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Artikel über das Allein-Sein

BeitragVerfasst: So 17. Sep 2017, 20:41
von Abifiz
Hallo zusammen.

In "ze.tt", der übel gegenderten, aber manchmal recht interessanten Jugendbeilage der ZEIT, ist ein Artikel erschienen, der das Positive am Alleinsein (welches ja von der Einsamkeit sehr zu unterscheiden ist) sehr betont und einem jeden zum wiederholten Probieren und Kraft-Tanken nahelegt. Auch der Ratgeber "21 Gründe, das Alleinsein zu lieben" von Franziska Muri wird erwähnt, ein Buch welches ich persönlich als recht gelungen betrachte. (Auf etwaigen Wunsch könnte ich ja das Buch auch - im Lauf der Zeit - besprechen.)

Sonia Lippke (die ich sehr schätze!) wird u.a. mit einem Satz zitiert, der in meinen Augen einen Kernpunkt anspricht: Daß man als junger Mensch es womöglich mit der Scham zu tun bekommen könnte, etwas alleine bewältigen zu wollen, und wie hilfreich es gerate, solche eine gesellschaftlich induzierte Scham dann zu überwinden.

Von Muri ist übrigens die feinsinnige Beobachtung, daß sinnvolles Alleinsein die Fertigkeit, die "kleinen Dinge" des Alltags, die "Mini-Begegnungen", wahrzunehmen und inniglich zu erleben, sehr spürbar vertieft.

(Und etwas nebenbei kann man - denk' ich - aus dem Artikel auch dann für die eigenen Überlegungen gewinnen, wenn man längst für sich selber ein positive Wertung des Alleinseins entwickelt hat.)

http://ze.tt/warum-alleinsein-so-wichti ... t.teaser.x

Herzlich
Abifiz

Re: Artikel über das Allein-Sein

BeitragVerfasst: Di 19. Sep 2017, 20:58
von Träumerle
Hallo Abifiz,

ich bin leidenschaftlich allein und finde diesen Artikel Gold wert. Er spiegelt perfekt das wieder, was Menschen, die gerne alleine sind, für Argumente dafür hätten. Daran sollte sich die Menschheit ein Beispiel nehmen.

Und ja - es ist für mich eine Kraftreserve und mal die Gewissheit, nicht von anderen abhängig zu sein. Dann kann man auch besser denken. Selbst, wenn ich mal beispielsweise im Restaurant kurz auf die Toilette gehe, sehe ich darin die Chance, meine Gedanken zu ordnen, gar sie zu reflektieren. Ich brauche es wirklich, da mich der Kontakt mit Menschen nach einer gewissen Zeit erschöpft. Wenn es geht, plane ich sogar meine "Solo-Zeiten". Morgen zum Beispiel steht Alleine sein auf meiner Agenda. Dabei ist es auch vollkommen egal, was man macht.

Und du hast so Recht; Alleine sein und Einsam sein sind Welten voneinander entfernt und es wird höchste Eisenbahn, dass das auch jeder kapiert.

Seit Kindertagen mache ich Dinge alleine, ich habe mich nie über mangelnde Gesellschaft beschwert, ich fühlte mich von Spielkameraden aus dem Kindergarten sogar überfordert.

Allerdings mögen manche Menschen es einfach nicht und das ist dann auch okay so. Jeder muss seine Zeit des Alleine seins richtig dosieren können, wie es einem am Angenehmsten ist. Der eine braucht mehr (wie ich), während der andere mit weniger auskommt. Von den HSP's, die ich hier kennengelernt habe, sind die meisten mein' ich auch gerne alleine.

Liebe Grüße,
Träumerle

Re: Artikel über das Allein-Sein

BeitragVerfasst: Di 19. Sep 2017, 23:47
von Orphée
Ein sehr schönes Thema.
Ja richtig... die Dosierung macht das Gift... wie man so schön sagt. In dem Fall ist das Nichtalleinsein wohl das Gift. Effektiv nachzudenken funktioniert nur, wenn ich allein bin. Ich liebe es Zeit zur eigenen Verfügung zu haben und den Gedanken freien Lauf zu lassen, da wird mir eigentlich selten langweilig. Auch ist es nach Unternehmungen ja "zwingend erforderlich" wieder ausreichend Raum zu haben, um obligatorischerweise alles Revue passieren zu lassen, zu reflektieren und auszuwerten. Regelmäßig allein sein zu können ist mein größter Kraftspender und zwingend nötig, um mich im Gleichgewicht zu halten. In der Natur zu Fuß oder auf dem Mountainbike, aber am besten zur Ruhe komme ich zu Hause mit Unterstützung von Musik.

Danke Abifiz für den Link und Buchtipp.

Liebe Grüße euch

Re: Artikel über das Allein-Sein

BeitragVerfasst: Di 12. Dez 2017, 06:58
von Abifiz
Einen neuen Artikel über unser Thema habe ich nun bei der NZZ vom 27. November aufgestöbert: https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/g ... 2017-11-27

Es bespricht das Allein-Sein, das Vernetzt-Sein, die Einsamkeit, schließlich das freudvolle und fruchtbare "Bei-sich-Verweilen" besonders auch unter dem Gesichtspunkt der heutigen Kommunikations- und Wahrnehmungsveränderungen. Der Artikel ist von Peter Strasser, einem emeritierten Professor der Philosophie, zuletzt an der Universität Graz.

Der folgende Satz des Philosophen über die eigene Kindheit fokussiert am besten die Thesen des Autors: "Nie war meine Welt so lebendig, nirgendwo habe ich so viel über den Kosmos menschlicher Gefühle und über das Drama mitmenschlicher Begegnung gelernt wie aus meinen Märchen- und Sagenbüchern – in jenen stillen Stunden, da die Welt draussen blieb, damit sie mir hinterher umso näher sein konnte."

Re: Artikel über das Allein-Sein

BeitragVerfasst: Di 12. Dez 2017, 09:34
von Abifiz
Zusätzliche Daten aus Frankreich bietet ein Artikel vom 17. September aus "Telepolis" an. Der -- etwas in seiner Argumentation, bzw. seinen Wertungen unsichere -- Artikel bespricht den Anteil der Sozial-Isolierten und der Gefährdeten, sozial isoliert zu werden, innerhalb der französischen Gesellschaft, und versucht mit schwankenden eigenen Kriterien, das Phänomen zu werten.

Obwohl also etwas widersprüchlich geraten, bietet auch dieser Artikel einiges gutes Daten-Material zum Nachdenken.

https://www.heise.de/tp/features/Das-Ge ... 34371.html