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HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Mo 7. Jan 2019, 02:11
von Stoffel
Sind Menschen mit HS anfälliger für Depressionen ?

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Mo 7. Jan 2019, 17:46
von Sonne-über-der-Stadt
Ich persönlich denke nicht, dass HSler speziell für Depressionen anfälliger sind, wohl aber für psychische Erkrankungen allgemein, liegt ihnen doch eine Verletzlichkeit zugrunde.

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Mo 7. Jan 2019, 18:45
von sol
Und wenn das so wäre, dass aufgrund einer "Verletzlichkeit" eine höhere Gefahr für psychische Erkrankungen da wäre, dann hätten die Betroffenen ein doppeltes oft jahrelanges "Stochern im Nebel": Erst rauszufinden, dass sie HSP sind und was das überhaupt bedeutet, dann dass dies keine Erkrankung oder psychische Störung ist und dann, dass es aber häufiger dazu führt.

Echt viel an Eigendiagnose im so diffusen Feld nötig.

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Mo 7. Jan 2019, 22:25
von DesdiNova87
Sind HSP denn grundsätzlich verletzlicher als Nicht-HSP? Dazu habe ich folgendes gefunden:
Beide, sowohl die Vulnerabilität als auch die Resilienz, sind erworbene Eigenschaften, während Hochsensibilität angeboren ist. Vulnerabilität und Resilienz stellen die beiden Extreme einer Skala dar, die von Hochsensibilität völlig unabhängig ist.


https://www.zartbesaitet.net/informatio ... resilienz/

Das spricht ja eher dagegen, dass HSP eine Verletztlichkeit sozusagen von Haus aus mitbringen. Verletzlichkeit ist als eine gesonderte Eigenschaft eines Menschen zu betrachten, die unabhängig von HS auftreten kann. Besonders den Teil, dass Resilienz trainiert werden kann, finde ich interessant, oder wie es im Artikel steht, "sein seelisches Immunsystem stärken".

LG DesdiNova87

EDIT: Ich habe noch etwas auf der von mir verlinkten Seite gestöbert und dabei ist mir aufgefallen, dass der Georg Parlow dort im Impressum steht. Wenn ich das richtig verstehe ist er und seine Lehren hier im Forum auf der Blacklist. Das war mir jetzt zunächst nicht bewusst; mein Beitrag kann gelöscht werden und ich bitte es zu entschuldigen dorthin verlinkt zu haben.

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Di 8. Jan 2019, 08:05
von sol
Das ist, denke ich, eine sehr wichtige Frage: Sind HSP denn verletzlicher?

Zur Frage der Vulnerabilität und Resilienz und ob angeboren oder erworben hatte ich eher "angeboren" in Erinnerung und daher hab ich mal gerade über die BIG FIVE nachgelesen, die momentan in der Wissenschaft als zentrale Persönlichkeitsanteile angesehen werden.

Dort (Quelle auf die Schnelle Wikipedia )/898u ) wird bei dem Punkt Emotionale Stabiliät angenommen, dass zu 48% angeboren, Studien mit eineiigen Zwillingen würden aber auf bis zu zwei Dritteln auf genetische Einflüsse verweisen. (Wir wissen ja, die ewige Anlage-Umweltdebatte..... soakes )

Zur Ausgangsfrage: Wenn nämlich bei HSP eine höhere Vulnerabilität vorläge, wäre es dann nicht as Sicht der Betroffenen bittere Augenwischerei und Leidensumweg ,dass HS keine psychische Störung ist? So nach dem Motto: Ist keine Krankheit, macht aber krank?

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Di 8. Jan 2019, 19:40
von Träumerle
Hallo Stoffel,

mit der Umfrage habe ich ein kleines Problem, da ich mir bei der Antwort darauf nicht so richtig sicher bin. Mich hat eben noch nie ein Arzt oder ein Psychologe auf Depressionen (oder überhaupt so richtig auf meinen allgemeinen psychischen Zustand) angesprochen und dementsprechend hat dies bei mir auch noch niemand bestätigt. Und da ich auch noch nie so extreme psychische Leiden hatte, dass ich ernsthaft suizidal oder in der Richtung auffällig war, gehe ich davon aus, dass ich vom "ganz harten Brocken" (noch) verschont geblieben bin. Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich doch schon mal in den depressiven Bereich gerutscht bin, wenn auch nicht allzu tief hinein. Genau wie jede andere Krankheit auch können Depressionen ja unterschiedlich intensiv sein. Weil ich da eben recht unsicher bin, möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster hinauslehnen, aber ich kenne auf jeden Fall depressive Momente (gerne in der kalten Jahreszeit), in denen mir die Welt nur grau und unscheinbar vorkommt. Das sind dann wirklich nur extrem kurze Zeitspannen, vielleicht von mehreren Sekunden bis höchstens einen Tag und solche spontane und kurzweilige Melancholie habe ich dann eben auch mal. Das heißt also, ich weiß nicht genau, ob ich je Depressionen hatte, weiß aber, wie ein Depressiver empfindet. Ob das nur aus meinen eben beschriebenen Mini-Phasen herrührt, oder der Ursprung bis in meine mental kritischeren Zeiten zurückreicht, bleibt ungeklärt.

An der Verletzlichkeit alleine würde ich das nicht festmachen, denn bei mir können solche depressiven Gedankenstrudel auch von anderen, v. a. inneren Faktoren ausgelöst werden und es findet zu 99 % alles nur in meinem Kopf statt. Ein gutes Beispiel sind Winterdepressionen, die durch das bloße trübe Wetter im Winter hervorgerufen werden. Dennoch ist die Verletzbarkeit natürlich kontraproduktiv für die Psyche und macht sicher anfälliger für Depressionen. Genauso können sie aber auch Nicht-HSP's befallen und auch die müssen dann ja einen Auslöser haben, dem ihre Psyche nicht standhält, um auf den Denkanstoß von sol zurückzukommen. Meiner Meinung nach ist HS nur eine sehr indirekte Ursache, letztendlich kommt es wieder auf den Einzelnen an. Nicht alles HSP's tragen überhaupt (viel) Melancholie mit sich und die reagieren eben in anderen Situationen wieder empfindlicher. Man kann dem Ganzen auch etwas entgegenkommen, genauso wie Händewaschen vor einer Erkältung schützt. Es kann ja auch sein, dass ich im Laufe des meines Lebens noch mal eine richtig starke Depression bekomme, was ich natürlich nicht hoffe, aber auch nicht mal annähernd ausschließen kann.

Habe mich schlussendlich für "Ich hatte Depressionen" und "Ich habe kein Problem mit Depressionen" entschieden und meine damit das Mittelding der beiden Antworten als meine endgültige.

Liebe Grüße,
Träumerle

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Di 8. Jan 2019, 20:08
von Anima (Lufthauch)
Hallo zusammen,

zu dieser Ausgangsfrage habe ich mir auch schon Gedanken gemacht.

Könnte die Sache auch so sein: jemand, der unter Depressionen leidet, erfährt durch die HS- (Selbst-) Diagnose eine erhebliche Entlastung? – Denn:

a) er findet eine (Alternativ-)Erklärung für das Auftreten der depressiven Erkrankung (nämlich HS als Anfälligkeitsfaktor für psychische Erkrankungen)
b) „hochsensibel“ klingt positiver als „depressiv“
c) er erfährt, dass die Kombination mit HS nicht nur Leiden, sondern auch Gaben mit sich bringt (Selbstwerthilfe)
d) er bekommt eine Legitimation für Rückzugsverhalten (als einem typischen Kennzeichen von Depression) zum Schutz vor Überreizung.

Also, ich könnte das jedenfalls total gut nachvollziehen ...

Allen einen schönen Abend! :-)
Anima

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Di 8. Jan 2019, 21:19
von Nefertiri
Hallo,

ich würde zuerst einmal gerne klären, was mit Depression gemeint ist, welche Vorstellungen der Threadersteller hatte, bei seiner Umfrage.

So wie ich es von meinen Ärzten erklärt bekommen habe ist das, was z. B. Träumerle beschreibt, nur etwas, dass man im Volksmund gerne als Depression oder depressive Verstimmung benennt. So wie man gerne zu jeglicher leichten Form von Kopfschmerz schon mal Migräne sagt. Es gibt außerdem einfach meloncholische Personen die an Weltschmerz leiden, aber noch lange nicht depressiv im medizinischen Sinne sind.

Eine medizinische Form der Depression wäre dagegen ein Zustand, der mindesten schon zwei Wochen ununterbrochen anhält und mit zwei Haupt- und mindestens mit zwei Nebensymtomen einhergeht. Oft begleitet von körperlichen Symtomatiken und weit mehr als nur Niedergeschlagenheit. Eine Depression ist begleitet von starken Selbstwertproblemen, Schlaf- und / oder Essproblemen, Antriebsschwäche bis hin zur totalen Antriebslosigkeit, Konzentrationsproblemen und oft auch von Schmerzen (z. B. Kopf, Bauch, Glieder) und es gibt noch einiges mehr. Nach meiner Erfahrung bringt eine Depression, auch schon eine leichte, einen starken Leidensdruck mit sich und die Symtome bedingen sich gegenseitig so negativ (z. B. eine Problematik die Körperflege aufrecht zu erhalten was den sozialen Rückzug noch verstärt, oder Schuldgefühle wenn man sich sozial zurückzieht, was zu noch mehr Selbstzweifeln führt), dass sie in einer Spirale nur immer weiter abwärts führen. Auch Suchtproblematiken gehen gerne mal mit einer Depression Hand- in Hand, weil sie eine Flucht aus der Unerträglichkeit vorgaukeln.

Und die Winterdrepession ist noch mal gesondert zu werten, da sie eine rein körperliche Problematik durch fehlendes Licht darstellt. Dieses kann nur im Freien oder durch entsprechende Lampen über die Augen aufgenommen werden. Auch Kindbettdepressionen sind rein körperlich, duch Hormonprobleme bedingt.

Außerdem gibt es eine Reihe von anderen psychischen Krankheiten, die gerne mal eine Depression zum Begleiter haben, wo aber die Depression nicht die Hauptkrankheit ist.

Aus einer sogenannten depressiven Verstimmung kommt man alleine recht gut wieder raus. Oft reicht schon ein kleiner Impuls - z. B. das Lächeln eines Mitmenschen, ein Spaziergang, ein guter Schlaf...

Aus einer Depression kommt man höchst selten (Ich würde mal sagen, das wäre so was wie ein großer Lottogewinn) ohne Hilfe von Außen wieder heraus. Wobei ich Hilfe nicht unbedingt in Form von Tabletten meine, wohl aber in einer fachlichen Begleitung, da die Selbstwahrnehmung bei einer Depression immer gestörrt ist und man objektivere Rückmeldung braucht. (Kleine Anmerkung am Rande, für mich kann so eine Rückmeldung nicht von einem nahestehenden Menschen kommen, da weder ich ihm objektiv noch er mir objektiv gegenüber ist, da spielt zu viel zwischenmenschliches rein und das geht meist extrem schief).

Also meine direkte Frage an den Threadersteller, reden wir hier von der medizinischen Definition einer reinen Depression, allen vorhandenen Depressionsarten einschließlich Bipolar, Kindbett- und Winterdepression oder auch über depressive Verstimmungen. Oder kennst du noch eine ganz andere / weitergehende Definition (ich bin schließlich zwar Betroffener aber dadurch immer noch Laie)

Medizinisch gesehen bin ich selber latent chronisch Depressiv und hatte schon mehrere schwere Episoden in meinem Leben. Aber vor allem durch Verhaltenstherapie kann ich damit heute sehr gut leben und habe im Alltag kaum Einschränkungen, auch wenn ich medizinisch als deutlich weniger Belastbar gelte als der Duchrschnittsmensch. Ich passe Arbeitszeit und Alltagsaufgaben eben meinen Möglichkeiten an.

Ich halte aber den Zusammenhang meiner Krankheit mit HS höchstens für Geringfügig. Schwerwiegender würde ich da erlernte Verhaltensweisen sehen. Diese sind aber duch ungünstige Familienstrukturen entstanden und wären in einem anderen Umfeld nicht entwickelt worden. Allerdings war in diesem Zusammenhang sicher eine gewisse emotionale Empathie eher Problematisch, weil eine Familie in der viel vorgespielt wird ein Kind, dass zu recht anders fühlt als erlebt, stark verunsichern kann und Selbstzweifel sind ein guter Dünger für eine Depression.

Außerdem bin ich überzeugt, dass es bei medizinischen Depressionen - zumindest bei vielen Formen - eine genetische Komponente gibt und die ist für mich nicht gleichzusetzen mit HS.

Wenn wir aber auch von depressiven Verstimmungen reden, dann denke ich schon, dass HS das deutlich begünstigt. Ich emfpinde HS so, dass ich extrem viel aufnehme und damit auch fühle oder Stimmungen von anderen mitbekomme (teils auch ungewollt übernehme). Da kommt man schneller auch mal in ein Loch, aber ganauso kann man sich auch viel tiefer freuen. Auch ist ein zuviel an Input schnell mal mit einer Erschöpfung und Niedergeschlagenheit gekoppelt, weil man sich selber übernommen hat.

Liebe Grüße

Nefertiri

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Mi 9. Jan 2019, 13:40
von Stoffel
Ich habe die Umfrage hier rein gestellt, weil es mich interessiert, wer Depressionen hat, und ob er/sie damit in Behandlung ist.
Ich bin seit 2,5 Jahren in Therapie. Vor 2 Jahren war ich wegen Depressionen und Burnout knapp 3 Monate stationär in einer Klinik. Jetzt bin ich wieder an einem Tiefpunkt, und müßte heute den Termin bekommen, für meinen nächsten stationären Klinikaufenthalt.
Diesmal kann ich allerdings mit dem Wissen HS hingehen, und die Therapie mehr auf meine Bedürfnisse zuschneiden lassen als beim ersten mal.

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Hallo zusammen,

zu dieser Ausgangsfrage habe ich mir auch schon Gedanken gemacht.

Könnte die Sache auch so sein: jemand, der unter Depressionen leidet, erfährt durch die HS- (Selbst-) Diagnose eine erhebliche Entlastung? – Denn:

a) er findet eine (Alternativ-)Erklärung für das Auftreten der depressiven Erkrankung (nämlich HS als Anfälligkeitsfaktor für psychische Erkrankungen)
b) „hochsensibel“ klingt positiver als „depressiv“
c) er erfährt, dass die Kombination mit HS nicht nur Leiden, sondern auch Gaben mit sich bringt (Selbstwerthilfe)
d) er bekommt eine Legitimation für Rückzugsverhalten (als einem typischen Kennzeichen von Depression) zum Schutz vor Überreizung.

Also, ich könnte das jedenfalls total gut nachvollziehen ...

Allen einen schönen Abend! :-)
Anima


Genau so sehe ich die Sache inzwischen. Das erklärt bei mir nämlich einen Großteil meiner Symptome, vor allem den Burnoutteil.

Re: HS und Depressionen - Umfrage

BeitragVerfasst: Mi 9. Jan 2019, 15:51
von Hortensie
Hallo zusammen,

ich fasse an dieser Stelle einmal kurz zusammen, damit weitere Mitleser oder diejenigen, die an der Umfrage teilnehmen möchten, wissen, worum es genau geht:

Stoffel möchte wissen, wer hier im Forum eine Depression hat (oder nicht). Deshalb hat er die Umfrage eingestellt!

Anima (Lufthauch) fragt in ihrem Beitrag, ob HS als "Ausweichbegriff" für eine vorliegende Depression genommen wird. Die Überlegung ist nachvollziehbar - ich verweise da auch auf den Begriff "burn out", der lieber benutzt wird als der Begriff "Überlastungsdepression". Eine Diskussion dazu könnte an anderer Stelle hier im Forum stattfinden!

Ein Dankeschön an Nefertiri für den umfassenden Beitrag zur Erklärung des Begriffs! _Mij_

Ergo:
Fragestellung ist, WER eine Depression hat (oder nicht)! Mehr bitte nicht!

LG, Hortensie