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Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Di 5. Feb 2019, 21:06
von SpirituellerTouch
Hallo :)

bin neu hier.

Ich möchte Zeugnis geben darüber dass ich ab einem Punkt in meinem Leben mein Leben Gott gab. Einfach nur Gott dem Allmächtigen unabhängig jeglicher Religion. Und siehe da ich bekam Visionen von Jesus.

Auch Erinnerungen an frühere Leben. Um es kurz zu machen: Gott erklärte mir warum die Bibel falsch geschrieben ist und die Kirche die Reinkarnation verneint. Für mich ist nun beides Wahr Jesus Gott, Kirche und Reinkarnation :)

Das ist mein besonderer spiritueller Weg gewesen. Ich bin von Gottes Existenz sehr überzeugt.

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Fr 24. Mai 2019, 10:55
von Kiesel
Hej,
bin auch neu hier. Find ich sehr interessant was du schreibst.Magst du es mir vielleicht ein bisschen genauer erzaehlen? Ich hab vor drei Wochen ein ziemlich starkes Erlebniss gehabt und mir ist einiges klar geworden. Das die Liebe den freien Willen braucht. Das man das Boese umarmen muss, damit es sich zu Leid verwandeln kann. Das man das Leid umarmen muss, damit es sich zu Liebe verwandeln kann. Das die tiefste Liebe die es gibt, die Hingabe ist.
Das das der Sinn des Lebens ist diese Liebe zu erfahren und zu leben. Das Gott diese Liebe ist. Totale Hingabe. Wie Jesus am Kreuz, der das ganze Boese der Welt umarmt. Sich ganz hingibt. Ich hab Angst vor dieser Liebe, weil sie so gross ist und ich so wahnsinnig schwach und klein. Ich wuerde mich wirklich gerne mit jemanden darueber austauschen, weil ich Angst habe alleine damit zu sein.

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Mi 29. Mai 2019, 09:29
von Velvet
Hallo Kiesel,

ich bin zwar nicht "Spiritueller Touch", ich finde aber deinen Beitrag interessant und habe einige Überlegungen, Gedanken und vielleicht auch Fragen dazu. Wenn du nicht magst, brauchst du mir ja einfach nicht antworten :)

Ich bin selbst nicht religiös, nicht im klassischen Sinne, und würde mich nie einer bestimmten etablierten Kirchenreligion anschließen. Das heißt jedoch nicht, dass ich nicht auch an so einiges glaube. Und mir gern viele Gedanken zu Themen mache, die du in deinem Beitrag ansprichst. Freier Wille, Leid, Liebe, Hingabe, das Böse, die Angst, der Sinn des Lebens, Gott…

Das sind ja alles große Worte, aufgeladen mit Unmengen verschiedener Assoziationen, Vorstellungen, Interpretationen, Emotionen...man könnte wohl zu jedem einzelnen Begriff sehr lange schreiben und erzählen.

Kiesel hat geschrieben:Das das der Sinn des Lebens ist diese Liebe zu erfahren und zu leben. Das Gott diese Liebe ist. Totale Hingabe. Wie Jesus am Kreuz, der das ganze Boese der Welt umarmt. Sich ganz hingibt. Ich hab Angst vor dieser Liebe, weil sie so gross ist und ich so wahnsinnig schwach und klein. Ich wuerde mich wirklich gerne mit jemanden darueber austauschen, weil ich Angst habe alleine damit zu sein.


Als ich deinen vorletzten Satz im Zitat las, dass du Angst vor der Liebe hast, fiel mir ein Satz ein, den ich vor einigen Jahren mal auf einem Grabstein gelesen habe. Da stand: „Furcht ist nicht in der Liebe“

(Ich weiß erst seit kurzem, dass es ein Bibelzitat ist. Aus: 1.Johannes 4
18) Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. )


Nun habe ich es weder mit der Bibel, noch, wie gesagt, gehöre ich irgend einer Religionsgemeinschaft an. Dieser eine Satz auf dem Grabstein hat mich damals tief getroffen und er begleitet mich und hilft mir bis heute.

Ich denke, dass es keinen Menschen gibt, der jemals zu klein oder zu schwach wäre, um zu lieben oder Liebe zu empfangen. Ich verstehe nicht so ganz deine Vorstellung von Liebe, wenn du sie als „zu groß“ bemessen kannst. Ich denke, jeder, der möchte, kann sich geliebt fühlen oder lieben, da gibt es keine Auswahlkriterien, wer soll die treffen? Wonach berechnen? Liebe ist für mich eine Energie. Von der kann ich nehmen, geben oder auch mich getrennt von ihr fühlen. Da ist sie trotzdem. Einfach so. In sie kann ich mich fallen lassen, oder mich vor ihr fürchten. Dadurch verändert sich die Energie ja aber nicht, ihre Stärke und ihre Kraft.

Gerade wenn ich mich klein, schwach und ängstlich fühle versuche ich, mir bewusst zu machen, dass das lediglich meine Gedanken über mich sind, die ich auch noch glaube. Ich könnte genau so gut denken, ich werde geliebt, egal wie ich bin und egal auch von wem. Liebe hat keine Bedingungen. Sie tut einfach nur gut, kann Kraft und Stärke geben, Geborgenheit und Sicherheit.

Das Menschen Angst vor dem Geliebtwerden und dem Lieben haben, hat nichts mit der Liebe an sich zu tun.
Sondern mit dem, was sie als Kind als „Liebe“ erfahren haben, was ihnen die Gesellschaft und vor allem die Kirchen vorgeben, was Liebe wäre und zu sein hat. Wir haben alle Liebe in uns. Sie ist kostenlos und muss durch nichts verdient, erarbeitet und schon gar nicht erlitten werden.
Da ist niemand, der sie uns unter bestimmten Bedingungen und nach verschieden festgelegten Kriterien zuteilt, weil sie niemandem gehören kann. Sie ist einfach da. Immer. Außen wie Innen. Und sie ist für uns alle.

...mein ganz persönliches Fühlen und Denken dazu…

Viele Grüße
Velvet

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Mi 29. Mai 2019, 18:19
von Moondream
Hallo,

ich bin heute auf diesen interessanten Thred gestoßen, und möchte vielleicht ein paar Gedanken dazu beitragen.

Das meiste, das ich dazu sagen möchte hat Velvet im Prinzip schon ausgedrückt, vielleicht besser als ich das könnte.

Ich möchte aber vielleicht kurz beschreiben, wie ich an diese Thematik herangehe.

Zunächst einmal, ich wurde atheistisch erzogen und gehöre keiner Glaubensrichtung/Religion im engeren Sinne an. Allerdings liefert meist weder der Atheismus, noch die klassische Religion zufriedenstellende Antworten auf meine Fragen. Und die wohl wichtigste Frage, die viele Menschen beschäftigt, ist die Frage ob es Gott gibt. Um ehrlich zu sein, ich weiß es auch nicht. Und kann es auch nicht wissen, so wie es niemand wissen kann.

Deswegen habe ich für mich einen agnostischen Ansatz gewählt: 'Ich weiß nicht ob es einen (den?) Gott gibt, aber ich glaube auch nicht das es einen Gott im klassischen Sinne gibt.' Wobei ich dabei nicht gern von Gott spreche sondern von einer höheren/übergeordneten Entität. Für mich ist der Begriff 'Gott' historisch bedingt schon zu eng und einschränkend besetzt.

Die grundsätzliche Herausforderung besteht ja darin, das die Existez eines (des) Gottes weder beweisen noch wiederlegt werden kann, ergo kann auch niemand sagen: Ich weiß das es Gott gibt (Gläubiger) oder 'ich weiß das es keinen Gott gibt' (Atheist). Beide können und sollten immer nur sagen: 'ich glaube...' oder 'ich bin überzeugt von...'. Beides ist absolut legitim und steht jedem Mensch auf der Welt zu, egal welcher Religion oder Nichtreligion er angehört, ohne Wenn und Aaber. Das ist erst mal ein grundlegendes Recht jedes Menschen, egal ob ich seinem Glauben zustimmen kann/will oder nicht.

Mir mir fallen dazu immer 2 Aussagen ein, die das ganze für mich am besten zusammenfassen:

1. 'Gott ist in uns'
2: 'Die Menschen sollten verstehen lernen, daß Religion und Glaube etwas persönliches ist, das uns von weder von einer zentralen religiösen Autorität noch von einem Staat auferlegt werden kann (und sollte). - (Sinngemäß nach meiner Erinnerung aus einem Interview mit Salmon Rushdi vor einigen Jahren).

Ich persönlich glaube, das es (den) Gott als eine singuläre allmächtige/allwissende Instanz nicht gibt. Für mich ist Gott eher das was wir an Gutem in uns selbst haben. (bedingungslose) Liebe, Mitgefühl, den Willen uns und unsere Welt im Interesse aller Menschen zu verbssern, Trost zu spenden, Hoffnung zu geben. Dazu brauche ich eigentlich keinen Gott, sondern das Gute im Menschen, an das ich fest glauben kann und muß.

Ich denke, der Gott in der klassichen Religion ist einfach ein Gleichnis oder eine Metapher für all das was an Gutem in uns Menschen ist. Und wenn viele Menschen diese Gleichnis brauchen, um das Gute in sich zu finden und zu teilen, dann ist das gut und richtig. Solange dieser Gott/Gottesbegriff nicht, wie leider viel zu oft, mißbraucht wird um Haß, Gewalt gegen anders Denkende/anders Glaubende, Kriege oder Herabwürdigung der 'Ungläubigen' zu rechtfertigen, ist das alls in Ordnung.

Ich glaube Leid und Schmerz braucht es nicht, um den Weg zu finden. Liebe, Hingabe und Respekt für den Anderen reichen da völlig aus. Und ich galube auch die Geschichte mit dem Leid, der Furcht, dem Haß etc. ist eher eine Metapher und der Enstehungsgeschichte z.B. des Christentums (aus einer unterdrückten und bekämpften Minderheit) geschuldet.

Velvet hat geschrieben:Ich denke, dass es keinen Menschen gibt, der jemals zu klein oder zu schwach wäre, um zu lieben oder Liebe zu empfangen.

Das sehe ich absolut genauso.

LG
Moondream

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Mi 29. Mai 2019, 21:37
von Kiesel
Liebe Velvet,
Vielen Dank fuer dein ganz persoenliches Fuehlen und Denken.
Ich bin roemisch katholisch erzogen worden, hab eine Zeitlang gezweifelt und wieder zurueckgefunden. Ich denke dass man Religionen mit einer Wanderung auf einen Gipfel vergleichen kann, es gibt viele Wege nach oben und je hoeher man kommt, desto weniger Leute trifft man. Man muss natuerlich nicht auf den Wegen bleiben, sondern kann querfeldein nach oben gehen, man wird aber merken, dass man von Zeit zu Zeit bestimmte Wege kreuzt und es besteht leider die Gefahr, dass man in eine Schlucht (die Schlucht in Form von sehr traurigen Erfahrungen) faellt. Je tiefer man glaubt, desto aehnlicher werden sich einige Religionen. Ergaenzen sich in einigen Bereichen. Man erkennt dass es dasselbe nur in einer anderen Form ist. Ich habe zum Glauben gefunden, weil ich mich sehr einsam gefuehlt habe und etwas gesucht habe, was mich gluecklich machen wuerde. Liebe. Jemand der mich ganz animmt, der mich versteht, der mich lieb hat. Ich denke, dass Liebe immer auf eine andere Person gerichtet ist. Ein Tier wird dir nie das geben koennen, was dir ein Mensch geben kann. Im Christentum wird gesagt, dass Gott die Personifikation der Liebe ist. Ich hab mir vorgestellt, dass es jemanden gibt der mich liebt, der mich mit meinen Schwaechen liebt, mit den boesen Sachen die ich gemacht habe, der mich liebt auch wenn ich mich nicht lieben kann, wenn ich mich abgrundtief hasse. Diese Person ist Gott fuer mich. Egal wie viel Boeses ich mache, Gott liebt mich. Jemand zu dem ich kommen kann und der mich liebt. Zum Beispiel ist die Beichte eine Bekraeftigung fuer den Menschen, dass Gott dir vergibt. Ist ein wenig komisch zu sagen, dass die Leere mich liebt oder der Baum,oder?;)
Wie man zu schwach fuer die Liebe sein kann?
Indem man zu viel Angst hat verletzt zu werden. Wenn man zu viel Angst hat, kann man sich nicht mehr ganz hingeben.
Auch wenn es andere gibt die dich lieben, kannst du diese Liebe nicht mehr annehmen, weil du Angst davor hast zu vertrauen und andere zu lieben geht auch nicht, weil du Angst davor hast verletzt zu werden. Was du nun machst ist Menschen die dich lieben wollen zu verletzen und mit jedem mal wo du verletzt, verletzt du dich selbst und die Maske muss umso staerker und groesser werden. Du musst deine ganze Liebe absperren, weil wenn sie irgendwann aus dir rauskommt, wirst du leiden.

Sich ganz hingeben, auch wenn dich jemand verletzt, zu fuehlen, ich liebe dich.
Sogar wenn dich jemand ans Kreuz nagelt, zu fuehlen, ich liebe dich. Du hast so wahnsinnig Angst vor der Liebe, du bist so wahnsinnig verletzt, deswegen tust du mir weh. Der Schmerz der dir zugefuegt wird, ist der Schmerz der anderen Person. Diese Person sehnt sich auf dem Grund ihres Herzens nach Liebe. Sie tut sich selber weh, sie weiss es nur noch nicht.

Das ist Liebe fuer mich. Hingabe:)
Und davor hab ich Angst. Weil ich weiss wie sehr es weh tun kann wenn man verletzt wird. Wenn man lieber tot sein will, als dieses Leid zu leben. Wenn ich Leid in den Menschen sehe, wuerde ich am liebsten weinen, weil ich so schwach bin und nicht einmal mit meinem Leid zurechtkomme. Wenn man z.B an den Holocaust denkt ist das so wahnsinnig traurig. So endlos traurig. Ich hoffe so sehr, dass es Gott gibt. Wenn ich diese Angst besiege und meine Liebe jemandem schenke, mich ganz jemandem schenke macht die Angst, das Leid dass ich vorher erlebt habe, meine Liebe umso groesser.
Das Boese und das Leid, haben sich in Liebe verwandelt:)

Ich denke, dass das Fegefeuer die Liebe von Gott ist, der dich ganz liebt und du spuerst diese wahnsinnig grosse Liebe, du verstehst auf einmal all die Dinge die du gemacht hast, siehst wann du Menschen verletzt hast und du siehst nur Leid, so viel Leid das du verursacht hast und dabei wolltest du nur liebe. Du brennst in dieser Erkenntnis. Alle deine Masken verbrennen darin. Und wenn es nichts mehr zu brennen gibt ist nur die Liebe uebrig und jeder Mensch wird dadurch gehen. Ich denke, dass auch Satan dadurch gehen wird. Und wozu das Alles? Wegen dem freien Willen, ohne freien Willen gaebe es keine Liebe.

Ich wuensche eine wunderschoene Nacht
Kiesel

Hallo Moondream
Ich bin auf den Beitrag von Velvet eingegangen, aber ich hoffe dass ich dich auch an einigen Stellen ansprechen konnte:)

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Do 30. Mai 2019, 06:16
von Velvet
Liebe(r)? Kiesel,

ich wollte dir nur schnell Bescheid sagen, dass ich dir natürlich gern noch auf deine Beiträge antworte, bei mir die Zeit bis Montag aber leider noch knapper dafür sein wird, als sie so schon ist. Also, nicht wundern :)

Alles Liebe bis dahin,
Velvet

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Do 30. Mai 2019, 14:52
von Kiesel
Danke schoen, dass dus mir gesagt hast Velvet:)
Ich wuensche dir eine schoene Zeit.
Kiesel

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: So 2. Jun 2019, 22:23
von Moondream
Hallo Kiesel,

ich wollte eigentlich schon in den letzten Tage ein paar weiter Gedanken zu deinem Post schreiben, komme aber leider erst heute dazu.

Moondream hat geschrieben:Hallo Moondream
Ich bin auf den Beitrag von Velvet eingegangen, aber ich hoffe dass ich dich auch an einigen Stellen ansprechen konnte:)


Auch wenn ich mich als Agnostiker sehe und wir das sicher aus verschiedenen Richtungen betrachten, geht es uns doch irgendwie um das selbe. Manche betrachten Agostizismus ja auch als die große, unverstandene und ignorierte Religion. Das ist vielleicht gar nicht so falsch, und liegt vielleicht auch einfach daran, das hier keine zentrale Autorität und Organisation wie in anderen Religionen existiert.

Aber im Grunde geht es doch irgendwie um das gleiche.
Kiesel hat geschrieben:Ich habe zum Glauben gefunden, weil ich mich sehr einsam gefuehlt habe und etwas gesucht habe, was mich gluecklich machen wuerde. Liebe. Jemand der mich ganz animmt, der mich versteht, der mich lieb hat.

Genau das. Gerade die Fähigkeit Liebe bewußt zu geben und zu empfangen zeichnet ja den Menschen gegenüber dem Tier aus. Ich denke das hat genau den gleichen Stellenwert wie die Intelligenz, oder sollte ihn zumindest haben. Aber leider nutzten viele Menschen diese Fähigkeit auch um anderen wehzutun. Das ist leider eine Tatsache.

Kiesel hat geschrieben:Wie man zu schwach fuer die Liebe sein kann?
Indem man zu viel Angst hat verletzt zu werden. Wenn man zu viel Angst hat, kann man sich nicht mehr ganz hingeben.
Auch wenn es andere gibt die dich lieben, kannst du diese Liebe nicht mehr annehmen, weil du Angst davor hast zu vertrauen und andere zu lieben geht auch nicht, weil du Angst davor hast verletzt zu werden. Was du nun machst ist Menschen die dich lieben wollen zu verletzen und mit jedem mal wo du verletzt, verletzt du dich selbst und die Maske muss umso staerker und groesser werden. Du musst deine ganze Liebe absperren, weil wenn sie irgendwann aus dir rauskommt, wirst du leiden.

Das Gefühl kenne ich. Aber woher kommt das? Ein möglicher Grund, den ich leider aus eigener Erfahrung kenne, könnte sein, das man als Kind zwar Liebe erfahren hat, z.B. von den Eltern, diese aber an Bedingungen geküpft war. Die Liebe die Eltern ihrem Kind geben, sollte aber immer bedingungslos sein. Natürlich sollen die Eltener ihren Kindern auch Grenzen aufzeigen und Regeln vorgeben, aber die elterliche Liebe an bestimmte Bedingungen und konformistisches Verhalten zu knüpfen hinterläßt Narben. Keine physischen, erkennbaren, aber an der Seele. Das passiert manchmal auch in de guten Absicht, das Kind angemessen auf sein späteres Leben vorzubereiten. Manchmal passiert leider das Falsche aus guter Absicht heraus.
Uns die Folge davon ist das man sich klein fühlt, unwürdig, isoliert. Das führt dann zu genau diesen Fragen:
* bin ich der Liebe würdig?
* habe ich verdient, das ein anderer sich mir hingibt ohne etwas dafür zu verlangen?
* kann ich mich dem anderen hingeben, oder werde ich verletzt/enttäuscht, wenn ich seine Anforderungen nicht genüge? Werde ich vielleicht schnell wieder weggestoßen und mir selbst überlassen?
* kann ich mich selbst akzeptieren, so wie ich bin?

Ich selbst habe mir einen Schutzwall, oder wie du sagst, eine Maske aufgebaut, um das negative nicht an mich heranzulassen. Das hat auch lange mehr oder weniger gut funktioniert, hat aber auch viel gutes aus meinem Leben ausgesperrt. Leider habe ich viele Jahre gebraucht, um das zu erkennen und gegenzusteuern. Jahre in denen wohl auch viel Gutes, viele Möglichkeiten, an mir vorbeigegangen ist. Aber ich habe auch gelernt, das es nie zu spät ist, etwas zu ändern. Manchmal schafft man das aber nicht aus eigener Kraft und muß Hilfe finden. Bei mir waren es mehrere Dinge, die mir geholfen haben:
* eine gute Hausärztin, die erkannt hat, das ich ein Problem habe und da allein nicht mehr herauskomme
* eine engagierte Psychologin in einer Tagesklinik, die mir geholfen hat zu erkennen, wo die Ursachen meiner Probleme sind.
* meine jetztige Frau die mir in diese Zeit Halt gegeben hat.

Kiesel hat geschrieben:Ich denke, dass das Fegefeuer die Liebe von Gott ist, der dich ganz liebt und du spuerst diese wahnsinnig grosse Liebe, du verstehst auf einmal all die Dinge die du gemacht hast, siehst wann du Menschen verletzt hast und du siehst nur Leid, so viel Leid das du verursacht hast und dabei wolltest du nur liebe.

Ich glaube das ist nur ein Gleichnis für das, was ich weiter oben gesagt habe. Ich denke dieses Fegefeuer ist in uns, wir schüren das (unbewußt) selbst, weil wir selbst von uns nahestehenden Menschen oder Menschen die wir vertraut haben, verletzt wurden. Oder weil wir andere Menschen, die uns wichtig sind, oder uns selbst, verletzt haben.

Aber ich denke, es gibt da immer einen Ausweg. Ehrliche und bedingnungslose Liebe und Hingabe. Zu den Menschen die mir wichtig sind und zu mir selbst. Ich kann anderen Menschen nicht geben, was ich mir selbst verweigere und umgekehrt.

Ich selbst brauche dazu keinen Gott, Glaube allerdings brauche ich dazu auch. Glaube an das Gute im Menschen, und den Willen es zu finden, auch wenn es oft schwer zu finden ist.

Wenn du dazu, wie viele andere Menschen, Gott brauchst, ist das gut und richtig. Vielleicht solltest du dabei auch eins bedenken. Zuallererst brauchst du dann Gott und mußst deinen eigenen Weg zu ihm finden. Vielleicht brauchst du nicht so sehr die Kirche. Ich betrachte Glaube als etwas sehr individuelles, das nicht unbedingt eine zentrale Autorität braucht. Sie kann aber durchaus eine Hilfe sein, ein Anker.

Vielleicht helfen dir diese Gedanken ein wenig weiter.

LG
Moondream

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Mo 3. Jun 2019, 21:17
von Kiesel
Gruess dich Moondream,
Freu mich, dass du geschrieben hast;)
Weisst du ich denke ich verstehe die Richtung aus der du kommst. Hab eine zeitlang mit dem Agnostizismus gefreundelt. Der Ausschlag fuer mich an Gott zu glauben, war die Frage "Was bringt es mir an Gott zu glauben" ob es Gott letztendlich gibt ist fuer mich zweitrangig. Der groesste Vorteil an einen Gott als Person zu glauben, ist das man eine persoenliche Beziehung aufbauen kann, ausserdem hast du jemanden zu dem du aufblicken kannst. Du bist mit deinen Problemen nicht alleine. Wenn du einfach das Gefuehl hast, dass es nicht mehr weitergeht, kannst du dich noch an einen Ort zurueckziehen und wenn die Welt zusammenfaellt, die Vorstellung, dass es jemanden gibt der mein Leid sieht, hilft mir weiterzuleben. Ich empfinde einen agnostischen Ansatz als zu schwach fuer mich.
Es hat eine andere Wirkung wenn du dir sagst:" Es gibt jemanden der mich liebt"
Als "Es koennte sein, dass es jemanden gibt der mich liebt"
Deswegen die Frage "Was bringt es mir?"
Ich verstehe woher du kommst, der agnostische Ansatz ist rationeller, sicherer, du begibst dich nicht auf bruechiges Eis.

Das ist eine sehr interessante Frage was das Tier vom Menschen unterscheidet. Ein Tier hat keinen wirklichen freien Willen. Ihm fehlt die Entscheidungsmoeglichkeit. Stimme dir zu.


Das Gefühl kenne ich. Aber woher kommt das? Ein möglicher Grund, den ich leider aus eigener Erfahrung kenne, könnte sein, das man als Kind zwar Liebe erfahren hat, z.B. von den Eltern, diese aber an Bedingungen geküpft war. Die Liebe die Eltern ihrem Kind geben, sollte aber immer bedingungslos sein. Natürlich sollen die Eltener ihren Kindern auch Grenzen aufzeigen und Regeln vorgeben, aber die elterliche Liebe an bestimmte Bedingungen und konformistisches Verhalten zu knüpfen hinterläßt Narben. Keine physischen, erkennbaren, aber an der Seele. Das passiert manchmal auch in de guten Absicht, das Kind angemessen auf sein späteres Leben vorzubereiten. Manchmal passiert leider das Falsche aus guter Absicht heraus.
Uns die Folge davon ist das man sich klein fühlt, unwürdig, isoliert.


Das tut mir Leid, dass du so was erleben musstest. Vielen Dank, dass du es mit mir geteilt hast. Es hoert sich plausibel an, aber ich kann nicht einschaetzen ob es mich betrifft. Ein Kind ist so wahnsinnig zerbrechlich. Hab einen langen Weg hinter mir, bei dem ich begriffen habe, dass meine Eltern auch schwach sind. Dass sie mir so gerne geholfen haetten, wo ich einsam war, aber dass sie es nicht konnten, weil sie auch nur Menschen sind. Weil auch liebende Eltern nicht alles mitbekommen koennen.

Das führt dann zu genau diesen Fragen:
* bin ich der Liebe würdig?
* habe ich verdient, das ein anderer sich mir hingibt ohne etwas dafür zu verlangen?
* kann ich mich dem anderen hingeben, oder werde ich verletzt/enttäuscht, wenn ich seine Anforderungen nicht genüge? Werde ich vielleicht schnell wieder weggestoßen und mir selbst überlassen?
* kann ich mich selbst akzeptieren, so wie ich bin?

Ja, diese Fragen kenn ich.


Ich glaube das ist nur ein Gleichnis für das, was ich weiter oben gesagt habe. Ich denke dieses Fegefeuer ist in uns, wir schüren das (unbewußt) selbst, weil wir selbst von uns nahestehenden Menschen oder Menschen die wir vertraut haben, verletzt wurden. Oder weil wir andere Menschen, die uns wichtig sind, oder uns selbst, verletzt haben.

Es kann ein Gleichniss sein, aber ich glaube, dass es wahr ist.

Aber ich denke, es gibt da immer einen Ausweg. Ehrliche und bedingnungslose Liebe und Hingabe. Zu den Menschen die mir wichtig sind und zu mir selbst. Ich kann anderen Menschen nicht geben, was ich mir selbst verweigere und umgekehrt.


Wie kriegt man seine Seele wieder so hin, dass sie keine Angst mehr hat. Das man faehig dazu ist sich selbst zu lieben, wenn man sich ganz zerbrochen erlebt hat. Ich denke darauf kann nur Gott eine Antwort geben. Der Mensch ohne Gott ist meiner Meinung nach zu schwach.

Ich danke dir sehr fuer deine Gedanken. Es freut mich zu wissen, dass ich nicht alleine damit bin. Das es Menschen gibt die sich mein Rumgeheule anschauen. Ich hab vor zwei Jahren einen Mann kennen gelernt, der mit einer schizophrenen Mutter aufgewachsen ist, wir sind ins Gespraech gekommen und irgendwann hab ich angefangen zu weinen, weil ich gespuert habe wie er leidet. Er hat zu mir gesagt, dass es nichts bringt. Das es keinen Sinn macht, dass ich mit ihm leide. Das es ihm nicht hilft. Was kann ein Mensch mehr machen, als ueber das Leid des anderen zu weinen.

Liebe Gruesse
Kiesel

Re: Mein Weg zu Gott ist ein eigener gewesen

BeitragVerfasst: Di 4. Jun 2019, 06:01
von Velvet
Hallo Kiesel,

nun habe ich wahrscheinlich eine Erwartung (vor allem an mich selbst) auf (m)eine Antwort geschürt, die ich, jetzt hier vor den Texten sitzend, nicht erfüllen kann. Ich picke mir deshalb mal nur das eine heraus, zu dem ich gerade einen Gedanken habe und versuch´es mal.
Moondream hat auch schon viel in die Richtung geschrieben, in die ich, was Glaube und Liebe betrifft, auch tendiere.

Kiesel hat geschrieben:Ich denke, dass Liebe immer auf eine andere Person gerichtet ist. Ein Tier wird dir nie das geben koennen, was dir ein Mensch geben kann.
Im Christentum wird gesagt, dass Gott die Personifikation der Liebe ist. Ich hab mir vorgestellt, dass es jemanden gibt der mich liebt, der mich mit meinen Schwaechen liebt, mit den boesen Sachen die ich gemacht habe, der mich liebt auch wenn ich mich nicht lieben kann, wenn ich mich abgrundtief hasse. Diese Person ist Gott fuer mich. Egal wie viel Boeses ich mache, Gott liebt mich. Jemand zu dem ich kommen kann und der mich liebt. Zum Beispiel ist die Beichte eine Bekraeftigung fuer den Menschen, dass Gott dir vergibt. Ist ein wenig komisch zu sagen, dass die Leere mich liebt oder der Baum,oder?;)


Ich finde das nicht komisch, dann wäre es, aus meiner Sicht, ebenso komisch zu sagen, ein „Gott“ liebt mich. Für mich ist Gott keine Person. Für mich ist vor allem auch ein Baum ein göttliches Wesen :). Oder auch die Leere= Stille. Darin sehe und fühle ich meinen „Gott“.

Wenn ich versuche, meinen Weg, der mich an Verschiedenes heute glauben lässt, zu rekonstruieren, war es eher so, dass ich mich schon ganz früh auf eine seltsame Weise von Dingen geliebt gefühlt habe, die mich umgaben. Und ich habe sie ebenso zurück geliebt. Mein Zimmer, in dem ich gerade sitze z.B. ist voll von kleinen Dingen, die ich liebe. Gesammeltes und Gefundenes aus der Natur, Geschenke, viele darunter, die ich mir selbst gemacht habe, Pflanzen, Bilder, Musik und mein schlafender Hund :). All das gibt mir ganz viel Geborgenheit, Sicherheit, Seelenheil, Wohlgefühl, Glück. Ich liebe es, hier zu sitzen und mich umzusehen. Und ich liebe jede kleine Einzelheit hier. Und fühle mich zurückgeliebt. Vielleicht klingt das verrückt.

Auch wenn ich draußen unterwegs bin, entdecke ich ständig Dinge, bei denen mir das Herz aufgeht, wo ich denke: „Oh, wie ich das liebe!“ Morgentautropfen in den ersten Sonnenstrahlen des Tages glitzernd, Blumengesichter, ein Milan, der über der Landschaft schwebt, Bäume, Sträucher, Nebelschwaden die im Tal liegen, Vogelgesang, Kaninchenfamilien, die im Gras sitzen und ihr Frühstück mümmeln, Mohnblüten im Roggenfeld, Himmel, Erde, Wind, Regen, Sonne, ...all das und ganz vieles mehr ist Liebe für mich.

Ich bin mir sicher, dass die Art, mit der ich auch die Welt sehen kann (heißt, ich sehe sie auch auf andere Weise), mein Herz davor bewahrt hat, kalt zu werden. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Mein Herz hat immer geliebt und ich habe ihm nicht vorgeschrieben, was es zu lieben hat und was nicht. Da hatte ich- zum Glück- nie Einfluss drauf. Und so kam es auch, dass ich mich geliebt gefühlt habe, immer offen dafür blieb, auch Liebe zu empfangen. Ich weiß heute, dass ich von meinen Eltern nicht geliebt werden konnte. Diese Liebe, die mir so sehr gefehlt hat, habe ich wohl durch den engen und verbindlichen Bezug zu allem und dem Kleinsten um mich herum kompensiert.

Auch, wenn es lange Phasen gab, in denen ich mich ganz getrennt von der Welt und vor allem von mir gefühlt habe, Liebe nicht mehr wahrnehmen konnte, weder geben noch nehmen, nichts fühlen, wusste etwas in mir über all die Zeit, dass sie dennoch da ist. In mir und in all den Dingen um mich herum. Das hat mich die schlimmsten Zeiten überstehen lassen und tut es noch heute. Ja, vielleicht liegt darin mein tiefer Glaube. Und zu lieben ist mein Gebet. Und beichten muss ich nur vor mir selbst. Und wissen, dass ich vor allem mir selbst verzeihen muss- in Liebe. Mein Glaube macht mich zutiefst dankbar und glücklich. Ich finde, dass sollte er alle gläubigen Menschen, an wen oder was auch immer sie glauben.

Viele Grüße
Velvet