gesprochen wird - wie schon im 2013 erschienenen DSM-V des amerikanischen Psychiatrieverbandes.
(autismus-elbe-trave)

Von der WHO gibt es auch einen Link, wo man den aktuellen Entwurf des ICD-11 ansehen kann. Hier ist tatsächlich nur noch von einer "6A02 Autism spectrum disorder" die Rede.
Hallelujah
Benutzeravatar
Anders
Full Member
 
Beiträge: 113
Registriert: Do 24. Aug 2017, 09:25

Re: HS und Asperger I

Beitragvon Fuchur » Mo 23. Apr 2018, 16:58

Anders hat geschrieben:Hallo Fuchur.
Es ist jetzt schon so, das manche Autismus Spezialisten eine so genannte "Reizfilterstörung" bei der Diagnostik von Autismus mit einbeziehen und auch im Diagnoseschreiben separat nennen, wenn es vorliegt. Es wird dort nicht Hochsensibilität genannt, aber als Störung in der Verarbeitung von Reizen, mit Reizüberflutung bei Lärm, Licht, Menschenmassen, etc. detailliert beschrieben. Ich denke nicht, das Hochsensibilität und Asperger-Autismus jemals zusammen getan werden, da Hochsensibilität auch ohne Autismus vorkommen kann. Und andererseits die "Reizfilterstörung" bereits als typisch bei Asperger-Autisten bekannt ist.

Bei meinem Befund (negativ) war es nicht mit Zusatzverweis, obwohl man mich ausführlich vor- und nachberaten hatte. Man hat mir auch gesagt, ich könne die Screenings wiederholen, aber dass es im Erwachsenenalter nicht unbedingt groß etwas ändern würde und da es zudem keine Änderungen bei der Diagnostik gebe.
In dem Asperger-Forum habe ich wie auch in Büchern zum Thema (vor ca. 9-10 Jahren) sehr viel gelesen und Betroffene direkt gefragt und einen Thread eröffnet. Keiner der Betroffenen dort hat auf typische Reizfilterstörungen hingewiesen. Wie gesagt, es war vor ca. 2 Jahren, dass ich dort wegen meines alten Befundes nochmal nachgefragt habe. In der Zwischenzeit hat sich vielleicht etwas getan. Mir war das Thema dann aber auch nur nebensächlich wichtig, da ich ja nicht betroffen bin. Dennoch danke für deine Hinweise.

iwikx
I love Thomas Bernhard _roseboy_

Das Leben ist meist Träumerei
Die Wahrheit ist eher selten dabei

Und hättest du mich nicht gefragt
Hätte ich auch nichts gesagt

Andreas Dorau; Wir Sind Keine Freunde; Ich bin der eine von uns beiden; 2005
Fuchur
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 62
Registriert: Fr 20. Apr 2018, 11:26

Re: HS und Asperger

Beitragvon Eving » Mi 4. Jul 2018, 10:51

Fräulein Fingerhut hat geschrieben:Dein Aspie-Wert: 149 von 200
Dein neurotypischer (nicht-autistischer) Wert: 54 von 200
Du bist sehr wahrscheinlich ein Aspie

Hm. Meine Therapeutin hat den Verdacht sogar mal geäußert. Mit dem gravierenden Unterschied, dass meine Empathie so groß ist, dass es fast schon belastend ist. Hm.


Ja - dein letzter Satz kommt mir auch manchmal so vor. (interessante Diskussion dieses Thema)

Mein Test:
Dein Aspie-Wert: 143 von 200
Dein neurotypischer (nicht-autistischer) Wert: 75 von 200
Du bist sehr wahrscheinlich ein Aspie

Hmmm - wobei ich solche Tests nicht immer zu viel Wert beimesse, weil man viele Fragen gar nicht so leicht und schnell so klar mit Ja-Nein beantworten kann. (Zudem haben die Testersteller vielleicht Interesse, dass dein Ergebnis so ausfällt, damit du dich weiter damit beschäftigst?)

Aber ich denke, dass ja beides: Asperger & HSP jeweils eine Abweichung von Normal / Durchschnitt darstellt.

Ich denke auch, dass Asperger & HSP viele Gemeinsamkeiten haben. (Kenne mind. 1 mittlerweile besser).
The main difference ist wohl: Asperger haben zu wenig Emotion und HSP haben zu viel Emotion.

eben - sooo viel Emotion, dass es schon belastend werden kann
Eving
Neuling
 
Beiträge: 26
Registriert: So 1. Jul 2018, 14:41

Re: HS und Asperger I

Beitragvon Hortensie » Do 21. Feb 2019, 13:38

hochschieb
pragmatisch und bodenständig
Hortensie
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 8325
Registriert: So 18. Mär 2012, 16:41
Wohnort: weit im Westen

Vorherige


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Wissenschaft und Forschung

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron