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und der Himmel hat sich langsam gedreht..

BeitragVerfasst: Fr 8. Feb 2019, 20:25
von Elise
199 neue Emails, 180 ungelesen, 152 neue Whatsapp Nachrichten, davon eine, die mich tief berührt und kurz danach ebenso tief verletzt. 64 entgangene Anrufe, von denen 52 eine Nachricht hinterließen und irgendwo dazwischen ich, die es nicht hinkriegt zurück zu rufen und die bei all dem Druck, antworten zu müssen resigniert. Handy auf lautlos, stundenlang weg von mir, das ist meine zwanzigste Nummer innerhalb der letzten 9 Jahre. Weglaufen ist meine Spezialität. Mir fest vorgenommen diesmal stehen zu bleiben und doch wieder kurz davor umzudrehen. Ein Tag am Meer, alleine, nur ich und der Wind auf meiner Haut, vielleicht meine Lieblingsbeschäftigung. Ich bin so gerne alleine. Ich bin so anders. Inmitten von 1000 Menschen und doch alleine. Ich will im Flugzeug alleine sitzen, ich will keine Sitznachbarn, ich will keinen Smalltalk, 5 Stunden aus dem Fenster schauen mit Kopfhörern auf den Ohren, aus denen 5 Stunden lang ein und dasselbe Lied ertönt. Ich bin so stetig, so immerwährend, so beständig und doch zieh ich irgendwie mit der Zeit. In diesem Raum ticken 3 Uhren gleichzeitig in unterschiedlichen Momenten. Ich hör die nahenden Schnellstraßen rauschen und Elektrogeräte abwechselnd brummen und piepsen, Menschen, die so laut durch die Gegend stampfen und mich viel zu grob berühren. Uff huuhh nicht so hart bitte, ich...mir ist das unangenehm..ach das war doch nicht hart..neben mir Menschen, die nichts sagen und dabei innerlich so unruhig sind, dass ich es nicht mehr aushalte zu bleiben..unerträglich für mich, ich muss gehen. Nein ich bin nicht sauer, doch ich mag dich auch, nein es sieht nur so aus als sei ich egoistisch, versteh doch es ist nur Selbstschutz, ja ich hab deine Nachricht gelesen, ich hab gerade so viel zu tun, bitte nimm es nicht persönlich, ich brauche Zeit für mich. Ich. Bin so gerne distanziert.
Um mich herum Menschen, die sich selbst darstellen, bewundert werden wollen, die oberflächliche Dinge diskutieren oder gezwungenen Smalltalk halten und irgendwo dazwischen ich. Ich hab so viel zu sagen und niemanden, der mich versteht. Also fang ich gar nicht erst an und bleibe still. Ich bin so anders. Ich ziehe mich so gerne zurück, ich bin so gerne alleine, ich bin so gerne mit mir, ich bin so gerne für mich. Ich mag mich, so gerne, alleine.
Ich gehe durch die Straßen als wären sie meine Bühne, die Blicke unendlich und ich scheine unnahbar. Mit jedem neu dazu kommenden Blick stockt mir der Atem ein bisschen mehr, doch das merkt niemand. Ich bin die Künstlerin im Überspielen. Ich kann so unglaublich gut schauspielern, mir selbst was vormachen. Der Straßenmusiker singt 'When you say nothing at all'. Er singt als singe er nur für mich, oh wie ich live Musik liebe. Knistern in der Luft.. 1000 Farben 1000 Lichter, 1000 Farben und Gesichter und irgendwo dazwischen ich, irgendwo im großen Meer, mich zu finden fiel mir schwer, hab mich bald auch schon verloren.. und der Himmel hat sich langsam gedreht..hat sich langsam gedreht..und ich, ich hab getanzt, ich hab geweint, ich hab geschrien vor Glück, ich hab getanzt als gäbs kein Morgen mehr..und der Himmel hat sich langsam gedreht..du in meinem Herzen und über mir der Sternenhimmel. Ich kann nicht lang bleiben, flüstert der Glücksmoment, aber ich lege dir eine Erinnerung ins Herz..welch hohe Liebe ich imstande bin zu geben, habe ich erst durch dich gemerkt. Aber ich will nicht dran denken, ich will vergessen und verdrängen, was ich nicht verdrängen kann. Mein Herz liebt, mein Verstand schreit und irgendwo dazwischen bin ich. Verletzt. Du bist so tief in mir und ich, ich steh eigentlich gar nicht auf Typen wie dich, auf Männer in deinem Alter und dennoch lieb ich dich. Unendlich. Unfassbare Höhen. Ich liebe, was nicht geht. Unfassbare Schmerzen, kann weder atmen noch essen, kann dich einfach nicht vergessen. Und irgendwo dazwischen ich.

Re: und der Himmel hat sich langsam gedreht..

BeitragVerfasst: Fr 8. Feb 2019, 20:26
von Elise
Bis Mitternacht sitze ich auf dem Sofa und denke nach, auch an dich. 1000 Männer, die mich wollen und meine Seele will nur dich. Ich stell dich vor meine Mitte, leg dich in jede Figur..werf dich in jeden meiner Schritte, ich tanz für dich wohin du willst..wie soll ich das ertragen dich jeden Tag zu spüren ohne es einmal zu wagen dir in die Augen zu sehen. Ich hab Angst vor dir, nicht vor dir, vor mir bei dir. Du machst mich unkontrollierbar, du setzt mich außer Gefecht, du hast mich voll im Griff, dabei hab ich mich doch so gerne selbst im Griff, nur bei dir nicht. Ich lauf lieber vor dir weg als mich in dir zu verlieren und dabei kann ich mir eigentlich gar nichts Schöneres vorstellen als das. Ich mach dir was vor und weiß zugleich, dass du mich voll durchschaust. Dass es jemanden gibt, der das kann, hätte ich nie gedacht. Ich weiß nicht, ob ich mich deswegen vor dir schämen oder mich darüber freuen soll, währenddessen ich all meine Gefühle für dich vor dir dementiere und mich zugleich frage inwieweit das Sinn macht, wenn du mich eh durchschaut hast. Das ist so neu für mich. Normalerweise bin immer nur ich diejenige, die durchschaut. Wer bist du nur, frage ich mich, während ich die Antwort längst kenne und sie mit der Frage zu verdrängen versuche, sie nicht wahrhaben will, nicht wahrhaben kann. Seelenverwandt. Ich will dich, aber ich will das nicht so. Ich hab alles falsch gemacht. Dieser Moment, in dem dir bewusst wird, dass das in diesem Leben wohl nichts mehr wird. Ich könnte ein Buch darüber schreiben wie man es nicht macht. Ich verzeihe mir selbst. Dir muss ich nicht verzeihen, ich war dir nie böse, auch wenn ich es sagte. Resignation. Kampf um Resignation. Hab mir das alles anders vorgestellt. Ich analysiere still jeden Blick und jedes Wort von dir, währenddessen ich jedes Bild von dir vor Augen habe und versuche dabei heraus zu finden, dass ich mir das alles nur einbilde. Eine weitere Option mir was vorzumachen oder ein nächster kläglicher Versuch dich und die Wahrheit zu verdrängen. Herz gegen Verstand und irgendwo dazwischen ich. Ich zeig dir, dass ich dich nicht brauche und dass ich gehen kann, wann ich will. Weißt du eigentlich wie sehr ich dich spüre, seitdem ich weg bin und wenn du fragst, dann bin ich still.
Ich will dich nur noch vergessen und verdrängen, was ich nicht verdrängen kann.
Ich sehne mich nach einer Zeit ohne Technik, nach einer Zeit, in der man sich noch Briefe schreiben oder persönlich vorbei kommen musste, wenn man sich etwas zu sagen hatte. Nach einer Zeit, in der man lange weiße Kleider getragen hat, die bis zum Boden gingen und im Sommer barfuß zwischen weiten Feldern ungestört unter einem Baum sitzen konnte. Dem Himmel so nah. Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke...und ich bleibe sitzen in meinen Gedanken, bis die Nacht den Tag abgelöst hat und ich das Funkeln der Sterne sich unendlich in deinen Augen spiegeln sehe. Und da ist sie wieder, die Unendlichkeit in deinen Augen, mein Zuhause und ich bin angekommen bei dir, in mir, mit dir. Irgendwann. Vielleicht.
Bis dahin verliere ich mich in Gedanken mit dir und versuche gleichzeitig zu vergessen und zu verdrängen, was ich nicht verdrängen kann.
Das Leben geht weiter, nur nicht so wie es vorher war. Versuche das Beste draus zu machen, verkriech mich in meinem Haus am Meer und bin so gerne für mich. Ich bin äußerst optimistisch, ich gelange stets an die äußersten Grenzen des Optimismus' und halte mich dabei für grenzenlos. Das Leben ist schön, hey es ist doch eigentlich echt schön hier..nur zu viele Menschen, die so anders sind als ich, eigentlich alle, die ich bisher traf, bis auf dich. Bin vielleicht ich am falschen Ort, frage ich mich zum 1000. Mal während ich mir zum zwanzigsten Mal heute vorstelle wie wir an Deck stehen wie Jack und Rose und über dem endlos weiten Meer fliegen. Den Moment genießen. Und irgendwo dazwischen bin ich. Bis die Nacht den Tag ablöst und ich das Funkeln der Sterne sich unendlich in deinen Augen spiegeln sehe. Hier bin ich richtig denk ich mir, hier bin ich ganz, hier bin ich zu Hause.

Re: und der Himmel hat sich langsam gedreht..

BeitragVerfasst: Fr 8. Feb 2019, 21:41
von Orphée
WunderSCHÖN.

Re: und der Himmel hat sich langsam gedreht..

BeitragVerfasst: Sa 9. Feb 2019, 11:55
von Elise
ohhhh vielen Dank :)

Re: und der Himmel hat sich langsam gedreht..

BeitragVerfasst: Sa 9. Feb 2019, 13:42
von Hortensie
Hallo Elise,

herzlich willkommen hier im Forum. An deinem Text sehe ich, dass du hier im Forum wohl durchaus richtig bist.
Für Literatur gibt es hier einen extra Bereich, ich bitte dich aber (anstatt nur Texte einzustellen), dich am Austausch hier zu beteiligen - das ist auch für das Forum wertvoll!

LG, Hortensie

Re: und der Himmel hat sich langsam gedreht..

BeitragVerfasst: Do 14. Feb 2019, 00:38
von Elise
Danke :)