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SEROTONIN von Michel Houellebecq

BeitragVerfasst: Di 8. Jan 2019, 09:02
von sol
Guten Morgen,

hat schon jemand von Euch das neue Buch SEROTONIN von Michel Houellebecq gelesen?

Wer jetzt gleich zusammenzuckt und denkt: d e r Populist? Nein, dieses Buch ist, obwohl ein typisches Michel Houllebecq, also eine ziemlich fertige Hauptfigur, ein Buch über L i e b e.

Houellebecq hat ja letztes Jahr offenbar geheiratet und dieses Buch handelt wirklich und wahrhaftig von der Liebe.....naja.....auf Houellebecqsche Art eben....es wird in Sachen Liebe ziemlich viel vermasselt...

Ich will hier nicht zuviel verraten, habe das Buch aber gestern bekommen und in einem Rutsch verschlungen und finde es in so vielfacher Hinsicht so w a h r einfach.

Und so romantisch und manchmal überraschend zart (und Machohaft, naja, aber genauso angewiesen auf die Liebe und das Gegenüber) und verloren und so wie es halt ist.....

Was mich flasht, ist Houllebecqs Definition der unterschiedlichen Bedeutung der Liebe für Frauen und Männer.

Sexistisch,klar, oder? Houellebecq halt? Neeeeiiiiiiiin.....oder najaeeeeeiiiiiiin....auf jeden Fall eine ganz neue Unterscheidung für mich und d a s will nach achtundfünfzigeinhalb Lebensjahren zwischen all der Genderei schon was heißen.

Eigentlich geht es bei Houellebecqs Definition von Liebe um den unterschiedlichen Prozess, sich zu verlieben bei Frauen und Männern und zwar so, dass Liebe daraus wird und zwar eine Liebe, die den Mann (der eingenommene Blickwinkel im Buch) so verändert, dass er ohne d i e s e eine Frau meint, nicht mehr leben zu können.

Natürlich manifestiert sich eine solche Liebe bei einem Houellebecq einzig über die sexuelle Verschmelzung, aber so platt bleibt es nicht und es geht auch gar nicht um Geschlechterkampf. Es ist irgendwie herzzerreißendes Aufeinanderangewiesensein, nur aus ganz unterschiedlichen Herangehensweisen.

Bei seiner Liebesdefinition hilft das Machosein nämlich gar nichts, er ist genauso fundamental auf die Frau angewiesen mit lebensbedeutsamer Wucht wie umgekehrt. Alle Geschlechter-Eitelkeiten werden da in der Definition um Längen hinter sich gelassen, wenn auch nicht in allen sonstigen Ansichten des Protagonisten, muss ja aber auch nicht.
Und sprachlich wunderschön sind seine Ausführungen zur Liebe mitunter auch noch.

Wegen Spoiler, da das Buch gerade erst erschienen ist, will ich gar nicht mehr verraten.

Aber ich würde echt gerne diese Liebes-Definitions-Passage hier zitieren und die Männer fragen, ob sie dem zustimmen, ich warte aber noch ein bisschen.

Und das Buch lohnt sich meiner Ansicht nach so sehr, weil es so wahr ist, jedenfalls für Leute, die wie ich Serotonin schlucken - es ist kein Wohlfühlbuch, aber doch ein nährendes, weil es so ehrlich über Mängel ist und so sprachlich wunderbar und so überraschend für Houellebecq.

Gebt mir einen Startschuss, ab wann ich spoilern darf! *+*

Das Buch enthält aber noch soviel mehr zum Diskutieren, der Kern ist aber die Liebe. Und doch, ist es eine Liebesgeschichte? Jein. Und das ist aber das Problem..... smasz smuld