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Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Mi 16. Jan 2019, 13:47
von neko
Ja, die gute, alte Zeit. :-)

Es gibt immer mal wieder Retrotrends. Gerade ist Vinyl angesagt und der gute alte Cassettenrecorder.
In unsererWohnung habe ich wieder wechselnd analoge Telefone angeschlossen, darunter ist auch das W48 in schwarz und weiß.

So wie es immer wieder Retrotrends gibt, wird geschichtlich betrachtet immer wieder Neues verteufelt. Erst war es das Radio, dann der Compi, der Fernseher, das Internet und das Smartphone. Auch der Videorecorder war ganz schlimm und führte angeblich zu Verblödung und Oberflächlichkeit.

Alles eine Frage des Umgangs, finde ich.
steffilum43 hat geschrieben:Hallo, _Mij_
ich weiß genau was Ihr meint. Ich träume auch oft von der guten alten Zeit, wie man so schön sagt.
Mittlerweile habe ich mein Leben wieder entschleunigt und von allem befreit was mein Leben gestört hat.
Whats App und Facebook sind, nach kurzen Versuchen, völlig aus meinem Leben verschwunden. Ich schreibe wieder SMS und E-Mails oder sogar Briefe. Mit dem telefonieren ist es etwas schwieriger, da ich es hasse.
Ich habe mir einfach gesagt, wer mit mir Kontakt wünscht hat meine Nummer und kann sich ja melden.

Interessanterweise sind dadurch viele Kontakte wieder erloschen, was meine Theorie der Oberflächlichkeit der Menschen bestärkt.
In meiner Peergroup ist es anders. Erst wird geklärt, wer oberflächlich ist und zu einem passt und danach werden Kontaktadressen ausgetauscht. Als hochsensible Person merke ich sehr schnell, wer zu mir und meiner Gruppe passt. Ob sich jemand meldet oder nicht, WhatsApp oder Facebook oft benutzt, ist für mich kein Hinweis auf Oberflächlichkeit.

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Di 29. Jan 2019, 15:31
von Krümelkeks
neko hat geschrieben:So wie es immer wieder Retrotrends gibt, wird geschichtlich betrachtet immer wieder Neues verteufelt. Erst war es das Radio, dann der Compi, der Fernseher, das Internet und das Smartphone. Auch der Videorecorder war ganz schlimm und führte angeblich zu Verblödung und Oberflächlichkeit.


Ich bin mal auf einen Artikel aus den 80ern, in dem es um den Walkman ging. Der wurde darin auch ganz schön verteufelt. Es war davon Rede, dass die Menschen jetzt komplett vereinsamen werden, jeder hört nur noch alleine Musik und alle gehen nur noch mit Walkman auf die Straße und reden nicht mehr miteinander (Interessanterweise das Gleiche, was man Smartphones heutzutage unterstellt.).

Und noch früher, als man anfing, Musik aufzuzeichnen, fanden das wiederum auch alle schlimm. Es hieß, alle werden nur noch zu Hause Musik hören und die Konzerthäuser werden aussterben etc. etc.

Ich glaube, Neues macht den Menschen immer erst einmal Angst. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass neue Technologien oft gefährlicher eingeschätzt werden als sie sind. Es liegt eben an jedem Menschen selber, wie er mit sowas umgeht. So wie es damals, als der Walkman aufkam, Leute gab, die von da an sicherlich blind mit Kopfhörern auf den Ohren durch die Gegend gelaufen sind, gibt es heutzutage eben auch "Smombies". Aber ich würde behaupten, das ist kein Großteil der Bevölkerung.

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Mi 30. Jan 2019, 10:47
von mika1983
Ich bin mal auf einen Artikel aus den 80ern, in dem es um den Walkman ging. Der wurde darin auch ganz schön verteufelt. Es war davon Rede, dass die Menschen jetzt komplett vereinsamen werden, jeder hört nur noch alleine Musik und alle gehen nur noch mit Walkman auf die Straße und reden nicht mehr miteinander (Interessanterweise das Gleiche, was man Smartphones heutzutage unterstellt.).


Also erstmal klasse Beiträge von euch allen. Ich möchte mich da absolut anschließen.
Leider kommen die 80er und 90er nicht mehr zurück. Auch ich vermisse die Zeit ohne Handy, Internet, und insbesondere dem sozialen Druck, dem ich mehr und mehr aus dem weg gehe, und gerade beruflich deswegen sehr viele probleme habe "Warum warst du nicht erreichbar, etc...".
Privat gelingt der Rückzug aus der modernen Welt ganz gut. Ich setze es gezielt da ein wo ich es brauche, lasse mir aber nicht von einer armbanduhr vorschreiben, dass ich heute noch 3000 Schritte zu gehen habe oder welche Artikel ich mir ansehen oder kaufen muss, nur weil es andere auch taten.

Wir werden all das nicht stoppen können. Um Einstein zu zitieren, die Dummheit der Menschen ist unendlich. Jeder neue Hype wird aufgesogen wie von einem Schwamm.
ABER: Hypes vergfliegen auch wieder. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele, jetzt hippe, Dinge sich selbst wieder zerstören werden, oder hat jetzt noch jemand einen Walkman oder ein Klingelton-Spar-Abo?? Seht ihr? Betrachtet das moderne Leben als Hype und geht diesen einfach aus dem Weg.

Keiner muss in dieser Welt für andere perfekt sein außer für sich selbst. Ich glaube, das ist es was wir alle verlernt haben.

Fühlt euch gedrückt,
mika

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Mi 30. Jan 2019, 10:50
von mika1983
Puschy hat geschrieben:Absolut das, was ich auch empfinde.

Werte, Wertschätzung, Qualität sind kaum mehr wichtig


Genau so sieht es aus!

Es gibt auch keine Tugenden mehr. Komplett ausgestorben.

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Do 31. Jan 2019, 11:38
von Erdbert
Krümelkeks hat geschrieben:
Ich bin mal auf einen Artikel aus den 80ern, in dem es um den Walkman ging. Der wurde darin auch ganz schön verteufelt. Es war davon Rede, dass die Menschen jetzt komplett vereinsamen werden, jeder hört nur noch alleine Musik und alle gehen nur noch mit Walkman auf die Straße und reden nicht mehr miteinander (Interessanterweise das Gleiche, was man Smartphones heutzutage unterstellt.).

ist doch ganz süß, wie die 80er-hipster mit ihren karottenjeans, balonseidenen jacken und fledermausärmelchen mit walkman durch die szene stolzieren. :-) aber spass beiseite, man geht gerade wieder zu analoger aufnahmetechnick weg von in-the-box etc. und es hat seine gründe.

Krümelkeks hat geschrieben:Und noch früher, als man anfing, Musik aufzuzeichnen, fanden das wiederum auch alle schlimm. Es hieß, alle werden nur noch zu Hause Musik hören und die Konzerthäuser werden aussterben etc. etc.

selbst wissenschaftler wie arnheim waren überkritisch, aber ihm wird auch nachgesagt dass er damit gerne kokettierte, damit die diskussion losgeht. in "film als kunst" prophezeihte er mit dem einzug des tonfilmes sogar den untergang des lichtspielshauses und lag glatt daneben.

Krümelkeks hat geschrieben:Ich glaube, Neues macht den Menschen immer erst einmal Angst. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass neue Technologien oft gefährlicher eingeschätzt werden als sie sind. Es liegt eben an jedem Menschen selber, wie er mit sowas umgeht. So wie es damals, als der Walkman aufkam, Leute gab, die von da an sicherlich blind mit Kopfhörern auf den Ohren durch die Gegend gelaufen sind, gibt es heutzutage eben auch "Smombies". Aber ich würde behaupten, das ist kein Großteil der Bevölkerung.

unheilwarnungen werden eher wahrgenommen, daher auch nicht repräsentativ, sehe ich auch so. experten nennen im zusammenhang mit ängsten und bequemlichkeit gerne "medienkompetenz" und die hat tatsächlich jeder selbst zu verantworten. überwachungsstaat etc., all diese horrorzenarien des panoptismus beschreibt foucault sehr anschaulich in "überwachen und strafen" oder auch HAL 9000, der in "a space odyssey" manipuliert.

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Do 18. Jul 2019, 01:20
von soulflower
Auch wenn der thread den ich(neu im forum) gerade las, vom letzten Jahr stammt, ist es mir ein Bedürfnis etwas von mir zu schreiben.

ich bin jahrgang 1972,und nachdem nun auch gesundheitliche probs erscheinen befürchtete ich, ob es das typische "früher war

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Do 18. Jul 2019, 01:32
von soulflower
Alles besser_syndrom"der "alten" ist was nun bei mir zuschlägt, obwohl ich mich im Kopf nicht wie mein biologisches alter fühl.

dann las ich nun diesen thread!
und träumerle eine Jugendliche schrieb wie ich es empfinde.
und es liest sich für mich stimmig, dass es somit keine altersfrage ist, sondern etwas mit hsp zu tun hat, dieses fremdheutsgefühl in der heutigen Zeit!

ich würde mich nicht als geistig träge bezeichnen und gerade deshalb verwunderte mich stets, warum ich nicht "mitkomm" mit heute, bin doch keine 80... wieso mein Hirn das an sich stets gut funktioniert überfordert Scheint von allem grellen, lauten, hektischen, durcheinander heute.

nicht nur das Hoffnung besteht für die Welt wenn nun junge auch so empfinden :)
ich fühle mich sehr verbunden und meine frage:altert mein Hirn vorschnell hat sich erübrigt, wenn es auch biologisch jüngeren ähnlich geht, wenn sie hsp sind!

wow, ich bin echt überrascht...!

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Do 18. Jul 2019, 01:52
von soulflower
Da ich "Generation Walkman" habe bin mag ich noch was anmerken.

ja es stimmt, bei Autos, Eisenbahn etc gab es stets "warnungen"
jedoch ist bestätigt, dass Smartphones ins dopamingeschehen eingreifen, die aufmerksamkeitsspanne verkürzt.
es gibt das "phantom-vibrieren" und Forscher haben festgestellt, dass Menschen bei vielbenutzung ihr Handy als Erweiterung für die ihrer selbst sehen.

selbst wenn Leute zusammenkommen schaut jeder auf sein Handy, die dauernden Benachrichtigungen reißen raus, es ist besteht die Angst etwas zu verpassen.
Dies ist was ich über Smartphones las und nicht meine ureigenen Gedanken.
es gibt Bücher "digitale Botox"
swomie-ampeln weil man nicht mehr auf den Straßenverkehr achtet.

Diese Auswirkungen hatte der Walkman nicht.
vielleicht weil er schnell leierte wenn die Batterien alle waren lol
aber ernsthaft:
es war ein Funktionsgerät.
und kein Kommunikationsgerät,
und da es nicht s

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Do 18. Jul 2019, 01:57
von soulflower
so vielseitig eingesetzt werden konnte sondern "nur" zum Zweck die eigene Musik zu hören bestand keine sucht Gefahr, das war ein Trend der wieder ging.
walkmen veränderte nicht die gehirnstruktur.
Nutzung Smartphones tut dies (laut hirnforschern)

Re: Fühle mich fremd in der heutigen Zeit

BeitragVerfasst: Mi 24. Jul 2019, 11:13
von mey87
Ich kenne das Gefühl sehr gut, sich fremd in dieser Zeit zu fühlen. Und es ärgert mich immer wieder, dass es einfach Dinge gibt, denen ich nicht entkommen kann (zumindest wenn ich Teil der Gesellschaft bleibten will) bzw. dass es einfach eigene Anstrengung erfordert zu lernen, mit den Umständen umzugehen, so, dass sie mich nicht krank machen.
Lieber wäre mir, man würde Handys einfach wieder abschaffen. Ich bin 32 und weiß noch, dass es auch ohne geht, und viel entspannter ist.

Aber gleichzeitig, so stelle ich fest, ist das auch ein Weg zu mir selbst. Dadurch, dass ich immer wieder gezwungenermaßen an meine Grenzen komme, wachse ich. Ohne Herausforderungen, keine Grenzen, kein wachsen.
So red ich es mir manchmal schön ;)))
Ich finde es eigentlich menschlich, dass diese Zeiten überfordern. Das Gehirn kann eben auch nicht grenzenlos verarbeiten. Keine Ahnung, warum die Menschheit diese Grenzüberschreitungen unbewusst provoziert. Oft machen mir diese Entwicklungen Angst.

Träumerle, ich finde es bewundernswert, dass du das mit 15 schon so klar spürst und ernst nimmst. Und ich wette, du bist auch in deiner Altersgruppe nicht allein mit diesem Gefühl.
Die meisten Kinder und Jugendlichen, so denke ich, wollen vielleicht in erster Linie Erwartungen erfüllen, werden so erzogen. Dann bist du "normal", wirst "geliebt", "gehörst dazu". Darum versuchen sie "mitzuhalten". Oder sie machen einfach gar nichts mehr, außer Computerspielen und Handy, als Flucht ("ich schaffe es eh nicht, da mitzuhalten, also baller ich mich zu").

Du spürst die Grenzen so gut, dass du den für dich richtigen Weg einschlagen kannst, lernen und wachsen darfst, und vielleicht viel mehr (Zufriedenheit) erreichen kannst, als die, die mithalten oder flüchten.