Introversion und HSP

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Re: Introversion und HSP

Beitragvon Jamania » Di 5. Feb 2019, 15:29

rene261 hat geschrieben:Introvertiert heißt:
Ich ziehe meine Kraft aus der Ruhe und aus mir selbst. Wenn ich k.o. bin, ziehe ich mich in mich selbst zurück und lade meine Akkus dort, aus mir selbst heraus, auf. Also sollten Inrovertierte in Situationen der Erschöpfung zu Rückzug neigen. Wie sie sich vorher verhalten, bevor sie neue Energie brauchen, dazu sollte ebenfalls keine Aussage möglich sein. Seine Kraft aus sich selbst zu ziehen heißt ja nicht, dass man nicht gesellig ist, wenn man denn genug Kraft hat. Es heißt nur, dass man es nicht ist, wenn man KEINE hat.


Introvertiert ist aber auch der Schüchterne, der sehr darunter leidet und sich ein anderes Leben wünscht, weil er den Kontakt zu anderen als Stimulus dringend braucht, schriebst du ja auch.

Also gibt es die Menschen, die sich zwar introvertiert verhalten, aber nur, weil sie die anderen Möglichkeiten nicht für sich nutzen können.
Am anderen Ende des Spektrums wären dann diejenigen, die sich vielleicht sogar extravertiert verhalten können (u.U. sogar gerne), aber ihre Ruhe, Schaffenskraft oder Energie eher aus sich selbst herausziehen.
Beides wären Introvertierte, aber sehr ähnlich sind sie sich nicht.

Die "gezwungen" Introvertierten erlebe ich häufig im Rahmen von HS.
Denn das gibt sowohl Erklärung als auch Rechtfertigung für mangelnde Handlungsmöglichkeit.
Durch ein Zuviel an Reizen wird erklärt, warum auch keine zufriedenstellende Interaktion mit anderen möglich ist.
Dabei kann Introversion, die als störend (bei sich selbst) wahrgenommen wird und die kein gutes Leben ermöglicht, viele Ursachen haben.
Unter Umständen auch viele, die sich trainieren oder therapieren ließen.

Da sehe ich dann die Parallelen wie du:
rene261 hat geschrieben:Was wir beobachten ist also exakt das selbe Verhalten wie bei HSP-lern, nämlich Rückzug, nur aufgrund von zwei verschiedenen Ursachen: Reizüberflutung einmal, fehlende Energie das andere mal.

Aber was ist Henne, was ist Ei?

rene261 hat geschrieben:Extravertiert zu sein heißt - so habe ich das verstanden - seine Kraft aus dem Zusammensein mit anderen Menschen zu ziehen. Wenn ich k.o. bin, begebe ich mich also in eine gesellige Runde und lade dadurch meine Akkus wieder auf. Vorstellen kann ich mir selbst nicht, wie das funktionieren kann. Falls es Extravertierte hier gibt - vielleicht kann es mir jemand erklären?

Vielleicht ist es bei einem anderen Beispiel einfacher.
Nimm einen Künstler oder Schriftsteller:
der eine setzt sich in ein Café, in dem es von Leuten nur so wimmelt und lässt sich inspirieren, wie sie aussehen, sich geben, miteinander umgehen und saugt diese Lebendigkeit förmlich auf, um sie nachher kreativ umzusetzen.
Der andere bleibt 2 Wochen ohne Menschenkontakt in einer einsame Waldhütte und kann seine Fantasie dort mal ungestört fließen lassen.
Er bekommt durch die Ruhe Zugriff auf all das, was in seinem Kopf gespeichert was an Bildern vorhanden ist.
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Re: Introversion und HSP

Beitragvon Erdbert » Di 5. Feb 2019, 16:14

rene261 hat geschrieben:
Introvertiert heißt:
Ich ziehe meine Kraft aus der Ruhe und aus mir selbst. Wenn ich k.o. bin, ziehe ich mich in mich selbst zurück und lade meine Akkus dort, aus mir selbst heraus, auf. Also sollten Inrovertierte in Situationen der Erschöpfung zu Rückzug neigen. Wie sie sich vorher verhalten, bevor sie neue Energie brauchen, dazu sollte ebenfalls keine Aussage möglich sein. Seine Kraft aus sich selbst zu ziehen heißt ja nicht, dass man nicht gesellig ist, wenn man denn genug Kraft hat. Es heißt nur, dass man es nicht ist, wenn man KEINE hat.

ergänzend dazu: erschöpfung ist für mich nicht immer der grund zu rückzug, sondern wenn mich etwas brennend interessiert, dem ich nur alleine nachgehen kann. es geht gar nicht so sehr um reserven, die aus sich selbst heraus aufgeladen müssen, sondern um konzentration auf viel spannendere dinge, wobei andere ablenken, da es sie gar nicht interessiert, was mir wichtig ist. das zieht man dann gedanklich alleine durch, aber dieses denken ist keineswegs eine ruhepause, sondern im gegenteil eine starke anstrengung, die sogar spass bereitet. bei introversion dreht sich nicht nur alles um die eigene person selbst und ein ruhebedürfnis, sondern um neugier, interesse und forschungsdrang. alleine geht es nun mal am besten.

rene261 hat geschrieben:Was wir beobachten ist also exakt das selbe Verhalten wie bei HSP-lern, nämlich Rückzug, nur aufgrund von zwei verschiedenen Ursachen: Reizüberflutung einmal, fehlende Energie das andere mal.
auf HSP gemünzt mag es möglich sein. introversion allgemein bedeutet keineswegs hauptsächlich ein kognitives ruhebedürfnis.

rene261 hat geschrieben:Schüchterne wiederum ziehen sich zurück, weil sie Angst vor dem Kontakt mit anderen Menschen haben, ohne dass es ihnen prinzipiell an der Kraft zu Kontakten mangeln würde.
Zu beobachten ist wieder Rückzug. Nur sind Ursache und Wirkung vertauscht.



deshalb funktioniert inroversion auch ohne schüchternheit.

es wir viel umgedeutet. wenn es bei HSP um kreativität geht, melden sich HSP mit alltagskreativität (small c), die jeder hat, zu wort. dabei habe ich es so verstanden dass big c von den HSP-Autoren gemeint ist. _nüxweiss_
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Re: Introversion und HSP

Beitragvon sol » Di 5. Feb 2019, 16:55

Jamania hat geschrieben:
rene261 hat geschrieben:Introvertiert heißt:
Ich ziehe meine Kraft aus der Ruhe und aus mir selbst. Wenn ich k.o. bin, ziehe ich mich in mich selbst zurück und lade meine Akkus dort, aus mir selbst heraus, auf. Also sollten Inrovertierte in Situationen der Erschöpfung zu Rückzug neigen. Wie sie sich vorher verhalten, bevor sie neue Energie brauchen, dazu sollte ebenfalls keine Aussage möglich sein. Seine Kraft aus sich selbst zu ziehen heißt ja nicht, dass man nicht gesellig ist, wenn man denn genug Kraft hat. Es heißt nur, dass man es nicht ist, wenn man KEINE hat.


Introvertiert ist aber auch der Schüchterne, der sehr darunter leidet und sich ein anderes Leben wünscht, weil er den Kontakt zu anderen als Stimulus dringend braucht, schriebst du ja auch.

Also gibt es die Menschen, die sich zwar introvertiert verhalten, aber nur, weil sie die anderen Möglichkeiten nicht für sich nutzen können.
Am anderen Ende des Spektrums wären dann diejenigen, die sich vielleicht sogar extravertiert verhalten können (u.U. sogar gerne), aber ihre Ruhe, Schaffenskraft oder Energie eher aus sich selbst herausziehen.
Beides wären Introvertierte, aber sehr ähnlich sind sie sich nicht.

Die "gezwungen" Introvertierten erlebe ich häufig im Rahmen von HS.
Denn das gibt sowohl Erklärung als auch Rechtfertigung für mangelnde Handlungsmöglichkeit.
Durch ein Zuviel an Reizen wird erklärt, warum auch keine zufriedenstellende Interaktion mit anderen möglich ist.
Dabei kann Introversion, die als störend (bei sich selbst) wahrgenommen wird und die kein gutes Leben ermöglicht, viele Ursachen haben.
Unter Umständen auch viele, die sich trainieren oder therapieren ließen.


Das finde ich ganz zentral: Die gezwungen Introvertierten aufgrund von Schüchternheit oder HS, die sich nur deshalb zurückziehen m ü s s e n, weil sie die andere Situation überfordert!

Eigentlich dürfte man diese gar nicht Introvertierte nennen, denn wie @Erdbert schon ganz wichtig beschreibt, bedeutet Rückzug für Introvertierte weit mehr als Krafttanken im Sinne von Regeneration und Ruheort.
Für Introvertierte ist der Rückzug ebenso Ort und Quelle und Voraussetzung für Inspiration, Leistung, Stimmigkeit, Selbstausdruck uvm.

In dem Sinne sind erzwungen Introvertierte doppelt betroffen: Wegen Schüchternheit oder HS sind sie in geselligen Situationen überfordert, aus dem erzwungenen Rückzug ziehen sie aber keine Inspiration, Leistung, Stimmigkeit, Selbstausdruck - also doppelte Handlungsbremse!

Hoffentlich betrifft das nicht viele!

Ich bin nun nach euren letzten tollen Beiträgen hier sicher, wirklich introvertiert zu sein, denn nirgendwo ist soviel los wie im Rückzug in jeder Hinsicht!


Jamania hat geschrieben:
rene261 hat geschrieben:Extravertiert zu sein heißt - so habe ich das verstanden - seine Kraft aus dem Zusammensein mit anderen Menschen zu ziehen. Wenn ich k.o. bin, begebe ich mich also in eine gesellige Runde und lade dadurch meine Akkus wieder auf. Vorstellen kann ich mir selbst nicht, wie das funktionieren kann. Falls es Extravertierte hier gibt - vielleicht kann es mir jemand erklären?

Vielleicht ist es bei einem anderen Beispiel einfacher.
Nimm einen Künstler oder Schriftsteller:
der eine setzt sich in ein Café, in dem es von Leuten nur so wimmelt und lässt sich inspirieren, wie sie aussehen, sich geben, miteinander umgehen und saugt diese Lebendigkeit förmlich auf, um sie nachher kreativ umzusetzen.
Der andere bleibt 2 Wochen ohne Menschenkontakt in einer einsame Waldhütte und kann seine Fantasie dort mal ungestört fließen lassen.
Er bekommt durch die Ruhe Zugriff auf all das, was in seinem Kopf gespeichert was an Bildern vorhanden ist.



Absolut! So ist es! Und nun stellen wir uns vor, Typus A, der Extrovertierte, braucht die gesellige Runde nicht nur, um seine Kraft wieder aufzuladen, sondern auch als Ort, sich ganz und stimmig zu fühlen und um überhaupt in der Runde seine Ideen und Beobachtungen zu bekommen, die der Introvertierte aus sich heraus zieht allein.

Der Extrovertierte empfängt all dies von außen und schreibt darum nur in Cafes und Kneipen. Daheim in Ruhe wird er kribbelig und fällt ihm nichts ein.

Und nun stelle ich mir vor, das würde er aufgrund von HS aber nicht aushalten! Dann fällt ihm womöglich nirgendwo etwas ein, denn der Rückzug ist ja nur eine Art Krankenbett für ihn und nicht Ort der Inspiration und Selbstentfaltung.

Wie @rene261 schon schrieb, kann das ziemlich katastrophal werden, denn nirgendwo ist dann der richtige Ort.

So ging es mir auch lange, denn obwohl introvertiert war mein Hauptinteressensfeld das Leben mit meinen Mitmenschen und alle anliegenden Lebensaufgaben und -phasen.Ich war von Menschen fasziniert und suchte ihre Nähe und wollte nichts verpassen! Verarbeiten und Auswerten geschah in der Stille alleine.

Aber die Geselligkeit vertrug ich eben nicht. Und das hielt ich auch, wenn ich gesund bleiben wollte, maximal halbtags aus.

Also ging der Krug eben solange zum Brunnen, bis er brach: Bis meine Gesundheit nicht mehr mitmachte. Auch das hat rene261 schon ganz zutreffend beschrieben meiner Meinung nach, denn auch wir Introvertierten können gesellig sein.
Wenn wir z.B. ganz und gar nicht schüchtern, sondern Draufgänger sind und zudem sehr neugierig. Das ist schon eine auszehrende Mischung. _pff_
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Re: Introversion und HSP

Beitragvon izmi » Di 5. Feb 2019, 23:15

Ja, auf jedem Fall. So viel Anregung, wie ich mir für mich wünsche, kann ich halt nicht ab. Das zu akzeptieren für mich und bereit zu werden, danach zu handeln, das ist meine tägliche Herausforderung.
_panik_
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