Seite 1 von 1

Jetzt bin ich auch da

BeitragVerfasst: Mo 22. Apr 2013, 09:59
von Herzchen
Hallo ihr Lieben.

Ich bin richtig froh dieses Forum gefunden zu haben und möchte mich kurz vorstellen. Ich bin weiblich und fast 35 Jahre alt, bin glücklich verheiratet, wir haben eine supersüsse kleine Tochter und ich habe schon länger gemerkt, dass ich "anders" bin......mmh kann man das so nennen "anders"? Hört sich ja irgendwie negativ an, oder?

Ich hoffe, dass ich hier auf Menschen stosse, die es ähnlich geht wie mir. Denn ich versuche jetzt einen Weg zu finden mit der Hs einigermassen klar zu kommen. Denn oft empfinde ich es als sehr belastend immer vieles viel intensiver zu empfinden als andere Menschen. In jedem Blick und in jedem Satz der an mich gerichtet ist spüre ich Ehrlichkeit oder aber auch Missgunst oder Neid..... Habt ihr das auch? Und ist das auch für euch manchmal schwer?

Manchmal denke ich auch dass mir viele Leute nicht"gewachsen sind". Jetzt nicht unbedingt intellektuell sondern eher gefühlstechnisch.....ach es ist alles so schwer... Ich hoffe das kommt jetzt nicht überheblich rüber so bin ich nämlich nicht.....

Leider hab ich auch kaum Freunde und hoffe deshalb auch, dass ich hier nette Leute kennenlerne die vielleicht auch so, oder so ähnlich denken und fühlen wie ich, und dass wir uns über verschiedene Dinge austauschen können.

Liebe Grüsse und einen schönen Tag wünscht
Herzchen

Re: Jetzt bin ich auch da

BeitragVerfasst: Mo 22. Apr 2013, 10:18
von Baronin
Hallo Herzchen,
willkommen im Forum!
Hier bist du ganz richtig.
Anders ist nicht negativ.
Es ist auch nicht "besser",
Es ist eben nur abweichend von dem was die mehrheit als "normal" betrachtet.
"Normal" ist etwas, was eine gemeinschaft als "üblich" erfährt.
Alles, was davon abweicht ist anders.
Aber das ist keine Aussage über die Qualität.
Lies ein bißchen die anderen Posts und du wirst feststellen: wir haben alle gute und schlechte Erfahrungen.
Allen gemein ist es, dass wir auf der Suche sind, mit unserer "Andersartigkeit" ein erfüllenderes, zufriedeneres Leben zu führen. Wenn möglich Belastungen zu vermeiden oder zu lernen, wie man im Alltag mit "normalen" Anforderungen nicht "untergeht".

Viel Spaß hier
und
man liest sich! :)
Liebe Grüße
Baronin

Re: Jetzt bin ich auch da

BeitragVerfasst: Do 2. Mai 2013, 06:31
von Herzchen
Hallo ihr Lieben, hallo Baronin,

Da meine Kleine krank war, hab ich es nicht geschafft hier vorbei zu schauen aber jetzt bin ich wieder da.
Ich habe mich eben ein wenig hier durchgelesen und bin doch echt erstaunt, wievielen Leuten es ähnlich ergeht wie mir.
Das ist soooo schön, weil ich das Gefühl habe, nicht mehr so alleine oder auch einsam zu sein.

Letzte Woche ging es mir nicht so gut, da ich von einigen Müttern in der Spielegruppe meiner Kleinen total ignoriert und missachtet wurde. Das zieht mich immer so runter und ich war auf dem Heimweg echt am weinen.....

Irgendwie passiert mir das sooo oft. Bin ich denn so schlimm???

Ergeht es euch denn auch so? Oder ist das typisch für uns?

Ich wuerde mich echt freuen von euch zu hören und ich hoffe es geht euch gut.

Liebe Gruesse und einen schönen Tag.

Herzchen

Re: Jetzt bin ich auch da

BeitragVerfasst: Do 2. Mai 2013, 12:01
von lenticularis
Seit ich hier in diesem Forum unterwegs bin, und immer wieder andere Leute von "meinen Symptomen" berichten, geht es mir viel besser. Das Wissen um HS hat bei mir einen Schalter umgekippt. Wir sind anders, aber wir leben intensiver, können uns vom Kopf und den Gefühlen leiten lassen. Und wir können uns im wahrsten Sinne des Wortes auf unser Bauchgefühl verlassen. Auch, wenn es oft belastend ist, mehr als andere zu entdecken, Gefühle von anderen mitzuerleben, immer wieder den Drang zu verspüren, sich zurückzuziehen, so ist es doch auch eine Gabe, die uns eben von anderen unterscheidet. Und wer will schon zum Einheitsgrau gehören. _zwr_

Dass die anderen Muttis Dich ignoriert haben, tut mir leid, aber vielleicht hätten sie sich gefreut, wenn Du auf sie zugegangen wärst? Vielleicht dachten sie, Du willst nichts mit ihnen zu tun haben? (Das kann ich jetzt leicht sagen, versteh Dich aber vollkommen. Mir wäre es ebenso auf den Magen geschlagen.) Und wenn Du einfach mal eine Mutti allein ansprichst, ich könnte es nicht unbedingt.

Das mit den Freunden kenn ich, habe auch keine. Eine einzige Freundin, die weit weg wohnt, sich aber auch nicht meldet. Die letzten Mal habe ich immer angerufen, komme mir vor wie ein Stalker, will sie ja nicht immer belästigen.

Du hast wenige Freunde, aber Du hast eine tolle Familie, einen Mann und eine Tochter, die Dich lieben. Ich habe auch zwei Kinder und einen Mann, der es mit mir hochsensiblem Etwas schon mehr als 15 Jahre aushält, und keine andere will, so ein Verrückter. Irgednwie muss er Gefallen an dem Auf und Ab, dem Gefühlschaos haben. Aber eigentlich ist er, glaube ich, zu faul, sich ne andere zu suchen. _müh_
Auf jeden Fall ist er mein bester Freund, er versteht oftmals was mich fertig macht, und kann mir mit seiner nichthochsensiblen Sichtweise dann helfen, Situationen und Begebenheiten zu verstehen.
Dieses innerliche Hochkochen, die Verzweiflung in bestimmten Situationen trübt ja die Sicht auf die Dinge, allein geht es da nicht raus.
Aber gleichzeitig hat mein Mann auch gelernt, dass man sich auf mein Bauchgefühl absolut verlassen kann.

Alles Liebe
lenti

Re: Jetzt bin ich auch da

BeitragVerfasst: Mo 6. Mai 2013, 10:25
von Herzchen
Hallo Lenti, hallo zusammen,

Danke fuer deinen Beitrag. Das hat gut getan. Ich bin schon öfters auf die anderen Muttis zugegangen und habe versucht ein Gespräch zu führen. Solange sie alleine waren ging es auch, aber sobald die anderen Muttis kamen wurde ich mitten im Satz stehengelassen oder halt gar nicht mehr beachtet......ich finde soetwas völlig respektlos und so lass ich es jetzt auch und sage nur noch hallo und tschüss. Schade eigentlich aber was will man machen?

Ja mit den Freunden ist das so eine Sache. Vielleicht sind wir Hsp's ja nicht unbedingt fähig Freundschaften zu schliessen oder zu halten. Vielleicht sind wir einfach zu empfindlich? Ich bin es, denke ich. Und das macht es natürlich ziemlich schwer.
Aber ich hoffe, dass mir doch noch irgendwann im Leben jemand (ausser meinem Mann) über den Weg laufen wird mit dem man doch so etwas wie Freundschaft verbinden kann.


Ich wünsche euch einen guten Start in die Woch und freue mich wieder von euch zu "hören".
Liebe Grüsse vom
Herzchen.

Re: Jetzt bin ich auch da

BeitragVerfasst: Mo 6. Mai 2013, 12:47
von Baronin
Hallo Herzchen,

Ich denke HSP zu sein, heißt zu lernen, mit seinen „Eigenarten“ und „Vorlieben“ umzugehen. Dies bedeutet auch zu lernen, dass andere Verhalten zeigen, was uns respektlos vorkommt, dem anderen aber gar nicht so vorkommt oder auffällt.
Ich denke es ist viel eher die Gedankenfalle, die es uns dann schwierig macht, auf andere zuzugehen.
Wenn Du schreibst, dass du dich in der Spielgruppe „total ignoriert und missachtet“ gefühlt hast, dann ist da wahrscheinlich eine Menge eigene Wertung drin.
Ich kenne das Gefühl nur zu gut.
Ich habe in solchen Veranstaltungsformaten auch meine Schwierigkeit.
Gerade weil ich es hasse mich in den Vordergrund zu spielen, oder meine Kinder „anzupreisen“ oder einfach Schwierigkeiten habe, den Gesprächsthemen der meisten Eltern/Mütter zu folgen.
Schon deshalb, weil ich klare Überzeugungen zu der Art und Weise habe, wie man mit Kindern umgeht. Und ich diese bei den wenigsten Eltern antreffe. (Mich nerven da vor allem solche Dinge wie „Ein 9 Monate altes Kind muss alleine durchschlafen“ oder „Mein Kind ging schon mit 2 alleine auf die Toilette! Deines etwa nicht?“ oder „Also meine vierjährige Tochter kann schon Flöte spielen. Sie ist ja so begabt!“
Bei bestimmten Punkten dreht sich bei mir der Magen um.

Zusätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass meine Antennen zu sehr mögliche Signale für Ablehnung „suchen“. Also wenn in einem Gespräch, der andere sich einem Neuankömmling zuwendet, dann habe ich mich zurückgesetzt gefühlt.
Für meine Gesprächspartner war dies aber einfach eine natürliche Reaktion: jemand kommt dazu und man möchte sich austauschen. Meine Empfindlichkeit ist durch meine Vorannahmen sehr stark gefärbt. Dies habe ich erst in den letzten Jahren gelernt und kann nun immer öfter das typische Muster meiner eigenen Reaktionen entdecken und manchmal durchbrechen.

Ich habe dahingehend meine Vorannahmen und Erwartungen angepasst:
1. In einer Kindergruppe geht es darum das Kinder miteinander spielen und Eltern (i.d.R: Mütter) sich austauschen und ggf. ein soziales Netzwerk bilden.
2. Nicht jede Kindergruppe setzt sich aus den gleichen Personen zusammen. Und manchmal findet man eben niemanden, mit dem man sich „befreunden“ möchte, weil die Ansichten oder auch andere Punkte nicht passen.
3. Alle Menschen suchen Anschluss und Anerkennung. Gespräche lassen sich am besten führen, wenn man Interesse an den anderen zeigt oder zumindest für übliche Smalltalkthemen was auf der „Pfanne hat“. Die meisten Menschen suchen den Kontakt mit Leuten, die selbstbewusst und fröhlich sind oder aber über die gleichen Punkte „klagen“.
4. Die wenigsten Menschen – sobald es mehr als zwei sind – lassen sich auf tiefergehende, sinnerfüllte Gespräche ein, wenn es nicht gerade eine Arbeitsbesprechung. In einer lockeren Gruppe gestaltet sich ein Gespräch wie Schmetterlingsflug auf der Wiese: hier ein bisschen da ein bisschen.

Vielleicht hilft dir das ja auch?

Re: Hallo Herzchen,

BeitragVerfasst: Mi 8. Mai 2013, 15:59
von anla
bin auch neu hier und mir geht es genau so wie dir. Habe auch nur eine gute Freundin (die aber, weil nicht HSP, auch häufig Probleme hat mich zu verstehen) und mir gelingt es nicht, neue Freunde zu finden. Ich habe immer Angst, abserviert zu werden, wenn ich jemanden mag und ihn oder sie auf einen Kaffee einladen möchte. Ich denke dann immer, ich bin viel zu kompliziert, als das sich jemand mit mir anfreunden möchte. Ich komme mit Zurückweisung oder Kritik gar nicht klar, nehme alles persönlich. Kenne auch das "Stehen gelassen werden" wenn jemand dazu kommt. Meine Therapeutin sagt immer ich soll das nicht so persönlich nehmen, viele die nicht sensibel sind, merken gar nicht, das sie einem vor den Kopf stoßen. Das ist leichter gesagt als getan, oder? Freue mich auf die Gespräche hier. Liebe Grüße!