Seite 1 von 1

Hallo, ich stelle mich vor

BeitragVerfasst: Mi 25. Mär 2020, 21:22
von JanM
Hallo, ich bin 25 Jahre alt und weiß seit einem halben Jahr, dass es den Begriff Hochsensibilität gibt und dass ich hochsensibel bin. Als ich viel recherchiert habe bin ich auf einige Angebote, Bücher und Tests gestoßen, die mir den Anschein machten, den Hype um das Wort Hochsensibilität und verzweifelte einsame HSP auszunutzen. Ich sah mich auch konfrontiert mit Menschen, die gewiss sensibel sind, aber eben nicht so wie ich hochsensibel und dass es anscheinend Missverständnisse zum Wort hochsensibel gibt. Online-Tests hielt ich für weniger gut geeignet, zudem wollte ich mal mit jemandem direkt sprechen. Deshalb bin ich zu einer Hochsensiblen, die eine Sprechstunde anbietet. Sie hat gesagt, dass ich sogar sehr hochsensibel sei. Und auch ansonsten trafen alle möglichen Beschreibungen exakt auf mich zu. Da ich auch unbedingt vermeiden wollte, die Hochsensibilität als Entschuldigung für Schwäche zu nehmen oder die Schuld auf die Hochsensibilität zu schieben und mir dieser Hype nicht gefiel entschied ich mich den Verdacht weiter zu verifizieren. Bei einem HSP-Treffen fiel mir ein Stein vom Herzen, denn dort hatte ich nach langer Zeit das erste mal das Gefühl mit Menschen zu reden die so wie ich denken und fühlen. Diese waren wie gesagt eher älter und obwohl ich versuchte Kontakt zu halten kam ausgerechnet ihre Hochsensibilität dem in die Quere. Der Grund war, dass sie mit zu viel Kontakten überfordert waren und sich zurückziehen wollten. Ich war übereifrig, weil ich so glücklich war, Menschen zu treffen, mit denen ich gut reden kann, sodass ich ihnen vielleicht zu intensiv war und sie gleich zum Schwimmen gehen einlud. Sie waren damit überfordert und haben den Kontakt abgebrochen. Aber von da an wusste ich, dass ich wirklich hochsensibel bin und dass es bei mir eine besonders ausgeprägte Wahrnehmungsstärke gibt. Stimmungen, Strahlungen und Eindrücke nehme ich extrem scharf, schnell und intensiv wahr. Das kann sehr schön sein, aber auch sehr belasten. Viele Jahre habe ich abends weinen müssen, nicht weil ich etwa traurig war, sondern weil ich so randvoll mit Sinneseindrücken war. Gerade in Großstädten war ich richtig betäubt von den Eindrücken. Manchmal, auch im Unterricht, war ich high vor Eindrücken. Wenn alle um mich rum reden und es viel Gruppendynamik gibt dann ist das sehr erschöpfend für mich. Mein Biolehrer fragte mich eines Tages nach dem Unterricht ob ich Drogen genommen hätte, weil ich so high wirken würde. Ich war tatsächlich high, aber nicht durch Drogen, sondern durch Eindrücke. Schöne Dinge wie Zweisamkeit oder wunderschöne Objekte spüre ich sehr stark und extrem schön und graue triste Häuser können mir richtig die Stimmung trüben. Ich bin also sehr beeinflussbar und eben hochsensibel. Auch habe ich oft Sachverhalte wahrgenommen und vorhergesehen, die andere Menschen nicht oder noch nicht wahrgenommen haben und die dann so eingetroffen sind.
Gesellschaftliche Entwicklungen machen mich traurig und ich bin viel einsam gewesen, auch dann wenn ich unter Leuten war. Die einzigen Zeiten in denen ich mich nicht einsam gefühlt habe waren während einer Beziehung und als ich mit Freunden Lego gespielt habe.
Meine Kindheit war seit der Geburt mit vielen Traumata, so hatte ich zum Beispiel bei der Geburt die Nabelschnur um den Hals und wurde daher direkt von meiner Mutter getrennt und in einen einsamen Raum gebracht, während andere Babys erstmal bei ihrer Mutter sind. In der Grundschule gab es viel rohe Gewalt und im Gymnasium gab es Mobbing. Auch die Trennung nach meiner Beziehung war traumatisch.
Dennoch habe ich nie aufgegeben an das Gute zu glauben und für das zu kämpfen was ich für gut halte. Und dabei habe ich schon viele persönliche Ziele erreicht. Ich war nicht auf dem klassischen Weg erfolgreich, aber auf meinem eigenen dagegen umso mehr. Ich erreiche was ich mir vornehme und das in der Regel sehr gut. Trotzdem habe ich eine Sache die ich mir schon lange wünsche noch nicht bzw. nicht mehr: eine Freundin die mich liebt und schätzt. Außerdem fehlen mir gute Freunde, die mich nicht enttäuschen.
Seit ich weiß, dass ich hochsensibel bin und weiß, dass ich damit nicht alleine bin, habe ich ein wenig Hoffnung, dass es Menschen gibt, die meine Freunde werden könnten und die ich lieben kann und die mich lieben. Ich will eigentlich gar nicht viel: eine ruhige strahlungsarme Wohnung, einen Labrador, einen Job ohne Computer der mir Spaß macht (den habe ich jetzt tatsächlich), an der Nordsee und in der Natur sein, eine Freundin, Freunde, stilles Wasser aus Glasflaschen und Genuss. Wahrscheinlich bedingt durch meine Sinne kann ich sehr gut genießen und Dinge die für andere Menschen nichts besonderes sind erfüllen mich mit so viel Glück und Genuss.
Hier im Forum bin ich, um Menschen zu finden, die mich verstehen und ähnlich fühlen wie ich. Sei es nur für einen Beitrag im Forum, einen Nachrichtenaustausch, ein Treffen oder ein Telefonat. Für alles bin ich dankbar.
Das war jetzt erstmal was mir so grundlegend einfällt, ohne zu privat zu werden. Habt ihr noch Fragen? Dann erzähle ich gerne mehr.
Lebewesen, die keine Liebe erhalten, gehen ja bekanntlich ein. Ich will aber nicht eingehen. _flöwer_

Re: Hallo, ich stelle mich vor

BeitragVerfasst: Mi 25. Mär 2020, 22:59
von jonnie
Hallo JanM,

schön das du da bist.
Deine offene Vorstellung hat mich berührt.
Vielen Dank dafür.

Vielleicht kann ich dir eine kleine Anekdote zurückgeben.
Ich konnte mir früher nie vorstellen eine Frau zu finden mit der es passt. Irgendwie waren alle nach kurzer Zeit belastend. Wenn es "die" eine nicht gibt, dann bleibe ich halt alleine. Das ist mein Los, dachte ich.
Um das ganze abzukürzen. Wir haben heute unseren 32en Hochzeitstag. Und sie ist die beste Frau der Welt. Ein echter Traum. wub

Wer weiß was bei dir noch alles kommt.
Schönen Abend.

Sei gegrüßt
jonnie

Re: Hallo, ich stelle mich vor

BeitragVerfasst: Mi 25. Mär 2020, 23:25
von DesdiNova87
Hi Jan,

auch von mir nochmal willkommen im Forum _Mij_

Bitte sei mir nicht böse, aber deine Beiträge sind teilweise echt schwer zu lesen. Es wäre super, wenn du ein paar mehr Absätze einbauen könntest.

Also nicht nur einrücken, sondern zwischendurch auch mal 2* die Enter-Taste drücken, so dass sich eine Leerzeile zwischen den Textblöcken ergibt.
So hat man keine "wall-of-text" vor sich.

Ich wünsche Dir eine schöne Zeit hier im Forum!

LG DesdiNova87

Re: Hallo, ich stelle mich vor

BeitragVerfasst: Do 26. Mär 2020, 09:15
von JanM
Danke ihr beiden! Ja ich werde mal mehr Absätze machen.