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Widersprüche

BeitragVerfasst: Mo 23. Mär 2020, 20:09
von JanM
Hallo, ich erlebe mich und meine Bedürfnisse als sehr widersprüchlich. Geht euch das auch so?
Hier ein paar Beispiele:
Auf der einen Seite merke ich, dass ich Sport brauche um ausgeglichen zu sein, aber auf der anderen Seite überreizt mich Sport auch stark. Auf der einen Seite habe ich das Bedürfnis dazu zugehöhren und ganz normale Mainstream-Sachen zu machen, aber auf der anderen Seite laugt es mich auch sehr aus. Auf der einen Seite finde ich Diskobesuche mit grellen Lichtern und zu lauter Musik ganz spannend und auf der anderen Seite merke ich einfach, dass ich mich dort wie ein Ufo fühle, als wäre es nicht meine Welt. Auf der einen Seite genieße ich Zweisamkeit total und habe starke sexuelle Bedürfnisse, aber auf der anderen Seite merke ich wie mich auch die Zweisamkeit sehr auslaugt und ich unbedingt wieder alleine schlafen und sein muss, um mich geistig fit zu fühlen. Immer wenn ich etwas "normales" Soziales mache und vielleicht sogar neue Leute kennenlerne oder sich etwas anbahnt wie zum Beispiel, dass ich akzeptiertes Gruppenmitglied werde oder dergleichen falle ich kurz danach wieder in ein Loch, weil ich mich rar mache um durchzuatmen. Und dann muss ich sozusagen wieder neu beginnen. Es ist ein Auf und Ab mit sehr intensiven Phasen. Dadurch wird nie mein Bedarf so richtig erfüllt und es ist immer ein Spagat zwischen Nähe und Distanz, der mir immer wichtige Entscheidungen abverlangt. Und schon oft habe ich mich verleiten lassen mir zu viel zuzumuten und dann bin ich zwar dabei geblieben, aber - wahrscheinlich durch die Überreizung - schwächer geworden, konnte mich nicht mehr so gut durchsetzen, bin mies gelaunt oder überdreht und vor allem in der Partnerschaft richtig matschig geworden, was der Pflege der Beziehung auch nicht gut getan hat.
Es ist immer ein Abwägen zwischen dem kleineren Übel, aber nie was Ganzes. Abends ist mir schon immer zu weinen zumute wenn ich überreizt bin, auch wenn ich eigentlich nicht traurig war. Und vor allem früher war ich ständig überdreht und hibbelig. Das bedeutet für mich: entweder bin ich alleine und frisch im Kopf oder mit anderen Menschen zusammen und matschig, sodass ich auf meine Mitmenschen komisch wirke. Allein schon Augenkontakt zu halten bei Gesprächen ist sehr anstrengend für meine Sinne. Wenn ich es aber nicht tue gelte ich als schüchtern, uninteressiert, unsozial oder schwach. Aufgrund meiner Außenwirkung, die aus meinen offenen Sinnen resultiert, dachten viele Menschen schon ich sei schwul, behindert, dumm oder schwach. Ich nehme alles sehr intensiv wahr. Wenn ich zum Beispiel etwas hässliches oder ekliges sehe, das für andere Menschen normal oder nicht so schlimm ist, spüre ich einen starken Drang es zu verbessern oder zu entfernen, einfach weil ich es so intensiv spüre. Dadurch gelte ich als penibel und empfindlicher Schönling. Wenn ich dagegen etwas tolles, schönes sehe, dann explodiere ich regelrecht vor Freude und dann kommt es schon mal vor, dass ich in die Luft springe und juchze. Auch das wirkt komisch auf andere Menschen. Und da ich zum Beispiel Orgasmen oder Zärtlichkeit viel intensiver und als was unglaublich schönes erlebe galt ich schon als sexsüchtig, nur weil ich es so sehr genieße, ich es so wunderschön erlebe und daher logischerweise immer wieder möchte. Denn warum soll ich ein weniger schönes Leben führen wenn es auch schöner sein kann^^
Es ist blöd zu wissen wie fit im Kopf man eigentlich ist, aber aufgrund der Überreizung immer unter seinen Möglichkeiten bleiben muss.
Manchmal habe ich einen Tag lang nur gelegen und nachgedacht und allein dieses nachdenken in völliger Stille war schon Reiz genug. Wie soll ich denn so jemals normal arbeiten dachte ich mir schon oft. Nähe und Aktivität laugt mich aus und Distanz und Ruhe erfüllt absolut nicht meine Bedürfnisse.
Wie meistert ihr diesen Spagat um eure sozialen, körperlichen und sexuellen Bedürfnisse zu erfüllen und gleichzeitig nicht überreizt zu werden oder zumindest damit gut umzugehen?

Re: Widersprüche

BeitragVerfasst: Mo 23. Mär 2020, 21:09
von Hortensie
Hallo JanM,

herzlich willkommen hier im Forum. Ein wenig haben wir dich durch deine Postings schon kennen gelernt. Bevor wir hier weiter machen, möchte ich dich bitten, hier im Forum erst einmal quer zu lesen. Zu vielen deiner Fragen gibt es hier - auch in alten Threads - viele Antworten. Du wirst viel Interessantes hier finden.

LG, Hortensie

Re: Widersprüche

BeitragVerfasst: Mo 23. Mär 2020, 21:35
von JanM
Hortensie hat geschrieben:Hallo JanM,

herzlich willkommen hier im Forum. Ein wenig haben wir dich durch deine Postings schon kennen gelernt. Bevor wir hier weiter machen, möchte ich dich bitten, hier im Forum erst einmal quer zu lesen. Zu vielen deiner Fragen gibt es hier - auch in alten Threads - viele Antworten. Du wirst viel Interessantes hier finden.

LG, Hortensie


Keine Sorge, das habe ich. Ich habe in einigen Threads viele Parallelen entdeckt, aber was sie von meinem Thread unterscheiden ist erstens dass ich einige Themen zusammen bringe und verknüpfe und vor allem Fragen dazu stelle, die die Mitglieder hier aufmuntern sich nochmal konkret dazu zu äußern.
Ich habe abgewogen, ob ich trotz einiger Parallelen zu anderen Threads eigene Threads öffne, aber ich habe mich letztlich dafür entschieden, auch weil ich denke, dass sie durch meinen persönlichen Touch nochmal ein Stück anders sind, bzw. mit neuen Gedankengängen verknüpft sind. In der Hoffnung nichts doppelt und dreifach zu schreiben freue ich mich auf eure Antworten und Gedanken.