Narzisst als HSP ?

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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Fr 27. Apr 2018, 22:34

Jamania hat geschrieben:Schaffen wir das im Schlaraffenland der vielen Möglichkeiten und freien Wahl oder braucht der Mensch dazu Verordnung zur sozialen Struktur und lieber wieder Besinnung auf Althergebrachtes (auf die "guten" Werte im Gegensatz zu den neuen, die nur schlecht sein können), damit er nicht zum Narzissten wird?


Hallo Jamania und alle, :-)

nehmen wir den Begriff „Verordnung“ mal aus dem medizinischen Bereich als Rezept zur Förderung von Gesundung.
Da würde ich meinen, dass einem übertrieben individualisierten Ansatz (der u. a. Narzissmus begünstigend wirkt) die Besinnung auf gemeinschaftliche Werte und soziales Denken als Verordnung guttun würde.
Und umgekehrt in einem starren Modell kollektivistischer Prägung wäre es ganz sicher vorteilhaft, das Individuelle und die freie Wahl zum Zuge kommen zu lassen.
Allerdings lebe ich ja hier in ersterem gesellschaftlichen Rahmen, und dem täten nach meiner Meinung Ego-gegenläufige Strömungen besser als ein Weiter-und-Schlimmer-so in allen Facetten bis hin zum Narzissmus (dann womöglich auch bis hinein in den von dir angesprochenen Kontext von Beziehungen).
Ich persönlich denke, dass durch soziale Verbindungen von Einzel-Individuen Vielfalt nicht reduziert, sondern angereichert wird. – Mein favorisiertes Modell. icon_winkle

(Wer jetzt moniert, dass der Bezug zum Titel verloren geht, bitte einfach den letzten Absatz in meinem letzten Post noch mal lesen, gilt immer noch).

@ Maik: Der Satz hat mir u. a. gefallen:
Rakete hat geschrieben:Keine Ahnung, manchmal weiß ich einfach garnichts mehr. Und der Zustand ist nicht schön.

So geht’s mir auch oft! Sortiert sich dann manchmal erst nach geraumer Zeit oder auch nicht. _gruebel_

Viele Grüße an alle! :-)
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Fuchur » Fr 27. Apr 2018, 23:27

iwikx
Den Text habe ich vorgeschrieben und gespeichert, daher ist der Bezug vielleicht nicht mehr ganz aktuell.

Jamania:
Das Label HS kann sich jeder anheften, der sich davon angesprochen fühlt, valide Untersuchungen gibt es nicht.
Angesprochen fühlt man sich in der Regel, wenn man sich wiederzuerkennen meint oder sich auf einmal Verhalten erklären kann, das einem vorher ein Rätsel war.
Das war's schon.


Ja, das war mir auch bekannt. An Problemen durch HS ändert sich daher aber nichts, nur wenn man sich darin wiedererkennt. Wenn der Leidensdruck hoch ist, geht man sicher zum Psychologen oder Arzt.
Ich habe mir beim Konzept HS auch das zusammen gesucht, was auf mich und auch ein paar Menschen meines Umfelds zutrifft. Meine Beschwerden sind allerdings bestimmt nicht hauptsächlich auf HS zurückzuführen gewesen, sondern auf den Umgang damit.

Jamania:
Die Erleichterung von der immer wieder geschrieben wird, wenn Menschen auf HS stoßen hat wohl zu einem großen Teil genau damit zu tun, dass bis dato unerkannte oder an sich nicht so gern gesehene Probleme auf einmal einen ganz wunderbaren Rahmen bekommen: Überreizung
Und die soll auch noch einher gehen mit mehr Empathie, höherem Gerechtigkeitssinn, mehr Kreativität, tiefgründigerem Denken...

Zugegeben, zu der damaligen Überreizung=Konzentrationsprobleme habe ich mir auch welche der o.g. Zusatzpunkte herausgepickt... Allerdings bin ich auch schon lange auf der Suche, was für meine Überreizung der Hauptgrund sein könnte. Vieles weiß ich schon, passt nur nicht hier hin.

Jamania:
Dazu kommt, dass im Konstrukt die Menschen tatsächlich verkindlicht werden.
Das machen sie meist selber, sie wollen sich und andere vor der harten Realität (die mit den bösen Reizen) schützen und damit trifft für mich dein Bild vom Jugendlichen, der zuhause Kakao trinkt.
Die HSP, die sich mehrheitlich vom Konstrukt angezogen fühlen, wünschen sich wohl eher Behütung und liebevolle Führung, keine aktive Problemlösung oder handfeste Sachlagen, an denen sich weiter erforschen ließe, wie man sein Leben besser machen könnte.


Komisch, dass ausgerechnet ein Student der Psychologie* einen solchen Blog betreibt, denn irgendwie unterstützt er damit indirekt ja Unmündigkeit. Gerade er müsste doch umso differenzierter um das Thema wissen und sachlicher schreiben, anstatt so emotional und vereinnahmend. Jetzt könnte man seinen Schreibstil wohlwollend als einfühlsam interpretieren, aber auch als nicht gerade reflektiert. Bei mir hinterlässt der Blog jedenfalls ein komisches undefinierbares Gefühl von Verunsicherung.
Bezug/Quelle: *(https://hspdeutschland.com/2016/09/24/h ... arzissmus/), Hauptseite: https://hspdeutschland.com/ueber-hsp-deutschland/
Autor: "David Mitzkat
Stud. Bsc. Psychologie"; Stand 2015

Jamania:
Das Konstrukt streichelt die geplagte Seele, was ja durchaus mal schön sein kann und gut tut (deshalb fühlen sich auch die geplagten Seelen von ihm angezogen, die anderen eher weniger).
Ohne Differenzierung (und die gibt es von oben nicht, das passiert wenn überhaupt, dann (gegen viel Widerstand) an der Basis.
Es füttert derart oberflächlich m.M. nach die defensive Art des Narzissmus, die sich vom grandiosen Narzissmus abgrenzt, und zwar damit ein guter, wenn nicht besserer Mensch als die "Normalen" zu sein, der so bleiben darf wie er ist, weil man ja lediglich überreizt ist, wenn man mit bestimmten Dingen nicht klarkommt oder Empfindlichkeiten auch auf Kosten anderer ausagiert.

Dieser abgeleitete Narzissmus erinnert mich an eine Bekannte, die während der Psychotherapie auf einmal sehr übertrieben egoistisch wurde. Es war so, als wollte sie endlich mal ihre Grenzen austesten, denn vorher waren es immer die anderen, die sie ausgenutzt. Ich denke, für eine gewisse Zeit ist das auch normal, denn Therapie macht ja etwas mit einem, daher kann Verhalten zunächst mal von einem Extrem ins andere umschlagen und auch narzisstisch rüberkommen. Wichtig ist, dass es sich ausgleicht, sonst sind weitere Schwierigkeiten im Umgang auch vorprogrammiert.

Den obigen Text habe ich vor ein paar Tagen vorgeschrieben, teilweise umgeschrieben und gespeichert. Heute las ich:
Anima:
nehmen wir den Begriff „Verordnung“ mal aus dem medizinischen Bereich als Rezept zur Förderung von Gesundung.
Da würde ich meinen, dass einem übertrieben individualisierten Ansatz (der u. a. Narzissmus begünstigend wirkt) die Besinnung auf gemeinschaftliche Werte und soziales Denken als Verordnung guttun würde.
Und umgekehrt in einem starren Modell kollektivistischer Prägung wäre es ganz sicher vorteilhaft, das Individuelle und die freie Wahl zum Zuge kommen zu lassen.

Es gibt den Begriff „Krankheitsgewinn“. Ich glaube, er stammt ursprünglich aus der Pflegewissenschaft. Es geht darum, dass Kranke, Alte, Behinderte usw. aus ihrer Erkrankung einen Nutzen ziehen, der vom eigenen Zutun zur Genesung ablenkt. Man ruht sich auf seiner Erkrankung aus. Das ist sehr menschlich, geht aber auf Kosten anderer und könnte man auch als eine Art „sekundären Narzissmus“ beschreiben. Genauer hier beschrieben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Krankheitsgewinn
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 28. Apr 2018, 09:31

Fuchur hat geschrieben:.
Es gibt den Begriff „Krankheitsgewinn“. Ich glaube, er stammt ursprünglich aus der Pflegewissenschaft. Es geht darum, dass Kranke, Alte, Behinderte usw. aus ihrer Erkrankung einen Nutzen ziehen, der vom eigenen Zutun zur Genesung ablenkt. Man ruht sich auf seiner Erkrankung aus. Das ist sehr menschlich, geht aber auf Kosten anderer und könnte man auch als eine Art „sekundären Narzissmus“ beschreiben.

Nur ganz kurz dazu:
Ja, das sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.

Im Umkehrschluss könnte dies allerdings auch bedeuten: Alte, Behinderte und Kranke sind selbst schuld an ihrer Situation und sollen sich nicht auf Kosten anderer (z. B. Gesunder) ausruhen. – Vielleicht auch wiederum ein willfähriges Argument, dem eigenen primären Narzissmus zu frönen?

Habe so den Verdacht, dass letzteres so gesehen häufiger geschieht als das andere Szenario, aber kann mich täuschen. _nüxweiss_
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Fuchur » Sa 28. Apr 2018, 14:02

Jamania hat geschrieben:Als wären wir nicht dazu in der Lage stabile Beziehungen zu führen und immer nur von den Verführungen abgelenkt werden.

Aber ist das wirklich so, oder geht es den meisten nicht trotzdem weiterhin um ehrliche und liebevolle Beziehungen, allerdings nicht mehr verordnet wie früher, sondern jetzt mit dem Luxus (oder mit der Bürde) der Vielfalt und Individualität.
Mit dem Anspruch eben doch besser zu sein als das, was davor war.
Mit einem Sprung von hier nach da geht das aber wohl nicht, es muss ausprobiert, gelernt und geübt werden.
Erst dann entstehen vielleicht wieder neue und andere Modelle, die dem auch gerechter werden, was sich um uns herum getan hat.

Den Alltagsnarzissmus sieht man an vielen Stellen, finde ich. Der Selfie-Wahn bei Facebook oder auch auch in Dating-Portalen. Jeder muss immer aktiv sein, bloß nicht zugeben, dass man auch mal faul auf dem Sofa rumgammelt. Oder auch total originell und immer zufrieden. Schaut man hinter die Fassade, ist da oft gähnende Langeweile, Traurigkeit und Angepasstheit. Ich kenne es so von Datingportalen und Freunde sehen es ähnlich. Die Menschen geben sich als etwas, das sie nicht sind - und das ist nicht nur die normale Hervorhebung der Schokoladenseite, sondern gestellt und übertrieben. Schwächen werden gar nicht gezeigt. Ein Freund sagt, die Frauen, die er bisher kennengelernt hat, sind alle egomanisch und durchgeknallt, aber nicht originell und kreativ, sondern aufgesetzt. Ähnlich ging es mir in Datingforen. Oder bei Bewerbungen: Jemand schreibt, er könne drei Sprachen, aber am Ende stellt sich heraus, dass es sich eher um Begrüßungsfloskeln aus dem Urlaubswörterbuch handelt....
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Fuchur » Fr 11. Mai 2018, 13:56

Anders hat geschrieben:Wenn man im Internet "Narzissmus Häufigkeit" eingibt, kommen vereinzelt geschätzte Angaben (es wird von ca. 0,5% pathologische Narzissten und 1-2% Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitszügen ausgegangen) Aber es ist selten das eine narzisstische Person tatsächlich ärztlich diagnostiziert wird. Dafür bräuchte es eine Krankheitseinsicht der narzisstischen Person, was sehr selten vorkommt.

iwikx

Nach mehreren Angaben die ich im Netz über HS zusammengesucht habe, geht man zwischen 10% und 20% aus.

Die Beiträge hier sind schon etwas älter und ich dachte zuletzt, ich versuche erst selber, meine Fragen zu beatworten. Leider bin ich nicht weiter gekommen und sehe vielleicht den Wald vor lauter Bäumen nicht oder es ist so offensichtlich und einfach, dass es noch niemand angesprochen hat? Wie würde sich mathematisch-logisch-statistisch betrachtet dieser geringe Anteil Narzissten auf den höheren Anteil an HSP verteilen, oder gibt es noch eine andere Möglichkeit, intuitiv-kreativ...? Man geht doch von Normalverteilung aus, oder nicht? _gruebel_

Wenn es in der Natur der Sache liegt, dass ausgerechnet HSP oft Opfer von Narzissten sind - wie es auch in dem Link steht oder auch hier so scheint - dann muss schon ein mehr als zufälliger Zufall vorliegen, dass ausgerechnet jemand mit HS mehrere Narzissten anzieht. Das würde auch bedeuten, dass eine weitere HSP sich die Narzissten mit einer anderen HSP teilt, da es gar nicht so viele Narzissten gibt wie HSP.

Oder spielt die Dunkelziffer an Narzissten, die jedoch nur von HSP erkannt werden kann, eine wichtige Rolle?
Warum sollen HSP Spürnasen sein, dass sie Narzissten so zahlreich entlarven und erkennen? Sind sie selbst mit Narzissten aufgewachsen oder dadurch sogar selbst narzisstisch geworden und erkennen HSP sich einfach nur in anderen wieder, wenn sie meinen, sehr viele Narzissten um sich zu haben?

Wenn HSP Narzissten automatisch-intuitiv erkennen, so müssten sie entweder über psychologisches Wissen verfügen oder durch Narzissten traumatisiert sein. Oder eher sowohl als auch? Oder ist diese Begabung ebenfalls angeboren? _nüxweiss_
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Velvet » Sa 12. Mai 2018, 07:00

Hallo Fuchur,


Zitat Fuchur:
Oder spielt die Dunkelziffer an Narzissten, die jedoch nur von HSP erkannt werden kann, eine wichtige Rolle?
Warum sollen HSP Spürnasen sein, dass sie Narzissten so zahlreich entlarven und erkennen?


Ich bin mir sehr sicher, dass der Prozentsatz der Menschen, die an einer NPS erkrankt sind, weitaus höher liegt als in den Statistiken angegeben. Wie und wo sollten sie auch statistisch erfasst werden, wenn sie sich selbst als völlig gesund und normal einschätzen? Es sind ja immer die anderen, die krank sind und zum Arzt oder Psychologen sollten.

Wenn HSP besonders begabt wären, krankhaft-narzisstische Störungsbilder zu erkennen, würden sie wahrscheinlich einen Bogen um solche Menschen machen und sich nicht auf sie einlassen.

Ich kann mir vorstellen, dass eine gewisse Anziehung tatsächlich damit zusammenhängt, dass mehr Menschen als man glauben mag in krankhaft! narzisstischen Familienstrukturen aufgewachsen sind. Ich betone immer wieder das Krankhafte, weil ich den Eindruck habe, dass es ein bisschen durcheinander geht, was die Definitionen von Narzisstischer Persönlichkeitsstörung und u.a. verschiedenartig ausgeprägter Egozentrik/Egoismus etc. angeht. Da gibt es mMn große Unterschiede vor allem in Auswirkung und Nachhaltigkeit auf die Betroffenen/Geschädigten und deren Leben, die mit solchen Menschen und der Thematik in Kontakt waren/sind/sein mussten.
Und, nicht jeder, der damit in Berührung kam, erkrankt ebenfalls an einer NPS, da gibt es vielzählige andere Folgeschäden.

Die Tragik in meinen Augen ist, dass Mensch sich immer wieder PartnerInnen sucht, die (emotional) seinen Eltern ähneln und die in der Kindheit geprägten Mechanismen bedienen.

Zum einen kennt man sich damit aus, zum anderen steckt dahinter der Wunsch, wenigstens von einem im Verhalten ähnlichen Menschen endlich doch noch die Anerkennung und Liebe zu bekommen, die von den "wahren" Eltern versagt wurde/wird.

In solch´einer Partnerschaft kann man sich nochmal richtig anstrengen, ganz Vieles besser machen von all dem, wovon man glaubte, dass es _die_ Fehler waren, die verhindert haben, dass die Eltern einen vorbehaltlos lieben konnten.

Und geht eine derartig angelegte Partnerschaft zu Bruch, lag es wieder nur an einem selbst und dass man nicht genug investiert hat, wieder Fehler gemacht etcpp. ...dann eben beim nächsten Mal und wieder ähnlichem(r) PartnerIn... so wiederholen sich die Kindheitserfahrungen in der Hoffnung, man könne sie endlich zum Guten beeinflussen....
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Fuchur » Do 17. Mai 2018, 11:45

Velvet hat geschrieben:Ich bin mir sehr sicher, dass der Prozentsatz der Menschen, die an einer NPS erkrankt sind, weitaus höher liegt als in den Statistiken angegeben. Wie und wo sollten sie auch statistisch erfasst werden, wenn sie sich selbst als völlig gesund und normal einschätzen? Es sind ja immer die anderen, die krank sind und zum Arzt oder Psychologen sollten.

iwikx

Das vermute ich auch. Allerdings kann es als Opfer nicht schaden, wenn man eine Therapie macht, auch wenn natürlich der Narzisst in erster Linie dort hingehört.
Wie du noch schreibst, können sich bestimmte wehrlose Menschen wie Kinder aus diesen Familienstrukturen schlecht lösen oder erkennen das falsche Verhalten gar nicht, da sie keinen Vergleich zu gesunden Beziehungen haben. Später wiederholen sie in ihrem eigenen Leben diese Muster. Ich hatte damals in der Schule ein halbes Jahr Pädagogik und vor lauter Langeweile unterm Tisch einiges von Alice Miller gelesen. In ihren Büchern geht es um diese Thematik.

Velvet hat geschrieben:Wenn HSP besonders begabt wären, krankhaft-narzisstische Störungsbilder zu erkennen, würden sie wahrscheinlich einen Bogen um solche Menschen machen und sich nicht auf sie einlassen.


Aufgrund der erhöhten Wahrnehmung und Empathie die man HSP nachsagt, bestimmt. Es ist jedoch von meiner Seite nicht zu Ende gedacht. Wenn man die Opfer von krankhaften Narzissten nun auf HS bezieht, sind sie dann durch das Trauma hochsensibel geworden oder ist es eine Überempfindlichkeit, der man den Namen HSP-Charakter gibt, da es positiver klingt? Ich vermute, dass auch nicht-hochsensible Kinder von narzisstischen Eltern traumatisiert und dadurch überempfindlich/hochsensibel werden können. Wären also angeboren hochsensible Kinder in der gleichen Situation stärker traumatisiert als normale? Das würde wieder auf eine Grundsatzfrage hinauslaufen: Ist HS ein schönerer Ausdruck für durch Trauma belastete Menschen oder psychische Erkrankungen? (Und wünscht sich infolge dessen auch einen hochsensiblen Psychotherapeuten, weil die anderen ihn angeblich nicht "verstehen"? Also, ein Aspi wünscht oder fordert sich doch auch keine Lehrer, Therapeuten usw. die selbst an Asperger leiden? Ich finde das ehrlich gesagt unrealistisch, da die Wahrscheinlichkeit gegen Null geht. smuld )

Dazu fällt mir folgendes ein: ich habe mal einen Drehbuchautor gefragt, ob er diese ganzen Psyche-Themen so gut nachvollziehen und beschreiben kann, weil er selbst betroffen ist. Er verneinte und sagte, er interessiert sich schon lange dafür und habe sich das alles angelesen, dies sei sozusagen sein Handwerkszeug, das er dann kreativ-fiktiv umsetzt. Worauf ich hinaus will, ist dieser Mann, da er sich in die Psyche anderer empathisch hineinversetzen kann und kreativ damit arbeitet eher hochsensibel als ein traumatisierter Mensch, der hochsensibel als anderes Wort für psychisch belastet benutzt? Mir ist klar, dass die Frage evt. leicht ketzerisch rüberkommt, doch für mich bedeutet HS viel mehr als Trauma und Belastung durch Reizüberflutung. Vieles, was man über HS ließt, ist eher negativ. Nach meinem subjektiven Empfinden gibt es weniger Positives zu lesen, oder es sind eben ganz alltägliche Dinge, die mit HS in Verbindung gebracht werden, und die ich nicht nachvollziehen kann.

Ich habe mir diese Fragen gestellt, da einige Postings hier und im weiteren Forum mir suggerieren, dass manche HSP sich selber als Charakterspürnasen für böses verstehen und sehr viel Erfahrung mit bösen Menschen gemacht haben. Irgendwie eher destruktiv, statt hochsensibel. Vielleicht täusche ich mich aber auch. smuld
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Velvet » Fr 1. Jun 2018, 07:19

Hi Fuchur,

spät, aber dennoch :).

Zitat Fuchur:
Worauf ich hinaus will, ist dieser Mann, da er sich in die Psyche anderer empathisch hineinversetzen kann und kreativ damit arbeitet eher hochsensibel als ein traumatisierter Mensch, der hochsensibel als anderes Wort für psychisch belastet benutzt? Mir ist klar, dass die Frage evt. leicht ketzerisch rüberkommt, doch für mich bedeutet HS viel mehr als Trauma und Belastung durch Reizüberflutung.



Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich dein Anliegen und auch deine Frage nicht so richtig. Was ist für dich ein "hochsensibler" Mensch? Wahrscheinlich auch für jeden etwas anderes.

Empathische Menschen müssen mMn nicht zwingend hochsensibel sein. Für mich haben charakterliche Eigenschaften null mit besonders- oder weniger ausgeprägter- Sensibilität zu tun. Wenn dich z.B. ein kratziger, enger Pullover verrückt macht, du Gerüche wahrnimmst, die anderen nicht auffallen, dich Menschenmengen beängstigen...heißt das dann, dass man ein total einfühlsamer, emotional intelligenter, besonders sozialer Mensch ist? Ich verstehe die ganzen Zusammenhänge einfach nicht. Hochsensibilität...mir ist das Licht zu grell, ich habe "böse" Vorahnungen, ich mags lieber kalt als warm, ich habe Angst vor dem Urteil anderer Menschen, mir ist die Stadt zu laut...in welchem Zusammenhang siehst du das, was ja wohl Hochsensibilität beschreibt, mit dem Charakter eines Menschen?

Es gibt einen Haufen extrem charakterlich abstoßende Menschen, so, wie es genauso viele charakterlich unglaublich anziehende Menschen gibt (Und auch da wird jeder Einzelne wieder ganz eigene Abneigungen und Vorlieben haben). Meiner Erfahrung nach durch sämtliche emotionale/soziale Bandbreiten hindurch, mit oder ohne Trauma, mit oder ohne Folgestörungen, ganz oder gebrochen.
Der eine lichtscheu, der andere Sonnenanbeter, der eine besonders mitfühlend, ein anderer darin limitiert, den einen stört die Fliege an der Wand, der andere mag es laut und nervenkitzlig. Oder alles zusammen, vielleicht auch gar nichts von alledem.

Weiß nicht, ob du weißt, wie ich´s meine? ... vielleicht verstehe ich dich auch falsch.


Und noch eine Anmerkung zum Drehbuchautor an sich: vielleicht hast du da auch eine _sehr_ private Frage gestellt. Würde mir diese Frage gestellt, würde ich, wenn, nun auch nicht gleich mein eigenes Trauma zum Gesprächsthema machen wollen....nur so ein Gedanke von mir...kann möglich sein, muss nicht...


Zitat Fuchur:
Irgendwie eher destruktiv, statt hochsensibel.



Das hört sich für mich so an, als wäre destruktiv sein das Gegenteil von hochsensibel sein? Und das eine würde das andere ausschließen? Meinst/siehst du das so?



Viele Grüße
Velvet
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Anders » Fr 8. Jun 2018, 08:08

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Im Umkehrschluss könnte dies allerdings auch bedeuten: Alte, Behinderte und Kranke sind selbst schuld an ihrer Situation und sollen sich nicht auf Kosten anderer (z. B. Gesunder) ausruhen.

Ähm, wie ist die Aussage denn zu verstehen? _gruebel_
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Re: Narzisst als HSP ?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Fr 8. Jun 2018, 08:20

Anders hat geschrieben:
Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Im Umkehrschluss könnte dies allerdings auch bedeuten: Alte, Behinderte und Kranke sind selbst schuld an ihrer Situation und sollen sich nicht auf Kosten anderer (z. B. Gesunder) ausruhen.

Ähm, wie ist die Aussage denn zu verstehen? _gruebel_


Es war eine Antwort auf Fuchurs Anmerkung zum Krankheitsgewinn.
Was genau verstehst du nicht: den einzelnen Satz oder den Zusammenhang? - Denn: Der Satz ist nur aus dem Zusammenhang heraus zu verstehen.
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